Berlin ab 50…

… und jünger

„Wir lassen die Menschen nicht alleine“

Neulich, bei einem Vortrag über Rudolf Mosse, den berühmten Verleger in Berlin am Ende des 19. Jahrhunderts, erfuhr ich, dass er 1867 als  mittelloser Buchhändler nach Berlin kam, gegen viel Konkurrenz  ein Zeitungsimperium aufgebaute  und 1913 über ein Barvermögen von 80 Mio. Goldmark verfügte. Unwillkürlich fragte ich mich, wie das ohne Coaching gelingen konnte. Auch bei all den anderen Prominenten wie Siemens, Rockefeller, Marx  oder Einstein ist nicht überliefert, dass sie einen Coach hatten.

– Veganes Ernährungschoaching –

Ich hatte kurz zuvor durch ein hörenswertes SWR/ WDR-Feature gelernt, dass nach den Beobachtungen der Autoren des Berichts  eigene Bemühungen ohne Anleitung geradezu zwangsläufig scheitern  müssen –  jedenfalls gemäß der  Selbstdarstellung der pädagogischen Fachkräfte – Trainer oder Coachs- ,  die sich hier äußerten.  Die Stiftung Warentest veröffentlichte 2014 einen Leitfaden, um eine Beratung zur Auswahl des richtigen Coachs für die richtige Frage zu bieten, da der Beruf „Coach“ ja nicht geschützt ist und jeder –auch ohne Ausbildung – sich so nennen darf. Coaching wird als persönlicher Prozess beschrieben, der dem Hilfesuchenden im Gespräch blockierende Denk- und Verhaltensmuster erkennen lässt und dabei unterstützt, sich  neu ausrichten und eigenständige Lösungen finden.  Soweit die Theorie. WIKIPEDIA schreibt dazu: „Es besteht die Gefahr der Scharlatanerie auf diesem Gebiet, weil bezüglich Ausbildungsstandards und Qualitätskriterien kein Konsens besteht, und eine staatlich anerkannte oder wissenschaftlich fundierte Ausbildung zum Coach fehlt “. Ein langer Abschnitt im Artikel widmet sich dann der Kritik, die sich besonders an dem  Fehlen objektiver Nachweise der Wirksamkeit des Verfahrens festmacht.

– Hier hätte ein Investment-Coaching geholfen –

Doch zurück zum Feature, das über den Bericht vom „Coaching“ hinausgeht. Es geht um das große Projekt der Volkserziehung von der Wiege bis  zur Bahre. Dazu ein Zitat aus der Einleitung zum   Feature „Sie machen alles falsch – Die Pädagogisierung der Gesellschaft“ (Von Anja Kempe; Produktion: SWR 2016) “Die Anzahl der Pädagogen und Pädagoginnen ist in den vergangenen Jahren explodiert: Es scheint, als hätte sich ein Heer pädagogischer Fachkräfte auf einen großen Marsch in alle menschlichen Lebensbereiche begeben“. Sozialpädagogen sind begehrt. Gab es in den neunziger Jahren nur ca. 150. 0000, so sind es heute 1,4 Mio.,  die vielfach im öffentlichen Dienst arbeiten. Aber daneben arbeiten auch viele als Freiberufler und bieten als Coach oder Trainer  Lebenscoaching, Berufscoaching, Sexualcoaching, Führungskräftecoaching, Teamcoaching, Projektcoaching, Ganzheitliches Executive-Coaching, Transferstärkencoaching, Pferdegestütztes Coaching, Tanzcoaching,  Paarcoaching und  Singlecoaching an, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Nicht alle sind Sozialpädagogen, auch Absolventen anderer Berufe „coachen“. Der Sozialpädagoge Thomas Rauschenbach bezeichnet unser Jahrhundert als das sozialpädagogische Jahrhundert und sieht die Gesamtpädagogisierung aller Lebensbereiche vom Kleinkind bis ins hohe Alter als großes Ziel oder wie ein Gesprächspartner im Feature sagte „Wir lassen die Menschen nicht alleine“. Sogar vor der Freizeit wird nicht haltgemacht, es gibt – natürlich  – auch Freizeitpädagogik. Der Coach, der darauf achtet, dass nichts Falsches in der Freizeit  gemacht wird.  Kürzlich habe ich gelesen, dass das größte Wachstumspotential auf dem Grillgerätemarkt bei den heute hochpreisigen Geräten nicht der neue Grill ist, sondern die „Grillakademien“ mit Kursen und Seminaren. Der Anbieter der „Grill Academy“ erwirtschaftete 2015 gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 350 % (6,3 Mio. €).

Naja, derartige ganzheitliche „Betreuungsangebote“ sind auch aus Diktaturen bekannt. Wie konnte ich mein Leben bisher nur ohne Kurs bewältigen? Im Feature erzählen Coaching-Teilnehmer über ihr überlegenes Selbstwertgefühl gegenüber Menschen, die nicht an solchen Kursen teilnehmen. Humboldts Ideal der emanzipatorischen Beteiligung des Individuums mit  Selbstbestimmung (Autonomie) und Mündigkeit durch Vernunftgebrauch (Kant: Sapere aude!)  ist nicht mehr aktuell. Intuition und gesunder Menschenverstand? Falsch! Unsere „Risikogesellschaft“ braucht Beratung für jedes Problem. Weiterbildung ist ein großes Geschäft. 2014 gaben  Firmen und Bürger für Weiterbildung 33 Mrd. € aus.

Vermutlich würde Bert Brecht heute seine  „Fragen eines lesenden Arbeiters“:

(…) Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich? (…)

ändern in

“ Cäsar schlug die Gallier. Hatte er nicht wenigstens einen  Coach bei sich?“

Schöne neue Welt, die solche optimierten Bürger trägt.

Meint mw

Zum Nachhören: http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-dok5-das-feature/audio-sie-machen-alles-falsch-die-paedagogisierung-der-gesellschaft-100.html

Konkurrenz unter Gartenkünstlern

Die Ausstellung „Pückler. Babelsberg. Der grüne Fürst und die Kaiserin“ im Schloss Babelsberg bietet noch bis zum 15. Oktober 2017  die auf Jahre letzte Gelegenheit, das Schloss zu besuchen und von den  (noch unsanierten) Räumen faszinierende Aussichten auf die wiederhergestellten Terrassen, den Park Babelsberg und die Potsdamer Parklandschaft zu genießen. Denn nach Beendigung der Ausstellung wird das Schloss bis 2030 generalüberholt. Nach der Zerstörung durch Mauerbau und Verwahrlosung im unmittelbaren Grenzgebiet  in der Zeit der deutschen  Teilung war die Pücklersche Parklandschaft nicht mehr erkennbar. Die nun wiederhergestellten Schlossterrassen, der   Pleasure ground mit dem „Goldenen Rosengarten“, das „Schwarzen Meer“ und der  „Wilhelmwasserfall“ mit seinen künstlichen Felsen laden zum (unentgeltlichen)  Besuch ein. Doch bevor ich zum adligen Gartenkünstler Fürst Pückler und seiner Gartenschöpfung Babelsberg etwas ausführe, zuerst die Vorgeschichte zum Babelsberg.

Prinz Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm I. (1797-1888), bat 1826 seinen Vater, den preußischen König Friedrich Wilhelm III., um einen Sommersitz auf dem Babelsberg. Doch der sparsame König lehnte ab. Ermutigt vom Gartengestalter Peter Joseph Lenné , dem Generaldirektor der Königlichen Gärten, trugen Wilhelm und seine Frau, Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar einige Jahre später noch einmal die Bitte an den König heran, diesmal mit Erfolg. 1833 erhielt der zweitälteste Sohn des Königs  den Babelsberg in Erbpacht.

Zu dieser Zeit bestand bereits die Freundschaft des Paares zu dem um die Nähe zum preußischen Hof   buhlenden Fürsten Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871). 1833 beauftragter Wilhelm den Architekten Schinkel mit dem Bau eines  Sommersitzes im gerade modern gewordenen englischen „neugotischen Stil“. Schinkel entwarf in Anlehnung an englische Vorbilder einer vielgliedrigen Anlage, in deren Mitte ein achteckiger Turm stand. Der Bau wurde vom Schinkel Schüler Ludwig Persius errichtet und nach Schinkels Tod 1841 in Abweichung vom Konzept durch Persius und Heinrich Strack zu einem romantisch-mittelalterlichen Prachtschloss erweitert. Über 50 Jahre – von 1835 bis 1888 – wohnten Wilhelm und Augusta im Sommer  hier. 1833 bekam  Lenné  den Auftrag, einen englischen Landschaftspark auf dem unwirtlichen, wasserlosen  Hügel anzulegen, obwohl auch Pückler schon Interesse am Auftrag gezeigt hatte. Durch die Anlage des Parks am Schloss Muskau und  sein in Folge der Beobachtungen bei Reisen nach England entstandenes Buch „Andeutungen über die Landschaftgärtnerei“(1834)  war der Fürst als Gartengestalter schon berühmt. Seine große Stunde schlug dann, als 1843 das von Ludwig Persius gebaute  Pumpenhaus (mit Dampfmaschine) das Wasser aus der Havelbucht auf den Berg beförderte.  Obwohl er gegenüber Augusta seinen Konkurrenten Lenné heftig kritisierte und 1842 den Auftrag zur weiteren Gestaltung erhielt, lies er dessen Wegeführungen und Sichtachsen unangetastet. Er perfektionierte das System der Wegeführung, schuf mit Gittern, Beeten Brunnen, Fontänen, Terrassen und Skulpturen eine Kunstlandschaft, die immer neue Bilder für den Lustwandler bietet. Dabei musste er sich nicht dem Kostendruck, dem Lenné als Hofbeamter unterlag, beugen. Und trotzdem  konnte er nicht umhin, seinen Konkurrenten immer wieder zu kritisieren, wirklich kein kollegiales Benehmen des arroganten Fürsten! Er forderte als fürstlicher Auftragnehmer: „Knickern aber darf man gar nicht, denn umsonst ist nur der Tod und unnütze Verschwendung wird unter meinen Leuten nie vorfallen, aber das Notwendige muss geschaffen werden …“. Das hätte sich Lenné nicht herausnehmen dürfen! Augusta nannte Pückler den „Zauberer“ und er genoss die  hohe Anerkennung des Paares, die er sofort in Bitten nach Titeln und Orden ausnutzte. „Durchlaucht“ zu werden, war eines seiner höchsten Ziele, das er bereits 1822 mit der Ernennung zum Fürsten durch König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, übrigens gegen den heftigen Widerspruch des Kronprinzen, erreichte hatte. Eitel war er schon, der  genialer Parkgestalter, Frauenheld, Feinschmecker, Erfinder und  Reiseschriftsteller, der ständig mit Schulden zu kämpfen hatte. Seine  Bildung, Eleganz, sein Charme und sein Extravaganz waren in seiner Zeit nicht nur in Berlin berühmt und gaben Anlass zu viel Klatsch. Die bunten Zeitungen und die Leser heute hätten ihre Freude an dem Mann.  Der „Grüne Fürst“ hatte ein besonders nahes Verhältnis zu Kaiserin Augusta, die ihn noch aus ihre Jugend in Weimar  – wo er oft Gast war – kannte. Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach hatte  wie der Fürst eine liberale Einstellung und verehrte ihn wegen seiner Weltläufigkeit. Leider konnten weder sie, noch später ihre englische Schwiegertochter Victoria  ihre Ehemänner  beeinflussen, sich gegen Bismarcks Militärpolitik zu positionieren und liberal zu handeln.

Die Ausstellung bietet ein buntes Kaleidoskop zum Leben des Fürsten, zu seinen Parkschöpfungen in Babelsberg,  Branitz und Muskau und seinen gartenkünstlerischen Vorstellungen und Methoden und sein besonderes Verhältnis zu Augusta, der Kaiserin. Ein großer Genuss und gleichzeitig auch Anregung, sich mit dem wechselvollen Leben von Hermann Fürst zu Pückler-Muskau näher zu beschäftigen. Eine Empfehlung  dafür ist das Buch von Heinz Ohff, dem früheren Feuilletonchef des Tagesspiegels:  „Der grüne Fürst. Das abenteuerliche Leben des Hermann Pückler-Muskau“ von 1991.

Und  fahren Sie nach Babelsberg, es lohnt sich wirklich.

Meint mw

Oh, Friedemann…

Wie im richtigen Leben

Nein, ich ziehe die Hose nicht an, Nein, ich möchte den Pullover nicht anziehen, Nein… Nein … Nein! Unser vierjähriger Enkel macht es immer wieder seinen Eltern schwer. Er möchte in seinem Schlafanzug bleiben, damit zur Kita gehen und das wunderbar schlafwarme Kleidungsstück nicht ausziehen. Es gibt harte Kämpfe, an deren Ende der Enkel aufgeben muss….ein bisschen Land können Mutter oder Vater gewinnen, wenn er wenigstens mit seiner Ritterkappe losziehen darf.

Dieser kleine Junge hat eine unbändige Energie, auch wenn er jede Form von Obst verweigert  oder wenn die falschen Becher auf dem Tisch stehen. Es ist erstaunlich, was für eine Willensstärke kleine Kinder aufbringen können.

Ich bin sicher, er ist kein Einzelfall und es gibt  – so meine Erfahrung – pflegeleichte und weniger pflegeleichte Kinder, wie viel dies über ihre weitere Entwicklung  aussagt und  wie dran ihre Persönlichkeit wächst, wage ich nicht pauschal zu sagen.

Vor ein paar Wochen bekam ich nun ein wunderbares Kinderbuch in die Hand, das mich nicht nur durch die kleine, einfühlsam erzählte Geschichte von Simone Hennig, nicht nur durch die überaus liebevollen, detailreichen Zeichnungen von Sabine Büchner beeindruckte, sondern vor allem durch die humorvoll genaue Beobachtung mit Wiedererkennungseffekt.

FRIEDEMANN ist die Geschichte des 5jährigen Friedemann, der ganz unkompliziert ist bis auf die Tatsache, dass er zum Beispiel keine Hosen, keine Socken, keine Pullover oder T-Shirt anziehen möchte. Jedes Kleidungsstück ist irgendwie zu eng, zu kurz, zu bunt, zu groß zu weich oder einfach nur peinlich. Deshalb beschloss Friedemann, nichts mehr anzuziehen. nur die Turnschuhe, die waren perfekt, deshalb zog er sie nie aus.  Das erinnerte mich fatal an unseren Enkel. Vermutlich befanden auch seine Eltern ihn ein wenig kompliziert.

Und dann gibt es noch Opa – Opa ist nicht mehr ganz jung, vergisst inzwischen das ein oder andere, mag seine Brille nicht ,weil sie so eckig ist und lässt sie deshalb immer irgendwo liegen, sieht aber entsprechend auch nicht gut – diese beiden, Opa und Friedemann, verstehen sich bestens. Als beide eines Tages in Opas Garten etwas Blaues im Apfelbaum entdecken, das zu groß und zu blau für einen Apfel war, das aber vielleicht sogar ein Fallschirm sein könnte,  löst sich das Anziehproblem von Friedemann quasi in Luft auf. Mit dem neuen   alten, blauen Pullover tritt ein neues Kleidungsstück ins Leben von Friedemann  – das er nie wieder auszieht.

Dieses Kinderbuch gewinnt durch seine Zeichnungen, die liebevoll bis ins letzte Detail gestaltet sind, seine  humorvollen Texte und die überaus treffenden Beobachtung mit Wiedererkennungseffekt aus dem Kinderalltag. Es macht Kinder und Vorlesenden gleichermaßen Spaß, es gibt in den Bildern viel zu entdecken – und die Figuren sind liebevoll beschrieben.  Ein kleines, feines Bilderbuch für Menschen ab 3 bis 99, das ich Ihnen ans Herz legen möchte – es ist ein schönes Geschenk für Kinder, Eltern, Großeltern – Sie werden es lieben!

Bleiben Sie auf jeden Fall neugierig

go

Fotos (c) go

 

Nachlese: GÖTTLICHES AKKORDEON

Am ersten Sonntag im Juli veranstaltete der Deutsche Harmonika Verband (DHV) Landesverband Berlin sein drittes Akkordeon Festival im Britzer Garten, dem ehemaligen Gelände der Bundesgartenschau Berlin. Es war der Tag nach den Unwettertagen in Berlin und so überlegten wir noch am Samstagabend, ob wir nicht im Gummiboot anreisen werden müssen. Aber nein, der Himmel war zwar bewölkt, aber hie und da legte die Sonne ihren freundlichen Glanz über das schöne Gartengelände. Tatsächlich erst zum Ende des Festivals erinnerten ein paar Tropfen daran, dass wohl die Götter ihre Hände über diese Veranstaltung hielten  – und so war denn auch göttliche Akkordeonmusik zu hören.

Zur Eröffnung erklang die Fanfare von “Also sprach Zaratustra“ über das Gelände. Das Traditionsorchester Akkordia 1935 aus Berlin Charlottenburg spielte als erstes Orchester Mission impossible und im Nu waren alle Sitzplätze mit Zuhörern besetzt. Aufmerksamkeit und viel Beifall begleitete diesen Auftritt.

Als danach die Solistin Angelica Paulik ihre sommerlichen Garten-, Blumen-, Wasser- und Sonnen-Improvisationen, mit viel Gefühl zelebrierte, wurde dieser stille Beitrag ebenfalls mit viel Beifall bedacht.

Das jugendliche Accordioona-Orchestra aus Berlin Hellerdorf/Marzahn beeindruckte nicht nur in der Gesamtheit. Ein junges Akkordeon-Orchester, alle mit einem weißen Akkordeon ausgestattet, und mit viel Leidenschaft für die Musik.  „Accordion meets Folk“ war die Überschrift Ihres Programms. Zwei Zugaben wollte das Publikum hören.

Der bekannte Bandoneonbauer und Bandoneonspieler, der Berliner Klaus Gutjahr, erfreute als nächster mit seiner außergewöhnlichen Musik die Festivalbesucher.  J.S.Bachs Musik auf einem selbst gebauten Bandoneon zu hören  ist ungewöhnlich und begeisterte. Wenn dann aber die argentinischen Originaltangos erklingen, dann nimmt die Begeisterung kein Ende und der Beifall ist entsprechend groß.

Der Moderator Dieter Bräutigam erwähnte dann auch strahlend, dass alle musikalischen Höhepunkte zwar nicht mehr zu steigern seien, jedoch der nächste Auftritt „Morgenstern von Ipanema“ die Besucher mit brasilianischer Akkordeonmusik in sommerlich, heiße Stimmung bringen würde.

Das erreichte Tobias Morgenstern tatsächlich. Wir kennen ihn als perfekten Akkordeonisten und Intendanten des „Theater am Rande“  im Oderbruch. Mit seinen Musikern aus Brasilien und Kolumbien sowie seinen wirklich außergewöhnlichen Kompositionen und seiner präzisen, perfekten Spielweise, wurde das dritte Akkordeon Festival mit spektakulärer Akkordeonmusik vom Feinsten beendet.

In diesen Pausen konnte sich jeder Gast am DHV Info Tisch über die Teilnehmer informieren, CD’s erwerben und Konzerttermine abfragen. Angeregt durch die Musikbeiträge fragten einige Zuhörer auch nach Probenterminen,  um doch einmal das eigene Akkordeon wieder aus der Ecke zu holen und aktiv Musik zu machen. Vielleicht haben Sie ja auch Lust dazu, dann schauen Sie doch mal nach unter http://www.dhvberlin.de/termine.php  oder http://www.dhvberlin.de/index.php

Ein trockener Sonntag mit göttlicher Akkordeonmusik – was für ein Genuß.

Wir freuen uns aufs nächste Jahr!

brd

 

 

 

 

 

Banker, Helden, Reichsbräute

Banker unter sich, Retter und Helden sowie  Reichsbräute

Wir stehen auf Schwanenwerder vor dem Grundstück  Inselstr.  27/28, das der Bankier Eduard Mosler (1873-1939) 1912 kaufte. Die  bereits vorhandene Villa wurde umgebaut. Mosler war bis 1910 Mit-Geschäftsinhaber der Bank „Berliner Handelsgesellschaft“ und ab 1911  mit seinem Nachbarn Dr. Solmssen von Nummer 24/26 gemeinsam  Inhaber der Disconto-Gesellschaft, mit der seine  „Handelsgesellschaft“  fusionierte.  Doch die Bankenfusion ging weiter: Ab 1929 war Mosler Vorstand der Deutschen Bank, die wiederum  mit der Disconto -Gesellschaft im selben Jahr fusionierte. War also alles schon mal da, einschließlich der damit verbundenen Probleme. Die Fusion hatte er mit Oscar Schlitter  (Inselstr.  8/10)  von der Deutschen Bank beim Tee  ausgehandelt  (Folge „Entdeckungen auf Schwanenwerder“,  04.07.2017).  Gut funktionierende Netzwerke waren immer schon nützlich! In den 20iger Jahren erfolgte die Anlage des Gartenparks durch Ludwig Lesser ((1869-1957), der auch die Gartenstadt Frohnau, den Ludolfinger und Zeltlinger Platz und viele Privatgärten in Dahlem anlegte.  Moslers Witwe veräußerte das Anwesen 1947 für 200.000 DM an den Provinzial Ausschuss der Inneren Mission Brandenburg. Seither  befindet sich hier die beliebte und gern für Konferenzen und Seminare  gebuchte „Evangelische Bildungsstätte“.

Eingang „Inselhof“

Die folgenden Grundstücke  Nr. 19/31 (der sogenannte  „Inselhof“) und  Nr. 32/32a Villa Schwanenburg (nicht zu verwechsel mit dem Schwanenhof) haben oft den Besitzer gewechselt. Nr. 32/32a gehörte einmal einem Schmuckflakonfabrikanten, der mit diesen kleinen Fläschchen  sehr viel Geld verdiente, so ähnlich wie man heute in Berlin mit Handy-Klingeltönen Millionär werden kann.

Viel zu erzählen aber gibt es zur Nr. 34/35 (Haus Monbijou und Haus Bellevue): Besitzer von 1912-1935 war Berthold Israel, Inhaber des Kaufhauses Nathan Israel, das sich gegenüber dem Roten Rathaus in Mitte befand. Sein Sohn Wilfried Israel  arbeitete seit  1933 in mehreren Organisationen, die sich ausschließlich um die Belange der deutschen  jüdischen Emigranten kümmerten. Die bekanntesten darunter waren der „Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau und die Kinder- und Jugend-Alijah“. Diese „ Alija“ („Rückkehr in das gelobte Land“) wurde 1933 von Recha Freier  aus Berlin gegründet, um jüdische Kinder und Jugendliche aus Nazideutschland zu retten. Der Hilfsverein der deutschen Juden berief Israel 1937 in seine Direktion. Wilfried Israel emigrierte nach London und fungierte dort als Verbindungsmann  zwischen Regierungsstellen und jüdischen Flüchtlingsorganisationen. 1943 organisierte er die Ausreise jüdischer Flüchtlinge aus Spanien und Portugal nach Palästina.

Inselstr. 34/35

Die letzte noch von Wilfried Israel organisierte Fahrt  mit 750 Flüchtlingen an Bord endete am 1. Februar 1944 im Hafen von Haifa.  Auf dem Rückflug von Lissabon nach London wurde Israel von der deutschen Luftwaffe über dem Golf von Biskaya abgeschossen. Christopher Isherwood verewigte Wilfried Israel in seinem Buch  „Goodbye Berlin“ in der Person W. Landauers. In der Verfilmung  „Cabaret“ heiratet die Tochter Natalia Landauer /gespielt von Marisa Berenson Fritz Wendel /Fritz Wepper – erinnern Sie sich? Für Wilfried Israel gibt es einen Stolperstein in der Spandauer Str. 17. Die „Arisierung“ des Grundstücks  Nr.34/35 erfolgte 1935. 1951 wurde das Grundstück rückübertragen und  dann verkauft. Heute befindet sich die große Villa eines Berliner Unternehmers dort. Das Brad Pitt und Angelina Jolie hier wohnen sollten, entsprang  einer verkaufsfördernden „Ente“ in einer bunten, großen Zeitung.

„Schwanenhof“

Der nächste wichtige Zeitzeuge ist der „Schwanenhof“, diesmal auf der linken Seite, der 1901 von der Insel-Gründerfamilie Wessel erbaut wurde. Die eingetragene „Dienstbarkeit“ für Nr. 34, ein schmaler Weg, ermöglichte dem Eigentümer den Zugang zum Wasser. Eigentümer seit  1950 ist  die GSW (Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft, heute Deutsche Wohnen), man kann dort zur Miete wohnen!

36/38 „Amselhof“/40/42  gehörten seit 1929 Rudolph Karstadt (1856-1944), dem Kaufhauskönig. 1933 dann im Zuge der „Arisierung“ Zwangsverwaltung und 1937 Zwangsversteigerung  unter Teilung des Besitzes. Die Reichsfrauenführerin Gertrud-Scholtz- Klink zog in den „Amselhof“ ein.  Hier wurde die „Reichsbräuteschule“, in der die NS-Frauenschaft bis Kriegsende Lehrgänge für Verlobte von NS-Größen veranstaltete,  gegründet. Nach der Restitution  1945 kaufte das Land Berlin die Nr. 38 und ließ das  Gebäude abreißen.  Heute ist das Grundstück ungenutzt.

Der weitere Weg, bis sich die Insel-Einbahnstraße teilt,  ist links von dichtem Grün bedeckt (Nr. 7). Hier befand sich einmal der Park von Schwanenwerder. In den 20iger Jahren  wurde er aufgegeben und 1930 an die Baronin Goldschmidt-Rothschild verkauft. Ihre Bauabsichten konnten  nicht  mehr verwirklicht werden. Nach  der „Arisierung“  wird Albert Speer von 1938  bis 1943 Eigentümer. Er – der die absehbare Niederlage ahnte – verkauft das Grundstück  noch gewinnbringend. Auf dem Gelände ist der Luftschutzbunker für Göring aus dem Jahr 1936  erhalten. Nach der Rückübertragung 1958 kaufte der Bezirk Berlin-Steglitz-Zehlendorf das Grundstück. Seit 1962 wurden   Sommer- Jugendfreizeitlager durchgeführt, bis es  im Jahr 2002 zu einem schweren Unwetter kam und durch einen Blitzeinschlag zwei Kindern getötet wurde. Seitdem wird es nicht mehr genutzt.

Inselstr. 5

Das nächste bebaute Grundstück und der Schluss unseres Rundgangs ist die Nr. 5. 1924 wurde hier durch Heinrich Schacker ein zweigeschossiges  Landhaus  für Familie Monheim aus  Aachen  (Schokoladenfabrikanten) gebaut. Da Aachen nach dem 1.Weltkrieg durch die Alliierten besetzt war, wurde die Schokoladenproduktion für die rechtsrheinischen Gebiete in Berlin –Weißensee  aufgenommen (Trumpf Schokoladenwerke). Die Fabrik wurde 1945 in der Sowjetzone enteignet (VEB Elfe-Schokolade). Heute gehört ein Teil von Trumpf zu Suchard, ein Teil gehört zur Krüger-Gruppe: Mauxion, Regent, Aero, Edle Tropfen in Nuss)

Und schon sind wir auf dem Rückweg und sie könne sich nun in den „Wannseeterrassen“ stärken.

In der Hoffnung, dass es interessant war

grüßt Sie mw

 

 

 

 

Weiter auf der Inselstrasse …

Industrielle, Banker, Weltrevolutionäre und NS-Bonzen

Inselstr. 16

Bei der Fortsetzung unseres Spaziergang auf Schwanenwerder stehen wir nun vor einem modern bebauten Grundstück  Nr. 15-18. Heute befindet sich hier eine Residenz der deutschen Würth AG, dem weltweit führenden Handelskonzern für Befestigungs- und Montagematerial.  Bis 1971 stand  hier ein schlossähnliches Sommerhaus mit 32 Zimmern, das Walter Sobernheim 1914 durch Bruno Paul bauen ließ und „Haus Waltrud“ nannte. Sobernheim war einer  der bekanntesten Industriellen seiner Zeit. Wenn Sie mehr über sein  Wirken als Generaldirektor der  Schultheiß-Patzenhofer-Brauerei wissen wollen, werden sie hier fündig: https://berlinab50.com/2016/04/26/schultheiss-brauerei-in-der-schoenhauser-alle/.

„Haus Waltrud“, Kupferdruck O.Felsing

1927 wurde durch Bruno Paul (1874-1968) auf Nr. 18 ein zweiter, kleinerer  Neubau für Sobernheims Tochter errichtet. Weitere bekannte Bauwerke von Paul sind Schloss Börnicke, das frühere Asiatische Museum in Dahlem (Arnimallee, heute  Museum Europäischer Kulturen) und der  Zollernhof  Unter den Linden. Nach dem Ersten Weltkrieg wollte Sobernheim aus wirtschaftlichen Gründen das Haus verkaufen. Es erwies sich als schwierig. 1920 mietete sich der  aus Kriegsgeschäften (Balkankriege) sehr reich gewordene  Lenin-/Trotzki-Berater mit Wohnsitz in Zürich, der Millionär Dr. Alexander Helphand, genannt Parvus  (1867-1924) in das  Haus  ein  – mit Vorkaufsrecht. Helphand war seit 1906 auch in Deutschland geschäftlich tätig. Er gilt als Urheber und Finanzier der Aktion, mit der Lenin und seine Freunde 1917 mit Wissen und aktiver Mitwirkung des deutschen  Staates aus Genf nach Finnland im plombierten Wagon gebracht wurden und dann von Petrograd (dem heutigen Petersburg) die Sowjetrevolution begann. Die deutschen Stellen unterstützten den Umsturz, um einen Waffenstillstand mit Russland zu schließen, der mit dem  Friedensvertrag von Brest-Litowsk am 3. März 1918 Realität wurde. Helphand empfing in der Villa bis zu seinem Tode 1924 viele SPD-Politiker.  Er gilt als Erfinder des Konzepts  der „permanenten Revolution“. Vielleicht haben  Jakob Augstein („S.P.O.N. – Im Zweifel links“) und Heribert Prantl (SZ; Namenschilder an Nr. 6) deshalb hier Wohnsitz genommen? Ob sie wohl bei einer Flasche guten Rotwein eine Revolution planen?

Bereits 1933 verließ die jüdische  Familie Sobernheim Deutschland. Der Verkaufspreis der Villa war zwar noch marktgerecht, musste aber auf ein „Auswanderersperrkonto“ überwiesen werden. Die Nr. 18 kaufte 1936  der Schauspieler Gustav Fröhlich (1902-1987), der mit der Schauspielerin Lída Baarová liiert war. Sie gab Gustav Fröhlich schließlich „den Korb“, weil sie eine Affäre mit Propagandaminister Joseph Goebbels hatte, der ja nebenan Nr. 8-10 wohnte. Auch Speer wohnte als Mieter einmal  in der Nr.18  und erwarb dabei gleich die Nr. 7.  Das „Haus Waltrud“ kaufte 1938 der Chemie-Industrielle Max Baginski, der Erfinder, Hersteller und geniale Vermarkter der „Spalt-Tablette“.

Im Juli 1945 übernahm die amerikanische Besatzungsmacht die Verwaltung von Schwanenwerder. Im unzerstörten Haus der Sobernheims bereiteten hohe US-amerikanische Militärs die Potsdamer Konferenz vor. Später zog General Lucius D. Clay, Organisator der Berliner Luftbrücke, dort ein. In der Nachkriegszeit gab es von den Erben Anträge auf Entschädigung und Rückerstattung des Anwesens. Das Verfahren endete mit einem Vergleich, der das Gebäude bei Max Baginski beließ und der an die Erben 12.000 Mark und 2.000 Mark für außergerichtliche Kosten zu zahlen hatte. 1971 wurde das prächtige Haus, das zuletzt als Privathospital genutzt wurde, im Zuge von Immobilienspekulationen abgerissen.

Nun kommen wir zu einem Gebäude auf Nr. 19-22, der Villa des Bankiers  Arthur Salomonsohn, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Disconto-Gesellschaft, eine der größten deutschen Bankgesellschaften. Er starb  1930, die Erben mussten unter Zwang („Arisierung“) 1939 an die Reichskanzlei  verkaufen, denn Hitlers Wohnsitz war hier geplant, allerdings nie gebaut. Das Geld wurde sofort beschlagnahmt. 1954 erfolgte Rückübertragung an die  Erben, dann Kauf durch den Bezirk Berlin-Tempelhof. Seitdem ist hier ein Jugenderholungsheim.

Inselstr. 20 – 22

Nr. 23-26 ist von beträchtlicher Größe und  gehörte dem Sohn des Bankiers von Nummer 19-22,  Georg Solmssen (1900 getauft, davor  Salomonsohn). Als Aufsichtsratsvorsitzender der  Deutsch-Amerikanischen Telegraphengesellschaft  trug er nach dem 1. Weltkrieg maßgeblich zum Wiederanschluss Deutschlands an das internationale Telegraphennetz bei. Solmssen erkannte schon 1933, dass die Nationalsozialisten eine  – zuerst – wirtschaftliche Vernichtung der Juden planten. 1937 emigrierte er in die Schweiz. Das Anwesen erwarb Hitlers Leibarzt Theodor Morell (1886-1946), der damit gleich neben der geplanten Hitler-Residenz gewohnt hätte. Das Geld von Georg Solmssen wurde nicht beschlagnahmt,  da seine Ehefrau nicht unter die Rassegesetze fiel. Nach  Morells Tod stand  der Besitz unter Kontrolle der Treuhand für NS-Vermögen. Nach dem Krieg erfolgte ein Vergleich zwischen den Erben. 1961 kaufte der Hamburger Verleger Axel Springer das Anwesen und lies einen modernen Bungalow errichten. Friede Springer verkaufte es 1999 an Privat. Der Garten ist so dicht, dass nichts zu sehen ist.

Das nächste Anwesen ist offener und präsentiert sich  geradezu den Blicken des Flaneur. Doch dazu mehr in der nächsten Folge.

Kommen sie mit!

meint mw

 

Kennen Sie Friedrich Stowasser?

Friedrich Stowasser – sagt Ihnen der Name etwas?  Ich kenne Joseph Maria Stowasser, der vom „großen Stowasser“, ein  1894 von ihm  herausgegebenes lateinisch-deutsches Wörterbuch. Vermutlich haben Sie auch mit dem „kleinen Stowasser“ im Lateinunterricht gearbeitet, aber Friedrich Stowasser? Dahinter verbirgt sich der Ihnen sicher unter seinem späteren Namen bekannte Friedensreich Hundertwasser.  Die Arbeiten des 1928 in Wien geborenen Künstlers als Maler und späteren Architekten sind so bekannt und so vielfältig und waren eine Zeitlang so allgegenwärtig, dass er irgendwann als „kunstgewerblich“ verschrien war.

Adventskalender aus der Sammlung go

Mein Ziel war es immer, vielen Menschen Freude zu machen„, sage Hundertwasser 1984.

Es gab eine Zeit, da machte mir Friedensreich Hundertwasser tatsächlich immer wieder Freude – mit seiner bunten, unkonventionellen Wohnhausanlage in Wien, dem Thermendorf in Blumau/Steiermark oder der Kirche in Bärnbach. Er hat Wohnhäuser, ein Fernwärmewerk und eine Müllverbrennungsanlage, den Bahnhof in Uelzen und Kindergärten, öffentliche Toiletten und eine Autobahnraststätte aus dem normalen Farbeneinerlei geholt. Ich hatte Kalender, schrieb Postkarten und klebte seine Briefmarken, ich besuchte Ausstellungen und seine Gebäude. Dies ist lange her, aber einen Adventskalender mit einem Motiv von Hundertwasser habe ich immer noch.

THE RAIN FALLS FAR FROM US, Japanischer Farbholzschnitt, 1970/1975 © 2017 Namida AG, Glarus, Schweiz

Hundertwasser, der 2000 starb, war ein Künstler, Philosoph und politischer Aktivist. Seine Bildsprache und sein Stil sind unverkennbar, seine dekorativen Elemente genauso wie seine Architektur. Es sind die Farbenspiele und Ausdruckskraft, es sind aber auch seine lebenslange Bemühung um eine Versöhnung des Menschen mit der Natur. So wurde er zu einem Pionier der Umweltbewegung, und versuchte  immer wieder praktische Lösungsvorschläge zu machen. Damit hat er bis heute nichts an Dringlichkeit verloren.

Ab Mitte der 1960er Jahre entdeckte er die Druckgrafik für sich als wichtiges Mittel, um möglichst viele Menschen mit seiner Kunst zu erreichen. Dabei lehnt er die traditionelle Definition der Druckgrafik im Sinne einer Vervielfältigungstechnik ab. Stattdessen stellte Hundertwasser in der intensiven Zusammenarbeit mit Spezialisten und in immer wieder neuen Farbvariationen, Versionen und Techniken jeweils „individuelle Originalbilder“ und Unikate her, um so „die Maschine zu besiegen“ und damit der Druckgrafik neue künstlerische Horizonte zu eröffnen. In der Folge eignet er sich viele grafische Techniken an und bereichert sie: Lithografie, Siebdruck, Radierung und andere mehr. Hundertwasser ist der erste europäische Maler, dessen Werke von japanischen Meistern des Farbholzschnitts geschnitten und gedruckt wurden.

Davon  können Sie sich noch bis zum 23.7. im Schloss Britz  überzeugen. HUNDERWASSER FARBSPIELE ist eine (Verkaufs-)Ausstellung, die die Kulturstiftung Schloss Britz in Kooperation mit der Galerie Saal präsentiert. Mit circa 60 Arbeiten bekommen Sie eine gute Übersicht des vielfältigen grafischen Werks Friedensreich Hundertwassers zu sehen.

Schloss Britz, geöffnet dienstags bis sonntags von 11.00 bis 18.00 Uhr
Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, Kinder bis 12 Jahre frei
Vielleicht gönnen Sie sich an einem grauen Regentag eine „bunte“ Stunde im Schloss Britz.

Bleiben Sie neugierig

go

 

 

Entdeckungen auf Schwanenwerder

Entdeckungen entlang der Inselstraße auf Schwanenwerder

Unser Spaziergang folgt dem Verlauf der Inselstraße. Zu historisch besonders interessanten Grundstücken,  zu Häusern und ihren ehemaligen Bewohnern möchte ich Ihnen  einige Details erzählen. Dabei orientiert sich der Blick auf die rechte Seite  des Weges. In der Abbildung habe ich die Grundstücksnummern eingezeichnet, so dass der Wanderer sich rasch orientieren kann.

Inselstr. Nr. 6

Gleich beim Betreten der Insel  steht rechts  das Wohnhaus des „Inselältesten“ (Nr. 2). Die Familie des früheren Polizeipräsidenten  von Berlin (1987 bis 1992)  Georg Schertz ist hier seit 1935 ansässig. Als Chronist der Insel  stammen viele Artikel aus seiner Feder, einiges davon ist auch in meinen Spaziergang eingeflossen.

Das Grundstück   Nr. 2a/4 gehörte den Inhabern des internationalen „Seidenwarenhauses August   Michels“ und wurde „arisiert“ , nach dem Krieg rückübertragen  und verkauft. Dem  Gründer der „Eduard Winter Gruppe“ gehörte die  Nr. 6.

Nun sind wir schon – nach einem kleinem Aufstieg – am Fragment einer  Säule des Palais des Tuileries, das 1871 beim Aufstand der Pariser  Kommune abbrannte  und später abgerissen wurde. Der Insel-Bauherr Wessel kaufte 1884 ein Fragment für Schwanenwerder, um die Insel zu verschönen. An der  Säule steht die einzige Bank der Insel  und daneben die  Inschrift: „Dieser Stein vom Seine Strand her gepflanzt in deutsches Land/ruft dir Wanderer mahnend zu/Glück, wie wandelbar bist Du“. Wie wahr der Spruch ist, sollte die Geschichte bald zeigen.

Das nächste Grundstück rechts ist die Nr. 8/10. Es gehörte bis 1936  dem Bankier Dr. Oscar Schlitter, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bank. Mit seinem Inselnachbarn von Nr. 28, dem Bankier Eduard Mosler von der  Disconto-Gesellschaft verabredete man beim 5-Uhr-Tee (so ist es überliefert) 1929 die Fusion von Deutscher Bank und Disconto-Gesellschaft.  Der Bankier verkaufte 1936 das Anwesen an den Propagandaminister Josef Goebbels, der mit seiner Familie hier bis 1943 lebte und dann in sein Anwesen nach Bogensee bei Lanke zog. In den Jahren als Inselbewohner breitet er sich krakenartig aus. Auf der gegenüberliegenden Nr. 7 ließ er einen Luftschutzbunker bauen. Das benachbarte Grundstück  Nr. 12/14 , ab 1930 im Besitz des Bankhauses Goldschmidt-Rothschild wurde im Zuge der Arisierung 1938 von Goebbels für wenig Geld ( 117.000 RM) erworben und die Villa als Dienstwohnung mit Kinosaal genutzt.

Doch zurück zu Nr. 8/10. Goebbels  lebte hier mit viel Personal und sehr luxuriös. Um Neugierige zu verschrecken, wurde das Inselgelände als privat bezeichnet und das Betreten untersagt. In diese Zeit fällt auch die erwähnte Geschichte  mit der ersten deutschen Fernsehfandung. Ein Taxifahrer, der Personal zur Villa gebracht hatte, wurde auf der Rückfahrt ermordet. Der  Regenmantel des Täters blieb liegen. Dieses Beweisstück wurde im November  1938 in dem seit 1935 existierenden  Berliner Fernsehen (Fernsehsender Paul Nipkow) gezeigt  und viele Neugierige schauten in den 27  öffentlichen Berliner Fernsehstuben (mit 18x 22cm Bildschirmen) zu. Es gab einen Zeugen, der den Mantel erkannte und  der Täter wurde verhaftet und später hingerichtet.

Am Kriegsende wurde die Villa geplündert und später abgerissen. 1958 erfolgte eine Teilung des Grundstücks, Nr.  8 wurde zur Wasserschutzpolizei, Nr. 10 erwarb 1973 das Land Berlin. Dort entstand auf den Fundamenten der Goebbels Villa das „Aspen-Institut Berlin“. Erster Leiter war Shepard Stone (1908-1990), der Wissenschaft und Kunst in West- Berlin außerordentlich  gefördert hat und an den eine Gedenktafel erinnert.  Heute ist der Sitz des Berliner Aspen Instituts in der Friedrichstrasse in Mitte.

Hier beginnt die Schleife der ringförmigen Inselstrasse. Eine kleine, aber sehr gelungene Ausstellung informiert über die Insel und ihre Bewohner, über Arisierungsgewinner und die Nachkriegszeit, in der auf der Insel in den verlassenen Villen der Häuserkampf von den Amerikanern geübt wurde.

Zu Nr. 12/14 ist ein Skandal aus der Zwischenkriegszeit bekannt, also in der Zeit, bevor das Bankhaus  Goldschmidt-Rothschild Eigentümer wurde. Am Beginn des Jahres  1924 hatte der Spekulant Julius Barmat die Villa aus den Gewinnen eines in der Inflation zusammengekauften Firmenimperiums gekauft. Doch schon am Ende des Jahres ging er in Konkurs unter vorheriger Inanspruchnahme umfangreicher,  vom Staat  gewährter Millionenkredite. Die Kredite wurden durch Politiker gegen „Vorteilsnahme“ gewährt, der dafür verantwortliche Postminister Höfle musste zurücktreten.   Ende 1925 wurde das Anwesen verkauft, die Berliner sollen wegen der großen Feste und Gelage bei Barmat  die Insel „Barmatwerder“ genannt haben.

Das nächste Anwesen wurde schon einmal hier im Blog vorgestellt. In Nr. 15-18 wohnte die Familie des Generaldirektors der Schultheiss-Patzenhofer Brauerei, Walter Sobernheim. (https://berlinab50.com/2015/04/12/die-sobernheims-von-schwanenwerder/) .

Zu den Häusern in der Mitte der Insel ist – bis auf die Nr. 37/11/13, dem Schwanenhof –  nichts zu berichten, da sie alle erst nach dem Krieg erbaut wurden. Früher waren hier die Häuser für das Personal und  die Küchengärten.

Weiter geht’s in der nächsten  Folge.

Bleiben sie dabei? Fragt MW

 

 

 

 

 

Reif für die Insel …..

Sommerausflug nach Schwanenwerder

Letztes Jahr im Herbst hatten wir einen Spaziergang durch Dahlem im Blog empfohlen. Diesmal möchten wir eine Wanderung zur Wannsee-Insel Schwanenwerder vorschlagen.

Der schöne Weg gehört zum Ziel und wer gut zu Fuß ist, fährt zum  S-Bahnhof Nikolassee und läuft Richtung Strandbad-Wannsee. Nach 500m passieren Sie die Haltestelle der Buslinie 218 (Richtung Pfaueninsel / sie fährt vom Messedamm/ZOB über U–Theodor Heuss Platz zur Pfaueninsel). Von der Bushaltestelle  sind es noch einmal 2,2 km bis zur Insel (also ca. 40 Minuten), vorbei am Eingang des Strandbads. Auch mit dem Rad ist die Insel gut zu erreichen, z.B. vom S-Bahnhof Grunewald auf dem Radweg parallel zur Autobahn. Nehmen Sie Proviant für ein Picknick mit, denn auf der Insel gibt es keine „Einkehrmöglichkeit“. Oder sie genießen die Leckereien aus der Konditorei der neuerstandenen „Wannsee-Terrassen“ im dortigen  Café  am Wannseebadweg 35, da laufen Sie direkt vorbei.

Warum Schwanenwerder als Tipp?  Lassen Sie sich überraschen:
Die Insel ist klein, so groß wie 35 Fußballfelder (250.000 qm)  und der Uferbereich zum Wannsee dem Wanderer an keiner Stelle zugänglich. Eine einzige Straße umrundet im Innern die Insel und teilt die  Uferparzellen von den innenliegenden Grundstücken. Lediglich eine Sitzbank lädt zum Verweilen ein, kein Kiosk lockt mit einem Bier, dichte Hecken verdecken den Einblick und Videotechnik ist im Einsatz. Und doch gibt es so viel über die Insel zu erzählen, über ihre Bewohner im Kaiserreich, über nach dem Tee eingefädelte Bankenfusionen, über hier ansässige Sowjetrevolutionäre, Schieber und Spekulanten in der Weimarer Republik, über die  Arisierung im Dritten Reich und ihre Nutznießer,  über die „Reichsbräuteschule“ und  über Nazibonzen von Speer bis Goebbels und  die hier ausgelöste erste Fernsehfahndung  1938 (Aktenzeichen XY-Vorgänger ) nach dem Mord auf der Straße nach Schwanenwerder.  1936 schaffte es die Insel als teuerste Wohnlage (noch vor dem Grunewald) in die deutsche Version des  aus den USA kommenden Spiels „Monopoly“, das aber durch Goebbels verboten wurde. Die Luftbrücke vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 wurde von hier aus geleitet und seit 1961 lebte Axel Cäsar Springer hier. Das Aspen-Institut hatte ab 1974 seinen Sitz auf dem Gelände der abgetragenen Goebbels-Villa. Und was hat der Film  „Cabaret“  mit Schwanenwerder zu tun? Und weiter im Film: Wohnten Angelina Jolie und Brad Pitt vor ihrer Trennung wirklich hier? All das sind   Themen der nächsten drei Folgen. Der Rundgang wird uns entlang der Inselstraße führen und etwas zur Bau-, Garten und Sozialgeschichte der jeweiligen Anwesen berichten.

Begonnen hat hier auf Schwanenwerder alles 1882, als der Industrielle Wilhelm Wessel die sandige, mit Büschen bewachsene Insel kaufte, um  – dem Trend seiner Zeit folgend – mit Bauland reich zu werden. Schon 1885 wurden die  Brücke und die schlingenförmige Ringstraße sowie ein Landschaftspark angelegt und die Insel in acht Grundstücke parzelliert. Die Villengrundstücke auf der Wasserseite waren über die Straße von den Innengrundstücken für das Personal und den Wirtschaftsgebäuden getrennt, was außerordentliche Exklusivität für die Eigentümer – Bankiers und Kaufhausbesitzer – versprach. Der Landschaftspark sollte Schutz vor dem Wind bieten und dem Ort Extravaganz verleihen. Nach dem ersten Weltkrieg wurden weitere herrschaftliche  Villen durch bekannte Architekten gebaut.  Heute ist Insel in circa 40 Parzellen aufgeteilt. Der ehemalige Landschaftspark im Süden der Insel harrt bis heute seiner Bebauung und die Bewohner werden sich wohl wünschen, dass es so bleibt.

Wer mehr wissen will, dem sie das ausgezeichnete Buch von Reif, Schumacher und Uebel „ Schwanenwerder: Ein Inselparadies in Berlin“ aus der Nicolaische Verlagsbuchhandlung  (2000) empfohlen. Der  Mitgliederrundbrief Nr. 62 des „Aktiven Museums“ von 2010 bietet ebenfalls viele Informationen über Schwanenwerder zwischen 1933-1945 und ist im Internet  zu finden. Aber auch auf der Insel informieren großformatige Tafeln über die Geschichte der Insel und ihrer Bewohner. Sie waren die Grundlage für den Wandertipp.

Kommen Sie mit?

Fragt mw

Fotos (c) mw

Alter Markt, Potsdam

Verreisen Sie doch mal zum Alten Markt nach Potsdam

Was verbinden Sie mit Potsdam – Schloss Sanssouci und dem dazugehörigen Park, Schloss Babelsberg, Schloss Cecilienhof mit Neuem Garten, das Holländische Viertel? Denken Sie bei Potsdam an die Preußische Garnisonsstadt, die barocke Königsstadt oder die sozialistische Vorzeigestadt, an die Potsdamer Konferenz oder die Glienicker Brücke?

Mein erster Eindruck von Potsdam war vor allem der einer grauen, heruntergekommenen Stadt. Das war im Frühjahr 1994. Dieser Zustand verstellte lange Zeit meinen Blick. Von wegen barockes  Juwel….

Doch Potsdam hat sich in den letzten 25 Jahren zu einer Schönheit entwickelt. Auch wenn ich dem Konzept, alte Bauwerke zu rekonstruieren und historisch genau aufzubauen, skeptisch gegenüberstehe,  muss ich doch zugeben, dass sich besonders der Platz am  Alten Markt vor dem Schloss und der Nikolaikirche langsam zu einem schönen Platz formt. „Disneyland“ hin oder her. Nur der hässliche Kasten der ehemaligen Fachhochschule und seit September 2016 Sitz des Brandenburgischen Zentrums für Medienwissenschaften (ZeM) ist ein „ästhetischer Magenschwinger“.  Noch wird heiß diskutiert, ob er nun abgerissen werden soll oder als  Zeugnis einer anderen Zeit erhaltenswert sei.

Der Neubau des Brandenburger Landestages mit der barocken Fassade des ehemaligen Stadtschlosses  –  außen Barock, innen Parlament – , schließt auf dem Alten Markt eine jahrzehntelange städtebauliche Lücke. Übrigens soll der Besuch der Dachterrasse der  öffentlich zugänglichen Landtagskantine ein Highlight sein. Denn von dort bietet sich einem ein eindrucksvoller Blick über den Alten Markt mit St. Nikolaikirche und Altem Rathaus.

Einen ähnlich schönen Blick hat man vom neu eröffneten Museum Barberini aus einem der Fenster im zweiten Obergeschoss. Das Palais Barberini, im Krieg zerstört und abgetragen, wurde ab 2013 äußerlich weitgehend nach dem klassizistisch-barockem Original wieder errichtet. Es  liegt gleich neben dem Landtag und visasvis der St. Nikolaikirche.

Das von Hasso Plattner privat gestiftete Kunstmuseum hat sich seit seiner Eröffnung am 20.Januar 2017 zum Publikumsmagnet entwickelt. Zu Recht. Mein Besuch lag  „Zwischen den Ausstellungen“, also nach und vor einer Ausstellung, und dies war nicht einmal ein Nachteil. Denn ich konnte durch den Bau schlendern,  mich in Ruhe unter anderem an ein paar wunderschönen Monets, den vier Mona Lisas von Andy Warhol und einige Skulpturen von Rodin erfreuen . Und es ist angenehm leer – weil sich eben noch keine Besuchermassen zu einer Ausstellung drängen. Im Innenhof, der zur Havel hin offen liegt, steht  ein Abguß von Mattheuers beeindruckendem „Jahrhundertschritt“. Seit 17.6.2017  läuft die neueste Ausstellung Von Hopper bis Rothko- Amerikas Weg in die Moderne – und sie verspricht auch wieder ein Renner zu werden. Also am besten Tickets vorbestellen, was ganz leicht per online geht. Bis 03.10.2017 haben Sie noch Zeit.

Für die Tasse Kaffee  danach oder auch für einen kleinen Imbiss haben Sie die Qual der Wahl – es gibt einen Raum des Restaurant-Cafe Barberini, der auf den Alten Markt hinaussieht, und einen zweiten, der am Ende des Innenhofes mit Blick auf den Jahrhundertschritt und die Havel liegt. Beides hat seinen Reiz.

Wenn Sie sich für einen Kaffee „mit schöner Aussicht“ entschieden haben und auf den Alten Markt sehen, entdecken Sie rechter Hand das Alte Rathaus, in dem das Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte residiert.  Noch bis 9.Juli gibt es dort die die Ausstellung „Faszinierender Blick. Potsdamer Veduten des 18. und 19.Jahrhundert“. Die ständige Ausstellung „Potsdam. eine Stadt macht Geschichte“ erzählt in 11 Themenbereichen die über 1000jährige Geschichte vom „unbedeutenden Nest“ im Mittelalter bis zur Gegenwart.  500 originale Objekte aus dem Kultur- und Alltagsleben präsentieren das Leben in der Stadt Potsdam.

Direkt in Ihrem Blickfeld steht die im Krieg schwer zerstörte und historisch genau wieder aufgebaute St. Nikolaikirche, die nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel zwischen 1830 und 1837 entstand. Ein Blick hinein lohnt sich auf jeden Fall. Vielleicht gehen Sie auch zur Orgelnacht  (Orgelweihe) am 23.September 2017, von 21 bis 24 Uhr, der Eintritt ist frei.

Natürlich ist es ein wenig „Disneyland“, aber trotzdem hat für mich Potsdam einen neuen Anziehungspunkt bekommen, den Alten Markt. Er ist, und das ist auch wichtig, mit der S-Bahn von Berlin aus einfach zu erreichen.

Reisen Sie mal ins nahe Brandenburg und bleiben Sie neugierig

go

Museum Barberini, Montags/ mittwochs bis sonntags 10 – 19 Uhr,  www.museum-barberini.com

Potdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte, Di/Mi/Fr 10 – 17 Uhr, Do 10 – 18 Uhr, Sa+So 10 – 18 Uhr, www.potsdam-museum.de

 

Fotos (c) mw