Berlin ab 50…

… und jünger

Aufgespießt: Der Valentinstag

Vulgo:Einzelhandelsunterstützungstag

Ein Brauchtum, das zu einer Unsitte geworden ist

Nun werden wir wieder im Kollektiv dazu aufgerufen, uns alle und alle anderen lieb zu haben. Und das bitte schön just am 14. Februar.

Was wir mit unseren Lieben an den übrigen Tagen des Jahres tun? Das ist nicht so wichtig. Nur am 14. Februar – an dem Tag soll es nett zugehen.

Quelle: Berlinab50

Quelle: Berlinab50

Der  Brauch, den 14. Februar zum Tag der Liebenden zu machen,  ist schon ziemlich alt. Vermutlich geht er auf den Bischof Valentin von Terni zurück (es gibt auch andere Mutmaßungen). Er soll Trauungen vorgenommen haben, die damals von der Kirche verboten waren, z. B.  von Soldaten, die eigentlich nicht heiraten durften. Und er soll diesen Paaren Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Den  von ihm geschlossenen Ehen wurde nachgesagt, besonders glücklich zu  sein. Ihm  ist das allerdings nicht gut bekommen ist, denn  er wurde wegen des Ungehorsams und wegen seines christlichen Glaubens hingerichtet. Am 14. Februar.!

Im angelsächsischen Raum hat sich die Idee wohl zuerst verbreitet. In den westlichen Teil Deutschlands ist sie durch die US-Amerikaner gekommen. 1950 gab es den ersten „Valentinsball“ und zwar in Nürnberg.

Wir sollen an dem Tag  unsere Lieben nicht nur lieben, sondern –  vor allem –  auch beschenken. Was mit einem kleinen Blumengruß angefangen hat, hat sich mittlerweile zu einem ausgewachsenen Geschenke-Austauschtag entwickelt. Selbst  Dessous-Boutiquen meinen, dass es doch der geeignete Tag sei für einen wunderbaren Push-up-BH, für einen Stringtanga oder Strümpfen mit Strapsen. Und es ist ein Münchner Dessous-Hersteller, der sich dazu versteigt, den Valentinstag zu einem gesetzlichen Feiertag machen zu wollen.

Selbst die altehrwürdige „Urania“ folgt dem Mainstream und hat ihre Vortragsreihe zu Liebe, Lust und Frust  mit „Valentinswoche“ übertitelt (in der z.B. Eva Jaeggi einen Vortrag hält: Warum Alte Liebe schön rostet; www.urania.de)

Konfekt, Pralinen, ein Dinner für Zwei – das sind die gängigen Varianten. Gern darf’s auch ein bisschen Schmuck sein.

Und natürlich Blumen, mit und ohne Botschaft.

Und es gibt unzählige Angebote für eine Reise nach Rom. Denn dort werden 17 000 Paare erwartet, die sich mit dem Papst auf ihre bevorstehende Trauung vorbereiten wollen. Für Roms Tourismus eine lukrative Veranstaltung (events@family.va). Als schon lang verheiratetes Paar (oder auch als Single) sollten wir die Zeit um den 14. herum nicht unbedingt für eine Rom-Reise planen – Rom ist schon überfüllt genug und der Petersplatz allemal

.

Ich gebe zu, ich mag den Tag nicht. Jeden Tag im Stillen geliebt werden ist mir lieber als einmal im Jahr heftig und laut. Aber ich mag auch andere Tage nicht, die zum kollektiven Gedenken aufrufen (damit meine ich nicht Erinnerungstag – sie sind in dem meisten Fällen gut und wichtig).

Aber das soll – und wird – niemanden daran hindern, sich gemeinsam einen netten Tag zu machen – wieder einmal ein gemeinsames Frühstück statt sich muffelig hinter der Zeitung zu vergraben oder auf den unseligen „Cafe to go“ zurückzugreifen (schon der Name? Haben Sie schon einmal einen gehenden Cafe gesehen?). Vielleicht frische Croissants statt aufgebackener Brötchen. Und wenn dann ein kleines Blümchen den Frühstückstisch schmückt – dann ist alles in Ordnung und der ursprüngliche Geist des Tages lässt sich wieder ahnen.

Bleiben Sie uns gewogen.

IBF 

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