Berlin ab 50…

… und jünger

Zwischen Mehl und Milch….

„In der Weihnachtsbäckerei gibt es manche Leckerei – Zwischen Mehl und Milch
macht so mancher Knilch eine riesengroße Kleckerei...“ klingt es fröhlich aus meiner Küche, denn heute ist großer Backtag.  Schon seit Jahren backen wir  Stollen, sächsische Stolle. Und das immer Ende Oktober, spätestens Anfang November – damit die Stollen ruhen können und zum Adventstee genießbar sind.

Dieses Jahr hatten wir nun drei Kinder zur Unterstützung. Das Kneten des Teiges ist ja durchaus „Schwerarbeit“,  denn die Teigmenge muss oft und immer wieder bewegt werden – und wenn man nicht nur eine Stolle backen will, sind das viele Kilo.

In unserer  Stollen-Backschüssel aus Keramik ist der Hefeteig bereits vorbereitet. Bevor wir mit allen Kindern ans Werk gehen, waschen wir uns alle sehr ordentlich die Hände, denn jetzt ist Handarbeit angesagt – oder „mantschen“ wie die Kinder das nennen.

Rosinen, Orangeat, Zitronat, Mandeln, Milch,  und .. und .. und .. (ich kann Ihnen hier leider nicht mein ganzes Geheimrezept verraten) werden eingearbeitet, bis alles gut verteilt ist. Das macht richtig Spaß! Nun muss der Teig ruhen, denn nach dieser Anstrengung (4 – 5 Paar Hände haben ihn geknetet) muss er sich ausruhen, viele Stunden…. ist doch klar.

In der Zwischenzeit müssen nun die Kinder weiter mit Backen beschäftigt werden, denn jetzt sind sie ja „infiziert“ und lassen sich auch nicht mit anderen Aktivitäten wie Spielplatz ablenken.  Also werden die Ausstechformen hervorgeholt und der Mürbteig wartet bereits im Kühlschrank. Nun wird mit allen vorhanden Formen ausgestochen – und die Fantasie kennt keine Grenzen. Nach dem Aufenthalt im Backofen und einer kurzen Auskühlphase wird nun verziert und dekoriert. Eigentlich doch das Schönste am Backen…Kunst- und Meisterwerke entstehen.

Allmählich hat sich auch unser Stollenteig ausgeruht und es geht ans Formen…  Dass dies nun immer ein und dieselbe Form sein soll, ist Kindern irgendwie schwer verständlich zu machen – also wurde auch eine „Handtasche“ daraus geformt oder auch ein „Brunnen“….(die ich dann ganz heimlich vor dem Ofengang wieder in die eine Form bringe..)

Da Backen ja nicht nur Spaß macht, sondern auch müde sind nun alle Bäcker recht erschöpft und die Kleinen starren mit müden Augen in den Backofen, wo die ersten Stollen braun werden…es duftet bereits wie in der Weihnachtsbäckerei.

Kurz auskühlen lassen, dann noch den Puderzucker drüber…und ab in die Blechschachtel. Ach, er duftet so gut… man möchte ihn am liebsten sofort anschneiden. Aber nein! das geht nicht – frühestens am 2.Advent!

Die Enkel werden nach Hause gebracht, ich bin noch lange nicht fertig….  aber glücklich, denn es war ein fröhlicher Tag mit den Nachwuchsbäckern. Die Tradition des Weihnachtsbacken werden wir weiter pflegen, denn es fördert ja nicht nur die Kreativität und die Disziplin, sondern Kinder lernen auch, dass das Selbstgemachte einfach besser schmeckt  – meistens jedenfalls. Und meine Kindheitserinnerungen werden auch wieder sehr lebendig.

Wissen Sie woher der Begriff „Stolle“ kommt und welche unglaubliche Geschichte er in Sachsen hatte?  Dann in einigen Tagen mehr darüber!

Bleiben Sie neugierig

go

 

Aufgespießt: Alte weiße Männer….

„Alte weiße Männer sind das Problem“  titelte neulich der „Tagesspiegel“ (30.10.2017) und zitierte damit  einen  (meiner Meinung nach überschätzten) englischen Erfinder („Internet der  Dinge“, geboren 1968), der in diesen „alten weißen Männern“ die größten Hemmnisse des Fortschritts sieht.

Nach dem Brexit schrieb die Journalistin Christina Kufer auf „Bento“, dem  online-Jugendmagazin des Spiegels,  wegen der hohen  Wahlbeteiligung der Generation 50+  „Generation Rollator, mach mein Europa nicht kaputt“.

Die alten weißen Männer sterben, jetzt können wir die Geschichte revolutionieren“  twitterte eine Professorin und damalige Humboldt -Stipendiatin  als der deutsch- amerikanische  Historiker Fritz Stern  2016 mit neunzig Jahren starb.

Die Digitalausgabe der „FAZ“ überschrieb 2016 einen Artikel mit „Die Greisenfresser kommen“ und berichtete  über eine Journalistin der linken Le Monde, die sich als „Gérontophage“ (Greisenfresserin) bezeichnet und  die twitterte, dass es beim Wahlrecht für Alte wie mit dem Führerschein sei:  von einem gewissen Alter an solle man es ihnen entziehen.

Solche Überlegungen gab es in der letzten Zeit auch in Deutschland, aber nicht als aktiver Entzug, sondern als  zusätzliches Wahlrecht für Familien  –  für ihre minderjährigen Kinder. Jens Spahn, CDU,  ist sich hier mit der früheren Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, SPD  einig, aber dazu  müsste das Grundgesetz geändert werden. Kurz und gut:  „Alten-Bashing“  ist in der Mitte der jungen Gesellschaft angekommen.

In den Medien liest und hört man nun öfter, wie alte Menschen Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung werden.  Ich hab noch Heino im Ohr, der  1971  sang  „Ich hab Ehrfurcht vor schneeweißen Haaren“ –  lang ist es her.  Ist das „Alten-Bashing“ nicht eigentlich „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“  und damit ein Fall für die wachsame „Amadeu  Antonio Stiftung“, die mit  ihrem Projekt der „Vielfalts- und Gleichwertigkeitscoaches“  junge Menschen immun machen will gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit? Doch nachdem ich Henrik Broders Artikel in der Welt „Wer schützt eigentlich uns alte weiße Männer ? https://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article128754043/Wer-schuetzt-eigentlich-uns-alte-weisse-Maenner.html  gelesen  habe, ist mir klar, dass sich auch die  „Antidiskriminierungsstelle“ des Bundes für Maßnahmen gegen die Diskriminierung dieser Opfergruppe nicht verantwortlich fühlt.

Friedrich Schiller meinte schon vor 200 Jahren dazu:  „Gar vorschnell  ist die Jugend mit dem Wort, das schwer sich handhabt, wie des Messers Schneide. Aus ihrem heißen Kopfe nimmt sie keck der Dinge Maß, die nur sich selber richten.“ (Wallensteins Tod II, 2.; Wallenstein).

Vielleicht werden die „Alten weißen Männer“ noch zum Unwort des Jahres 2017?

Meint resigniert

mw

 

 

Neu gelesen (10): ANIMAL TRISTE von Monika Maron

Dieses Mal stolperte Ferdinand in der Stadtbücherei Westend über eine Bücherkiste mit dem Schild: Zu verschenken und stieß dabei auf den Titel  Animal triste von Monika Maron. Gelesen hatte er das Buch früher noch nicht, doch der Name der Verfasserin war ihm bekannt und machte ihn neugierig.  Schon die ersten Zeilen, gelesen in der S-Bahn, ließen ihn nicht mehr los.

Monika Maron, Jahrgang 1941, wuchs in der DDR auf, arbeitete zeitweilig als Fräserin und studierte später Theaterwissenschaften. Ab 1976 arbeitete sie als Schriftstellerin in Ost-Berlin.

Ihr erstes Buch, Flugasche, in welchem sie die Umweltsünden der DDR anprangerte, durfte nicht erscheinen. Der Titel Animal triste, erschien 1996, also bereits nach der Wiedervereinigung beider Deutscher Staaten und kann als ein Buch der Wendezeit aufgefasst werden, jedenfalls wären die beiden Verliebten, um die es geht, ohne diese Wende nicht zusammen gekommen.

Eine Frau erinnert sich an die große Liebe ihres Lebens. Sie lebt völlig zurückgezogen, und das einzige, worum ihre Gedanken noch kreisen, ist die Erinnerung und Aufarbeitung einer lange zurückliegenden Liebesbeziehung zu einem verheirateten Mann, an dessen Namen sie sich nicht mehr erinnert oder erinnern will und den sie Franz nennt in dem Wissen, dass er auf keinen Fall so geheißen hat.

Nichts in der Handlung ist eindeutig, weder die Erinnerungen noch die Gefühle der Erzählerin, deren Namen wir nicht erfahren und von der wir nur wissen, dass sie von Beruf Paläontologin ist.

Die Geschichte hat ihren Ursprung im Berliner Naturkundemuseum unter dem größten Saurierskelett der Welt, dem eines 12 Meter hohen Brachiosaurus, wo sich die Erzählerin und der Hautflügelforscher zum ersten Mal begegnen.

Die Handlung springt in verschiedene Zeiten und Episoden; Erinnerungen gingen verloren oder wurden absichtlich ins Vergessen verdrängt, so, wie der Name des Geliebten. Dann jedoch wieder penible Genauigkeit bei der Schilderung einzelner Ereignisse.

Es geht um die Liebe an sich, den damit verbundenen Realitätsverlust, den Schmerz, die Aussichtslosigkeit ihr zu entkommen und den Absturz aus dem Höhenflug von Leidenschaft, Euphorie und Selbstbetrug.

Ein vielschichtiges Buch, nicht einfach zu lesen und dennoch fesselnd wegen seiner klugen Bemerkungen zum Thema Liebe. Und schließlich mit einem überraschenden Ende, das ein ganz anderes Licht auf die Heldin wirft.

Bitte nicht „schummeln“ und den Schluss schon vorher lesen. Ich habe diesen Fehler gemacht und mich damit  um diesen überraschenden Perspektivwechsel gebracht.

Der Klappentext von Marcel Reich-Ranicki, es handele sich um ein ‚hocherotisches Buch‘ führt in die Irre. Es ist ein Buch über die Liebe und das Leben, und wer jemals unsterblich verliebt war, sollte dieses Buch lesen.

***

In Neu gelesen sind bisher erschienen (alle zu erreichen über das Suchfeld):
(1) Gabor von Vaszary: Monpti
(2) Erica Jong: Angst vorm Fliegen
(3) Gerhart Hauptmann: Buch der Leidenschaft
(4) Franz Werfel: Der veruntreute Himmel
(5) Françoise Sagan: Bonjour Tristesse
(6) Vicky Baum: Hotel Shanghai
(7) Hermann Sudermann: Frau Sorge
(8) Eine Auswanderin
(9) Jack London: Martin Eden

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Fotos (c) Ferdinand

Deutschlands erste berühmte Köchin…

….  und ihr Kochbuch

Am 16.10.2017 war Welternährungstag, der allen Medien Anlass war, an die Verschwendung von Lebensmitteln, an Hunger und Fehlernährung zu  erinnern. Lange schon in Europa und Nordamerika bemerkbar,  grassieren nun auch in  Afrika, Asien oder Südamerika Übergewicht und Fettleibigkeit mit fatalen gesundheitlichen Folgen und das bei dort gleichzeitiger Unterernährung anderer Bevölkerungsgruppen. Knapp 30 Prozent der Weltbevölkerung sind laut einer aktuellen Studie übergewichtig oder fettleibig und wesentlichen Anteil hat daran die einseitige Ernährung mit fett-, salz- und zuckerreichen Fertigprodukten.

Das Fernsehen hat sich mit unterschiedlichen Fernsehformaten – die sich mit der schmackhaften Zubereitung diverser Speisen auseinandersetzen –  der Problematik aufklärerisch angenommen. 2007 wurde zum einzigen Mal die Kategorie der „besten Kochshow“ mit dem Deutschen Fernsehpreis geehrt. Zur Begründung, diese neue Kategorie einzurichten, gab die Jury an: „Seriös gemachte Lebenshilfe via Fernsehen und Kochen auf allen Kanälen sind die unübersehbaren TV-Trends und Zuschauermagneten im zurückliegenden Fernsehjahr.“ Der bisher einzige Preisträger wurde die Reihe Das perfekte Dinner, nominiert waren damals außerdem Lafer! Lichter! Lecker! und Tim Mälzer. Solche klassischen Kochshows wie  Tim Mälzers „Schmeckt nicht gibt’s nicht“ versuchten durch  ihr unterhaltsames Engagement von 2003 bis 2007 die Zuschauer zum Selberkochen zu bewegen und vermittelten Wissen über Nahrungsmittel, das besonders Jugendlichen heute fehlt. Kochbücher gehören als „Lifestyle-Produkt“ zum wachsenden Ratgeber-Sortiment. Die inzwischen wild wuchernden TV-Kochsendungen haben eine große Nachfrage auch auf dem Buchsektor nach teuren Hochglanzprodukten mit schönen Fotos erzeugt,  die mehr Bilderbuch als Rezeptsammlungen sind und vermutlich so wie früher Goethe und Schiller das Wohnzimmer oder die Küche verschönen. Wie kann es sonst sein, dass bei geschätzten 900.000 aktiven Anhängern des Veganismus (2014) in Deutschland sich das Buch „Vegan for Fit“ von Attila Hildmann über 800.000 Mal verkaufte? Hat jeder Veganer ein eigenes Buch?

Unerreicht bis jetzt sind jedoch die Auflagenstärken einer anderen Kult-Köchin, die allerdings schon 141 Jahre tot ist: Henriette Davidis (1801-1876), Deutschlands erfolgreichste Verfasserin von Kochbüchern. Die Pfarrerstochter aus Wengern an der Ruhr (heute Wetter, zwischen Hagen und Dortmund gelegen) war ab Mitte des 19. Jahrhunderts Deutschlands berühmteste Köchin und Kochbuchautorin. 1845 erschien die erste Auflage ihres „Praktischen Kochbuchs“ mit dem Untertitel “Zuverlässige und selbstgeprüfte Recepte der gewöhnlichen und feineren Küche“ im Verlag Velhagen & Klasing, in dem im Jahr ihres Todes 1876 die 21. Auflage erschien. In das Kochbuch fanden gesammelte und erprobte Rezepte, aber auch ihre  Erfahrungen als Hauswirtschaftslehrerin, Erzieherin und Gouvernante Eingang. Waren Kochbücher bis dahin eher dem  Berufsstand des Kochs vorbehalten, änderte sich das im Biedermeier. Mit der bürgerlichen Kultur des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die patriarchalische Familienstruktur, in deren häuslichen Zentrum die Frau als Mutter und Hausfrau stand, die das Kochbuch als Bildungs-,  Haushalts- und Lehrbuch benutzte.  Die bürgerliche Küche wurde zum Inbegriff der deutschen Kochkultur und das Davidis`sche Kochbuch gehörte über 80 Jahre zu den Standard-Hochzeitsgeschenken in Deutschland.  Klassische bürgerliche Gerichte sind hier beschrieben, kräftige Hausmannskost, aber auch feine  Menüs mit  Suppe, Vorspeise und Dessert finden sich hier. Vielfach überarbeitet, erweitert und immer wieder aufgelegt, fand es deutschlandweit so große Verbreitung,  dass noch heute antiquarisch eine reiche Auswahl der unterschiedlichen Ausgaben im Internet zu finden ist. So wurde das  „Praktische Kochbuch“ 1879 für deutsche Auswanderer in den USA bearbeitet und erschien mit amerikanischen Maßen und den regionalen Verhältnissen angepassten Zutaten in deutscher Sprache. Nach ihrem Tod wurde das Praktische Kochbuch weitergeführt. Ab der 32.Auflage 1892 erschienen nun auch „Krankengerichte“ und es gab – neben der „feinen Küche“  – auch ein Kapitel über die „Kunst des Wirtschaftens“. Noch bis in die 30iger Jahre des 20.Jahrhunderts werden die Bücher verlegt und bereits seit 1906, mit Auslaufen der Rechte,  vielfach auch nachgeahmt. Das Henriette-Davidis-Museum in Wetter  an der Ruhr ist dem Leben und Wirken der Kochbuchautorin gewidmet.

Wenn Sie, lieber Leser nun erwarten, dass von Frau Davidis auch der Spruch “Man nehme – so man hat“ stammt, so ist das ein Irrtum. Das Wortspiel soll  sich auf die Rezepte in den  ersten Backbüchern  von Dr. Oetker beziehen und auf Substitutionsvorschläge verweisen, wenn es damals nicht für die ursprünglichen Zutaten reichte oder die Zutaten nicht verfügbar waren.

Der einer Köchin würdige Grabstein (mit Topf!) findet sich auf dem Ostenfriedhof in Dortmund.

Ehre ihrem Andenken

meint mw

Fotos (c) mw

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn bei Capri….

… die rote Sonne im Meer versinkt

Ja, ja wenn Sie diesen Satz lesen, dann haben Sie ganz bestimmt ein Bild oder sogar einen Film vor Augen. Träumen Sie in diesen grauen Novembertagen einfach einmal von der italienischen Sonne und den „Caprifischer“, die Gerhard Winkler 1943 schrieb.

Wegen der Kriegserklärung Italiens durfte das Stück aber nicht im Radio gespielt werden. Nach 1949 jedoch brach dieses Lied, in der Interpretation von Rudi Schuricke, alle Rekorde. Der Text von Ralph Maria Siegel, dem Vater des noch heute tätigen Ralph Siegel. Wenn Sie genau auf den Text achten, beschreibt er die Sorgen der Fischer um ihre Ehefrauen, sie waren ja nachts unterwegs, „…Bleib mir treu! – ich komm zurück morgen früh…“!

Hier in Deutschland jedoch weckte das Lied das Bedürfnis nach der Ferne, nach Reisen, der immer scheinenden Sonne, den Strände und der einschmeichelnden, sehr melodischen italienischen Musik. In meinem Hinterkopf spielten diese Gedanken bestimmt eine Rolle, als ich für mein nächstes Reiseziel die kleine Stadt Sorrent südlich von Neapel und dem Vesuv auswählte.

Meine Vorstellungen wurden bestätigt und sogar übertroffen. Herrliche Landschaften, sehr angenehmes Klima (Anfang Oktober sanfte 23 bis 26 Grad, in der prallen Sonne selbstverständlich noch mehr). Ein buntes, wenn auch touristisches Treiben auf den Straßen und Plätzen. Es machte einfach Spaß,  am Morgen die Fenster zu öffnen und einen klaren, wolkenlosen, blauen Himmel zu sehen. Unsere rot-weiße Berliner Airline hatte zum Glück den Hin- und Rücktransport noch übernommen. Bis nach Neapel und einen Transfer in einem privatem kleinen Fiat bis zur Hoteltüre.

Der erste Welcome Drink hieß Limoncello. Dieses Getränk stammt hier aus der Gegend – der Amalfiküste. Das typische Essen in dieser Gegend ist auf die vielen Touristen abgestimmt. Also Pasta, Pizza, aber auch Fisch und Seafood. Bestimmt findet man im Hinterland in den kleineren Dörfern häufiger Mamas Küche, mit Speisen „Was gerade die Kelle“ hergibt.

Neben der Stadtbesichtigung machten wir auch Tagesausflüge, die wir vor Ort gebucht haben, in einer kleinen, sehr netten Agentur im Ort. Einen sehr schönen Ausflug an der Amalfiküste entlang muss ich beschreiben: Es ging mit einem Reisebus los. Durch nicht viele, sondern sehr vielen Kurven immer an der Steilküste entlang. Man sollte auf der zum Meer gewandten Fensterseite nur selten nach unten schauen. Wie beschrieben: sehr steile Küste und sehr, sehr enge Straßen.  Pause im Dorf Positano am Hang zum Mittelmeer – Postkartenmotiv. Man sagt, das ist die Perle, der Diamant an dieser Küste. Ein sehr steiler Weg führte über Treppengassen nach unten zum Meer. Mit wirklich bezaubernden weißen kleinen Häusern in einer wunderbaren Bucht gelegen. Zwei erfrischende Gläser frisch gepresster Orangensaft direkt am Wasser bauten mich für den Rückweg wieder auf und der herrliche Anblick ließ mich fast das Denken an den Rückweg vergessen…….

Weiter ging es dann per Bus zum Zielort Amalfi. Auch wieder am Hang entlang, der schönen Amalfiküste. Schöne Aussichten, grüne Hänge mit den typischen Olivenbäumen und als Höhepunkt Amalfis Dom mit einer wirklich prachtvollen sehenswerten Treppe davor. Auf dem Vorplatz, mit Blick auf den Dom und dem Treiben auf dieser spektakulären, schönen Treppe, schmeckte mir der Cappuccino besonders gut. Durch die Abenddämmerung und den langsam immer rötlicher werdenden Abendhimmel ging es wieder zurück an der schönen Küste entlang nach Sorrent. Mein Abschlussdrink war jeden Abend im Restaurant Fauno, direkt am Tasso Platz (benannt nach dem berühmten Dichter Torquato Tasso (ital. Dichter 1544 – 1595) ein erfrischender Campari Spritz. Zum Hotel war es nicht weit.

Wenn man nun schon mal in der Nähe ist, sollte man sie auch gesehen haben. Wen? Natürlich die vielbesungene Insel Capri. Wieder fuhr uns ein kleiner Bus zu einem kleinen Hafen ein paar Orte von Sorrent entfernt. Es erwartete uns ein kleines Motorboot. Eine kleine Seereise bei ruhiger See, besser vielleicht Meer, Mittelmeer, ganz genau im Golf von Neapel. Wir umrundeten die Insel mit ihren sehenswerten Steilküsten, den vorgelagerten Inseln und den weltberühmten Grotten. Die Kalksteinfelsen vor Capri sind bis zu 100 Meter hoch. Die Durchfahrt  durch einen 80 Meter langen Tunnel ist schon erlebenswert. Vor der berühmten blauen Grotte tummelten sich eine zu große Anzahl kleinerer Boote, um auf geordnete Weise in diese weltbekannte Grotte zu gelangen. Ich habe mir die Bilder auf den Postkarten angesehen und berichte, dass ich nichts versäumt habe, auch wenn die blaue Farbe sicher sehr beeindruckend ist. Nach anderthalb Stunden sind wir am kleinen Hafen „Marina Grande“ der Insel angekommen.  Nach einem Erfrischungsdrink am Hafen zog uns eine Standseilbahn, die Funicolare, in das Herz der Insel, der Piazetta, der „Dorfmitte“ von Capri. Eine Seilbahn durch Oliven- und Zitronengärten. Oben angekommen genießen Sie dann den herrlichsten Ausblick auf das Meer. Die schöne Küste Capris, die kleinen weißen Häuschen  an den Hängen,  die kleinen weißen Schiffe unten am Hafen im blauen Wasser. Falls Sie sich genügend Zeit lassen gibt es ein paar schöne Sehenswürdigkeiten , die zu bestaunen sind. Aus Zeitgründen schlenderten wir jedoch nur durch die kleinen schönen Straßen, vorbei an all den Luxusgeschäften, die man sich nur denken kann. Kaufen Sie sich  ein kleines schönes Fläschchen von „Carthusia Fiori di Capri“ ein elaganter, frischer, toller Duft der Sie auch noch im tristen Berlin begleiten wird. Als unser Boot wieder den Hafen verlässt – leider vor Untergang der roten Sonne -, winkt uns noch einmal der Leuchtturm „Punta Carena e Faro“ zu und es geht mit tollen Eindrücken zurück nach Sorrent. Irgendwie hörte ich jedoch im Hintergrund Rudi Schuricke singen….

Pompeji ist nicht weit weg, auch die Insel Ischia ist sicher sehenswert, aber alles auf einmal wollte ich mir nicht gönnen. Ich habe also  ein paar Gründe im Hinterkopf, um diesen schönen Landstrich mal wieder zu besuchen. Spätestens werde ich wieder an Capri denken, wenn ich Caprese auf der Speisenkarte lese. Dieser herrliche Vorspeisensalat in den Nationalfarben von Italien: Rot, Weiß, Grün.

Falls Sie nun mal wieder in einer Pizzeria sitzen, dann stolpern Sie bestimmt über die Pizza Neapolitana in der Speisenkarte und vielleicht fangen auch Sie kurz an zu träumen und besuchen dann am nächsten Tag ein Reisebüro………

Ihr brd

Fotos (c) brd

An apple a day …

Gerade lasen wir, dass Apfelsaft zum Winter deutlich teurer werden soll. Grund dafür ist die deutschlandweite schlechte Apfelernte in diesem Jahr. Wir hörten es im Frühjahr bereits (und spürten es selber an den Heizkosten), dass nach plötzlichen Frösten zur Baumblüte in Brandenburg eine schlechte Apfelernte erwartet wird. Dadurch, dass es Anfang März schon sehr warm war, trieben die Bäume zu früh. Für die sensiblen Apfelblüten waren die folgenden niedrigen Außentemperaturen eine hohe Gefahr. Auch den Bienen war es zu kalt und so wurden die überlebenden Blüten nicht bestäubt.  Unter Null-Grad drohen Frostschäden bis hin zum Totalausfall der Ernte. Im Ergebnis wird in diesem Herbst in Brandenburg nur mit einer Erntemenge von 17.800 Tonnen Äpfeln gerechnet, 10.000 Tonnen weniger als  2016.

Und die Schreckensnachrichten kommen aus allen deutschen Obstanbaugebieten: Vom Alten Land bei Hamburg  über Niedersachsen (Minus  36%) bis hin zum Bodensee (Minus 63% gegenüber 2016), überall fällt die Ernte schlecht aus. Und das, wo jeder Deutsche statistisch gesehen 20 kg im Jahr verspeist. Unsere Sorge, in diesem Winter kaum Äpfel  kaufen zu können oder sie teuer bezahlen sie müssen, wurde durch den  Besuch im herbstlichen Südtirol  gemindert. Südtirol wird die Erntelücken füllen können, wie gleich zu berichten ist. Und wir haben Säfte und Äpfel mitgebracht, die köstlich sind.

Zwischen 900.000 und einer Million Tonnen Äpfel werden jedes Jahr in Südtirol geerntet und wie die diesjährigen Erntezahlen zeigen, gibt es kaum Ausfälle, obwohl durch die geografische Lage plötzliche Kälteeinbrüche im Frühjahr, so wie auch in diesem Jahr, üblich sind. Doch die Südtiroler haben vorgesorgt: seit den  60iger Jahren kommt bei Kälteeinbrüchen die sogenannte Frostberegnung zum Einsatz. Dabei werden die Apfelbäume durch fest installierte Leitungen von oben beregnet. Durch die sich bildende Eisschicht und die dabei entstehende Gefrierwärme werden die Blüten geschützt. Früher  wurde versucht, mit intensiver Rauchentwicklung die Blüten zu schützen, was wenig effektiv war. Verträge mit Imkern sichern, dass genügend Bienen in der Apfelblüte zur Verfügung stehen. Hagelschäden verhindern ganzjährig gespannte Netze zwischen den Baumreihen.

Der Apfelanbau erfolgt in Höhenlagen von 200 bis 1000 Meter über dem Meeresspiegel und hat seit den 60iger Jahren den Weinanbau (5.414 ha) an Fläche überholt. Südtirol ist mit 18.400 Hektar das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet in Europa. Von hier stammen 10 % der europäischen Apfelernte. Deutschland bezieht jedes Jahr 20% der Ernte aus Südtirol, dieses Jahr wird es wohl mehr werden und darauf hoffen wir! Der Obstanbau erfolgt sowohl konventionell als auch ökologisch.

Lange Zeit war auch in Südtirol der ökologische Obstbau mit  der Ernte unbehandelter Früchte von Streuobstwiesen gleichzusetzen. Aber bereits in den  80er Jahren begannen in Südtirol, Obstbauern ihr Obst nach den Richtlinien des ökologischen Anbaus anzubauen. 300 biologisch wirtschaftende Obstbauern  erzeugen heute rund 20 % der in der EU gehandelten Bio-Äpfel (45.000 Tonnen). Die größte Herausforderung des Bio-Obstbaus ist der Pflanzenschutz. Einige Schädlinge und Schaderreger müssen auch im biologischen Obstbau mit Pflanzenschutzmaßnahmen  bekämpft werden. Da im ökologischen Obstbau chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel nicht eingesetzt werden und nur vorbeugende Behandlungen möglich sind, kommt z. B. zur Abwehr von Schorf eine Schwefelkalkbrühe zur Anwendung. Gegen Insekten kommen verschiedene pflanzliche Mittel, aber auch Marienkäfer und Raubwanzen gegen Blattsauger zum Einsatz.

Die Südtiroler Apfelernte beginnt im August mit der Sorte Gala und endet mit der spätreifen Pink Lady Anfang November.  Die Äpfel werden sorgsam von Hand gepflückt („geklaubt“ sagt man hier) und in Großkisten von 300 kg zu den Obstgenossenschaften gebracht. Die Lagerung erfolgt bei vier Grad und stark reduziertem Sauerstoffgehalt in den Kühlzellen. Die Äpfel reifen langsamer und können so bis in den Folgesommer frisch angeboten werden.

Die Obstbauern folgen der Nachfrage der Verbraucher  und so wie sich Geschmack und Vorlieben ändern, ändern sich auch die Obstsorten. So war der „Weiße Wintercalville“  1880 der beliebteste Apfel in Europa und der damalige  Obstanbau richtete sich nach dieser Nachfrage.  Der Calville wurde als „Könige der Äpfel“ bezeichnet, da er an die Höfe in Berlin, Wien und Petersburg geliefert wurde. Er stammt aus Frankreich und hat ein sehr saftiges, feines Fruchtfleisch mit wenig Säure und einen ausgewogenen Zuckergehalt. Er wird heute nicht mehr angebaut.

Die Südtiroler Obstbauern produzieren wunderbare Äpfel von hoher Qualität, die uns durchs Jahr bis nächsten Sommer begleiten werden und bei jedem Apfelgenuss  erinnern sie uns an eine wunderbare Landschaft.

Meint mw

PS. Und noch ein Trost zum teuren Apfelsaft: Passend zur Plätzchen- und Stollensaison wird die Butter in Deutschland einem Medienbericht zufolge ab November wieder billiger!

Fotos (c) mw

Es weihnachtet… noch nicht, oder?

In den Regalen von Aldi, Lidl & Co. stehen längst schon die Weihnachtsmänner, Dominosteine und Lebkuchen. Auch die Elektronikmärkte bereiten sich auf das große Weihnachtsgeschäft vor: Smartphones, Tablets und Fernseher mit immer größeren Bildschirmen. All die schönen technischen Spielereien, von denen wir glauben, nicht auf sie verzichten zu können und die schon zum nächsten Weihnachtsfest der Schnee von gestern sind. Gut oder schlecht – so ist es nun mal.

Für viele von uns stellt sich alsbald wieder die Frage: was kann ich zu Weihnachten schenken?

Wie wäre es einmal mit Kunst? Ein kleines Original statt eines Geschenks von der Stange, eine Collage, eine Skulptur? Ein Werk, das es nur einmal gibt und welches vielleicht eine Beziehung zu dem Beschenkten herstellt? Ein Motiv, das an ein gemeinsames Erlebnis erinnert, die Phantasie in eine neue Richtung lenkt oder vielleicht sogar Rätsel aufgibt.

Wer sich auf den Kunstmärkten Berlins umschaut, wird nicht immer beglückt sein, vor allem nicht auf jenen Märkten, die sich in den touristischen Zentren befinden. Zu viel Berlin-Kitsch, bunte Farben, vieles auf Reiseandenken-Niveau.

Anders oft die Künstler in den „stilleren“ Bezirken der Stadt. Jetzt im Herbst öffnen viele ihre Ateliers und lassen einen Blick hinter die Kulissen zu.

Gerade erst ist in Friedenau die Südwestpassage Kultour zu Ende gegangen, wir berichteten darüber. Jetzt haben sich sechs Friedenauer Künstler zu einem ART Sale zusammengetan, auf dem sie Kunst zum kleinen Preis anbieten, Originale schon ab 5 € aufwärts bis maximal 200 €. Nach den Erfahrungen, die wir gemacht haben, lohnt sich der Besuch auf alle Fälle.

Wann: Sonntag, 5. November von 14 bis 18 Uhr

Wo: Atelier WIL.2   http://atelier-WIL2.de
Wilhelmshöher Str. 2 an der U9, Station Friedrich-Wilhelm-Platz
Berlin-Friedenau

Was: Malerei, Skulptur, Fotografie, Zeichnung, Papier, Collage

Weitere künstlerische „Events“ in der Vor-Adventszeit sind die Aktion KUNST im FENSTER… und die Reichsstraße wird zur Galerie vom 3. November bis 1. Dezember oder der Galerierundgang in Zehlendorf am zweiten Wochenende im November: http://zehlendorf-guide.de/offene-ateliers-2017/

Schauen Sie sich einfach mal um, vielleicht begegnen wir uns.

Ferdinand

 

Fotos (c) Ferdinand

Luther in Tirol- keine Erfolgsgeschichte

Heute am Reformationstag ein letzter Hinweis zu einer Luther-Ausstellung:

Über den Thesenanschlag Luthers am 31.10.1517  als Symbolhandlung einer Zeitenwende und dem Beginn großer religiöser, politischer und sozialer Umwälzungen in Deutschland und Europa wurde hier berichtet. Welche Auswirkungen die  Reformation  in der fernen katholischen Grafschaft Tirol, einer Besitzung der Habsburger hatte, zeigt die Sonderausstellung LUTHER UND TIROL auf Schloss Tirol bei Meran, das bis 1420 Residenz der Tiroler Landesfürsten war (dann zog es sie nach Innsbruck).

Um es kurz zusammenzufassen, die evangelische Kirche konnte erst Mitte des 19. Jahrhunderts hier Fuß fassen und ist auch heute nur eine kleine Glaubensgemeinschaft. Viele der zwischen 1600 und 1840 vertriebenen Tiroler, die sich zum evangelischen  Glauben bekannten, fanden  in Preußen Zuflucht. So die  vertriebenen Defregger im Winter 1684, die Salzburger  1731 bis hin zu den Zillertalern 1837.

Die große katholische Frömmigkeit des Volkes mit Heiligenverehrung , stiftungsfreudiger Frömmigkeit zur Erlangung des Seelenheils  und die repressiven Mittel des Landesherren Ferdinand I. zum Verbot aller evangelischen Schriften  einschließlich der Verbrennung  von „Täufern“ (wie Jacob Hutter), die sich für das Urchristentum einsetzten, verhinderten eine Verbreitung der Lehren Luthers. Sein Bruder, Kaiser Karl V., hatte 1521 mit dem Edikt von Worms die Reichsacht über Luther verhängt und seine Schriften verboten. Und doch gab es einzelne  Bürger, die Gottesdienste mit  deutschen evangelischen Predigern in ihren Häusern abhielten.  Auch die deutschen Schulen waren Umschlagplätze reformatorischer Ideen. Tiroler studierten im protestantischen Deutschland Theologie, bleiben aber auch dort. Eine große Bewegung wie in Deutschland erwuchs aber daraus nie.

Nachweisbar ist, dass es unter dem Einfluss der Reformation in der Tiroler Kunst zu einer verstärkten Hinwendung zur heiligen Schrift kam. Auf Altären traten vermehrt Bibelszenen an die Stelle von Heiligenbildern. Durch inschriftliche Verweise auf die Bibelstelle wurden die Illustrationen als Wort Gottes gekennzeichnet und damit legitimiert.  Entnommen wurde die Sujets den Holzschnitt- Illustrationen der Luther Bibel und anderen reformatorischen Buchdrucken. Private adlige Auftraggeber, die dem neuen Glauben heimlich zugetan waren, ließen ihre Residenzen  mit deutschsprachigen Bibelzitaten und – wie von Luther gefordert – mit biblischen Szenenfolgen ausmalen.   Bartlmä Dill Riemenschneider, der Sohn des berühmten Würzburger Bildschnitzers Tilman Riemenschneider, hatte  als „Täufer“ und Anhänger Hutters  unter Androhung des Todes  der Lehre zwar abgesagt hatte,  verbreitete seit 1525 aber subtil die Botschaft des Evangeliums in Altargemälden und Ausmalungen von Ritteransitzen.  Sein Wohnhaus war  noch 1537 ein nächtlicher Treffpunkt  einer Täufergemeinde. Abgebildet ist die Loggia von Schloss Rubein in Meran, in der sich  ein neutestamentlicher Bilderzyklus von Riemenschneider erhalten hat, der vermutlich für geheime täuferische Abendmahlsfeiern genutzt wurde. Die von Riemenschneider geschaffene Fayenceplatte  ist eine Leihgabe für diese Sonderausstellung aus dem Kunstgewerbemuseum Berlin und zeigt die Geburt Jesu und Moses vor dem brennenden Dornbusch. Barthlemä Dill Riemenschneider war der bedeutendster Künstler der Renaissance in Südtirol.

Bemerkenswert, dass in der evangelischen Diaspora auch an Luther gedacht wird

meint mw

Falls Sie zum Törggelen nach Südtirol fahren sollten und bis zum 26.November 2017 in der Nähe sind, schauen Sie doch im Schloss Tirol vorbei.

Fotos (c) mw

Isoldes Kinotipp – DIE UNSICHTBAREN

DIE UNSICHTBAREN –  Wir wollen leben

Doku-Drama
Regie: Claus Räfle. Dtschl. 2017. 110 Min., Kinostart 26.10.2017

Im Film hat sich der Regisseur mit einem weitgehend unbekannten Kapitel jüdischen Widerstands im nationalsozialistischen Berlin auseinandergesetzt. Während seiner Dreharbeiten zu einem Fernsehdokumentarfilm über das berühmt-berüchtigte „Bordell Salon“,wo große Namen des öffentlichen Lebens abgehört wurden und sich auch eine Jüdin mit falschem Namen versteckte, ist er auf die Geschichte von vier Überlebenden gestoßen.

Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die Nazis am 30. Januar 1933 beginnt die Ausgrenzung, Diffamierung, Entrechtung und dann Vernichtung der etwa 500 000 deutschen Jüdinnen und Juden. In Deutschland überleben etwa 5.000 „Untergetauchte“, davon 1.700 in Berlin.

Claus Räfle hat sich lange mit den noch vier Überlebenden unterhalten und die Gespräche vielschichtig mit einer Spielhandlung verknüpft. Die Stimmen der Befragten gehen auf das Geschehen über, wo sie sich als Erzählstimmen der Schauspieler fortsetzen. So ist eine Mischform aus Dokumentar- und Spielfilm entstanden. Der Regisseur wollte mit dieser Form die Geschichten so glaubwürdig wie möglich erzählen und das ist ihm auch gelungen, denn sie kommen somit lebendig und unmittelbar beim Zuschauer an.

Mal  Glück, mal Unschuld und der Mut selbstlos helfender Mitmenschen, lassen die Porträtierten überleben. Sie werden in den Spielfilmszenen von Max Mauff, Alice Dwyer, Ruby O. Fee und Aaron Altaras würdevoll vertreten.

In Deutschland widmet sich die Gedenkstätte Stille Helden der Erinnerung an jene Menschen, die sich der tödlichen Bedrohung entzogen und an jene, die ihnen dabei geholfen haben (Einführung des Katalogs der Gedenkstätte).

Das Buch zum Film vom Regisseur Claus Räfle
Die Unsichtbaren: Untertauchen, um zu überleben. Eine wahre Geschichte,  2017, Elisabeth Sandmann Verlag
I.A.

 

Eine feste Burg ist unser Gott….

Luther auf der Wartburg – ein Ausstellungsbericht

Wenn Sie sich zu einem „Nationaldenkmal“ und zu einem „Nationalheiligen“ aufmachen wollen, dann besuchen Sie die Wartburg.  Die Sonderausstellung  „Luther und die Deutschen“ können Sie noch bis 5. November 2017 besuchen.

Er steht da oben, fast riesengroß, schwarz, den Hammer drohend schwingend gegen die Burg. Vorher schon, mit dem angeblichen Thesenanschlag in Wittenberg, seiner Standhaftigkeit in Worms, begann sein Mythos, hier aber auf der Wartburg und in Verbindung mit dieser Burg wuchs er zeitweise ins Unermessliche, mythisch verklärt oder aufgeblasen zum Popanz. Auch wenn es den Thesenanschlag wohl so nicht gegeben hat, auf gedruckten Flugblättern verbreiteten sich seine Thesen mit rasanter Geschwindigkeit im Reich.

Anfang August besuche ich die Wartburg, eigentlich die Ausstellung „Luther und die Deutschen“, die noch bis zum 5. November hier gezeigt wird. Ich gehöre zu den ersten Besuchern an diesem Tag. Ab 8:30 Uhr öffnet die Burg ihre Pforten. Eine junge Burgführerin leitet in die Ausstellung ein. Die Ausstellung selbst ist gespickt mit großartigen Zeugnissen der Zeit und des Lutherkultes. Die ständige Ausstellung –  mit Sängersaal, der Galerie der heiligen Elisabeth, dem Festsaal im Stile einer germanischen Königshalle, dem Landgrafenzimmer, dazu noch mit der Ritterhalle oder der Elisabeth-Kemenate mit ihrer überreichen historisierenden Gestaltung nach der byzantinischen Mosaikkunst –  ist harmonisch in das Gesamtkonzept einbezogen.

Breiten Raum nimmt in der Sonderausstellung natürlich die Übersetzungsarbeit Luthers ein. Hier auf der Burg schuf er für seine Übersetzung des Neuen Testamentes aus den ober- und niederdeutschen Dialekten unter Verwendung der sächsischen Kanzleisprache, die überall verstanden wurde, die deutsche Schriftsprache, das Lutherdeutsch, und leistete damit einen immensen Beitrag zur späteren Herausbildung eines deutschen Nationalbewusstseins. Ausgestellte Protokolle zeigen die fortgesetzte Er- und Überarbeitung von Luther und Melanchthon und später noch von anderen, bis 1545 „die Ausgabe aus letzter Hand“ gedruckt vorlag, die die Vorlage für alle künftigen Bibelausgaben darstellte. Die Ausstellung benennt auch die Sprach- und Wortschöpfungen, die nachweislich auf Luther zurückgehen: Denkzettel, Lästermaul, Nächstenliebe oder Mit Blindheit geschlagen sein oder Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, um nur einige zu nennen.

Es war der zentrale Anlass Luthers und der Reformatoren für die Übersetzung der Bibel ins Deutsche, dass nicht nur Kleriker diese lesen können, sondern auch Laien. Dafür mussten vor allem Letztere auch lesen können. Durch die Reformatoren wurde eine wahre Bildungsoffensive gestartet, gültig auch für Frauen. Auch das Familienleben wurde neu geordnet. Die Ehe galt nun auch für die Pfarrer des neuen Glaubens, dass Zölibat wurde abgeschafft, die „mustergültige“ Institution des Pfarrhauses installiert. Die glaubens-, bildungs-, sozialen und gesellschaftlichen Umwälzungen waren gewaltig.

Aber die Ausstellung zeigt auch die andere Seite Luthers mit eindrucksvollen Dokumenten. Er beanspruchte das Deutungsmonopol über die Bibel und erhob dieses damit zu einem neuen Dogma. Nicht zuletzt ist es diese seine unversöhnliche und kompromisslose Haltung gegenüber anderen Auslegungen, anderen Interpretationen, die nicht nur zu den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken, sondern auch zu Mord und Totschlag zwischen den Protestanten führte.

Auch wenn er wohl später differenzierter dachte, ist seine Haltung zu den drangsalierten Bauern während des Bauernkrieges kein Ruhmesblatt für Luthers Wirken.

Vor dem Hintergrund der Invasion der Türken in Europa in dieser Zeit waren diese Agenten des Teufels, die im Bündnis mit dem Papst als Personifizierung des Antichristen die Endzeit heraufbeschworen.

Unversöhnlich aber wurde sein Hass gegen die Juden. Um 1900 kam es zu einer „Wiederentdeckung“ von Luthers Judenschriften. Was Worte bewirken und anrichten können, zeigt sich dann mit einer schonungslosen Deutlichkeit in den ausgestellten Beispielen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die Nationalsozialisten beriefen sich auf Luther und die Deutschen Christen sahen Luthers Willen von Hitler vollstreckt.

Als ich vor der Bundestagswahl durch Mecklenburg fuhr, sah ich mit Erstaunen, wie die NPD mit Luther Wahlwerbung macht. Luther hat hier etwas gesät, was ihm ewig anhängen wird und das auf fatale Weise nachwirkt. Begrüßenswert ist, dass sich die evangelische Kirche im Zusammenhang mit dem Reformationsjubiläum deutlicher als je zuvor von diesem Erbe Luthers distanziert und es aufarbeitet.

Durch die Zeiten wuchs der Mythos Luther. Schon im 16. Jahrhundert wurde der Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg zum realen Ereignis stilisiert und weiter heroisiert. Ideen zur mythischen Überhöhung scheinen unerschöpflich. In der Kapelle im ersten Obergeschoss der Wartburg und von der Kanzel dort hat Luther nie gepredigt. Trotzdem wurden beide nach ihm benannt und auf einem ausgestellten Gemälde predigt er dort im vollen Pfarrersgewand, obwohl er auf der Wartburg wohl durchgängig als Junker Jörg gekleidet war.

Als die deutschen Burschenschaften ihr Wartburgfest begingen, huldigten sie Luther als Freiheitsheld. Dabei propagierte Luther ausschließlich die Glaubensfreiheit, was für seine Zeit schon ungeheuerlich war, ansonsten sollte der Mensch seiner „gottgewollten“ Obrigkeit untertan sein. Das deutsche Kaiserreich feierte ihn dann als Vorkämpfer der Nation und Urbild des Deutschtums. Selbst in der DDR erfuhr Luther zum 500. Geburtstag staatliche Ehre.

Die Ausstellung beschließt ein Blick in die Lutherstube. Im 19. Jahrhundert wurde sie mit Devotionalien angefüllt. Auf den Mythos von Luthers Wurf mit dem Tintenfass nach dem Teufel verwies bei meinem Besuch heute ein digitales Lichtspiel als Andeutung dieses Wurfes, welches aufscheint und wieder verlöscht. Ein schönes Bild als Hinweis auf jegliche Mythenbildung.

Nicht gefunden habe ich – oder ich habe ihn übersehen –  den Hinweis auf eine andere Leistung Luthers, mit der er eigentlich der neuen Religion widersprach. Wohl niemand erkannte den Reiter, der sich am 6. März 1522 der Stadt Wittenberg näherte. Schockiert durch die neuen Nachrichten – am 6. Februar war es auch hier zu einem Bildersturm in den Kirchen und Klöstern der Stadt gekommen – hat sich Junker Jörg, um ihn handelt es sich, auf den gefahrvollen Weg von der Wartburg gemacht und schon vom 9. März an hielt er an sechs Tagen je eine Predigt in der Wittenberger Stadtkirche. Darin bezog er Stellung zu den durchgeführten Reformen und wetterte gegen die Entfernung der Bilder. Luther hatte sich schon frühzeitig gegen solche Tendenzen ausgesprochen. Im Gegensatz zu anderen Reformatoren hielt er nicht nur Bibelillustrationen für wichtig, sondern sah in Bildern eine Verkündigungshilfe für die geistliche Botschaft.

Luther leistete Heldenhaftes, aber er taugt nicht zum Helden, er hat von der Liebe, der Gnade und von einer neuen Freiheit gepredigt und all dies verkündigt, aber auch Hass gesät. Er war gnadenlos intolerant.

Gegen Mittag verlasse ich die Ausstellung, die Wartburg hat sich inzwischen gut gefüllt, und mache mich an den Abstieg. Zahlreiche weitere Besucher kommen mir schnaufend den Berg hinauf entgegen. Ich verlaufe mich kurz, finde dann doch meinen Parkplatz und mache mich an dem nahe gelegenen Lutherstammort Möhra vorbei auf den Weg zu meinem Domizil.

Sonst trifft man in diesen Gegenden Thüringens immer wieder auf Goethe. Fast an jedem Ort muss dieser einmal gewesen sein. Jetzt sehe ich, Luther muss auch viel herumgekommen sein. Es ist erstaunlich, wie viel Orte dort mit ihm werben. Nicht nur Goethe auch Luther war schon all hier, der Mythos scheint ungebrochen.

VB

Fotos (c) VB