Berlin ab 50…

… und jünger

Mit 26 bei ‘Berlin ab 50’ – Warum eigentlich​?

Vor fast zwei Jahren kam ich in Berlin an.

Es war beinahe Liebe auf den ersten Blick. Der einzige Makel war eigentlich nur der verkommene Flughafen Schönefeld.

Noch nie hatte ich eine so lebendige Stadt erlebt. Es kam mir vor, als ob sich Berlin vor meinen Augen verwandelte. Den Eindruck habe ich bis heute.

Am meisten sprach mich die Vielfältigkeit der Stadt an. Auf der S Bahn hörte ich jeden Tag eine neue Sprache. Am Wochenende entdeckte ich immer wieder neue Kunst. In einem Sportverein in Friedrichshain spielte ich zum ersten Mal im Dunkeln Federball.

Doch irgendwie störte mich gleichzeitig dieser Eindruck. Ich hatte das Gefühl, dass ich trotz der vielen bunten Erfahrungen noch nicht das echte Berlin entdeckt hatte.

Diese Stadt, die erst seit meinem zweiten Lebensjahr wieder vereinigt war, schien mir von jungen Leuten gesteuert zu sein. Wo blieben die Alten eigentlich?

Ich kam zu dem Schluss, dass ich ohne Kontakt zu älteren Leuten die wahre, teilweise schreckliche Geschichte dieser Stadt nie verstehen würde.

Also ging  ich zum Bezirksamt auf die Suche nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit, die mich in Kontakt mit älteren Menschen bringen würde. Kurz danach traf ich im Pflegeheim die 94-jährige Frau Bienkowski, die jetzt zu einer meiner besten Freundinnen zählt und über die ich schon hier gebloggt habe.

Im Bezirksamt traf ich auch die Frau Lampante (inzwischen nenne ich sie “Giuditta”). Als ich ihr erzählte, dass ich Journalistin sei, stahlte sie.

“Ich habe eine Idee”, sagte sie mit einem Zwinkern in ihren Augen. Einige Wochen später wurde “Berlin ab 50” geboren.

Um das Altwerden in Berlin zu “recherchieren”, habe ich erstmal die Giuditta zu dem Seniorenclub an der Herthastraße begleitet. Ich musste staunen, als ich das Angebot von Kursen sah. Von Afrikanischem Tanz und Arabisch bis zu Kochen und Kunst; noch nie kam mir das Altwerden so attraktiv vor.

Im Juli feierte der Club sein 30. Jubiläum. Katherine und ich waren mit Kamera und Aufnahmegerät dabei und haben Interviews mit einigen Mitgliedern geführt. Am meisten war ich von der Offenheit der älteren Menschen begeistert. Die Reportage, die dabei enstanden ist, ist hier zu hören. Viele erzählten mir, dass sie sich selbst noch als “jung” empfänden. Ich kam zu dem Schluss, dass mein Eindruck von Berlin als „junge“ Stadt vielleicht gar nicht so viel mit der „Zahl der Jahre,“ sondern mit einer gewissen Lebenslust und Energie zu tun hat.IMG_0727

Für mich ist der “Berlin ab 50” Blog mehr als ein täglicher  Austausch von Ideen und Gedanken.

Als junger Mensch, der mit dem Internet aufgewachsen ist, sehe ich die Möglichkeiten, die Technologie gerade Menschen im Alter anbietet.

Für meinen geselligen Opa in Irland scheint es zu spät zu sein. Wenn ich mal “Skypen” oder “Facebook” erwähne, zuckt er zusammen und behauptet, er sei zu alt, um so was zu lernen. Dabei bin ich fest überzeugt, dass der Zugang  zum Internet sein Leben nur bereichern würde.

Wenn ich mit meiner Mitarbeit bei  “Berlin ab 50”  Leute ermutigen kann, sich doch mal online zu trauen, habe ich was Gutes getan.

Über die Alterung der deutschen Bevölkerung wird dauernd berichtet. Als Journalistin und junger Mensch möchte ich dieses Thema nicht nur von außen betrachten.  Deshalb freue ich mich besonders, mitten in  “Berlin ab 50”  gelandet zu sein.

KKF

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