Berlin ab 50…

… und jünger

„Aufstand der Alten“

So hieß am 04. Februar ein kurzer Fernsehbeitrag im RBB. Es ging um die drohende Schließung der Seniorenfreizeitstätte in der Cunostraße 1. Für viele der vorwiegend älteren Besucherinnen ist diese Begegnungsstätte eine Art Familienersatz.

Ein Zeitungsartikel zum gleichen Thema (Bild 04.02.14) titulierte „Witwen kämpfen um ihren Senioren-Treff“. Dort heißt es: „Jeden Freitag spielen diese zehn älteren Damen Rommé. Doch seit Neuestem haben sie noch ein anderes Hobby: sie planen den Widerstand.“

Zugegeben, der Tatbestand ist nicht neu. Bereits 2012 besetzten Senioren mehrere Monate lang ihre Seniorenstätte in der Stillen Straße in Pankow und verhinderten damit eine Schließung.

Neu ist, dass die Senioren im Westteil der Stadt anfangen, sich zur Wehr zu setzen. Zu lange haben die Senioren zwar geschimpft auf die da oben, sich aber resigniert gängeln lassen.

Aufstand der Alten. Ja, warum eigentlich nicht?

Selbstbestimmtes Altern heißt auch, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für meine Gesundheit, für meine Nachbarschaft, für mein Umfeld. Schade, wer da auf seinem Sofa sitzen bleibt, weil man ja doch nichts ändern kann. Veränderung kommt nicht von oben, sondern fängt bei jedem von uns an. Nur wenn ich mich bewege, kann ich den ersten Dominostein anstoßen. Jeden Tag werden Weichen für unsere Zukunft gestellt von Politikern, die zwar Geld für groß angelegte Studien zur demografischen Entwicklung übrig haben, aber die Augen verschließen, wenn es um die Umsetzung der Ergebnisse geht.

Das Motto der 40. Seniorenwoche in diesem Jahr lautet:  „Mehr Mitbestimmung für Seniorinnen und Senioren“

Also, Herr Bürgermeister, Herr Stadtrat, sprechen Sie mit uns! Wir sind aufgewacht!

Wir wissen, was sparen heißt. Nur sollte nicht vergessen werden, dass wir auch die Generation sind, die zum jetzigen Wohlstand beigetragen hat.

Wir wollen nicht als Alte abgetan und ausgegrenzt werden, sondern sind ein integraler Bestandteil der Gesellschaft. Und wir werden mehr.

 

be

7 Kommentare

  1. Schu

    Gemeinsames Vorgehen ist wichtig. So gelten die Teilnehmer/innen an Programmen der Seniorenzentren in den Augen der Politiker oft als mehr oder weniger hilflos, wenn nicht behindert, sozial vereinsamt, werden abgeschrieben. Das ist ein Irrtum, der den Politikern wie ein Spiegel vorgehalten werden muss: durch gemeinsame Aktionen. Seniorenzentren sind Fitnesszentren für den Geist und das soziale Leben. Sie verdienen Förderung, nicht Abbau (wie in der Cunostr.)

  2. IBF

    Sollten wir uns aber nicht auch fragen, wieso das so ist? Kann es nicht sein, dass wir die Möglichkeiten, uns zu Wort zu melden zu wenig nutzen? Dass wir uns zu sehr arrangieren?
    Uns vielleicht zu oft selbst für zu alt halten? Um gehört zu werden, muss man heute alle Medien nutzen, Facebook, Twitter und eben oder vor allem auch Blogs. „Dafür bin ich zu alt“ sollte nicht mehr gelten. Warum wohl haben Politiker Facebook und Twitter entdeckt? Weil sie – oder ihre Berater – erkannt haben, dass man auch damit „Meinung“ machen kann. Dass vor allem die eben genannten auch Gefahren haben, ist nicht zu leugnen. Aber sind wir nicht klug genug, sie gefahrenlos zu nutzen?
    Unser Motto sollte sein: Laut und vernehmlich sein, Aber auch uns selbst ein wenig offener zu zeigen. Die heutigen 50-,60- und 70-Jährigen „fremdeln“ ein wenig mit dem Begriff „Senioren“ – dem müssen, sollten auch Seniorenclubs Rechnung tragen.

    • Violetta

      Alle heutigen Senioren haben zu dem Wohlstand beigetragen, über den wir heute verfügen und von dem vor allem die Politiker profitieren. Für sie ist es kein Kunststück vom Schreibtisch aus die neuen Medien anzuwenden. Sie haben die materielle Grundlage und die personelle Unterstützung in jeder Beziehung und nicht zuletzt Rückhalt aus ihrer Partei.
      Im Gegenzug haben unsere Senioren ein Recht auf einen Ort, an dem sie sich noch aktivieren und austauschen können. Mit wenig Struktur können sie noch viel Freude und ein wenig Selbstbestimmung in ihr Dasein bringen.

      In den Clubs gibt es Aushänge von der Senioren-Vertretung im Bezirk. Denen zufolge können sich ältere Bürger, die ein Anliegen haben, sich in der angebotenen Sprechstunde melden.
      Die Senioren-Vertretung fordert auf einem Hochglanz-Flyer direkt dazu auf:

      „SOLLTEN SIE UNSICHER BEI DER DEFINITION IHRES PROBLEMS ODER DER FORMULIERUNG SEIN, SO ZÖGERN SIE NICHT, UNS ZU KONTAKTIEREN“.

      Also nichts wie hin!!!

  3. Erika

    Den Alten, die doch den Grundstein für den Wohlstand der heutigen Jungen erarbeitet haben, sollte man einen würdigen Lebensabend zukommmen lassen.

  4. Anja

    “Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär’ nur Deine Schuld, wenn sie so bleibt!”, hat die selbsternannte beste Band der Welt (Die Ärzte) einst gesungen. Ein Aufruf zum Selbermachen, zum Sich-engagieren, zum Auf-die-Straße-gehen. Aber häufig bleibt man dann doch lieber auf dem gemütlichen Sofa sitzen, weil Engagement so anstrengend ist. Oder etwa nicht?

  5. Benni

    Nur ein Zeitungsartikel oder eine kurze Sendung im TV macht noch keinen Aufstand. Unsere Senioren sitzen zwar nicht alle auf dem Sofa herum, aber sie verhalten sich doch bei allen Kürzungen auffallend ruhig.
    Sie haben doch, außer in den 60er Jahren kaum Erfahrung im Aufstand.
    Sie bräuchten wirklich Unterstützung von von allen Seiten. Aber wen interessiert das schon?

  6. marianne hopfer

    hallo benni,
    doch,es gibt widerstand. wirksam wird er nur wenn alle generationen- alt und jung- zusammen gehen.
    ich habe eine bürgerini gegründet.meine stadtteilbibliothek wollen sie mir wegnehmen.die letzte kleine kostenlose lokale struktur vernichten.ich bin aufgestanden und habe NEIN gesagt.nun bin ich in einem sehr anstrengenden unterschriftensammlungsprozeß.bekomme viel zuspruch,aber es fehlen die jungen menschen.ich leiste motivierungs-und überzeugungsarbeit solange ich kann.gebt das grundrecht auf kostenlose dezentrale bildungsstützpunkte wie es eine stadtteilbibliothek nun einmal ist,nicht widerstandslos auf.beendet das bibliothekssterben.virtuelle welten und reales leben vor ort kann durchaus sinnvoll miteinander verknüpft werden.
    viele grüße
    marianne hopfer
    bürgerini rettet die bona-peiser-bibliothek
    10969 berlin,oranienstr.72

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: