Berlin ab 50…

… und jünger

Mögen Sie Akkordeon, mögen Sie Tango?

akkordeonMögen Sie Akkordeon? Argentinien? Tango? Musette? Oberkrainer, Cajun, Knöpfe? Bälger? Und auch „durchschlagende Zungen“?  Wenn Sie nur eine dieser Fragen mit JA beantworten können, ist dieser Bericht genau der Richtige:

Vor geraumer Zeit las ich in einem Akkordeon- Magazin über mein Instrument, das Akkordeon: Über eine besondere Vorstellung im „Theater am Rand“, über das Bandoneum- und Tangomuseum im Breisgau, über Schweizer Akkordeonbauer und auch über das Hohner Museum in Trossingen. Diese Berichte ermunterten mich zu einer Reise,  sozusagen zu den „Tasten und Knöpfen“ in Deutschland.

Präludium:  Über meine Eindrücke von meinem Besuch im Theater am Rand im Oderbruch, genauer gesagt nach Zollbrücke, habe ich Ihnen schon vor einigen Wochen berichtet: Der bekannte Akkordeonist Tobias Morgenstern und der Schauspieler Tomas Rühmann haben im Jahr 1998 noch in einer Stube in einem  alten Fachwerkhaus dort am Rande Deutschlands eine alternative Theaterstätte erbaut. Die Vorstellung „Accordion Mystery“ nach E. Annie Proulx‘ Meisterwerk „Das grüne Akkordeon“  war durch die virtuose Spielweise von Morgenstern, dem  Vortrag von Rühmann und dem gesamten  „Drumherum“  ein beeindruckendes Erlebnis.

Zwei Wochen später machte ich mich dann auf die Fahrt durch Deutschlands Tastenwelt. Als jeweilige Zwischenstationen wurden Freunde und Verwandte besucht.

Ouvertüre capriccioso:  Der erste Stopp war am Rhein bei C___1_Rüdesheim[1]einer sehr netten Urlaubsbekanntschaft. Die obligatorische Dampferfahrt und der Abstecher in die Rüdesheimer Drosselgasse war Pflicht. Eine Überraschung war dann aber doch das Weinlokal mit dem liebenswerten Namen „Zur Quetschkommode“. Ein Akkordeonspieler mit Cowboyhut spielte – natürlich – schunkelnde Rheinlieder. Am nächsten Tag  ging’s weiter Richtung Schwarzwald.

Concerto grosso: Staufen im Breisgau,  bekannt bei Liebhabern der Schladerer Getränke und als die Stadt der gewaltigen Hebungsrisse, nicht nur im Rathaus, sondern auch an sehr vielen Häusern dieser D____Tango_und_Bandoneum_Museum_(3)[1]schönen historischen Altstadt. Hervorgerufen vermutlich durch Wärmebohrungen ins tiefe Erdreich.  Hier befindet sich das Tango- und Bandoneum Museum. Die Sammlung Steinhart besteht aus über 400 alten und sehr alten, sehr schönen Bandoneons. Die verschiedensten Bandoneonformen, Materialien und Intarsienverzierungen der allerfeinsten Art geben einen Überblick über dieses außergewöhnliche Instrument. Die ErklärungD____Tango_und_Bandoneum_Museum_(5)[1]en von Axel Steinhart, kenntnisreich und ausführlich, vertiefen diese optischen, sinnlichen Eindrücke. Zusätzliche Exponate wie Noten, alte Platten, Plakate und natürlich Tangomusik ergänzten diesen erlebnisreichen Nachmittag.

Suite oktave: Am nächsten Tag ging es durch den Schwarzwald – Stopp am Titisee incl. Erwerb einer Kuckucksuhr  – zum Bodensee. In Gaienhofen, hier wohnte Hermann Hesse, und  in dem ein paar Kilometer weitergelegenen Ort Hemmenhofen, dem Wohnort von Otto Dix,  besuchen wir die kleinen Museen und fahren dann weiter auf die andere Seite des Bodensees, in die Schweiz, nach Rorschach. Hier ist die Akkordeon-Werkstatt von Marco und Dani Untersee zuhause. Diese beiden Schweizer Akkordeonbauer lieben die Akkordeonmusik und „schneidern“ im wahrsten des Wortes ihre InstrumenE__Akkordeon_Werkstatt_(1)[1]te individuell auf jeden Musiker zu. Vom Bandoneon für Clowns bis zum perfekten Akkordeon für perfekte Akkordeonisten in aller Welt. Sie zeigten ihre handwerklichen Tätigkeiten bis ins Detail, bis hin zur Fertigung der durchschlagenden Zunge. Diese Zunge ist bekanntlich der Ursprungsort der Töne unseres Instruments. Wenn man genau hinsieht, erkennt man die Präzision der Fertigung der verschiedenen Bausteine eines Akkordeons  Ich hörte die unterschiedlichsten Klänge der unterschiedlichsten Instrumente und  höre die vielen Arbeitsstunden, die darin stecken. E__Akkordeon_Werkstatt_(3)[1]Die virtuose Spielweise von Vater und Sohn am Ende der Besichtigung wurde durch einen zufällig Besuch eines Musikfreundes dieser beiden Instrumentenbauer, der die beiden auf seiner Flöte begleitete, zu einem Konzert der Extraklasse.

Finale grandioso: Vom Bodensee ging es weiter in Richtung Stuttgart, in ein kleines verträumtes Örtchen namens Bochingen, zum Verwandtenbesuch. Von hier ist es nicht weit in die Stadt der bekannten Firma Hohner, in die AkkordeonstadtF_____Hohner_(1)[1] Trossingen. Ein Museum mit so vielen Exponaten, Akkordeons und Mundharmonikas hatte ich nicht erwartet:  u.a. das auf links umgebaute Akkordeon von Rudolf Würthner, ein gebogenes Akkordeon, die erste Morino, das größte Knopfakkordeon der Welt und selbstverständlich auch mein Jugendinstrument die Lucia IV P.  Von dF_____Hohner_(3)[1]en Mundharmonikas beeindruckte mich am meisten die Bananenmundharmonika, ein Instrument mit Trompetentrichtern, aber auch ein Stück mit einer Pistolen- oder Gewehrkugel im Gehäuse. Diese Mundharmonika hat bestimmt einmal ein Musikerleben gerettet. Ergänzt wird diese beeindruckende Sammlung mit diversen Ton- und Filmdokumenten. Das alles auf dem ehemaligen historischen Gelände der Matth. Hohner AG Trossingen in der ehemaligen Fertigungshalle Bau V.

Da capo:  Ich habe bewusst auf die Beschreibung einzelnerF_____Hohner_(4)[1] Instrumente verzichtet, weil Sie dies alles viel ausführlicher in den Fachzeitschriften nachlesen können. Sicherlich gibt es in Deutschland noch viel mehr in Sachen Akkordeon zu berichten und zu besichtigen. Aber das hebe ich mir für später auf.

Auf dem Rückweg dieser interessanten musikalischen Reise nach Berlin legte ich eine CD ein. Welche Musik  ich hörte, können Sie sich vermutlich denken.

brd

Fotos (c) brd

Der unzufriedene Mr. Hitchcock und Berlin

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Filmplakat – Foto (c) impawards.com

Sie kennen ihn alle – den berühmten Hitchcock-Film DIE VÖGEL. Ab 1961 drehte der Altmeister des „Suspense“ diesen Hollywoodfilm  nach der gleichnamigen Novelle Daphne du Mauriers. Die Vögel selbst wurden trickanimiert und wirkten durchaus realistisch, aber die Tonaufnahmen von echten Krähen dagegen wirkten einfach zu harmlos, um die mörderischen Vögeln wirklich bedrohlich erscheinen zu lassen. Der Traumfabrik in Hollywood fehlte es an entsprechenden Geräuschen. Hitchcock war höchst unzufrieden. Da wurde er auf den in Berlin-Charlottenburg  lebenden  Komponisten, Pionier der elektroakustischen Musik  und Trautonium-Spieler Oscar Sala (geboren 18.7.1910 in Greiz/Thüringen) aufmerksam. Sala erhielt den Auftrag, den Film mit künstlichen Vogelstimmen und Effekten wie dem Geräusch schlagender Flügel zu unterlegen. Auf die herkömmliche  Filmmusik wurde ganz verzichtet, in damaliger Zeit durchaus ungewöhnlich.

Im Deutschen Museum in München wird der Nachlass Salas verwahrt. Sala TonstudioDer Link  http://www.oskar-sala.de/oskar-sala-fonds/klaenge/  führt Sie auf die Seite „Oskar- Sala-Fonds am Deutschen Museum“ und dort zu einer Klangsentenz aus den „Vögeln“.  Diese Klangwelt  wurde auf dem von ihm erfundenen Mixtur-Trautonium inszeniert. Mixtur-Trautonium?  Eine Weiterentwicklung des Trautoniums? Haben Sie schon einmal davon gehört? Das Gerät steht heute im Musikinstrumentenmuseum  am Kulturforum.

Erfinder des Trautoniums war Friedrich Trautwein (1888-1956) und man kann das elektronische Musikinstrument als Vorläufer des Synthesizers bezeichnen. 1930 wurde das Gerät auf dem Berliner Festival „Neue Musik“ erstmals vorgeführt,  ging bei der „Telefunken AG“ in Produktion, jedoch war – bedingt auch durch den hohen Preis – die Nachfrage gering. Oscar Sala tüftelte weiter und erfand das Mixtur-Trautonium, das aus zwei Manualen, zwei Pedalen und vielen Schaltern besteht. Es vereint Klavier und Geige und erzeugt eine Vielzahl von Geräuschen. Mit diesem Instrument  spielte er auch ab 1955  viele Filmmusiken ein und auch in Opernhäusern  war er ein gefragter Musiker. So ersetzte das  Mixtur-Trautonium in Wieland Wagners „Parsifal“-Inszenierung die Glocken und begleitete den Höllenhund in Honeggers  Oratorium „Jeanne d’Arc au bûcher“. Als Wegbereiter der elektronischen Musik verdanken ihm Gruppen wie „Kraftwerk“ oder „Die Einstürzenden Neubauten“ viele Anregungen.1987 wurde Sala für sein Lebenswerk mit dem höchstdotierten deutschen Kulturpreis,  dem  »Filmband in Gold«, ausgezeichnet. 2002 starb Sala mit 91 Jahren in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Heerstraße.

Und wenn Sie Oskar Sala auf dem im Jahre 1952 fertig gestellte Mixtur-Trautonium in seinem Studio im Haus der  Neue Mars-Film, Charlottenburger Chaussee 51 – 55, Berlin – Spandau spielen sehen wollen, folgen sie doch dem link https://www.youtube.com/watch?v=TQ8IiKIRP4A  Und es lohnt sich auch, noch einmal die bedrückende Weltuntergangsstimmung  in den „Vögeln“ zu erleben – oder reicht Ihnen die Gegenwart?

Meint mw

Fotos (c)mw

impawards.com

Das Licht zwischen den Meeren….

csm_tlbo_hauptplakat_a4_1400_7f7abdeb82…meine persönliche Kinoempfehlung:

Erinnern Sie sich an die Filme „Blue Valentine“ (2010)  oder „The place beyond the pines“ (2012)  von dem Regisseur Derek Cianfrance? Mich haben beide Independentfilme nachhaltend beeindruckt. Nun ist ein neuer Film seit 8. September in unseren Kinos: THE LIGHT BETWEEN OCEANS – mit dem wunderbaren Michael Fassbender.

Der Ex-Soldat Tom Sherbourne lebt nach dem 1. Weltkrieg als Leuchtturmwärter mit seiner Frau auf einer abgelegenen Insel in Australien. Der Kinderwunsch der Beiden bleibt unerfüllt. Eines Tages wird ein Boot angeschwemmt, darin ein toter Mann und ein Baby. Die beiden entscheiden sich, das Baby zu behalten und an Kindes statt großzuziehen. Jahre später trifft der Leuchtturmwärter die wahre Mutter des Kindes…..

Nach dem gleichnamigen Roman von  M. L. Stedmancsm_lbo-01027_1400_01_e5ac7a4c3d, der unter dem Titel DAS LICHT ZWISCHEN DEN MEEREN  auch  in Deutschland ein Bestseller war, hatte der Film am 1.September bei den Filmfestspielen in Venedig 2016 seine Weltpremiere.

Das Buch habe ich nicht gelesen und die Inhaltsangabe des Films klang eher wie nach einer Romanze im Stile von Rosamunde Pilcher oder Nicolas Sparks – also kein Film für mich. Ich wunderte mich für einen Moment, dass  Michael Fassbender eine solche Rolle csm_lbo-07239_1400_e20cca3d17übernommen hatte, denn bisher habe ich ihn  immer in anspruchsvollen Rollen gesehen.  Dann las ich, das Derek Cianfrance die Regie geführt hat. Seine Thema sind immer Menschen in verfahrenen Lebenssituationen. Und seine Filme haben mich bisher immer fasziniert. Damit war die Entscheidung gefallen: ich werde mir diesen Film ansehen!

Und es hat sich gelohnt. Die Geschichte ist relativ simpel und vorhersehbar. Dafür ist die schauspielerische Darstellung umso bestrickender. Michael Fassbender spielt die emotionale Befindlichkeit des Ex-Soldaten mit einer unglaublichen Präsenz. Alicia Vikander als seine Frau Isabel ist für mich eine große Entdeckucsm_lbo-07752_1400_cb7b6b4fd8ng. Sie spielt die junge Frau  unbeschreiblich facettenreich – von der Leichtigkeit der Liebenden über die Verzweiflung der  Kinderlosigkeit und dem Ringen, ob sie das Baby als „Geschenk des Himmels“ ansehen darf, bis zum Hass auf ihre Mann, der diesen Traum zerstört.  Beide Schauspieler beeindruckten mich durch ihre Natürlichkeit und Präzision,  ihr Spiel fesselte und berührte mich. Kurz: Es machte einfach große Freude, ihnen zuzuschauen. Eingebettet wird die Geschichte in die atemberaubend schönen Bildern des Kameramanns csm_lbo-13723_1400_b762d310d4Adam Arkapaws.  Enttäuscht hat mich nur das Ende ein wenig, aber das ist vielleicht auch Geschmackssache.

Ich möchte Ihnen jedenfalls einen Kinobesuch empfehlen und wünsche  Ihnen viel Spaß

Ihre

AvS

Fotos (c) Constantin Film

Ei, wie schmeckt der Coffee süße..

Neues  zum Missbrauchspotential  koffeinhaltiger Energy-Getränke

Laut einem Gutachten der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit  erfolgt die Koffeinzufuhr bei Erwachsenen in Deutschland vor allem über Kaffee und bei Kindern hauptsächlich über (zumeist bittere) Schokolade.  Jugendliche nehmen dagegen Koffein vor allem über Energy- Drinks auf. Und die Werbung „verleiht Flügel..“ befeuert das natürlich. In  baltischen Staaten z.B. führte dies zu einem Verbot des Verkaufs von koffeinhaltigen Energydrinks an Minderjährige.  Seit kurzem setzt auch die Süßwarenindustrie Gummibärchen Koffein zu (der Gehalt muss deklariert werden – also Ingredienzien genau lesen!). In sogenannten „Energy Sweets“ sind 30 Milligramm Koffein pro 100 Gramm Fruchtgummi enthalten. Das ist so viel Aufputschmittel wie  in einem  100-Milliliter-Energydrink! Ohne Frage ist also auch hier ein Missbrauchs-Potential. Unerwünschte Wirkungen von Koffein bei Überdosierungen sind eine erhöhte Nervosität und Erregbarkeit, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche und Herzrasen. Über einen längeren Zeitraum kann ein übermäßiger Koffeinkonsum zu Herzkreislaufproblemen, wie z. B. erhöhtem Blutdruck, aber auch Herzrhythmusstörungen  führen. Deshalb hat das Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft  zur Stärkung des Verbraucherschutzes eine Webseite  geschaltet http://www.check-deine-dosis.de. Dort kann man sich über die Risiken informieren – so man denn interessiert ist und als Jugendlicher da surft. Einen größere Verbreitung  dürfte der Film-Beitrag des Bundesinstituts  für Risikobewertung  haben http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2016/30/energy_drinks_und_co__bfr_film_informiert_ueber_gesundheitliche_risiken_durch_koffeinhaltige_getraenke-198193.html .  

Und wie so oft in unserer Zeit werden die Rufe nach schärferen Maßnahmen, sogar Verboten, laut.

Zum Abschluss noch ein Tipp: Als  Johan Sebastian Bach 1734 mit seiner „Kleipzig-110affee-Kantate“/ „Schweigt stille, plaudert nicht“ (BWV 211), dem Kaffee seine musikalische Huldigung darbrachte, ahnte er nicht, welche Risiken er da verherrlichte. Es ist schon vorstellbar, dass in unseren politisch korrekten Zeiten demnächst das Hören dieser reizenden  musikalischen  Äußerung  zum heutigen Alltagsgetränk nur noch Erwachsenen vorbehalten bleibt. Dennoch soll hier der – heute schon fast fragwürdige – Inhalt dieser amüsanten Kantate kurz skizziert werden: Vater Schlendrian (Baß), Tochter Luise, genannt Liesgen (Sopran), ein Erzähler (Tenor). Schlendrian,  um die Haushaltskasse besorgt, will der  Tochter das Kaffeetrinken abgewöhnen. Doch die weigert sich und lamentiert: „Wenn ich des Tages nicht dreimal mein Schälchen Coffee trinken darf, so werd ich ja, zu meiner Qual, wie ein verdorrtes Ziegenbrätchen.“ Alle Drohungen fruchten nichts, die leipzig-204Kaffeesüchtige will auf ihrer Leidenschaft nicht verzichten. Denn „Ei, wie schmeckt der Coffee süße!“ Erst, als der Papa Lieschen einen feschen Bräutigam verspricht, lenkt sie ein und will zukünftig  gehorchen.  Sagt sie, aber  in Wirklichkeit will sie ihrer Kaffee-Sucht auch im Ehestand weiter frönen. Mit dem versöhnlichen Terzett „Die Katze lässt das Mausen nicht. Die Jungfern bleiben Coffeeschwestern. Die Mutter liebt den Coffeebrauch. Die Großmama trank solchen auch. Wer will nun auf die Töchter lästern!“ klingt das musikalische Kleinod aus.

Noch steht die Kantate nicht auf dem Index, verraten Sie  mich nicht und  hören Sie doch mal rein,

meint mw

Eine typische Berliner Geschichte

Auch Berlin hat das Reformations-Jubiläum fest im Blick!

2017  feiert die Evangelische Kirche den 500. Jahrestag der Reformation.  Berlin  – obwohl nicht unbedingt als „kirchentreu“ bekannt  – hat dieses Jubiläum schon seit dem Jahr 2010  in seiner Planung.

Mitte (6)Mit einem ganz besonderen Vorhaben:  Das Umfeld der St. Marienkirche in Mitte soll neu gestaltet werden. Oder genauer: in seine ursprüngliche Gestaltung zurückgeführt werden. Das heißt zum einen, dass die Luther-Statue umgesetzt werden soll: vom jetzigen Standort vor dem Langhaus zurück südwestlich vor das Hauptportal. Dort ist man auch auf das frühere Fundament gestoßen. (Dass die Statue nach dem Krieg seinen ersten Zufluchtsort in Weißensee gefunden hat, sei der Vollständigkeit halber noch erwähnt).

Und zum Anderen soll die gesamte Denkmalanlage wieder aufgebaut werden. Denn ursprünglich bestand die Anlage, die 1895  anlässlich des 400. Geburtstags von Luther  geschaffen wurde,  aus der Luther-lutherdenkmalStatue und weiteren Hauptfiguren der Reformation. Zu dem leicht erhöht gebauten Freiplatz führten zehn Stufen, an deren Seiten Franz von Sickingen und  Ulrich von Hutten saßen. Die Anlage war eine Art „Gemeinschaftswerk“ von Paul Otto und Robert Toberentz. So war es einmal.  Bis zum Krieg. Der sorgte dafür, dass die die Anlage zerstört und die Skulpturen – außer der Luther-Statue –  eingeschmolzen wurden. Stichwort. Rüstungszwecke!  Für die so vieles geopfert wurde.

Nun zum neuen Denkmal. Und damit beginnt eine der typischen Berliner-Geschichten:  Erst einmal musste natürlich ein Ideenwettbewerb ausgelobt werden. Mit der Vorgabe – präziser geht es wohl nicht –, dass eine „eine zeitgenössische Interpretation“ des Reformers Luther erwartet wird.

Vor einigen Wochen (am 24. Juni) wurden die Gewinner vorgestellt (der Künstler Albert Weis und das Architekturbüro Zeller & Moye). Ihr Entwurf  – so die Jury (!) – lässt genau diese Möglichkeit neuer Interpretationen zu, ebenso wie neue Perspektiven, die der Betrachter selbst herausfinden kann.

Wie sieht er also aus, dieser so gelobte Entwurf? Die Originalstatue soll auf ihrem kleinen Sockel stehen und – ihr gegenüber – die Aluminium-Kopie eines „zweiten“ Luther. Mit spiegelnder Oberfläche. Die Bodenfläche soll mit Betonsteinen ausgelegt und mit LED-Punkten ausgestattet werden, mit denen sich Zitate wiedergeben lassen. Beispielsweise von Martin Luther oder Dietrich Bonhoeffer. Luther, die Originalstatue, bekommt also eine Kopie seines Selbst als Gegenüber. Diese Gegenüberstellung ist als Visualisierung eines Dialogs gedacht – oder eines Selbstgesprächs?

Wie einleuchtend empfinden Sie diese Idee? Können  Sie sich dem positiven Urteil der Jury anschließen? Würde das neue Denkmalensemble Sie zu neuen Perspektiven im Sinne einer Gegenwartsinterpretation des lutherischen  Gedankens inspirieren? Macht ein doppelter Luther für Sie Sinn?  Wie ich finde, eine spannende Frage.

Die Jury jedenfalls findet mehrheitlich den Entwurf gelungen. Zu ihr gehört auch Bischof Dröge.

Und nun fängt es an spannend zu werden:  Denn es gibt eine Reihe  von Theologen und Historikern, die diesen doppelten Luther gar nicht gut finden. Für sie bedeutet es eine Verkehrung des lutherischen Gedankens. Die Vorstellung eines „Selbstgesprächs“ entspricht ihrer Meinung nach nicht dem reformerischen Gedanken. Die Widersacher haben auch noch ein zweites Argument – was ich selbst sehr gut nachvollziehen kann:  Sie wollen keine weitere Stadt“dekoration“ (von denen es viel zu viele gibt), sondern eine Anlage, die eine Aussage trifft im Sinne des  lutherischen Geistes, der hier visualisiert sein soll.

Aber sie sind überstimmt worden. Was wird nun passieren? Wird nach dem Prinzip vorgegangen, die Jury hat entschieden? Also gibt es einen gedoppelten Luther? Was hieße, dass die Stimmen der Theologen und Historiker keinerlei Gewicht hätten? Dass das Demokratieprinzip – obwohl das Denkmal einen engen Bezug zur evangelischen Kirche hat und aus ihr entspringt –nicht mehr gilt. Denn zur Demokratie gehört auch, dass Minderheiten ein Gewicht haben und ein gemeinsamer Konsens gesucht wird.

Es geht um einen öffentlichen Platz und darum, eine Aussage nicht der reinen Schmückung zu opfern.

Aber es wäre nicht eine wirkliche Berliner Geschichte, wenn sie nicht noch Weiteres zu bieten hat.

Das Denkmal wird, wie immer man es dreht und wendet, nicht rechtzeitig fertigzustellen sein.

Es wird zwar 2017 „irgendetwas“ an dem Ort stehen, aber nicht das geplante Denkmal.

Vielleicht ist das aber auch gut so, denn so bleibt Zeit, alles noch einmal zu überdenken. Darin ist Berlin ja geübt.

I.B.F.

 

P.S. Der Beitrag ist mir leider etwas lang geraten. Vielleicht halten Sie ja trotzdem bis zum Ende durch. Bleiben Sie mir gewogen..

Quelle:Wikipedia und SZ vom 29.07.2016

Fotos (c) mw

Neu gelesen (5): Bonjour Tristesse von Françoise Sagan

Ferdinand geht an keinem Bücherregal vorbei, ohne wenigstens einen Blick hinein zu werfen. Diesmal stöberte er in den Regalen seiner Kirchengemeinde und war ziemlich überrascht, welche Vielfalt an Literatur dort auf neue Leser wartet. Das in Leinen gebundene Exemplar von Bonjour Tristesse über das er „stolperte“, wurde im Ullsteinhaus Berlin im Jahr 1959 gedruckt.

Ich bin kein Kirchgänger, doch das Gemeindehaus besuche ich relativ oft. Was dort unter der Bezeichnung „Büchertrödel“ firmiert ist keineswegs vertrödelt, sondern ein gut sortierter Buchhandel, dessen geringe Erträge sozialen Zwecken zugute kommen. Die Regale sind prall gefüllt mit guter Literatur, wenn auch nicht der aktuellsten. Doch darauf kommt es nicht immer an. Hier also erinnerte ich mich an die französische Bestsellerautorin Françoise Sagan, deren Bücher ich als junger Mann schon einmal gerne gelesen habe.Tristesse_Ausschnitt

Die 17-jährige Gymnasiastin Cécile verbringt mit ihrem Vater Raymond einen zweimonatigen Sommerurlaub an der Côte d’Azur. Cèciles Mutter ist schon vor Jahren verstorben und so ist es für die Tochter kein Problem, dass ihr Vater öfter einmal die Partnerin wechselt und versteht, das Leben zu genießen. Savoir-vivre à la française eben. Mit von der Partie ist diesmal Elsa, eine naiv-anspruchslose Schönheit aus dem Pariser Nachtleben. Vater und Tochter sind nach dem Verlust der Mutter zu einem eingeschworenen Team zusammen gewachsen und Cècile hat sich ganz auf das väterliche Vorbild eines Laissez faire eingelassen und nimmt ihre bevorstehende Abiprüfung deshalb nicht so genau. Lieber ist ihr der Umgang mit einer neuen Sommerliebe, dem 20-jährigen Cyril, der dort ebenfalls seine Ferien verbringt.Cote_d_Azur_5

So vergehen die ersten Tage oder Wochen in perfekter Harmonie, bis plötzlich Anne auftaucht, eine frühere Freundin von Céciles Mutter. Die erfolgreiche Modedesignerin ist von kühlem Charme, elegantem Aussehen und selbstsicherer Überlegenheit. Es gelingt ihr spielend, die einfach gestrickte Elsa von der Seite Raymonds zu entfernen und sich an ihre Position zu setzen. Der leicht zu beeinflussende Raymond wird zum Spielball seiner Gefühle und macht Anne, die er bereits aus früheren Zeiten kennt, einen Heiratsantrag.

Doch Cécile, geschockt von der Perspektive, in Kürze eine Stiefmutter zu bekommen, die zukünftig ihre Geschicke bestimmt und sich wie ein Keil zwischen die lässige Vater-Tochter-Beziehung klemmt, schmiedet einen Plan…

Françoise Sagan schrieb diesen Roman im Jahr 1954 im Alter von nur 18 Jahren und ihr Erstlingswerk wurde gleich ein Bestseller. Es gelang ihr damit ein erotisches Sommermärchen gemischt aus Leichtigkeit und Tragik, wie es eigentlich nur Franzosen zustande bringen. Sie selbst stammte offensichtlich aus dem Milieu, welches sie beschreibt, mit all seiner Distanz zum wirklichen Leben, seinen Egoismen und Eitelkeiten.

Cote_d_Azur_4Sie liebte es, mit schnellen Sportwagen über die kurvigen Straßen der Côte d’Azur zu fahren. Dabei soll sie das Gas- und Kupplungspedal mit bloßen Füßen bedient haben, um das Vibrieren des Motors intensiver zu spüren. Ein Autounfall kostete sie fast das Leben. Ihre lebenslange Drogensucht mag eine traumatische Folge dieses Unfalls gewesen sein.

Bonjour Tristesse ist die perfekte Sommerlektüre für einen Strandurlaub, den man, passend zum Buch, am besten in Südfrankreich verbringt.

Bonnes vacances!

Ferdinand

Altes Eisen? Theater der Erfahrungen

Kennen Sie das Theater der Erfahrungen?   Es ist Berlins theater d. E 1ältestes und bekanntestes Seniorentheater. In drei Gruppen schreiben und entwickeln die ca. 15  Spielerinnen und Spieler pro Gruppe zwischen 55 und 99 Jahren  ihre Stücke selbst. Sie handeln vom Alter, seinen Sonnen- und Schattenseiten und von den vielfältigen sozialen Problemen in und außerhalb unserer Stadt – stets aus dem Blickwinkel eigener Erfahrungen und somit wahrhaft authentisch. Man trifft sich unter der Leitung von Theaterpädagog(inn)en  mindestens einmal in der Woche, diskutiert und improvisiert, entwirft Texte und Lieder, probt, verwirft, probt, streitet, probt…. bis schließlich auf diese Weise ein kreatives, sozial engagiertes, durch  lustige Verfremdungseffekte aber meist auch urkomisches Stück aufführungsreif ist

Gespielt wird für Alt und Jung, in Sälen und Kleinkunstbühnen, bei Seniorentreffs und in Schulen, in Altersheimen und Kirchengemeinden getreu dem Motto: „…macht uns im Alter Freude und anderen Leuten Mut“.

IMG_9025Die drei Gruppen unter dem „Dach“ dieses Theaters heißen Spätzünder, Ostschwung und (als deutsch-türkische Gruppe) Bunte Zellen; sie haben je ein eigenes Repertoire.  Und als das Theater 30jährigen Geburtstag hatte, nämlich im Jahre 2010 leistete es sich eine gemeinsame Produktion,  das  Musical „Altes Eisen“,  das sich als in jeder Beziehung kostbarer Dauerbrenner erwies: mit schmissiger Musik und  zauberhaften Kostümen schildert es das Schicksal des türkischen Bäckers Hikmet, der vergessen hat, sich in Berlin, seiner  Heimat seit dreißig Jahren, zu versichern… Seine Kuchen treten auf, und die Kiezfreunde wollen helfen, als er eine neue Hüfte braucht Und natürlich ist es die Liebe, die auch in diesem Musical die ersehnte Lösung bringt. Eine regelmäßig dazwischenfunkende mausgraue Querulantengruppe sorgt dabei dafür, dass  Abgleiten in Schönfärberei und Kitsch gebremst wird.

Altes Eisen 1Leider wird das Alte Eisen erst Anfang  Februar 2017 wieder in der UFA-Fabrik gespielt. Unser heißer Tipp: merken Sie sich den Termin vor, gehen Sie hin, Sie werden begeistert sein!

Nun spielen natürlich in der Zeit bis dahin die drei Gruppen ihre eigenen Stücke, und der Besuch der folgenden Aufführungen sei wärmstens empfohlen:

„Schlaflos in Berlin“  von der Gruppe Spätzünder wird am 13. September 2016, um 15 Uhr im Maria-Rimkus-Haus, Gallwitzallee 53, 12249 Berlin-Lankwitz,  aufgeführt.  Darin werfen die Spätzünder einen Blick durchs Schlüsselloch und fragen, was sich in deutschen Betten tut. Dabei philosophieren sie musikalisch-humorvoll über Fremdgänge und lassen sich von Literatur verwöhnen. Um am Ende festzustellen: So richtig nett ist`s nur im Bett!

Berliner Pflanzen  ist ein von den  Bunten Zellen zum Thema „Mietsteigerung durch Luxussanierung“ sozial engagiertes Stück, aber auch hier gilt: trotz oder vielleicht sogar gerade wegen der brisanten Probleme, die mit dem Thema verbunden sind,  wird gesungen, gelacht, geliebt. Die Sicht der Balkonblumen, die sich durch die Umbauten gestört fühlen, ist  ein wichtiger Bestandteil, und die Liebe eines Kaktus zu einer Raupe ein Spiegel der Liebe zwischen….aber mehr wird nicht verraten! Das Stück wird am 20.September   15.45 Uhr in der Lukasgemeinde, Friedrichsruher Str. 6a, 12169 Berlin-Steglitz und am 1.Oktober,  11 Uhr, in der Urania, An der Urania 17, 10287 Berlin-Tiergarten, gespielt. Diese Aufführung am 1.10. im Rahmen des internationalen Kongresses vieler Stadtteilzentren ist sicher besonders wichtig und sehenswert.

Falls das Theaterfieber Sie nun gepackt haben sollte: es gibt viele Möglichkeiten, sich im Theater der Erfahrungen zu engagieren: im Schnupper-Workshop Graue Stars können Sie sich einfach einmal ausprobieren, im Bewegungstheater werden neue Mitspieler(inn)en gesucht, und es gibt Gruppen in ganz Berlin, die den „Nachwuchs“ willkommen heißen.

Oder: Sie möchten eine Theatervorstellung buchen, dann nehmen Sie auch einfach Kontakt mit dem Theater auf.

Last, but not least: Sie können das Theater auch auf alle erdenklichen Arten fördern: dazu gibt es einen Förderverein.

Kontakt:   Theater der Erfahrungen – Werkstatt der alten Talente,
Eva Bittner, Prof.Johanna Kaiser , Vorarlberger Damm 1,  12157 Berlin  Tel (030)  855 43 06, Fax (030)  855 43 78, email  theater-der-erfahrungen@nbhs.de

Und: tummeln Sie sich auf unserer website www.theater-der-erfahrungen.de –  nur zu!

Ihr Clemens Rufer

 

FAST EIN GEHEIMTIPP – Musikalische Vesper auf Nikolskoe

St. Peter und Paul auf Nikolskoe

St. Peter und Paul auf Nikolskoe

Die Musikalischen Vespern in der Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoe sind längst kein Geheimtipp mehr. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Zuhörern, die sich oft nach einem Spaziergang durch den Düppler Forst oder auf der Pfaueninsel ganz spontan für die musische Pause entscheiden. Aber auch bei den Musikern und den sehr verschiedenartigen Ensembles sind die etwa halbstündigen Konzerte am Samstag-nachmittag seit Jahren heiß begehrt und haben einen festen Platz in ihrem Kalender.

Noch bis Sonnabend, 24. September, finden sie um 17 Uhr in der schlichten und beschaulichen Kirche mit ihrem romantischen Ambiente auf der Havelhöhe statt. Der Eintritt ist frei. Am Ausgang werden die Besucher allerdings um eine Kollekte für die Kirchenmusik gebeten.

St. Peter und Paul auf Nikolskoe

Hier die letzten Konzerte in diesem Jahr:

  1. September 2016, 17 Uhr
    Orlando-Ensemble für Alte Musik
    „Du meine Seele singe“
    Werke von C. Monteverdi, J. Crüger, H. Schütz, J.G. Ebeling L. van Beethoven
    Leitung: Kai Schulze-Forster
  1. September 2016, 17 Uhr
    Zwei Gitarren
    Shterion Urumov – Gitarre
    Valentin Dieterich – Gitarre
    Werke von F. Tárrega, D. Aguado, J.S. Bach, G.F. Händel
  1. September 2016, 17 Uhr
    2Achtundachtzig
    „Erhöre mich, wenn ich rufe“
    Anne-Sophie Balg – Sopran
    Caroline Seibt – Sopran
    Marina Mitrovski – Orgel
    Musik von H. Schütz, J.S. Bach, W.A. Mozart

Übrigens: Die evangelischen Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen in der Kirche St. Peter und Paul beginnen immer um 15 Uhr. Sie sind ein Tipp für alle Langschläfer, die am Sonntagmorgen nicht rechtzeitig aus den Federn kommen.

Vielleicht haben Sie ja einmal Zeit, ein Konzert dort zu genießen.

Lothar Beckmann

Fotos (c) LB

Die Ferne so nah

9000 schielowseeekm trennen uns von Japan –  ein kleiner feiner Eindruck dieser fernen Insel liegt jedoch ganz nah:

Am Wochenende machte ich mal wieder einen Radausflug –  in der Umgebung von Berlin, genauer gesagt rund um den Schwielowsee. Schon lange gehört die Landschaft rund um Caputh zu meinen Lieblingsausflugszielen, zu Fuß, zu Wasser und mit dem Rad.

Neben den  schönen Radwegen, mal am See entlang, mal durch den Kiefernwald,  den vielen lauschigen Plätzen am See, dem Strasanddornndbad in Ferch, der Kirche und dem wieder-erstandenem Herrenhaus in Petzow, dem Sanddorn-Paradies von Christine Berger,  gibt es ein ganz besonders Ausflugsziel in Ferch: Den japanischen Bonsaigarten.

Neben kleinen 80jährigen Mädchenkiefern, winzigen Ginkobäumen, bonsai 2kann man  Platz nehmen im Pavillon am Koi-Teich und die Seele baumeln lassen. Durch den Kirsch- und Hortensiengarten kommt man zum tsubo-niwa, dem eingeschlossenen  Garten, und kann gleich abbiegen zum Teehaus  und dort mit Blick auf den Zengarten eine herrlich duftende Tasse Tee trinken oder durch den Teegarten über den Wandelgarten zum schon erwähnten Pavillon gehen. Neben dem Genuss dieser wunderschönen Gartenanlage können Sie  sich auch in die Geheimnisse der Bonsaipflege einführen lassen  oder im Teeladen stöbern nach schöner  Keramik oder besonderen Tees. Wofür auch immer Sie sich entscheiden, es ist ein Ausflug in eine andere Welt.

bonsaigartenWillkommen in einer  anderen Kultur. Der Garten lehrt die Augen zu sensibilisieren und die Natur besser wahrzunehmen. Er ist ein Beitrag , das freundschaftliche  Verhältnis zwischen Deutschland und Japan zu vertiefen. Der Garten empfiehlt zu jeder Jahreszeit:  Mit der Saisoneröffnung Ende März  blühen Kirschen und Kamelien, danach kommen die Azaleen, im Herbst verwandeln sich die Ahornbäume in leuchtend rote Farbtupfer, das Chrysanthemenfestival  findet von 17.September bis 16.Oktober statt und mit dem japanischen Laternenfest  geht das Gartenjahr zu Ende. Bevor Ende Oktober der Bonsaigarten schließt können Sie noch am 22.10. um 13 Uhr  an einer Teeverkostung (nur gegen Voranmeldung) teilnehmen. An diesem Samstag ist dann auch von bis 21 Uhr geöffnet.

Natürlich gibt es auch in den  Berliner „Gärten der Welt“ einen „Japanischen Garten“, der besonders zur Kirschblüte ein „Traum in Rosa“ ist, aber Bonsai ist schon etwas Besonderes und durchaus eine Reise wert!

Bleiben Sie neugierig

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Öffnungszeiten Jappostkarte jap gartenanischer Bonsaigarten:  von 01.04. bis 31.10. dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr.

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Willkommen in der Wildnis – ein Filmtipp

CAPTAIN FANTASTIC – Einmal Wildnis und zurück

Gleich vorweg gesagt, ich mag Viggo Mortenson, der „Aragorn“ aus den „Herr der Ringe“-Filme. Jetzt ist ein neuer Film Filmplakatmit ihm in den Kinos angelaufen: CAPTAIN FANTASTIC – EINMAL WILDNIS UND ZURÜCK. Nach Lektüre der Filmbeschreibung und Betrachtung eines Trailers  war ich schon auf dem Weg ins Kino.

Der hochgebildete Ben lebt aus Überzeugung mit seinen sechs Kindern in der Einsamkeit der Berge im Nordwesten Amerikas. Er unterrichtet sie selbst und bringt ihnen nicht nur ein überdurchschnittliches Wissen bei, sondern auch wie man jagt und in der Wildnis überlebt. Als seine Frau stirbt, ist er gezwungen, mitsamt den Sprösslinge seine selbst geschaffene Aussteigeridylle zu verlassen und der realen Welt entgegenzutreten. In ihrem alten, klapprigen Bus macht sich die Familie auf den Weg quer durch die USA zur Beerdigung, die bei den captain fantasticGroßeltern stattfinden soll. Ihre Reise ist voller komischer wie dramatischer Momente, die Bens Freiheitsideale und seine Vorstellungen von Erziehung nachhaltig infrage stellen.

Diese Beschreibung  aus dem Pressetext  hat bei mir die Assoziation „Komödie mit Tiefgang“ ausgelöst.  Das ist auch nicht ganz falsch, aber für mich war er mehr:  Es ist ein Plädoyer für ein selbstbestimmtes Leben. Ein Film der ermutigt, seCaptain_Fantastic__Einmal_Wildnis_und_zurueck_Szenenbilder_07.600x600inen eigenen Weg zu finden, auch  – oder gerade dann – wenn er unbequem ist. Die Botschaft mach es Dir nicht zu leicht gibt der Vater auch einem seiner Söhne mit auf den Weg. Seine individuelle Lebensweise zu finden, beinhaltet natürlich auch heftige Auseinandersetzungen, die weh tun und schmerzen, die aber immer wieder an den Wesenskern hCaptain_Fantastic__Einmal_Wildnis_und_zurueck_Szenenbilder_09.600x600eranführen. Diese durchaus ernsthaften Fragen werden mit einem sehr angenehmen Humor erzählt, begleitet von mitreißender Musik – und natürlich einem großartigen Viggo Mortensen. Mich hat der Film tief berührt. Dieser Arthouse-Film, den ich Ihnen nur empfehlen kann,  ist ein besonderes Vergnügen.

Ihre  AvS

 

Fotos (c) universum film