Berlin ab 50…

… und jünger

Wie wollen wir im Alter wohnen?

Mehrgenerationenhaus, Seniorenwohngemeinschaften,  betreutes Wohnen … es gibt viele Möglichkeiten, Ideen, Pilotversuche, das Wohnen im Alter zu gestalten. Aber für die meisten von uns werden sie nicht umzusetzen sein. Die Gründe mögen verschieden sein, aber Fakt ist, dass unsere Generation der  jetzt 60- bis 70-Jährigen sich vorerst noch darauf konzentriert, die eigene Wohnung so lange wie möglich  zu halten und  – wenn notwendig – Veränderungen vorzunehmen, die den Bedürfnissen gerecht werden.Deshalb sollten wir uns klarmachen, was rechtlich – im Rahmen des allgemeinen Mietrechts – überhaupt zulässig ist.

Um- und Einbauten: Was ist möglich? 

.Zusätzliche Haltegriffe in Dusche/Bad und Toilette, eine Dusche mit stufenlosem, eine Badewanne mit tiefem Einstieg, erhöhte Toilettensitze, breitere Türen für Rollator und Rollstuhl – das und vieles andere mehr sind Maßnahmen, die das Leben und den Alltag erleichtern. Allerdings müssen Sie dafür die Zustimmung Ihres Vermieters einholen. Wenn Ihre Interessen die des Vermieters überwiegen, muss er den Umbauten zustimmen. Die Kosten müssen Sie tragen und auch die Kosten für den Rückbau, wenn der Mietvertrag beendet wird. Der Vermieter kann darüber hinaus eine zusätzliche finanzielle Sicherheit verlangen, von der er seine Zustimmung zum Umbau abhängig machen kann.

Sie sehen, so ganz einfach ist das alles nicht, aber Sie sollten die Mühen nicht scheuen. (Zu  finanziellen staatlichen Hilfen später).

Instandsetzungs- und Bauarbeiten: Was müssen Sie dulden?

 Es gibt aber auch den umgekehrten Fall, der für betagte Mieter zu einem Problem werden kann. Müssen Sie umfangreiche Bauarbeiten dulden? Zwei Varianten sind denkbar: Wenn es sich um Instandsetzungsarbeiten handelt, haben Sie keine Möglichkeit, sie abzulehnen. Wie alt und gebrechlich Sie auch sein mögen. Anders sieht es bei Modernisierungsarbeiten aus: Hohes Alter und Gebrechlichkeit gelten als Härtegrund – liegen sie vor, können  Sie diesen Arbeiten widersprechen.

Aufnahme einer Pflegeperson: Müssen Sie den Vermieter informieren?

Oder anders gefragt:. Wann gilt das als genehmigungspflichtige Untervermietung? Handelt es  sich um Familienangehörige, müssen Sie dem Vermieter die Aufnahme lediglich anzeigen. Wollen Sie eine „fremde „ Person aufnehmen, gilt dies als Untervermietung, die vom Vermieter genehmigt werden muss. Eine Verweigerung ist allerdings kaum möglich, wenn Sie als Pflegebedürftiger ein berechtigtes Interesse haben.

Nachträglicher Einbau eines Fahrstuhls?

Als Mieter haben Sie keine Möglichkeit, den nachträglichen Einbau eines Fahrstuhls zu erreichen. Wenn das Treppensteigen nicht mehr geht, muss ein Umzug erwogen werden.  Als Wohnungseigentümer haben Sie, wenn die Mehrheit der Miteigentümer ebenfalls dafür stimmt, das Recht zum Einbau auf Ihrer Seite. Mehrheit bedeutet: drei Viertel aller stimmberechtigten Miteigentümer und mehr als die Hälfte aller Miteigentumsanteile. Die Kosten müssen im Übrigen von allen getragen werden. Auf weitere Einzelheiten soll hier nicht eingegangen werden, weil es eine Spezialfrage ist, die besondere Fachkenntnis verlangt.

Kündigung: Gibt es Sonderregelungen?

Wie sieht es aus, wenn Sie mit Umbauten allein doch nicht mehr zurecht kommen und in ein Seniorenwohnheim umziehen wollen oder müssen? Haben Sie dann die Möglichkeit, außerordentlich zu kündigen? Leider gilt: kein Sonderrecht für  Senioren. Sie sind an die dreimonatige Kündigungsfrist gebunden (es sei denn, Sie haben einen Mietvertrag, der ein solches außerordentliches Kündigungsrecht vorsieht – was vermutlich aber sehr selten ist). Die einzige Möglichkeit, die Sie haben, ist, mit dem Vermieter eine einvernehmliche Beendigung zu vereinbaren. Sie müssen also  verhandeln!

Der sehr viel schlimmere Fall: Ihr Vermieter will Ihnen kündigen. Wie sieht dann Ihre Rechtslage aus? Auch hier wieder: kein Sonderrecht für Senioren! Kann der Vermieter z.B. ein berechtigtes Interesse nachweisen, schützt das Alter also allein nicht. Gründe, die ein berechtigtes Interesse belegen, sind z.B. Eigenbedarf,  eine mögliche bessere wirtschaftliche Verwertung (!)  oder eine Pflichtverletzung. Allerdings: Sie haben als Mieter die Möglichkeit zu widersprechen und zwar dann, wenn eine ungerechtfertigte Härte vorliegen würde. Ob das der Fall ist, wird auf eine Interessenabwägung zulaufen, bei der sehr hohes Alter oder eine starke Gesundheitsbeeinträchtigung zu Ihren Gunsten wirken können. Es ist eine Einzelfallentscheidung und Sie sollten sich nicht darauf verlassen, dass es immer klappt.

 Finanzielle Hilfen und Anlaufadressen

Finanzielle Hilfen gewähren  u.a. die Pflegekassen. Dabei handelt  es sich um einen in der Höhe begrenzten Zuschuss zu Umbaumaßnahmen, der vom Einkommen und dem Umfang der Maßnahme abhängt. (Modernisierungsmaßnahmen werden aber nicht übernommen).

Wenn Sie sich informieren wollen, können, finden Sie im Internet viele Anlaufstellen. Z.B.: www.nullbarriere.de/Pflegeversicherung

 Darüber hinaus sind die Pflegestützpunkte eine wichtige Quelle. Auch dort können Sie sich über alle Fragen zum Umbau, zu Sozialleistungen und zu Leistungen der Pflege- und Krankenkassen informieren. www.pflegestuetzpunkteberlin.de

Weitere informative Adressen mit Beratung sind: www.berlin.de/spezial/wohnen/alter

www.bmvbs.de/wohnbauförderung/altersgerechtwohnen.

Und wenn Sie von einem ganz neuen Wohnen träumen wollen?

Es gibt inzwischen, wie schon erwähnt, eine Reihe von Modellversuchen, das Wohnen im Alter neu zu erfinden. Eines dieser Pilotprojekte ist etwas ganz besonderes – deshalb steht es auch in Berlin(!) und soll in Europa einmalig sein:

Der Lebensort Vielfalt : Es ist ein Gemeinschaftshaus, das Schwulen und Lesben im Alter ein ihrem Leben gerecht werdendes Umfeld bietet. Damit sie auch die vorletzten oder letzten Phasen ihres Lebens  so verleben können, wie es ihrem Lebenstraum entspricht.

 Ein weiteres Stichwort: Henning Scherf, ehemals Bürgermeister von Hamburg und einer der Vorreiter und Gründungsmitglieder der wohl prominentesten Seniorenwohngemeinschaft Deutschlands. Wenn Sie seine Bücher lesen, eröffnen sich Ihnen Perspektiven, die Sie jetzt vielleicht für utopisch halten, nach der Lektüre werden Sie vermutlich anders denken. Zumal Henning Scherf kein Theoretiker ist, sondern genau das (vor)lebt, von dem er schreibt.

Eine Auswahl seiner Bücher:

Grau ist bunt: Was im Alter möglich ist (2008)

Gemeinsam statt einsam (2012)

Wer nach vorne schaut, bleibt länger jung (2013)

(alle Titel sind bei Herder erschienen) 

Und zum Schluss noch ein praktischer und preiswerter Titel:

Wohnen im Alter (1.50 € unter www.verlag-apercu.de)

 

Quellen:

Mieter/Magazin 5/2013/Tagesspiegel  vom 27.7.2013 Immobilien Seite 11

 

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