Berlin ab 50…

… und jünger

Ein Weihnachtsmarkt-Christstollen-Tipp

IMG_0850 Sie meinen, der Tipp käme zu spät? Ein wenig spät, das ist wahr, aber nicht zu spät. Sie wissen ja, das Beste kommt zum Schluss.

Natürlich will ich nicht ernsthaft behaupten, dass der Christstollen, den ich Ihnen empfehlen will, wirklich der Beste ist. Dazu sind die  Geschmäcker zu verschieden. Und auch die Kindheitserfahrungen, die unweigerlich mit dem Weihnachtsstollen verbunden sind. Zumindest bei mir. Meine Erinnerung: Jedes Jahr, es war eigentlich noch eine ganze Weile bis Weihnachten, kam per Post der Christstollen  unserer Großmutter. Bruchsicher verpackt (was damals noch sehr viel mehr Mühe machte als heute). Auch wenn wir noch keinen Kalender lesen konnten – der Christstollen war ein  verlässliches Zeichen. Und er verschwand  erst einmal. Frühestens an den letzten Adventsonntagen kam er wieder zum Vorschein. Für jeden eine Scheibe – mehr gab es nicht. Und er war…. Ich kann es Ihnen nicht beschreiben. Er war und blieb einmalig. Nicht sehr süß, eher fest, aber nicht zu fest, nicht  nur rosinig. Sondern mit Zitronat, Orangeat und ganz gewiss vierpfündig, auch wenn  ich die Bedeutung dieser Vier Pfund erst später erfahren habe (nur bei Vierpfündigkeit sollen angeblich Krume und Kruste im idealen Verhältnis sein).

Allerdings – das sei nicht verschwiegen: Wenn es gen Ostern ging und der Stollen immer noch auf den sonntäglichen Kaffeetisch kam, dann war es für uns als Kinder schon ein bisschen lang. Aber nie wären wir auf die Idee gekommen, zu meckern – dafür war auch uns Kindern Großmutters Stollen viel zu heilig. Zumal wir wussten, dass es mit dem Backen des Stollen gar nichtso einfach war. Einen richtigen Backofen gab es  damals in der Küche meiner Großeltern noch nicht. Also wurden die fertigen Bleche übe die Straße zum nächsten Bäcker getragen und dort gebacken, Heute unvorstellbar, aber damals ein großes Abenteuer. Und eine uneigennützige Serviceleistung der Bäcker (ich nehme einmal an,  dass die heutigen Backstationen meine Großmutter für ein bisschen verrückt halten würden, wenn sie mit einem solchen Anliegen zu ihnen käme. Und jeder andere Bäcker vermutlich auch. Damals war das selbstverständlich).

Vorbei. Schon lange.

Jetzt sind die Zeiten anders und  der Stollen ist fast zum Allerweltsprodukt verkommen. Von Aldi bis Butter Lindner – jeder bietet seinen „besten“ Stollen an  – bzw. den seines Produzenten!  (was nicht verschwiegen werden soll: Bei den Testern vom „Tagesspiegel haben kürzlich die Aldi-Stollen ziemlich gut abgeschnitten – gekauft habe ich  trotzdem keinen).

Mein Favorit: Ein Stollen, den Sie auf dem Weihnachtsmarkt vor dem Charlottenburger Schloss kaufen können. Der Stand wird offenbar von Vater und Sohn betrieben – schon das gefällt mir: das „riecht“ nach Tradition! Außerdem: Sie lassen großzügig probieren. Nicht wie bei vielen anderen Ständen mit Proben, die so winzig sind, dass sie  die Geschmacksnerven noch nicht einmal kitzeln, geschweige denn ansprechen. Ich hasse das, dann lieber gar keine Probe, finde ich.

Und es gibt halbe Portionen – für uns als altes Ehepaar und Enkelkinder die ideale Größe. Sie können wählen: Mohnstollen, Rosinenstollen, nach Dresdner Art und so weiter.

Einen Namen hat er auch: Er firmiert unter Bärenhencke aus dem Erzgebirge.

Uns schmeckt er. An den Kindheitsstollen kommt er natürlich nicht heran; Großmütter sind nicht zu schlagen.

Wenn Sie also in letzter Minute noch ein kleines Mitbringsel suchen oder etwas für Ihren eigenen Kaffeetisch (weil das Selbstgebackene schön längst verputzt ist), dann gehen Sie auf den Weihnachtsmarkt am Charlottenburger Schloss.

I.K.F.

  • Veröffentlicht in: Tipps

Ein Kommentar

  1. kattermerrang

    Ich war gestern auf den Weihnachtsmarkt am Charlottenburger Schloss, aber habe meine Chance leider verpasst! Dafür habe ich schon Christstollen in Dresden gekauft, was naturlich sehr traditionell sein soll. Schade, dass man den Stollen von Ihrer Mutter nicht mehr kosten kann. Sie hat sich offentsichtlich sehr viel Mühe gegeben!

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