Geht es Ihnen auch so?

(c) goruma (B.Ramm)

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Wenn ich überregionale Zeitungen lese, suche ich erst einmal nach Berichten, Notizen, Beiträgen, die unsere Stadt betreffen. Die ja nun die Hauptstadt ist und von der möglichst viele Menschen viel erfahren sollten. In dem Punkt  bin ich überzeugte Berlinerin, wiewohl  nur zugezogen, womit mir eigentlich das Wichtigste fehlt – der Berliner Stallgeruch. Aber man darf ja trotzdem Berlin-Patriotin sein, nicht wahr?

Die Süddeutsche Zeitung ist meine Favoritin. Und darin habe  ich eine kurze Notiz gefunden, die mir gefallen hat. Zumal ich wieder etwas über Berlin lernen konnte – was vermutlich viele auch  nicht wissen. Allerdings: Ich hätte das auch in einer Berliner Zeitung nachlesen können – es ist mir aber nicht aufgefallen. Kein gutes Zeichen für mich, ich weiß.

 Es geht um die Humboldt-Universität. Oder genauer: um die Kopfbauten, die mit acht Figuren geschmückt sind. Knaben und Mädchen. Zugegeben, bislang waren sie mir noch einmal aufgefallen, geschweige denn, dass ich sie betrachtet hätte.

Aber das werde ich jetzt umgehend nachholen. Denn – und das war es, was der kleine Artikel mir offenbarte: Diese acht Figuren  sind keineswegs schon immer dort gewesen; sie gehören eigentlich gar nicht hierher. Dass sie jetzt die Universität schmücken, ist einem städtebaulich  ziemlich  dramatischem Ereignis zu „verdanken“. Die Figuren standen auf dem Potsdamer Stadtschloss – bis es 1960 dem Erdboden gleichgemacht wurde. Insgesamt waren es einmal 76 Skulpturen, die das Schloss zierten – diese acht, die auf der Humboldt-Universität stehen, sind gerettet worden.

Das ist die alte Geschichte. Jetzt gibt es eine neue: Das Potsdamer Schlosses ist wieder aufgebaut worden. Was läge näher, als die Figuren wieder zurückzubringen und dort aufzustellen, wo ihre Heimat ist. Acht sind mehr als Null und mit Mut zur Lücke sollte Berlin gelernt haben umzugehen. Das Berliner Schloss, dessen Wiederaufbau bevorsteht, ist reich an Lücken.

Die Frage ist nur: Wer ist dafür, wer ist dagegen? Ohne Zustimmung der Stiftung Preußische Schlösser und  Gärten geht gar nichts, ihr gehören die Skulpturen. Und die will von Umzug nichts wissen. Auch nicht  von Tausch, obwohl es einiges zum Tauschen gäbe. Denn im Marmorsaal des Neuen Palais in Potsdam stehen wiederum einige Skulpturen, die ebenfalls dort nicht hingehören, sondern in das Berliner Schloss.

Gibst Du mir, gebe ich Dir – das funktioniert hier und wohl auch anderswo nicht. Wir sind keine Tauschgesellschaft mehr – leider.

Aber und damit zum Anfang: Ist es nicht  erfreulich, dass Berlin und seine städtebauliche Geschichte immer wieder  auch für überregionale Betrachtungen sorgen?  Ich finde ja. Und ich werde mir die Figuren jetzt einmal genauer anschauen – so weit meine Augen tragen.

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