Berlin ab 50…

… und jünger

Das „verflixte siebte Jahr“! Emil Nolde verlässt Berlin

Die Medien haben es bereits vor einiger Zeit angekündigt, ich wollte es nicht glauben,  aber es ist tatsächlich so: Was als langjährige Niederlassung geplant war, bleibt ein Intermezzo: Die Nolde-Stiftung hat entschieden, den Standort aufzugeben. Am 30. März 2014 ist das endgültige Aus.

Zum Schluss gibt es aber  noch einmal eine bemerkenswerte Ausstellung, die zugleich eine sehr persönliche ist.

„Emil Noldes späte Liebe“!

Sie anzuschauen ist beinahe  Pflicht: Nicht nur um der Ausstellung wegen, sondern auch, um noch ein letztes Mal den Zuschnitt des Museums  zu bestaunen.

Die Stiftung residiert seit 2007 in der Jägerstraße, 55, im ehemaligen Bankhaus Ebeling. Die Räume, man kann es nicht anders sagen, sind gediegen und lassen den Bildern viel Raum, jeweils für sich zu wirken. Das Foyer beherbergt einen ansehnlichen Museumsshop. Die Konzentration auf nur einen Maler lässt ein sehr intensives Sehen zu und Sie haben alle Ruhe der Welt. Das ist überhaupt der Vorteil der kleinen Museen, die sich Nischen gesucht haben und nicht mit dem Mainstream der großen Häuser konkurrieren müssen.

„Späte Liebe“ – damit ist Noldes zweite Frau gemeint: Jolanthe Nolde. Die Ausstellung ist den Porträts gewidmet, die Nolde von ihr gemalt hat. Es war im übrigen  eine sehr heftige, aber nur kurze Ehe – wie so  viele Künstlerehen, die unter  großen Erwartungen begannen und dann in der Realität scheiterten. Denken Sie nur an Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler, Oskar Kokoschka und Alma Mahler oder Rainer Maria Rilke und Clara Rilke-Westhoff. Die Beispiele ließen sich fast bis unendlich fortsetzen.

Nolde hat nach der Trennung für Jolanthe vorgesorgt:  Er setzte sie in sein Stiftungs-Kuratorium ein, das schon zu seinen Lebzeiten entstand, und er vermachte ihr einen großen Teil seiner Arbeiten.

Jolanthe hat später bis zu ihrem Tod im Jahr 210 für die Stiftung gearbeitet. Sie zumindest war ihm also bis zu ihrem Tod verbunden, wenn auch nicht auf die anfangs gedachte Weise.

Dass gerade Berlin – neben Seebüll – als Standort für die Dependance  ausgewählt wurde, hat seinen Grund: Nolde und seine erste Frau Ada verbrachten viel Zeit in Berlin, seit 1905 jeden Winter. Der Rückzug Noldes aus dieser Stadt begann 1944; in dem Jahr wurde seine Wohnung in der Bayernallee im Westend zerstört zusammen mit einigen seiner Arbeiten.

Es war auch der Berliner  Bahnhof Zoo, von dem aus die beiden Noldes im Jahr 1913 zusammen mit einer kleinen Reisegruppe nach Moskau aufbrach, um von dort nach Neu-Guinea zu reisen – sein Traumziel, an dem er nichts mehr vorfand, was er sich erhofft hatte.

Ein bewegtes Leben, ein reiches Werk, von dem wir  jetzt mit den Porträts Jolanthes noch einmal einen starken Eindruck gewinnen können. Ab März bleibt nur wieder der Weg nach Seebüll, um Nolde „pur“ zu erleben. Und das auch nur im Frühling, Sommer und Herbst. Im Winter ist Seebüll geschlossen.

Deshalb der Tipp: Schauen Sie sich die Ausstellung und die Räume an – Sie werden wie ich traurig sein. Aber befriedigt, diese Arbeiten noch einmal in Berlin gesehen zu haben.https://i2.wp.com/www.nolde-stiftung.de/de/1/UPLOAD/cmsimages/nolde-logo-berlin.jpg

Das Museum ist täglich geöffnet von 10– 9 Uhr; an jedem 1. Montag im Monat gibt es ermäßigten Eintritt (www.nolde-stiftung.de)

IBF

Quellen: Websites/ Tagesspiegel vom 22.12.2013/Florian Illies, 1913

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