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… und jünger

Die beiden letzten großen Entscheidungen im Leben….

 Patientenverfügung und Organspendezustimmung:

Was man bei einem Aufeinandertreffen wissen muss:.

Beide Erklärungen erfordern Mut. Bedeuten sie doch, dass wir uns mit dem Ende unseres Lebens auseinandersetzen müssen. Mit unserem Sterben und mit unserem Tod. Und wir müssen es jetzt tun, mitten im Leben.. Denn wenn

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Selbstbestimmung für uns existenziell ist, müssen wir uns auch mit dem Endgültigen auseinandersetzen: Wie wollen wir sterben und: Soll unser Tod anderen zum Leben verhelfen?

Dass wir sterben, können wir nicht beeinflussen – unser freie Wille, wenn es ihn überhaupt gibt, kann an der Bestimmung unseres Endes nichts ändern.. Aber wir sind frei, dieses Ende mitzubestimmen und darüber zu verfügen, was mit unserem Körper geschieht.. Für die meisten ein tröstliches Wissen: Nicht von den Entscheidungen anderer abhängig zu sein.

Seit dem Jahre 2009 ist diese Form der Patientenverfügung auch juristisch verankert – eine Grauzone ist beseitigt.

Sie haben also die Möglichkeit, zwei Erklärungen zu formulieren: sowohl die Verfügung, auf lebenserhaltende Maßnahmen zu verzichten als auch Ihr Einverständnis zur Organentnahme. Selbstverständlich können Sie sich auch anders entscheiden: für Lebenserhaltung und gegen Entnahme. In jedem Fall gilt: Ihr Wille ist bindend.

Auf eine besondere Konstellation sollten Sie vorbereitet sein: Wenn Sie gegen eine künstliche Lebensverlängerung sind und für eine Organspende, treffen im Grunde zwei Situationen zusammen, die nicht zusammenzupassen scheinen: Aus folgendem Grund:

Eine Organspende ist nur dann zulässig, wenn der Hirntod festgestellt ist

Es ist ein schwieriges Verfahren, einen Hirntod zu diagnostizieren. Und das heißt weiter: Bis zur endgültigen Feststellung und bis zur Entnahme von Organen müssen die intensivmedizinische Maßnahmen fortgesetzt werden.

Das wiederum scheint der Patientenverfügung, die ja gerade lebensverlängernde Maßnahmen ausschließt, zu widersprechen.

Da diese Fälle des Aufeinandertreffens von Patientenverfügungen und Organspendeerklärung immer häufiger werden (und – im Sinne derer, die auf eine Organspende angewiesen sind – hoffentlich weiter zunehmen), hat die Ärztekammer zu Beginn dieses Jahres ein „Arbeitspapier“ herausgegeben, das für diese Fälle Leitlinien aufzeigt.

Die Leitlinien befassen sich mit unterschiedlichen Konstellationen:

Z.B. mit der Situation, dass bei einem Patienten auf der Intensivstation vermutet wird, dass der Hirntod bereits eingetreten ist (der Patient hat sowohl eine Patientenverfügung als auch eine Organspendeerklärung verfasst): In diesem Fall sind für eine begrenzte Zeit intensivmedizinische Maßnahmen gedeckt, stehen also nicht im Widerspruch zu der Patientenverfügung. Denn: Aufgrund der Organspendeerklärung wird vermutet, dass der Patient den dafür notwendigen medizinischen Maßnahmen zugestimmt hat.

Und das heißt für Sie: Wenn Sie beide Erklärungen verfasst haben, haben Sie zugleich zugestimmt, dass  für den Zweck der Organentnahme lebenserhaltende Maßnahmen durchgeführt werden.

Anders ist die Situation, wenn vermutet wird, dass der Hirntod in wenigen Tagen eintreten wird (auch hier hat  der Patient beide Erklärungen abgegeben). In diesem Fall dürfen lebenserhaltende Maßnahmen nur nach Zustimmung der Angehörigen (oder der Vertreter) eingesetzt werden. Denn in dieser Konstellation ist nicht voraussehbar, wann der Hirntod eintreten wird; intensivmedizinische Maßnahmen würden also den Sterbeprozess verlängern

Aus der Organspendeerklärung kann dann nicht gefolgert werden, dass lebenserhaltende Maßnahmen vom Sterbenden gewollt sind.

Eine andere Situation wiederum ergibt sich, wenn eine Herzstillstand vorliegt. Ist dann eine Reanimation zulässig? Wenn der Patient einer Reanimierung widersprochen hat, dann ist, so die Leitlinien der Ärztekammer; eine solche Maßnahme nicht vertretbar. Und zwar deswegen, weil nicht voraussagbar ist, ob der Hirntod als Voraussetzung für die Organentnahme eintreten wird.

Sie erkennen an diesen wenigen Beispielen, wie schwierig es werden kann, Ihren Wünschen wirklich gerecht zu werden. Besonders dann, wenn Sie sich für beide Erklärungen entschieden haben. Und das kann nur heißen: Sie müssen und sollten sich jetzt aufgrund dieses Arbeitspapiers der Bundesärztekammer erneut mit Ihren Entscheidungen auseinandersetzen und neu, d.h. eindeutig formulieren.

Auch dazu hat die Bundesärztekammer Vorschläge in Form von Textbausteinen und zur Auslegung gemacht. Ebenso zu den Varianten, dass Sie nur jeweils eine der beiden Erklärungen abgegeben haben oder keine von beiden. All diese Textbausteine sind in dem Arbeitspapier enthalten. Sie finden sie im Internet eingeben: www.bundesaerztekammer.de. Auf der Seite sehen Sie rechts oben ein Suchfeld, in das Sie „Arbeitspapier“ eingeben.

Um es noch einmal klar zu sagen: In dem obigen Beitrag geht es nur um die Problematik beim Aufeinandertreffen von Patientenverfügung und Organspendeerklärung.

Voraussetzung dafür ist natürlich erst einmal, dass Sie sich für beides entscheiden.

Und diese Entscheidungen und ihre Umsetzung sind  schwer. Ohne das Gespräch mit Ärzten Ihres Vertrauens bzw. mit einschlägigen Beratungsstellen sollten Sie sich nicht entscheiden. Hilfreiche Adressen und Formulierungsvorschläge finden Sie im Internet unter www.bmj.bund.de  (Auf der Homepage finden Sie oben in der Leiste den Menüpunkt A-Z Themen und unter „P“. dann u.a. die Patientenverfügung). Auch alle Krankenkassen verfügen über Vorlagen und Informationsbroschüren..

Darüber hinaus gibt es im Seniorenclub Nehringstr.8,14059 Berlin, Tel. 9029-24328,  am 27.08.2013, 14 Uhr , einen Vortrag mit anschließender Diskussion zum Thema: „Für den Notfall vorsorgen“ und am 24.September 2013 ebenfalls um 14 Uhr  einen Vortrag zum Thema“Sterben – wie ich es will“.

Das Wichtigste ist aber der Dialog mit Ihren Angehörigen. Denn auch sie sind von den Erklärungen betroffen: Durch die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen zur Organspende werden Ihre Angehörigen kaum eine Möglichkeit haben, mit Ihnen allein zu sein, um sich zu verabschieden. Was wiederum die Trauerarbeit stark beeinflussen kann. Deshalb sollten Sie es  vorher besprechen, bevor Sie sich entscheiden.

Wenn Sie aufgrund dieser Informationen Ihre Entscheidungen oder Einstellungen überprüfen, sollten Sie sich auch fragen: Habe ich eine juristisch einwandfreie Vorsorgevollmacht abgefasst und auch eine Vollmacht für persönliche Belange? Wenn nicht, sollten Sie überlegen, diese obigen Hinweise  zum Anlass zu nehmen, dies in aller Ruhe und mit Bedacht nachzuholen.

B.F.

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