Berlin ab 50…

… und jünger

Am Sonntag im Cafe ….

 

... und eine kleine, eigentlich gar nicht wichtige Begegnung. Und trotzdem hat sie mich ein wenig froh, aber auch nachdenklich gemacht.

Wir saßen im Garten des Cafes, das das Literaturhaus in der Fasanenstraße nicht nur ergänzt, sondern auch schmückt  – im übrigen ein zauberhafter Ort: mitten in der Stadt ein kleines  Paradies, nicht „stylisch“, sondern rustikal, mit keineswegs besonders bequemen Stühlen und Holztischen, die sich aber festlich verwandeln, wenn sie zum Essen mit weißer Tischdecke und Stoffservietten eingedeckt werden. Dazu nette junge Frauen, die mit Charme und Selbstverständlichkeit bedienen.

Aber ich wollte nicht  vom Literaturhaus schwärmen – das müssen Sie, wenn Sie es nicht kennen, selbst erkunden (Fasanenstr. 23, im Internet unter http://www.literaturhaus-berlin.de), wobei Sie nicht vergessen sollten, einen Blick in die kleine Buchhandlung im Keller  zu werfen!).

Vielmehr wollte ich Sie teilhaben lassen an einer zufälligen Begegnung, die einfach nur nett war, nicht mehr, nicht weniger. Aber das ist eben schon viel:

Ein Mann – nach erster Schätzung um die 60 – setze sich zu uns. Ein Tourist, wie wir vermuteten. Aber statt sofort sein Smartphone auf den Tisch zu legen und –  wie man es jetzt fast immer erlebt – wie wild darauf einzutippen, zu „wischen“, zu telefonieren, begann er ein Gespräch mit uns. Einfach so und gänzlich ungezwungen. Er erzählte, dass er kurzentschlossen am Morgen von Hamburg mit dem Fernbus nach Berlin gefahren ist – aus purer Lust und zweckfrei. Und am Abend werde er wieder zurückfahren. Das sei für ihn ein gelungener Tag, vor allem dann, wenn er ein Schwätzchen halten kann und – wenn auch flüchtig – Menschen kennenlernt.

Diese Spontaneität  könne er jetzt ohne schlechtes Gewissen umsetzen – er sei im Ruhestand und 70 (!). und habe Zeit und Lust dazu. Und Berlin gefalle ihm – ebenso wie seine eigene Heimatstadt Hamburg.

Es geht also auch so, ohne Handy, ohne die Flucht in Zeitungen, wenn man als Single an einem Tisch Platz nimmt, an dem schon andere Gäste sitzen. Und das ist schön zu erleben: ein unverbindliches, aber nicht geistloses Gespräch, ein zwischenmenschlicher Austausch.

Ob das mit oder bei  jüngeren Menschen auch so funktioniert? Können oder wollen sie noch Kontakt aufnehmen zu den Menschen, die „hautnah“ um sie herumsitzen? Oder haben sie im twittern, simsen einen Ersatz gefunden, der sie mehr befriedigt?

Es scheint so, denn es gibt inzwischen für dieses Phänomen einen eigenen Begriff und das sicher nicht ohne Grund. Es heißt „Phubbing– zusammengesetzt aus „phone“ und „snub“, was so viel bedeutet wie „schroffes Ab- oder Zurechtweisen“. Passt doch, nicht wahr?

Für uns ist es ein liebenswerte kleine Erinnerung an einen schönen Sonntag-Sommertag im Literaturcafe. Selbst die Bienen hielten sich dieses Mal im Zaum.

Ob wir es auch schaffen, uns in den Bus zu setzen und nach Hamburg zu fahren? Ein Literaturcafe gibt es auch dort.

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