Berlin ab 50…

… und jünger

Aufgespießt!

SCHAU NIE DEN WOLKEN NACH  …..

… wenn Du zu Fuß auf Berlins Straßen unterwegs bist!

 

Ist es nicht überhaupt die beste Möglichkeit, unsere Stadt und seine Kieze zu Fuß zu durchstreifen?

Gemächlich, sportlich flink, auf zwei, drei oder vier Beinen (Stöcke und Co), den Blick schweifen lassen, mit Vorliebe an den Fassaden hinauf und hinunter, schauen, was sich oberhalb der Traufhöhe so alles traut. In jede Toreinfahrt hinein– dahinter verbirgt sich meist die wahre Idylle – und auch einmal in die kleinen Nebenstraßen, die wir so häufig links liegen lassen, weil sie uns nicht direkt zum Ziel führen. Geht man spazieren, ist das Ziel aber meistens gar nicht so wichtig. Unsere Kieze verändern sich schnell, und wo gestern  Brache war, steht heute vielleicht – im besten Fall – ein interessantes Gebäude (im Normalfall wohl eher Hausmannskost. Ändern können wir das nur, indem wir uns einmischen – manchmal funktioniert das sogar).

Ja, das ist schön, eigentlich, und für viele von uns hat das auch durchaus sportlichen Charakter Zumindest dann, wenn die 50 hinter uns liegen und wir es eher ruhiger lieben. Aber: Die Realität – Berlins Fußwege machen es uns schwer.

Nein, es sind nicht (nur) die Radfahrer, die uns drangsalieren, auch nicht die Rollerblades. Sondern, das, was im Amtsdeutsch heißt: Gehwegschäden.

Nun sind aber leider keineswegs alle Schäden gekennzeichnet – den größten Teil des Ungemachs, der uns droht, sind die versteckten, kleinen, w2013_Roma 051eniger sichtbaren Schäden: Steine, die sich vom Untergrund lösen, nicht mehr plan aufliegen und so zu. wunderbaren Stolperstellen werden. Spalten zwischen den Steinen, die nur darauf warten, dass man da hinein abrutscht. Platten, die wippen, Ecken, die fehlen und kleine viereckige lose Pflastersteine, die in den 68er Jahren wunderbare Wurfgeschosse gewesen wären. Und ständig wechseln die Beläge – offenbar mit städtebaulichem Sinn und demzufolge erhaltenswert.

Wie z.B. die „Schweinebäuche“. Denken Sie jetzt nicht ans Essen, es gibt auch „Stein“-Schweinebäuche. Das sind meist ziemlich große Granitsteine, deren Trittfläche glatt und eben geschliffen sind und deren Unterseite nur grob behauen ist. Dadurch sehen sie, wenn man sie von unten anschaut, wie Wampen aus, Wampen von Hängebauchschweinen. Daher ihr Name. Berlin ist (fast) die einzige Stadt, die so etwas noch aufzuweisen hat – vornehmlich in Wilmersdorf/Charlottenburg, aber auch andernorts. Städtebaulich also eine Rarität – auf die wir natürlich stolz sind, auf die wir aber fluchen, wenn sie unseren Weg kreuzen. Und das tun sie noch oft!

Darüber hinaus sind Beläge von Fußwegen höchst variantenreich und nicht alle Pflasterarten lassen sich gleich gut begehen. (Ich sage nur: „Kopfsteinpflaster“!!)

Neben alledem gibt es dann noch die Kleinarbeiten an der Kanalisation. Immerhin eingezäunt. Also heißt es: Umkurven. Aber das müssen auch andere: unsere heißgeliebten Radfahrer, die zwar oftmals wunderschöne Radwege haben, aber sich offenbar mit den Fußgänger-Menschen solidarisch zeigen wollen und sich ebenfalls  dazwischen mischen. Mütter mit Kinderwagen (die armen) und die Trauben-Jugendlichen, die immer zusammenbleiben müssen (andernfalls würden sie wohl die Orientierung verlieren, weil ihre Augen völlig von den Handys absorbiert sind).

Und schon staut es sich,  und vorbei ist mit dem gemütlichen Schlendern, sportlichen Walking.

 Nun können wir uns natürlich fragen: Warum nicht in die Parks, deren es so viele gibt? Klar, eine gute Idee – nur: Manchmal will ich eben keinen Park, sondern Stadt, Kiez, Häuser, Menschen. Spurensuche.

Was lässt sich tun? Offenbar nichts – das ewige Mantra: kein Geld. Vermutlich stimmt das auch, aber ob es nicht Wege gibt, durch Einsparungen Geld frei zu bekommen? Z.B. Indem man bei den ab und an einmal vorkommenden Reparaturen auf Restaurierung verzichtet, also nicht das Original wieder zusammenpflastert, sondern pragmatisch, aber natürlich haltbar, vorgeht. Wie würden wohl die Fußgänger entscheiden?

 Denn die Gehwegschäden sind ja noch nicht alles: Es kommt noch einiges andere hinzu, dass uns Fußgänger ärgert: Autos, die auf Fahrradwegen parken (wodurch die Radfahrer tatsächlich gezwungen sind, auf den Gehweg auszuweichen) und Ampeln, die so schnell wechseln, dass wir allenfalls den Mittelstreifen erreichen und auch das kaum, wenn wir nicht mehr so gut zu Fuß sind (selbst im Umfeld von Senioren- und Altersheimen wird so knapp geschaltet!).

Und noch einmal die Frage: Warum ist das so, warum bleibt das so? Weil wir, die Fußgänger, keine Lobby haben.ADAC und AVD schlagen sich für ihre Autofahrer und das nicht zu knapp.Die Radfahrer haben mittlerweile ebenfalls eine gewichtige Stimme und sind „politisch relevant“, die Bahnkunden sowieso.

Nur wir nicht, die wir gern und mit Genuss spazieren gehen.

Und wenn wir stolpern, dann sollten wir gern stolpern. Wie zum Beispiel über die „Stolpersteine“ – sie sind tatsächlich ein Gewinn. Für Berlin, aber ebenso für jede andere Stadt, die sie zulässt.

 Bu

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: