„Nein, einen Seniorenteller will ich nicht …!“

 

… mit diesem empörten Ausruf hätten Sie recht. Sollte Ihnen aber alles, was den Namen „Senioren“ mit sich trägt suspekt sein – z.B. auch einen Senioren-Club -, dann sitzen Sie einem Vorurteil auf, und Sie wissen nicht, was Ihnen entgeht. 

Das Motto: ich bin selbst alt und will nicht auch noch nur mit alten Menschen umgeben sein, gilt nicht mehr, schon gar nicht in Seniorenclubs. Es gab einmal eine Fernsehsendung: „Seniorenclub“, sie lief im ORF in den Jahren 1968 – 2000  und wurde dann in „Schöner leben“  umbenannt, weil das Wort Senioren dem Zeitgeist widerstrebte. Unbenannt in „Schöner leben“. Und genau so ist es mit den Seniorenclubs: Wäre es nicht zu sperrig, müssten wir sie Clubs des „Schöner lebens“ nennen.

Woher rührt aber diese Abneigung gegen das Wort „Senioren“?

„Best Ager“ – so firmieren wir bei Marketingunternehmen – und sie wissen, warum sie den Begriff bevorzugen.

Ursprünglich war ein Senior jemand, der in einem Familienverbund der „Ältere“ war, sein Gegenspieler war der „Junior“ „Junger Spunt versus.“erwachsener Mann“ (für die Seniorinnen galt natürlich dieselbe Definition – Feministinnen sollten sich nicht bedroht fühlen durch meine männliche Formulierung).

Ein Seniorchef, ein Seniorpartner, ein Seniorconsultant – niemand käme auf die Idee, diese Bezeichnungen negativ aufzufassen – ganz im Gegenteil.

Warum funktioniert das nicht genau so bei den Seniorenclubs? Unbegreiflich eigentlich, nicht wahr?

Was macht denn nun die Clubs aus?  …

… werden Sie jetzt vielleicht – hoffentlich neugierig geworden– fragen. Beschreiben wir sie also und vor allem ihrer Programme. Sie werden staunen!:

Drei große Clubs stehen im Mittelpunkt:

Der Club in der Herthastraße 25a, der in der Cunostraße1 und als dritter der Club in der Nehringstraße 8.

Der älteste ist die Herthastraße mit exakt 30 Jahren, die Cunostraße wurde 1997 zum Leben erweckt, der Club in der Nehringstraße hat einen Vorgänger, der 1978 eröffnet worden, in der jetzigen Form existiert er seit 2011

Das sind nur nackte Zahlen – sie sind aber immerhin ein Beweis, wie beständig und nachhaltig die Clubs sind, wobei wir allerdings zugeben müssen, dass in den 70er Jahren alles noch sehr viel besser war. Diese besseren Zeiten müssten sich wieder herstellen lassen. Denn der Gedanke der „Community“ ist ja gerade im Internetzeitalter „en vogue“ – warum sollte er in der realen Welt nicht ebenfalls seine Entsprechung finden.

 Das, was die Clubs wirklich ausmacht, sind die Programme und Veranstaltungen. Sie gehen mit dem Leben und zeigen, dass das Wort „Senior“ wieder im herkömmlichen Sinne verstanden werden muss.

 

Ein Blick auf die Programme:

Natürlich gibt es Nachmittage mit dem berühmten – manche würden sagen, berüchtigten – Kaffeeklatsch. Was spricht dagegen? Jüngere Leute treffen sich zum „chatten“ – worin liegt der Unterschied? Allenfalls darin, dass die Gespräche mehr Hintergrund haben als  die Chatrooms. Und eine vernünftige Umgebung (eben keine Coffeshops)

Natürlich werden auch Nähkurse angeboten? Warum auch nicht – es gibt genügend Nähwerkstätten auch in der „freien Wirtschaft“, die offenbar heftig begehrt sind.

Aber wo finden Sie z.B. die Möglichkeit, sich mit afrikanischem Tanz zu beschäftigen, seine Elemente kennenzulernen und umzusetzen? Da müssen Sie schon recht lange suchen, denke ich. Und vermutlich ziemlich viel Geld dafür zahlen (natürlich verlangen auch die Seniorenclubs Unkostenbeiträge, aber sie sind verschwindend gering)

Wo – außer in den Volkshochschulen – finden Sie Sprachgruppen, die z.B. auch mit Muttersprachlern zusammenkommen? Wo können Sie, ganz in englischer Tradition, zwanglos bei Tee und Gebäck englische Konversation genießen?

 Foto-, Computerkurse, französische Nachmittage, gemeinsames Kochen ganz ohne aufwändige und teure Kochkurse (im übrigen zum Teil unter dem Motto: Jugend kocht“! ,  Bauchtanz und viele internationale Begegnungen – das sind nur einige der vielen Angebote. Und noch einmal: Sie kosten einen Bruchteil dessen, was Sie andernorts dafür bezahlen müssten (es gibt auch Ermäßigungen!).

 Überrascht? Das ist gut so. Denn es gibt noch viel, viel mehr. politische Themenrunden, Gesundheit natürlich, Sport, Wanderungen und und und ..

Sie können die Programme jeweils im Internet abrufen www.berlin.de, dann unter „Suche“ eingeben: Seniorenprogramm Charlottenburg. Oder sich jeden Monat ein umfassendes Programmheft besorgen; sie liegen in den Charlottenburg-Wilmersdorfer Rathäusern aus und natürlich auch in den Clubs selbst. Apotheken, Arzt- und Physiotherapeuten-Praxen legen sie, wenn sie einen „Sinn“ dafür haben, ebenfalls auch.

 

„Die Ehrenamtlichen“

Natürlich sind Sie in den Clubs nicht allein aufs „Mitmachen“ beschränkt. Wenn Sie Lust haben, aktiv mitzutun, mitzugestalten, Ideen einzubringen – nur zu! Helferinnen und Helfer, Mitgestalter und Initiatoren sind heftig begehrt.

 

Ein Fazit?

Damit soll es genug sein. Ich will die Clubs nicht anpreisen wie ein Markthändler seine Billigware. Es sind wertvolle Einrichtungen und authentische Treffpunkte für alle, die nicht mehr eingespannt sind durch Beruf und Haushalt und die ihresgleichen suchen.

 Zum guten Schluss aber auch ein ehrliches Bekenntnis: Es muss noch vieles getan werden, z.B. beim Ausbau der internationalen Begegnungen, z.B. beim Einbezug auch der Generation diesseits der 50. Und vor allem bei der Selbstdarstellung. Es fehlt noch an Selbst-Bewusstsein und am Gefühl für die Rolle in unserer Gesellschaft.

 Haben wir Sie, wenn nicht schon überzeugt, so doch zumindest zum Nachdenken gebracht? Das wäre für uns ein großer Erfolg.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s