Berlin ab 50…

… und jünger

My Secret Life

c o berlinKlingt ein bisschen voyeuristisch, nicht wahr? Und ein bisschen mögen wir das doch alle – in Maßen! Ob wir es zugeben – nun ja, das ist eine andere Frage.

„My Secret Life“ ist im Übrigen in diesem Fall ganz öffentlich und zudem: In Zeiten von Twitter und Facebook – was ist da überhaupt noch geheim, privat? Und will eigentlich noch jemand diese Privatheit?

Lassen wir diese schwierigen Fragen erst einmal beiseite – obwohl sich dazu  ganz wunderbar in unserem Blog diskutieren ließe.

Ich möchte Sie vielmehr zu einer Outdoor-Ausstellung führen, die von C/O Berlin initiiert wurde. Und uns die Wartezeit auf die endgültige Wiedereröffnung, dann im Amerika-Haus (Hardenbergstraße 22-24), verkürzt. Noch bis zum 9. Februar können Sie die Ausstellung anschauen. Ich habe sie sozusagen en passant „mitgenommen“: Ich war auf dem Weg zum Ernst-Reuter-Platz für irgendeine alltägliche Erledigung  und wurde von erleuchteten Gestellen abgelenkt. Die ich mir dann näher angeschaut habe. Gewonnen habe ich dadurch eine  Viertelstunde Eintauchen in fremde Welten. Ohne großen Aufwand, ohne Vorbereitung.

In großformatigen Glaskästen, die vor dem künftigen Eingang platziert sind, Tag und Nacht beleuchtet, sind die Fotoarbeiten von 13 ausgewählten Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. Sie sind  die Gewinner eines Wettbewerbs, von C/O im letzten Jahr ausgeschrieben. 13 von insgesamt 460 Teilnehmern (die Prämierung von 13 ist wohl dem Umstand geschuldet, dass C/O selbst im Jahr 2000 gegründet wurde, also sein 13. Bestehen feierte).

Secret Life“ interpretiert private Räume und macht deutlich, dass jede Selbstinszenierung, die dazu bestimmt ist, öffentlich gemacht zu werden, zugleich auch Kontrolle bedeutet.

Auch Facebook und Twitter offenbaren ja nur das Maß an „Privatheit“, das von den Nutzern der Öffentlichkeit bewusst zugänglich gemacht werden soll. Was aber passiert, wenn diese Kontrolle wegfällt, z.B. wenn ein Fotograf hinter diese  Privatheit schaut?

Darauf geben die ausgestellten Künstler und Künstlerinnen sehr unterschiedliche Antworten. Es lohnt sich,  sie sich anzuschauen und festzustellen, wie viel  Rätselhaftes Orte und Räume verbergen oder offenbaren.

Ich bin bei meinem ersten Anschauen aus Richtung Bahnhof Zoo gekommen.  Und dann noch einmal zurückgegangen, um die Bilderkästen von der Hardenbergstraße aus auf mich wirken zu lassen. Dieser Blick hat mir am besten gefallen. Ihnen auch?

Und dann kehren Sie noch einmal um und  begleiten Sie mich weiter auf meinem Weg zum Ernst-Reuter-Platz. Wenigstens beim zum Stein-Platz. Und dort sollten Sie sich das restaurierter Hotel am Steinplatz anschauen. Vor allem den Eingahotel am steinplatz.2ng, der einem Torbogen gleicht und einem das Gefühl vermittelt, in eine Welt einzutauchen, die für eine Weile die Realität ein wenig vergessen macht.

Die Geschichte des Hauses, das gerade seine ersten 100 Jahre hinter sich, ist auch die Geschichte von Berlin. Mit den Höhepunkten in den Jahren rund um 1920 und noch einmal um die 60er Jahre desselben Jahrhunderts. Viele berühmte Namen sind mit ihm verbunden und ebensoviele legendäre Ereignisse.  Und vor allem ist es auch mit der Berlinale verknüpft, die ab 1957 im Zoo-Palast ihren Schwerpunkt hatte. Und die jetzt ebenfalls zu einem Teil wieder dahin zurückkehrt. Und noch ein Name aus dieser Traditionszeit: die Bar „Volle Pulle“ – ein Name, der ganz gewiss nur Berlinern einfallen kann.

Nach 1970 begann der Untergang mit Übergangslösungen wie der, als  Altenheim zu dienen. Und in den letzten Jahren: Tristesse, Ödnis und Verfall. Bis zum wundersamen Auferstehen.

Nur die „Volle Pulle“ – sie wird nicht nachgefüllt!

Das Hotel soll – so das Hörensagen bislang – auch eine vorzügliche Küche beherbergen mit stilvollem Ambiente. Das hat natürlich seinen Preis. Aber vielleicht entscheide ich mich einmal, nicht darauf zu schauen – sondern zu genießen. Nicht nach dem Motto: einmal ist keinmal, sondern ein gutes Ma(h) ist befriedigender  als viele schlechte oder mittelmäßige Male.

Sie können mich jetzt verlassen – ich gehe weiter zum Ernst Reuter Platz. Ihnen rate ich die Carmer Straße entlang zu schlendern – einige wunderschöne gründerzeitliche Mietshäuser sollten nicht verpasst werden.

IBF

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