Berlin ab 50…

… und jünger

Nicht schon wieder Du ….

Lass es dieses Jahr, lieber Vorsatz, vergiss  mich einfach. Warum soll ich mich jetzt im siebten Lebensjahrzehnt noch ändern? Ich will jetzt kein besserer Mensch mehr werden; ich will bleiben wie ich bin. Also  vergiss mich. Und frustriere andere, die noch jung sind eifrig sind, guten Glaubens und willig.

 Oder beschäftige Dich doch einmal etwas nachhaltiger mit unseren GroKo-Mitgliedern – die könnten sich zum Beispiel vornehmen, ihre Wähler (wieso eigentlich „ihre“? Ich bin nicht ihr  ((vereinnahmter))Wähler, ich bin ein Wähler) wirklich ernst zu nehmen, ihnen etwas zuzutrauen, ihnen Verantwortung zu geben. Deren Vorsatz scheint immer nur zu sein: die nächste Wahl gewinnen. Und wenn sie den dann tatsächlich umgesetzt haben (mit Hilfe „ihrer“ Wähler!), dann geht’s schnell ans Vergessen.

Wie wäre es z.B. auch mit dem Vorsatz, die Kultureinrichtungen nachhaltiger zur fördern und nicht nur die Eintrittsermäßigung für Ruheständler abzuschaffen. Warum muss ich jetzt den vollen Preis bezahlen, wenn ich ein Museum besuchen will? Gerade jetzt,  wenn ich endlich Zeit habe, dann zu gehen, wenn andere eben keine Zeit haben.

Oder mit dem  Vorsatz, Berlin wieder großzügiger zu machen, toleranter, offener  – oder nennen wir es einfach „menschlicher“?

Du siehst, lieber Vorsatz, es gibt genug Potenzial, an dem Du Dich versuchen kannst.

Mich lass auf jeden Fall außen  vor: Ich bin nicht mehr  vorsatzwillig, ich bin es einfach leid, jedes Jahr Dein Opfer zu sein.  „The same procedure as every year“ – nein, dieses Mal nicht.

Sieben Jahrzehnte habe ich mich mit Dir in unzähligen Varianten geplagt. Na ja, nicht ganz. Bis ich zehn war, war ich hoffentlich  „vorsatzfrei“, aber spätestens dann  fing es: In diesem Jahr lerne ich den Doppelaxel ganz bestimmt (nachdem ich x-mal auf die Nase gefallen bin, habe ich den Doppelaxel wieder zum Einfachaxel werden lassen – stillschweigend, aber zutiefst enttäuscht).

In diesem Jahr werde ich so „cool“ werden wie die großen Mädchen in der höheren Klasse und sogar noch viel cooler (auch das Coolsein hielt sich in Grenzen, ich wurmte mich auch weiterhin, wenn die Jungs die Nase rümpften, weil ich noch keinen vorzeigbaren Busen hatte).

Später ging es dann  um ernsthafte Vorsätze: Toleranter, aufmerksamer zu sein. Ordentlicher und strukturierter sowieso. Nicht gleich ungeduldig zu werden, großzügiger, politisch engagierter und so weiter und so weiter. Jedes Jahr aufs Neue.

Und natürlich habe ich all die gut gemeinten Tipps gelesen, wie ich es schaffen könnte, die Vorsätze durchzuhalten. Offenbar hat die Erkenntnis, dass dies kaum jemandem wirklich gelingt, zu einer wahren Flut von pseudo-psychologischen Ratschlägen geführt, die mir sagen sollten,  wie ich mich überliste. Gelernt habe ich daraus nur, mich darin zu überlisten, mein schlechtes Gewissen zu entlasten.

Jetzt ist Schluss – für immer. Ich sag’s noch einmal: Ich bin seit sieben Jahrzehnten so, wie ich bin. Also wird es auch noch ein weiteres Jahrzehnt so bleiben können, ohne dass ich Schaden nehme. Wem es plötzlich einfällt, mich  nicht mehr so zu mögen, wie ich in den Jahrzehnten geworden bin, den werde ich ganz einfach von meiner Liste streichen.. Er hätte auch sehr  lange gebraucht, um erkennen, was ihm nun  nicht mehr passt. Einige Freunde werden schon übrig bleiben

Und wer mich neu kennenlernt, der muss mich nehmen, wie mich die Jahre geprägt haben. Oder es eben lassen.

Ich will einfach nur mit Ruhe und Gelassenheit das neue Jahr beginnen. Nicht ständig darüber nachdenken, was ich alles nicht mehr kann, was alles passieren könnte, warum das Älterwerden manchmal recht frustrierend ist. Nein, das alles werde ich im neuen Jahr nicht tun.

Sie fragen, ob das nicht auch Vorsätze sind? Natürlich nicht. Es sind Einstellungen, die lebensnotwendig sind. Vorsätze sind zum Leben keineswegs notwendig, sonst wären viele, wenn nicht gar die meisten unserer Mitmenschen nicht mehr auf dieser Welt.2013_Rathenow 171

In diesem Sinne: Auf ein gelungenes Jahr 2014. Vergessen ist die „13“ in der Jahreszahl und mit der nächsten „13“ müssen wir uns nicht mehr beschäftigen. Und unsere nächsten Generationen auch nicht.

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