Berlin ab 50…

… und jünger

Schicksal spielen in der U-Bahn – in Gedanken

Kennen Sie das? Man sitzt am Abend  in der U-Bahn – eine lange Fahrt vom Osten in den Westen.

Die Tageszeitungslektüre ist nicht mehr spannend, weil man alles Interessante  schon am Morgen und zwischendurch gelesen hat.

Man fängt also an, seine Nachbarn nebendran und gegenüber zu beobachten. Und sich Geschichten zu ihnen auszudenken.

Zum Beispiel so: „. Sie reden zwar nicht miteinander, aber eigentlich …. irgendwie scheinen sie doch zusammenzugehören. Vielleicht haben sie sich gerade gestritten? Oder wissen sich nichts mehr zu sagen, weil alles schon tausendmal gesagt worden ist. Aber nein, sie kennen sich doch nicht, sie steigt ja aus und er bleibt sitzen. …“sbahnheadergood

Also eine neue Geschichte: Ob das Mutter und Tochter sind? Oder zwei Freundinnen? Merkwürdig, früher war das einfacher zu erkennen, schon an der Kleidung. Heute ist das alles anders: Mütter und Töchter kaufen in den  selben Läden ein; was die Mutter trägt, mag manchmal auch die Tochter und  – leider –  auch umgekehrt. Bin ich etwa zu alt, um das gut zu finden?“

„Und diese Beiden: Die gehören gewiss zusammen – aneinandergekettet durch zwei Öhrstöpsel. Da passt nichts mehr dazwischen. Es ist schon ein seltsames Vergnügen, an einem I Phone zu hängen, um auch noch in der U-Bahn dieselbe Musik zu hören.

Und jetzt eine Geschichte,  von der ich wünschte, sie würde Wirklichkeit – die die Zeichen standen so gut.

Dieses Mal saß ein etwa 60jähriger Mann mir gegenüber. Gut aussehend und vor allem auf Anhieb sympathisch: gebräunt, aber nicht zu sehr, es sah einfach nur gesund aus; dazu – natürlich – graue Haare (und zwar von einem Grau, das mir früher immer für mich vorgestellt habe. Bis ich die traurige Erkenntnis, dass alles, was ich hervorbringen würde, ein trauriges Altersgrau sein würde, nicht mehr zu leugnen war).  Sportlich angezogen und ganz entspannt. Einen Ring trug er nicht – was allerdings nicht unbedingt etwas bedeuten muss.

An einer der nächsten Haltestelle stieg sein Nachbar aus, der Platz wurde frei.

Nun Auftritt der  zweiten Hauptperson: Eine ebenfalls etwa 60jährige Frau setze sich neben ihn. Sie war mir schon vorher beim Einstieg aufgefallen. Weil auch sie jemand war, der Freundlichkeit ausstrahlte, sich selbst gewiss war und auf besondere Art präsent schien. Solche Menschen gibt es.  Sie hätte sich auch schon eine Station vorher setzen können, dann allerdings ziemlich weit entfernt von meinem „Beobachtungs“-Posten und eben auch entfernt vom ersten Hauptdarsteller. Nun aber, wie gesagt, war der Platz neben ihm frei.

Sie setzte sich, lächelte ihrem Nachbarn freundlich zu. Er stutzte ein wenig, dann konnte man förmlich zusehen, wie sein Interesse erwachte. Eine winzige Drehung des Oberkörpers zu ihrer Seite hin, wirklich kaum sichtbar. Er nickte  zurück und blickte dann wieder gerade aus. Aber immer wieder wanderten seine Augen zur Seite (auch auf ihre Hände! Auch sie waren unberingt, was aber … siehe oben). Natürlich spürte sie die Blicke und es schien ihr zu gefallen. Sie blickte zurück, lächelte ein wenig und schien sich wohl zu fühlen.

Die Bahn fuhr weiter. Und so langsam, so dachte ich mir, müsste jetzt etwas passieren. Denn in Kürze würden wir den Bahnhof Zoo erreichen und das könnte ja das Ziel von ihr oder ihm sein.

Aber immer noch kein Fortschritt. Und ich wünschte mir so, meine Geschichte für die Beiden würde aufgehen, und ich wäre nicht nur meiner Phantasie erlegen. Vor allem: Ich hätte, wenn sie längst  – gemeinsam –ausgestiegen wären, den Faden weiter spinnen können. Bis zu meiner Haltestelle  – spätestens dann wäre es mit der Träumerei zu Ende und ich wieder in der Realität angekommen.

Haltestelle Zoo! Sie stieg aus, drehte sich noch einmal um, er erhob sich ein wenig von seinem Sitz ….und  setzte sich wieder.

Ende der Geschichte.

Wären jüngere Leute spontaner gewesen? Hätten sie die Gelegenheit beim Schopfe gepackt?

Oder  vielleicht was es ganz anders und es war wirklich nur meine Phantasie?

Egal: Die U-Bahnfahrt war vorbei und ich hatte  sie vergnüglich verbracht.

IBF

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