Berlin ab 50…

… und jünger

Freundschaft

Das zarte Band der Freundschaft

Am Freitag habe ich eine gute Freundin ins Sterben begleitet – das war nicht wirklich so  vorgesehen, aber es ging die letzten Stunden sehr schnell.  Der Verlauf des Endes  war dann auch so, wie sie es sich immer gewünscht hat: Zu Hause, friedlich und  schmerzfrei. Ein gutes Gefühl, das auch der großartigen ärztlichen Betreuung  zu verdanken ist.  Neben der Fürsorge ihres Sohnes ermöglichten meiner Freundin in den letzten Monaten und Wochen ihrer schweren Krankheit den Aufenthalt zu Hause vor allem Freunde. Dass so viele auch in schweren Zeiten an ihrer Seite standen, hat viel damit zu tun, wie sie diese Freundschaften pflegte.

Meine Freundin hat sich mit 65 noch einmal verpflanzt, zog nach Berlin und baute sich einen neuen Freundeskreis auf, sie veranstaltete – so lange es ihre Krankheit erlaubte – einen jour fix, hegte und pflegte ihre Freundschaften. Sie war neugierig , offen und interessiert. Und diese Haltung ermöglichte ihr auch eine gutes Ende. Es war ein Glück  für alle Beteiligten.

Und man ging gerne zu ihr, brachte ihr Neuigkeit aus der Welt mit, diskutierte mit ihr über Politik, Filme, Theater   – sie nahm am Leben teil, auch wenn sie kaum mehr aus dem Haus kam. Und sie behielt sich ihre Lebensfreude und ihren Humor, bis zuletzt.

Wir haben zu zweit die letzten wachen Stunden bei ihr gesessen, haben mit ihr geredet und versucht, die Angst zu nehmen.  Wir haben zu viert den Abend verbracht und ihr Hinüberschlafen betrachtet –

Beim letzten Atemzug haben die beiden liebsten Menschen ihre Hand  gehalten, wir haben zu viert eine halbe Stunde nach dem Tod an ihrem Bett gestanden…und gemeinsam geweint.

Heute, zwei Tage danach überkommt mich ein großes Gefühl von Dankbarkeit   – zum einen weil wir ihr das Sterben so schmerzlos gestalten konnten und zum anderen, weil sie mir ein großes Vorbild sein wird.

In unserer modernen Gesellschaft wird es  – davon bin ich seit letzten Freitag noch mehr überzeugt- immer wichtiger werden, Freundschaften zu hegen und zu pflegen. Berlin ist eine Stadt der Singles, wir alle sind so gerne Individualisten, wir sind froh um unsere Selbstbestimmung, Familienmitglieder sind oft weit verstreut, die Großfamilie gibt es schon lange nicht mehr. So muss sich unsere Gesellschaft eine neue Form der Gemeinschaft schaffen – sie baut auf Freundschaft. Und die muss man pflegen.

Ich werde noch mehr als sonst mir sagen, carpe diem – und pflege Deine Freunde!

Ich denke,  Freundschaft wird unsere Zukunft sein, sehen Sie das auch so?

go

Ein Kommentar

  1. I.A.

    L
    eider habe ich diesen großherzigen Bericht erst jetzt gelesen! Das tut mir leid, denn er macht Mut zur Pflege und zum Erhalt von Freundschaft bis hin zur Liebe zu diesem e i n e n Menschen. Danke auch dafür!

    I.A.

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