Berlin ab 50…

… und jünger

Grasgeflüster

(c) apotheker-wissen.de

Die  Freigabe von Marihuana in 22  Bundesstaaten der  USA hat im letzten Jahr einen bis zu 15 %igen Anstieg des Drogengebrauchs in diesen Staaten gebracht. Sicher hängt das auch mit den nun günstigeren Preisen als auf dem illegalen Markt zusammen und der mit der Freigabe assoziierten Unbedenklichkeit. Auch Uruguay hat, wie kürzlich berichtet wurde, den Verkauf von Marihuana legalisiert. Der Preis beträgt nur die Hälfte der Kosten auf dem Schwarzmarkts  und die Qualität des „Stoffs“ ist durch die Abgabe über Apotheken an eingetragene inländische Kunden (40 g im Monat gegen Fingerabdruck) gesichert.

Als ich das las, wurde ich stutzig. Sollen Apotheken wirklich Genussmittel abgeben? Welche Botschaft wird damit vermittelt? Demnächst auch alkoholische Getränke und Zigaretten aus ihrer Easy-Apotheke mit freundlicher Ermahnung Fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker? Der Apotheker als staatlich approbierter  Dealer? Und was machen dann all die „Spätis“ in Kreuzberg und sonstwo? Die Bemühungen der Kreuzberger Hanf-Lobbyisten aus dem Rathaus gehen aber wohl in diese Richtung.

Doch unabhängig vom Genussmittel-Potential kann seit  dem 10.März  2017 auch in  Deutschland medizinischer Cannabis (als Cannabis flos, getrocknete Blüten) therapeutisch bei schwerwiegenden Erkrankungen und fehlenden Therapiealternativen verordnet werden, ohne dass es dazu – wie bisher- einer personengebundenen Genehmigung durch das Bundes-Arzneimittelinstitut bedarf. Die Einzelheiten des praktischen Inkrafttretens  sind unübersichtlich, es bedarf noch einer Richtlinie der Bundesärztekammer zu den verordnungsfähigen Diagnosen und einiger anderer Durchführungsbestimmungen im Betäubungsmittelrecht.  Die pflanzliche Droge muss der vorgeschriebenen Arzneibuchqualität (Reinheit) entsprechen und ist über den Gehalt des Hauptinhaltsstoffs THC definiert. Abgegeben werden auf ärztliche Verordnung die getrockneten weiblichen Blüten, gemeinhin als Marihuana bezeichnet. Nicht gehandelt wird dagegen Haschisch, der getrocknete und gepresste Harz aus den Blüten. Haschisch gibt es weiterhin nur illegal an den bekannten Berliner Orten.  Bei chronisch-neuropathischen oder durch Krebs verursachten Schmerzen sowie bei Spastiken infolge Multipler Sklerose wurde die besondere Wirksamkeit von Marihuana in klinischen Studien beschrieben. Jedoch sollen die Cannabisblüten nicht in Kombination mit Tabak wegen der bekannten Gefahren (Rauchen verursacht Krebs) geraucht werden. Als Applikationsformen kann alternativ die Inhalation mittels eines Verdampfers erfolgen oder als  Teeaufguss. Wirkeintritt und -dauer unterscheiden sich nach Art der Anwendung. Bei der Inhalation ist innerhalb von einer bis zwei Minuten die Wirkung zu spüren, die  bis zu vier Stunden anhält. Bei oraler Aufnahme als Tee  dauert es 30 bis 90 Minuten, bis der Patient eine Wirkung merkt, die nach ca. 6-8  Stunden abklingt.  Die Grundlagenforschung zu den Inhaltsstoffen und Wirkungen von Cannabis ist jedoch erst am Anfang. Zu glauben, dass das Inhalieren der Droge alle bestehenden therapeutischen Defizite zukünftig beseitigen kann, ist nicht „zielführend“, wie es so schön heißt. Die Befürworter von Medizinal-Hanf sehen das natürlich anders.  Die medizinische Verwendung unter Nutzen/Risikoabwägung und die Abgabe auf Rezept in der Apotheke sollte nicht als Alibi für die illegale Verwendung der Droge dienen, denn Gehirn- und Verhaltensänderungen gerade bei Jugendlichen sind vielfach nachgewiesen.

GRASGEFLÜSTER heißt eine turbulente britische Filmkomödie von Nigel Cole aus dem Jahr 2000, in dem es um den Hanfanbau (Cannabis sativa),  Marihuana-Ernte und Dealer im Gartenparadies  Cornwall geht.

„Auf  Pille nicht und Salbe hoff, wer täglich dreizehn Halbe soff“ meinte einmal Eugen Roth.  Obwohl, die Befürworter des Genussmittels Marihuana meinen ja, dass Cannabis ein kleineres Schadenspotential für den Nutzer hat als Alkohol. Aber sicher macht´s wie immer die Dosis und die Häufigkeit.

Meint mw

Sammlers Traum und ein Meer aus Farben

Sammlers Traum  steht auf einer kleinen orangenen Tüte mit Samen von der Ringelblume, die ich auf der IGA geschenkt bekam – von wem? Na, von den Orangenen, der BSR. Ich bin auf der IGA in Marzahn und ich möchte Sie mitnehmen auf meinen Rundgang durch ein Meer aus Farben.

Viele Tage lang blieb mir der Eindruck meines diesjährigen IGA Besuchs im Kopf – ein weites bienensummendes Wiesenmeer  und darüber die Seilbahn, am Horizont wie ein weißes Ufo der „Wolkenhain“, die Aussichtsplattform.  Die Weitläufigkeit dieser IGA hat mich sehr beeindruckt, es finden sich immer wieder Wege, auf denen man fast alleine geht und sich vorbereiten kann auf den nächsten Blumen Eindruck. Vorbei an wunderschön angelegten Beeten, dem Märkischen Garten, über den Wuhlesteig, am  Umweltbildungszentrum mit Seeterrassen vorbei auf der Kienberg Promenade bis zum „Projekte der Lebenskultur“.

Drei witzige Dächer leuchten von Weitem,  vorbei am Iglu „Inside the flowers“ gehe ich direkt auf  die begehbaren Müllskulptur des Künstlerkollektiv raumlaborberlin zu , das es für die BSR entworfen hat. Die Idee dahinter sind innovative Projekte als Beitrag zu Erhaltung von Natur,  interessant und horizonterweiternd.  Schindeln aus alten Milchtüten, die silbern glänzen, bunte Plastiktüten-Tapeten und Pflanzentöpfe aus recyceltem Material… ein kluger Gedankenaustausch mit den BSR-Herren und eine kleine orange Tüte, mein  Ringelblumen-Samen-Geschenk.

Meine Tour hat am Eingang Kienbergpark begonnen und ich gehe die erste Strecke zu Fuß, damit ich mir einen Eindruck erlaufen kann – auf dem Rückweg will ich dann die Seilbahn nehmen, denn da werden meine Füße müde sein. Eine kluge Entscheidung, wie sich nach vier Stunden herausstellte.

Nach dem netten Gespräch mit den BSR Herren geht’s nun zu den „Wassergärten“ mit Ziel Blumenhalle, die am anderen Haupteingang „Gärten der Welt“ liegt. Ein „Mehr an Farben“ wird zum Meer von Blüten und Blumen.  Eine Überfülle von herrlichen bunten Blumenarrangements, die mich stundenlang in der Halle verharren ließen. Beglückend für einen Blumenfreund. Dann geht es vorbei am Fuß der Seilbahnstation zu den „internationalen Gartenkabinetten“, die teilweise überaus beeindruckend waren – von einem Thailandischen Garten über einen chinesischen „Dule Yuan“ / Garten des abgeschiedenen Vergnügens, bis zu einem australischen Entwurf. Das ist wahre Gartenkunst und hätte die Herren Lené und Pückler sicher erfreut.

Nun komme ich an den Renaissancegarten, der schon zwar eine Weile zu den Gärten der Welt gehört, aber inzwischen eingewachsen ist und an diesem sonnigen Tag Schatten und Wohlgerüche in Fülle gewährt. Ich lasse den Arenenbereich rechts liegen und widme mich weiter der „Gartensituation – Haus und Privatgärten“. Witziges, Anregendes und Eigenartiges begegnet mir.  Gegenüber vom Dahliengarten  lockt ein Englischer  Garten, der allerdings heute zumindest nicht meine ganze Aufmerksam hat. Erstaunlich vielfältig und großzügig ist die Abteilung Grab- und Denkmal geworden. Wirkliche schöne, ästhetische Bepflanzung – es gibt kaum gerade Formen, sondern eher verspielt und schwungvoll. Interessant fand ich auch den Friedhof der Natur, wo die Gräber bepflanzt sind mit Bienenweiden und Bienenhotels auf den Wegen.  Wieder gehe ich vorbei an herrlichen Rabatten, eine Augenweide, die mich zum (neuen) Eingang des Orientalischen Garten bringt.

Die „Gärten der Welt“ sind schon immer ein magnetischer Anziehungspunkt für mich gewesen, aber durch die IGA  sind sie noch umfangreicher, interessanter, spannender geworden, sozusagen eine Parkanlage im „deluxe Format“. Den koreanische, japanischer, christlichen Garten, die ich  ja schon öfters besucht habe, lasse ich ein wenig außen vor – allerdings nicht den Bali Garten, der eine neue Tropenhalle bekommen hat und ein weiteres Juwel auf dem Gelände geworden ist. Und so folgt ein Highlight dem nächsten.

Endlich gönne ich mir etwas zu trinken an einem der vielen Restaurationen und mein Blick fällt auf den üppig blühenden Rosengarten. Entfernt nehme ich auch die Schwanzspitze des neuen Wals auf dem Wasserspielplatz wahr.

Über den chinesischen Garten geht es nun langsam zurück zum Haupteingang „Gärten der Welt“  – jetzt komme ich noch einmal an der herrlichen Wiese vorbei, die für die IGA zur Bienenweide gestaltet wurde.

Ich stehe in der Schlange zur Seilbahn  und bin erstaunt, wie zügig man „abgefertigt“ wird und eine Gondel besteigen kann. Nun geht es über das IGA Gelände hinauf zum Kienberg. Viel Grün, viel hohe Bäume, so dass auf dieser Fahrt fast enttäuschend von den vielen gepflanzten Blumen kaum etwas zu sehen ist. Oben angekommen eröffnet sich ein schöner Blick auf Berlin-Lichtenberg, Marzahn und Hellersdorf  und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass alle diese Wohnungen mit der IGA einen wirklichen Mehrwert gewonnen haben. Dieses wunderbare, große Gelände direkt vor den Augen und der Nase ist ein großer Zugewinn. Ich würde mir, wenn ich hier leben würde, umgehend eine Jahreskarte besorgen.

Auf der zweiten Strecke der Seilbahn hinunter zum Haupteingang Kienbergpark sehe ich wieder den Wuhleteich und von oben wird besonders deutlich, wie wunderbar natürlich inzwischen die Ufer des künstlich angelegten Teichs bepflanzt und zugewachsen sind.

Meine Füße tun mir nun ordentlich weh, aber meine Kopf ist voller bunter Eindrücke und mein Gärtner/Blumenherz ist erfüllt – und wie schon gesagt, der Eindruck blieb mir lange haften.

Nutzen Sie die Gelegenheit, dass  die IGA dieses Jahr in Berlin  zu Gast ist und besuchen Sie diese wunderbaren Gärten der Welt und das Meer von Blumen. Die Anfahrt ist denkbar einfach: Sie nehmen die U5 ab Alexanderplatz , steigen „Kienbergpark“ aus und  – wenn Sie an der Oberfläche angekommen sind –  überqueren die Straße und schon sehen Sie den Haupteingang „Kienberpark“.  Mit Auto werden Sie auf einen etwas weiter entfernten Parkplatz dirigiert und von dort bringt Sie ein Shuttle-Bus zum Haupteingang. Also, carpe diem und viel Spaß im Blumenmeer!

Bleiben Sie neugierig

go

Fotos (c) go, mw

 

 

 

Schinkel trifft Zeitgeist

Die im 2. Weltkrieg ausgebrannte, in ihrer Bausubstanz aber intakte  Berliner Bauakademie, eines der Hauptwerke Karl Friedrich Schinkels und erstes Zeugnis modernen Bauens,  wurde im Zuge der Errichtung der sozialistischen Innenstadt bis 1962 abgerissen. Es wurde Baufreiheit geschaffen für die Errichtung des DDR-Außenministeriums, eines Schuhkarton-ähnlichen Gebäudes, das wiederum 1996 abgerissen wurde. Derzeit flattert noch die zerfledderte Attrappe der Außenstruktur der Bauakademie aus dem Jahr 2005  im Wind, aber bald wird hier etwas  geschehen.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat 62 Millionen € für die Rekonstruktion der Bauakademie zur Verfügung gestellt. Durch die von DDR-Denkmalpflegern nach dem Abriss  initiierte Erhaltung nicht –serieller Bauteile wie Terrakotten und Formsteine kann Schinkels gerasteter Ziegelbau wahrscheinlich präzise wieder errichtet werden. Im Februar dieses Jahres wurde im Kronprinzenpalais ein 3-stufiges, ergebnisoffenes Dialogverfahren vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit eröffnet, in dem es um die Entwicklung eines Nutzungskonzepts geht. Dies soll dann im  Planungswettbewerb als Grundlage dienen.

Was bedeutet das aber für Schinkels Bau, einer Ikone der architektonischen Moderne? Bestimmt die Nutzungskonzeption den Bau oder sollten nicht eher die von Schinkels umgesetzten ästhetischen  Ansprüche oberstes Gebot sein? Und erst danach die Überlegungen zu  gastronomische Bedürfnisbefriedigung und Eventkultur? Das Haus sollte doch eher, wie die Kammern und Verbände der planenden Berufe in einer im März veröffentlichten Resolution forderten, der Information und Diskussion über das Planen und Bauen der Zukunft dienen.

Städtebaulich interessante, aber im Krieg zerstörte Gebäude (und nicht nur diese)  wurden in der DDR aus Ignoranz, aus ideologischen Gründen, ja aus Hass auf den bürgerlichen Staat abgerissen. Wie steht man heute nun zum historischen Erbe? So ideologisch aufgeladen wie derzeit und so kompromisslos war mir die Diskussion um die alte Berliner-Mitte (https://berlinab50.com/2015/02/20/misstraut-den-grunanlagen/), um das Schloss und seine Kuppel, aber auch über Luther und die Infragestellung seiner (kritischen) Würdigung bisher nicht in Erinnerung. Die fahrlässige und unreflektierte Verknüpfung heutiger Wissensstände/moralischer Standards mit dem Agieren damals lebender Menschen in ihrem historischen Kontext führt zu monströsen Beschuldigungen und Denunziationen, die zumindest peinlich oder lächerlich sind. Werden wir bald Zeuge folgender, derzeit noch fiktiver Diskussionen: „Hat nicht auch dieser Schinkel in der „Tradition der preußischen Staatskirche mit ihrer engen Verbindung von Kanzel und Bajonett (wie die FAZ unlängst schrieb)“ Kirchen und sogar Schlösser für Monarchen gebaut? Hat Schinkel jemals an einer Lichterkette gegen preußischen Militarismus teilgenommen oder an einer Mahnwache gegenüber vom Schloss? Na gut, 1848 war er schon tot. Halle-Neustadt ist jedenfalls nicht von Schinkel. Was hat Schinkel aber für die Berliner Arbeiter und die Verbesserung ihrer sozialen Situation getan? Regenbogen malen allein reicht da nicht zur Entlastung.“  In diesem Zeitgeist  erscheint mir der Wiederaufbau der Bauakademie fragwürdig. Unser Kultursenator wird, wie bei der Alten Münze („House of Jazz“ / wurde von ihm abgelehnt!), schwer über die Verwendung des Bundesgeldes unter Berücksichtigung sozialer und historisch zeitgeistkorrekte Erwägungen nachdenken müssen. Ob er hier auch das Geschenk des Bundes ablehnt?

Wie wäre es stattdessen mit einer öffentlichen Bedürfnisanstalt für alle 40  bei Facebook geführten Gender-Geschlechter? Das wäre weltweit einmalig und innovativ, würde glatt die Mehrheit im Bundestag (man denke an die Zustimmung zur „Wippe“, die nur wenige Berliner wirklich gut finden)  bekommen und niemand diskriminieren.

Die Ausstellung  „Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie – Historische Rekonstruktion oder Neuinterpretation?“  im Roten Rathaus zeigt Semesterarbeiten des Masterstudiengangs Architektur der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Sie haben noch bis 05.September 2017 Zeit, sich diese studentischen Arbeiten wochentags zwischen 10:00 und 18:00 Uhr (am 25.07.2017 ist geschlossen) im Rathaus anzusehen. Eingang Rathausstr 15, 10178 Berlin.

Bleiben Sie offen, meint mw

Fotos (c) mw

Wer die Wahl hat, hat die Qual …

… ein paar hilfreiche Tipps zur Reisezeit

Es ist wieder Urlaubszeit. Die Ferien haben begonnen, die Stadt wird leerer und wie immer die Stadtautobahnen voller. Wie verbringt man nun diese Zeit? Auch ich werde Berlin verlassen, um ein anderes Klima kennen zu lernen.

Früher war das aus meiner Sicht deutlich einfacher: Man fuhr in den Bayerischen Wald oder in die Lüneburger Heide. Aber halt und stopp! Schon am Anfang musste man ja in Dreilinden, oft bei großer Hitze, stundenlanges Warten und mindestens das Kofferraumöffnen in Kauf nehmen, wenn nicht sogar die Sitzbank anheben.

Dann kam die Zeit als wir uns, typisch deutsch, an Italiens Stränden in Reih und Glied grillen ließen. Das war schön. Vor allem, weil uns die Musik von Rita Pavone oder Al Bano und Romina Power immer noch im Ohr klingt. Die Insel Mallorca wurde dann schon als 13. Bezirk von Berlin vereinnahmt. Das war die Zeit als der Flughafen Tegel nur eine kleine Abfertigungshalle hatte und der BER damals wie heute ein Zukunftsroman mit Science-Fiction-Charakter  war. So, das war ein kleiner Rückblick auf (vielleicht) schönere Zeiten.

Heute dagegen ist die Entscheidung gar nicht so einfach. Theoretisch können Sie überall hin, praktisch schränkt der Preis ein wenig ein. Sie wissen ja, es gibt verschiedene Arten von Reisebucher: der Stichtag zum Einordnung ist eigentlich der 1. Januar (also nach den Feiertagen) mindestens 2 Jahre vorher, warum? Es gibt nämlich die Sehr früh-, Früh-, Normal-, Spät-, Sehr spät-, Last Minute- und Schalter-Bucher.  Da geht es schon los mit den Preisen, dem Preisdschungel. Das Ziel ist noch nicht klar, aber diese Überlegungen treffen auf fast alle Reisen zu. Also nicht nur für den Sparfuchs gibt es Rabatte. Fangen wir an bei den Stammkunden und den Frühbuchern. Die erhalten schon gute Preise. Sitzt aber ein Last Minute- Gast neben Ihnen, können diese Unterschiede zur Diskussion über den Reisepreises führen.

Dann kommen zu den unterschiedlichen Preisen noch die Vielfahrer, Familien mit und ohne Kinder oder in Begleitung von Oma im Rolli, die Hochzeitsreisenden mit oder ohne Suite, Erstreisende Schüler (meist Internetbucher) oder seltsamerweise Paare, die in Trennung leben (Achtung: Einzelzimmer erheblich teurer). Dann die Fkk-ler und die Fitness- und Rock’n‘ Roll oder Schlagerliebhaber. Es gibt sogar Gruppenreisen für Menschen mit den verschiedensten Neigungen. Für all diese gelten Preisunterschiede für ein und dieselbe Reise.

Schwierig wird es nun mit der Anreise, also wie und mit wem kommen Sie an Ihr Reiseziel? Fangen wir mal mit einem Flug an. Sofort stellt sich die Frage nach den Kofferbestimmungen, die vor Reiseantritt beim Veranstalter nachgefragt werden sollten: Allgemein Traveller in der Economy Class 23 kg, meist 158 cm = Breite + Höhe +Tiefe. In der Business Class schon 2 Stücke á 32 kg. Und – das nur nebenbei – in der First Class sogar 3 Stücke á 32 kg. Über das Mitnehmen Ihrer Skiausrüstung Surfbretter oder Tauchausrüstungen (besonders der Tauchflaschen) Bikini oder Badeshorts ist gesondert anzufragen.

Als besonders schwierig stellt sich aber, oft bei Kurzreisen, die Frage des Handgepäckes heraus. Bevor Sie in ungläubiges Staunen, evtl. Kreislaufkollaps oder Schwindelgefühl am Checkin – Schalter versetzt werden, lesen Sie vorher nach, welche Maße  und welches Höchstgewicht ohne Aufpreis mitgenommen werden darf. Noch ein kleiner Tipp: Die Maße sind inclusive hervorstehender Rollen sowie evtl. vorhandenen Griffen zu begreifen!

Wenn Sie nun einen Abflug außerhalb von Berlin buchen müssen, weil nicht jedes Flugzeug direkt – Achtung: Direktflug?! Non Stopp Flug?! – ab Berlin zum gewünschten Ziel fliegt, wird es schwierig. Sie müssen also die Bahnfahrt buchen: am Schalter an Ihrem Bahnhof, bei der Mobilitätsservice-Zentrale, am roten Automaten (soweit vorhanden) im Bahnhof, im Internet (nur für Könner), im Zug (Achtung: Schwarzfahrerverdacht).

Die nächste Frage stellt sich: welche Art von Zug wählen Sie und warum? Vor allen Dingen was bedeuten die vielen Abkürzungen? DB bedeutet Deutsche Bahn, es könnte aber auch bedeuten: Datenbestand, Deutsche Bank, Deutsche Bibliothek, Dauerbetrieb, Deutsche Burschenschaft oder auch Durchführungsbestimmung. Es gibt noch viele andere Abkürzungen für DB

Jetzt aber weiter: welche Zugart möchten Sie wählen. Früher fuhr man mit dem D-Zug. Heutzutage haben Sie die Wahl zwischen: EC-Züge – EC ist die Abkürzung für Eurocity, ICEZüge – ICE ist die Abkürzung für Intercity-Express. IC-Züge – IC ist die Abkürzung für Intercity, Internationale Fernzüge – die Abkürzungen sind TGV und RJ. Die Abkürzung für Regionalbahn ist RB und RE ist die Abkürzung für Regional-Express, die Abkürzung für Interregio-Express ist IRE Das alles hat natürlich seinen Preis. Zum Schluss dann die Überlegung ob Sie ein Quer-durchs-Land-, ein Schönes-Wochenende-, oder ein Länderticket brauchen. Spielt vielleicht noch eine Rolle ob für Berufstätige, Rentner, Kinder oder Schwerbeschädigte?

Als Alternative bietet sich natürlich der IC Bus – der  Fernbus der Bahn ab 9,90 Euro – an, falls er noch fährt. Ansonsten nutzen Sie vielleicht den Fix- oder Foxibus vom ZOB (Zentraler Omnibus Bahnhof).

Sie können aber auch ganz individuell mit Ihrem eigenen Auto verreisen. Der große gelbe Autoclub verrät Ihnen ganz genau die Kosten pro Kilometer für Ihr eigenes Automobilmodell. Jetzt nur noch den Aktuellen Benzinpreis dazurechnen und daraufhin ggf. die Abfahrt verschieben.

Nun haben Sie alle Vorbereitungen getroffen und ich garantiere Ihnen, am Urlaubsort werden auch Sie sich natürlich über ihren Reisepreis unterhalten. Sie sind aber fit und können in jedem Fall Ihren Reisepreis verteidigen. Nur durch das Lesen dieses Blog Beitrages, den Sie dann auch weiter empfehlen werden.

Von mir erhalten Sie jedenfalls demnächst einen Reisebericht der besonderen Art von einem Tattoo auf einer berühmten Insel.

Gute Reise und Schöne Ferien wünscht

Ihr brd

 

Grün ist gesund….

Sind  selbstgesammelte Blatt- und Grasprodukte  immer auch automatisch  gesund?

Im Internet werden  Wildkräuterführungen und Kräuterwanderungen und die Ausbildung zur Kräuterfachfrau angeboten, aber es können auch fertige Produkte aus Blättern und Gräsern bezogen werden.  Über die  Herstellung von „Grünen Smoothies“  wird berichtet und  es wird darauf hingewiesen, dass die selbst gesammelten Löwenzahnblätter, Gundermann-Blüten , Hornveilchen, Kapuzinerkresse, Giersch und  Sauerampfer außerordentlich gesund und  nicht  – wie im Supermarkt – „chemisch verseucht“ sind.

In der Tat, Gras- und Blattprodukte sind keine definierte Lebensmittelgruppe und unterliegen, da selbst gesammelt, keinerlei staatlicher  Kontrolle. Natur bedeutet aber auch, dass Ausscheidungen von Wildtieren, Schnecken und anderem Getier  anhaften können, Staub sich absetzt und wir davon nichts am Wildkraut sehen. Ich habe übrigens bei einer (kleinen)  Recherche   in  Anleitungen  zum Sammeln oder in den Tipps zur Herstellung von Blattprodukten keine Hinweise auf mögliche Gefährdungen durch humanpathogene bakterielle Kontamination gefunden.

Bereits vor 350 Jahren wurden erstmals Bakterien von Antoni van Leeuwenhoek  beschrieben, Louis Pasteur erfand die Ausschaltung bakterieller Prozesse durch Erhitzen aber erst im 19. Jahrhunderts  suchte der Bakteriologe  Robert Koch systematisch nach Mikroorganismen, die Krankheiten auslösen (Tuberkuloseerreger). Wie beim Menschen, gibt es auch bei Baktereien gute, weniger gute  und recht gefährliche Vertreter. Bakterien sind überall im und am menschlichen Körper anzutreffen. Humanpathogene  – also für den Menschen schädliche Bakterien in Lebensmitteln, wie Salmonellen  oder Listerien, führen wegen  mangelhafter Hygienemaßnahmen immer  wieder zu Massenerkrankungen mit unterschiedlich schweren Verlaufsformen (Durchfall, gefährdet sind dabei besonders Kinder und Ältere).  Sie erinnern sich sicher, das Darmbakterium EHEC,  das vermutlich aus bakteriell kontaminierten, selbstgezogenen Sprossen stammte,   löste 2011 in Deutschland eine Epidemie aus, in deren Folge 4300 Menschen erkrankten und 49  am hämolytisch-urämischen Syndrom starben.

Da der Trend zur alternativen Ernährung mit Blatt- und Grasprodukten aus Wildsammlungen anhält, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) jetzt eine ausführliche Stellungnahme zur Belastung von Blatt- und Grasprodukten mit Bakterien, die beim Menschen Erkrankungen verursachen können, vorgenommen und einige Tipps zur Vermeidung von Infektionen mit humanpathogenen Bakterien gegeben:

http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2017/28/lebensmittel_aus_blaettern_und_graesern_koennen_krankheitserreger_enthalten-201250.html

Die Tipps vermeiden jede Art von Panikmache, lassen einem die Freude am Selbstgesuchten und sind  einfach umzusetzen . So sollten die beliebten grünen Smoothies aus Kräutern und Spinat bis zum Verzehr möglichst bei maximal 7 °C gelagert und am Tag der Herstellung verbraucht werden. Durch eine starke Säuerung der Smoothies, zum Beispiel durch Verarbeitung von Zitrusfrüchten oder Zugabe von Zitronensaft, lässt sich die Vermehrung humanpathogener Bakterien verlangsamen bzw. ganz verhindern.  Kräutertee sollte immer mit kochendem Wasser aufgegossen werden.

Zum Glück gibt es bisher nur wenige belegte Fälle bakterieller  Lebensmittel-Infektionen  durch Gras-oder Blattprodukte.  Ich hoffe, es bleibt so.

Neulich wurde im Tagesspiegel berichtet, dass in Kindergärten vermehrt exotische Tiere gehalten werden. Der aus pädagogischer Sicht verständliche Ansatz, da Kinder  so lernen können,  Verantwortung zu übernehmen, wird von Kinderärzten und Infektiologen sehr kritisch gesehen. Das Robert-Koch-Institut hatte bereits  2013 ausdrücklich davor gewarnt, da der Darm fast aller Reptilien humanpathogene Salmonellen beherbergt, die bei Kleinkindern und Säuglingen auch zu lebensbedrohlichen Durchfallerkrankungen, Blutvergiftungen und Hirnhautentzündungen führen können.  Und was schreiben die Leser? „Durch Mückenstiche sterben viel mehr“ und „Dreck hat noch niemand geschadet“. Naja, da sollte mal eine Mutter in den Kindergarten  eine Pflegcreme mit Parabenen mitbringen oder auch schon ein Wurstbrot, falls die Einrichtung  vegetarisch betrieben wird –   ein Aufstand der besorgten Eltern wäre sicher.

Es ist schon erstaunlich, wie gleichgültig die Öffentlichkeit mit 4300 Erkrankten und 49 Toten durch EHEC umgeht, weil sie nicht auf „die Chemie“ zurückzuführen sind.

Was meinen sie, würden sie gern an den ach so „ natürlichen“ Salmonellen erkranken?

Fragt   mw

 

Isoldes Kinotipp: DER WEIN UND DER WIND

DER WEIN UND DER WIND

Frankreich 2017. 114 Minuten

 

Unter der Regie  von Cedric Klapisch entstand ein Film, der am 10.8. zum gerade richtigen Zeitpunkt ins Kinos kommt, um unsere Sehnsucht nach einem Urlaub in Frankreichs berühmtester Weingegend, den Burgund – vielleicht bei und mit einem guten Glas Wein – zu stillen.

Es ist Spätsommer und die Weinernte steht bevor. Nach vielen Jahren kehrt der dreißigjährige Jean (Pio Marmai) nach vielen Jahren der ‚Funkstille‘ auf das idyllische Familienweingut zurück. Sein Vater liegt im Sterben und seine Geschwister  Juliette (Ana Girardot) und Jeremie (Francois Civil), die das Gut inzwischen aufrechterhalten haben, können jede Unterstützung gebrauchen. So wie sich jedes Erntejahr nach den Jahreszeiten richtet, erkennen die Geschwister, dass manch offene Wunden auch über die Jahre hinweg nicht heilen. Gemeinsam müssen sie entscheiden, ob die Familientradition weitergeführt werden soll oder jeder seinen eigenen Weg geht.

In eindrücklichen Bildern  wird der Prozess der Weinherstellung vorgeführt. Verwoben mit der persönlichen Geschichte von Weinbauern, entsteht fast dokumentarisch genau zum einen die sinnliche Auseinandersetzung mit dem Wein – man spürt ihn förmlich auf der Zunge – und die ganz natürliche zwischen den Familienmitgliedern.

Bewegendes, französisches Erzählkino über die Kunst, das persönliche Glück zu finden – ein filmischer Hochgenuss! (studiocanal)

 

I.A.

 

 

 

 

„Gibt verbrauchte Energie zurück“

„Gibt verbrauchte Energie sofort zurück“  lautet ein bekannter Werbespruch eines Süßwarenherstellers und daran musste ich denken, als ich von einer technologischen Erfindung in den USA las. Eine neue Treppenstufentechnologie soll Älteren  helfen, kraftsparender Treppen auf- und abzusteigen. Im Online-Fachjournal „Plos One“ (http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0179637) wurde ein  Prototyp der Treppe vorgestellt. Die Stufen sind als  Alternative zum Treppenliften anzusehen, bei dem eigene Aktivität nicht eingefordert wird und die außerdem teuer sind.

Metallfedern in den auf herkömmlichen Stufen aufbaubaren Modulen speichern beim Abstieg des Bewohners die Energie, die dieser auf die Stufen abgibt, und geben sie beim Aufstieg wieder zurück. Ältere Menschen sollen so länger in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben können. Die Stufen hängen an Metallfedern befestigt in einem stabilen Aluminiumrahmen. Beim Hinabsteigen werden die Stufen nach unten gedrückt und rasten dort auf Höhe der ursprünglichen Treppenstufe in einen elektromagnetischen Riegel ein, so dass sie nicht gleich wieder hochschnellen. Die Federn sind nun gespannt.  Beim Aufstieg gibt der Elektromagnet eine Stufe immer dann frei, wenn der erste Fuß auf die nächsthöhere Stufe gestellt wird. Dann ziehen die Federn das Trittbrett sanft nach oben und unterstützen beim Aufstieg den nächsten Schritt.  So wird Kraft gespart.

Wie die Forscher in der Studie schreiben, sollen  auf diese Weise vor allem die Kniee entlastet werden. Sensoren auf den Stufen registrieren, ob die Treppe hinauf- oder hinuntergestiegen wird. Die Wissenschaftler sehen in ihrer Erfindung einen deutlichen Vorteil im Vergleich zu teuren Treppenliften. „Aufzüge und Treppenlifte ersetzen den Treppenaufstieg komplett, selbst wenn die Nutzer  – wenn auch unter Mühen – dazu körperlich noch in der Lage wären“  schreiben die Autoren in der Studie. Da damit die Muskulatur weiter  trainiert wird, wird die Hilfestellung  durch die gefederten Stufen als gute Alternative bei vorhandener Gehfähigkeit, aber Kraftlosigkeit angesehen.

Bis die Treppenkonstruktion tatsächlich in die Praxis umgesetzt  werden kann, bedarf es noch weiterer Untersuchungen. So ist ein Problem, wenn verschiedene Menschen  mit erheblich unterschiedlichem Gewicht die Stufen benutzen.  Dann  sind  auch unterschiedliche  Härtegrad der Federn notwendig. Ist der untergewichtige Nutzer die Treppe abgestiegen, wird die Federkraft kaum für den übergewichtigen „Aufsteiger“ reichen.  Dazu werden noch Lösungen gesucht.

Geht es Ihnen auch so, dass Sie sich mit zunehmendem  Alter  durchschaut fühlen, wenn Sie plötzlich Zielgruppe  von Mails  für Treppenlifte (z.B. von der Deutschen Treppenlift Beratung) werden oder Werbung in einschlägigen Zeitschriften ( z.B. ADAC Motorwelt) für „Lifta –der Treppenlift“ auf Sie einprasseln ? Ja, ein untrügliches Zeichen des Älterwerdens. Dafür bleiben nun zum Glück in den Spam-Mails Angebote für Potenzmittel und Penisverlängerungen aus.  Alles hat zwei Seiten

Meint mw

HEIMAT – was ist das?

HEIMAT – ein Dialog mit Senioren und Geflüchtete

Im Seniorenclub Wallotstrasse gebe ich seit langem Kurse zum Drehbuch-Schreiben. Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir mit dieser Gruppe, den Dramatikern,  den Film „Müller kriegt Besuch“ produziert und hier im Blog vorgestellt. Nun sollte es die „Königsdisziplin“, ein Dokumentarfilm werden:

„Die Dramatiker“- 6 Seniorinnen und ein Senior – haben sich ein halbes Jahr  mit ihren eigenen Einstellungen  und Vorstellungen  zu Heimat auseinandergesetzt, um im Rahmen eines Integrationsprojektes  DEINE MEINE UNSERE HEIMAT zusammen mit Geflüchteten einen Dokumentarfilm zu entwickeln. Sie haben intensiv miteinander diskutiert, sich selbst hinterfragt und Fragen an die „Neu-Berliner“ formuliert: Vermissen sie ihre alte Heimat, wollen sie bleiben, wie wollen sie sich integrieren, wie lernt man Deutsch am besten, wie fühlt man sich in fremder Kultur und fremder (schwieriger) Sprache, wie halten sie es mit der Religion, kompensieren Gerüche und Kochen Sehnsüchte, wo kauft man ein, wie kommt man in Kontakt mit Berlinern?

Sieben Geflüchtete konnten wir für unser Projekt gewinnen und so begleiteten  7 SeniorenInnen  7 Geflüchtete für eine kurze Zeit  durch „ihr Berlin“.  An insgesamt 11 Drehtagen wurde vor und hinter der Kamera agiert, immer wieder wurde über filmische Bilder nachgedacht, oft musste die dramaturgische Struktur schon während eines Drehtags neu sortiert werden.  Wie gesagt, „Königsdisziplin“.

Herausgekommen ist ein 40 Minuten Dokumentarfilm:

Er zeigt,  dass die angestrebte Förderung des interkulturellen Zusammenlebens zwischen Asylsuchenden und Berliner SeniorInnen durch dieses Projekt einen  – wenn auch kleinen Schritt –  weitergekommen ist. Durch die gemeinsame, kreative Arbeit wurde der Dialog gestärkt und damit Berührungsängste auf beiden Seiten abgebaut. Den Geflüchteten ermöglichte es ein Kennenlernen der neuen „Heimat“, deren gesellschaftlicher Struktur und Kultur, einen Gewinn an Selbstvertrauen und nicht zu vergessen, auch die Möglichkeit, soziale Kontakte aufzubauen. Die SeniorenInnen  konnten mit diesem Projekt –  neben den handwerklichen Kenntnissen eines Dokumentarfilms – anderer Kulturen kennenlernen  und sich über Lebensläufe, Beweggründe, weshalb Geflüchtete ihr Heimatland verlassen haben, informieren.

Abgesehen von dem Film  haben sich aus dieser gemeinsamen Arbeit noch weitere positive Aspekte ergeben: Ein Praktikum und damit möglicherweise eine Berufsausbildung für eine junge Somalierin, eine Co-Patenschaft mit einer Dramatikerin  und einige Freundschaften, die über dieses Projekt hinaus wirken werden. Das ist mehr als ich am Anfang zu hoffen wagte.

Es war ein spannendes halbes Jahr mit vielen neuen Erfahrungen und bleibenden Eindrücken.

Bleiben Sie neugierig, es lohnt sich immer!

go

 

Ein neuer Code geht um

„Ickwos Berlin“ oder „Hast Du das (normale) Rauchen aufgegeben“?

Als Nichtraucher  sind mir seit einigen Wochen Litfaßsäulen und  BVG-Stationen mit monothematischer Werbungen aufgefallen, die einen eigentümlichen Code „IQOS“ und die Bezeichnung „Berlin“ aufwiesen. Erst der darunter stehende Hinweis “ Rauchen ist tödlich“ gab mir einen Idee, um was es sich dabei handelt. Und so war es werbetechnisch vermutlich auch gedacht: Aufmerksamkeit erregen und zur Suche nach zusätzlichen Informationen animieren. Für alle Nicht –Raucher hier ein kleiner Überblick, worum es geht.

Ausgangspunkt der Tabakkonzerne für die Flucht nach vorn sind die Maßnahmen wie Tabakwerbeverbot, Steuererhöhung, Rauchverbot oder Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen, durch die  laut WHO-Angaben  derzeit rund 60 Prozent der Weltbevölkerung über die gesundheitlichen Folgen des Rauchens erfahren bzw. vom Rauchen abgehalten werden sollen. Nach wie vor sterben jährlich rund sieben Millionen Menschen weltweit an den Folgen von Tabakkonsum. Trotz aller Verbote ist in Deutschland –  im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern – derzeit Plakatwerbung für Zigaretten noch erlaubt, deshalb wahrscheinlich die massive Kampagne. Auf der Suche nach ungefährlicheren Alternativen stand am Anfang der Nikotinkaugummi, der ein langsames Abgewöhnen von der Nikotinabhängigkeit ermöglichen sollte. Völlig unerotisch für Raucher und mit Nebenwirkung wie z.B. Magendrücken belastet. In den letzten sieben Jahren kamen dann die elektronischen Zigaretten dazu: Beim Rauchen von E- Zigaretten werden sogenannte Liquids, d.h. Flüssigkeiten, die Nikotin und Aromastoffe enthalten, verdampft. Es gibt auch nikotinfreie Varianten. E-Zigaretten sind weniger gesundheitsschädlich als herkömmliche Zigaretten, aber auch nicht völlig unbedenklich. So ist zum Beispiel unklar, wie sich die enthaltenen Aromastoffe langfristig auf die Gesundheit auswirken. Außerdem konnten E-Zigaretten viele Raucher nicht überzeugen, da der Tabakgeschmack fehlt und der  „Nikotinkick“ ausblieb.

Nun gibt es eine neue Variante, für die so heftig geworben wird. Sie soll inhalierbaren Dampf durch Erhitzen (und nicht Verbrennen!) von Tabak erzeugen und so die Nikotinsucht befriedigen und gleichzeitig einen Tabakgeschmack bieten. Bei den herkömmlichen Zigaretten entstehen  beim Verbrennen von Tabak bei 600 – 800 Grad vielfältige krebserzeugende Inhaltsstoffe, die inhaliert werden. Dies soll  mit der Erhitzungsmethode  minimiert werden. In den batteriebetriebenen Geräten werden kurze Stränge aus komprimiertem Feinschnitttabak, sogenannte „Heatsticks“ auf etwa 300° C erhitzt und die Dämpfe/Aerosole  inhaliert.  IQOS ist der Name einer solchen „Heat-not-Burn-Zigarette“, die Philip Morris International jetzt als erste Firma bundesweit auf den Markt gebracht hat, die Produkte der Konkurrenten sind noch nicht in Deutschland erhältlich.  Die Abkürzung IQOS bedeutet “I quit ordinary smoking»„ also: „Ich habe das normale Rauchen aufgegeben„.

Der Markt ist riesig, die Entwicklungskosten lagen bei 1 Mrd. Dollar. Aber ist  das Einatmen erhitzter Tabakbestandteile  harmloser als das Rauchen, wie die Werbung behauptet? Hersteller-Studien zeigen, dass beim Erhitzen von Tabak in einer „Heat-not-Burn-Zigarette“ ein Aerosol  entsteht, das nikotinhaltig ist, aber weniger schädliche Substanzen enthält. Im herkömmlichen Tabakrauch entstehen über  4800 verschiedenen Substanzen, von denen mindestens 250 giftig oder krebserregend sind. Unabhängige Studien oder Langzeituntersuchungen  zu den Schadstoffen und den Auswirkungen von IQOS auf die menschliche Gesundheit  gibt es dazu derzeit noch nicht.  Die US-Behörde FDA will die Gesundheitsrisiken von IQOS prüfen und  auch das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin plant eine Bewertung. Doch selbst wenn diese Untersuchungen die  im Vergleich zur klassischen Zigarette niedrigere Schadstoffbelastung bestätigen, sagt das nichts über die Suchtgefahr und die Langzeitwirkungen aus. Zur „Entlastung“ von IQOS müssten dazu epidemiologische Studien durchgeführt werde, die  Jahrzehnten dauern, um nachzuweisen, dass  Konsumenten von Heat-not-burn-Produkten länger leben als Raucher und seltener Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs bekommen.

Also, lieber die Finger weg und endlich den Silvester 2016  getroffenen Vorsatz „in diesem Jahr höre ich mit Rauchen endlich auf“, umsetzen. Vielleicht hilft  ein Coach dabei!

Meint mw

Isoldes Filmtipp: Die göttliche Ordnung

 Die göttliche Ordnung

Ein Film von Petra Volpe

Schweiz 2016, 97 Minuten. Kinostart 3. August 2017

 

Schweiz 1971. Nora (Marie Leuenberger), ist eine junge Hausfrau und Mutter, die mit ihrem Mann, den zwei Söhnen und dem missmutigen Schwiegervater in einem beschaulichen Dorf  im Appenzell lebt. Hier ist wenig von den gesellschaftlichen Umwälzungen der 68er Bewegung zu spüren. Die Dorf- und Familienordnung gerät jedoch gehörig ins Wanken, als Nora beginnt, sich für das Frauenwahlrecht einzusetzen, über dessen Einführung die Männer abstimmen sollen. Von Nora werden auch andere Frauen angesteckt und sie proben einen gemeinsamen Aufstand…

Es ist eine warmherzige und bis in die Nebenrollen überzeugend besetzte Komödie entstanden – ganz authentisch, zum Schreien komisch und im Lachen kann man weinen!

Leider muss man feststellen, dass auch im heutigen Deutschland, trotz des fast 100jährigen Frauenwahlrechts, Männer und Frauen immer noch nicht in allen Punkten gleichberechtigt sind.

Als eines der letzten europäischen Länder führte die Schweiz erst 1971 das Wahlrecht für Frauen ein. Die Regisseurin und Drehbuchautorin Petra Volpe geht zurück in die Schweiz der 70er Jahre und lässt dort chauvinistische Vorurteile und echte Frauensolidarität aufeinander treffen.

„Die göttliche Ordnung“ wurde mit drei Schweizer Filmpreisen und dem Prix de Soleure der Solothurner Filmtage ausgezeichnet. Beim Tribeca Filmfestival in New York gewann der Film den Zuschauerpreis und den Nora-Ephron-Preis. Marie Leuenberger wurde als beste Schauspielerin in einem internationalen Film geehrt.

Am 30. November 1918 erhalten die Frauen in Deutschland das aktive und passive Wahlrecht, hingegen zur selben Zeit das Frauenstimmrecht in der Schweiz abgelehnt wird. Erst 1990 führt Appenzell Innerrhoden als letzter Kanon das Stimmrecht für Frauen auf kantonaler Ebene ein, gegen den Willen der männlichen Stimmbürger.

 

I.A.