Berlin ab 50…

… und jünger

Berlin entdeckt die „Markthallen“-Kultur

Paris war für seine „Hallen“ weltberühmt, inzwischen sind sie der Abrissbirne zum Opfer gefallen und nur noch Legende. Schade drum!

Berlin hingegen ist gerade dabei, sie für sich(wieder) zu entdecken. Und das ist eine gute Nachricht, eine sehr gute.
Zwei Hallen sind zurzeit eine Empfehlung wert – auch wenn sie so unbekannt nicht mehr sind (Gutes spricht sich schnell herum!)

Machen Sie die Probe aufs Exempel, gerade jetzt im Winter. Es muss ja nicht immer der Weihnachtsmarkt sein, zumal der am Sonntag auch geöffnet ist.
Und – hört, liebe Großeltern, die Ihr am Wochenende Enkeldienst habt: Beide Märkte sind kinderkompatibel, und der eine davon, die Markthalle 9 (oder IX – das habe ich noch nicht exakt herausgefunden), hat mittendrin einen Kinderspielplatz.

Die Markthalle 9: Ihr Entstehen ist schon einmal ein kleines Wunder, denn eigentlich war, wie üblich, ein Supermarkt geplant. (Die Anwohner haben das mit verhindert.)MH9_Kopf2
Die Markthalle war im übrigen immer schon eine Markthalle, seit 1891(!). Und damals nur eine von 14(!). Später verloren sie an Bedeutung, das Areal wurde heruntergewirtschaftet. Erst 2011 haben mutige Betreiber sie wieder erweckt. Mit zunehmendem Erfolg,
Das liegt am Konzept, das dahinter steht. Es geht um den Beweis, das auch in einer Großstadt wie in Berlin ein anderes Essen und anderes Einkaufen möglich ist als es auf den ersten Blick scheint. „Anders“ heißt: regional, saisonal, kurze Wege, direkt, fair, kreativ und kundenfreundlich. Sie erinnern sich noch an die früheren „Tante-Emma-Läden“? So ungefähr, nur noch spezieller.
Von der Anonymität der Discounter und Ketten, von Gewinnmaximierung Verkaufsoptimierung kehren Sie zurück zur engagierten Beratung, verbunden mit Herz und Wissen.
Klingt ein bisschen missionarisch? Ist es aber nicht – es ist alles ganz offen und mit viel Spaß verbunden.
Was es gibt? So ungefähr alles: Aber vor allem: klein, fein und ausgesucht. Was ausverkauft ist, bleibt auch ausverkauft – also keine Vorratsspeicherung.
Es gibt eine Fisch- und Fleischräucherei, eine Bäckerei zum Zuschauen, es gibt spezielle Apfelstände und eine Vielzahl von kleinen und kleinsten Patisserien und Chocolaterien. Wein natürlich auch, Käse vom Feinsten, Obst, Gemüse – eben alles, was die Region hergibt und wiederentdeckt wurde. Und es gibt auch Handwerkliches.
Und Sie haben viele Möglichkeiten, alles (aus)zu probieren: Versuchen Sie z. B., wenn Sie Fleisch mögen, den Barbecue Smoker – vermutlich werden Sie wiederkommen. Oder den Lachsimbiss der nicht das übliche Weißbrot verwendet als Grundlage, sondern kräftiges Graubrot. Oder die feinen, mit Hingabe (die sieht man beim Zuschauen) zubereiteten „Galetten“ aus Buchweizenmehl. Oder , oder … am besten sehen und schmecken Sie selbst.
Genießen Sie die Atmosphäre des „Unperfekten“ (nicht zu verwechseln mit primitiv!), das wohltuende Licht und die engagierten Anbieter. Sie werden versöhnt und um ein Erlebnis reicher von dannen ziehen – und wiederkommen! Vergessen Sie nicht, sich die Halle selbst angucken.
Und dann schauen Sie sich am Lausitzer Platz noch die Emmaus-Kirche an und lesen Sie ihre Geschichte dazu. Auch das lohnt (die Orgel ist eine ganz besondere Spezialität).
Die Adressen:
Markthalle 9, Eisenbahnstr. 42, Nähe Lausitzer Platz. http://www.markthalle9.de
Öffnungszeiten: Donnerstagabend mit dem Street Food Day, Freitag und Samstag.
Emmaus-Kirche, Lausitzer Platz 8. http://www.emmaus.de

Nun die Marheineke-Halle – offiziell Halle 11 oder XI.
Es gibt sie ebenfalls schon seit 1892. Nach mehreren Nutzungen und Umbauten wurde sie 2007 in der jetzigen Form eröffnet – auch sie ist architektonisch studierenswert.
Das Angebot ist internationaler, Sie finden also türkische, italienische, spanische, französische, portugiesische und natürlich auch deutsche Stände. Und es sind auch einige dabei, die Sie gewiss von anderen Standorten kennen. Was zeigt, dass es hier mehr um die etablierten Geschäfte geht. Aber eben keineswegs nur: Auch hier gibt es viele kleine Anbieter, die ihre eigenen Produkte präsentieren: die unvermeidlichen besonderen Öle z.B., die auf keinem Markt fehlen dürfen und mittlerweile zu Glaubensfragen geworden sind (so schrecklich große Unterschiede fallen mir bei den Minikostproben nicht auf – was man vermutlich nicht laut sagen sollte).foto_mitte
Empfehlenswert u.a. der Stand „Le Bretagne“ – probieren Sie sich einfach vor Ort durch die an den Tafeln annoncierten Spezialitäten (vergessen Sie dabei nicht die Pasteten!).
Die Halle ist aufgeräumter, „geordneter“ als die Halle 9. Und sie ist täglich geöffnet, was natürlich auch mehr Professionalität notwendig macht.
Bei schönem Wetter können Sie draußen sitzen und sich das Geschehen auf der Bergmannstraße anschauen. Und haben damit zugleich „Kino life“. Besser geht es nicht.
Die Adresse: Marheinekeplatz/Bergmannstraße. http://www.meine-markthalle.de

Vergessen Sie also Paris – Berlin ist spannender, wenn Sie Markthallen mögen.

Viel Spaß und bleiben Sie uns gewogen!

2 Kommentare

  1. pa

    Auf die Anregung hin war ich doch gleich mal in der Marheineke-Halle und habe mich gleich von erstklassigen Trockenfrüchten und diversen Salami-Arten verführen lassen!

  2. Be

    Klasse Beitrag mit ein paar Hintergrundinformationen. Nachdem die Marheinekehalle nach dem Umbau für mich einiges von ihrem alten Charme verloren hat, ist die Markthalle 9 mein neuer Favorit geworden. Allerdings sollte man sich dort nicht mit mehreren zum Essen verabreden, dazu ist es zu voll, quirlig, bunt und spannend,
    BE

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