Berlin ab 50…

… und jünger

Keine Frage des Alters

Jimmy und ich sind seit 15 Jahren eng befreundet. Hier in Berlin sehen wir uns oft, aber nicht täglich. Uns verbindet von Anfang an eine große Sympathie und Vertrautheit und bis heute ertappen wir uns dabei, dass der andere das ausspricht, was man selbst gerade denkt.

Über Silvester nun flogen wir gemeinsam für ein paar Tage nach Wien.Wien Karlskirche

Das ist ja erst mal nichts Außergewöhnliches. Etwas

außergewöhnlich finde ich allerdings die Tatsache, dass wir exakt das gleiche Tempo an den Tag legen.

Meine Freundin Jimmy ist gerade 70 Jahre alt geworden und ich bin 34 Jahre.

In Berlin gehen wir zusammen essen oder in eine Theatervorstellung, treffen uns mit Freunden oder gehen ins Kino, aber an Silvester war es jetzt das erste Mal, dass wir länger zusammen und auch in einer gemeinsamen Wohnung wohnten.

Wir begannen – noch in unseren PJ‘s –  beide zusammen den Tag in aller Ruhe mit Kaffee und Toast auf dem Bett. Danach gingen wir in die Stadt und schlenderten durch viele Gassen der Wiener Innenstadt – Schlendern, also langsamen Schrittes in aller Ruhe  – bis wir Lust auf eine Melange und ein Stück Sacher Torte verspürten. Nach 4 Stunden des Flanierens saßen wir im Cafe und fanden es wunderbar, nur da zu sitzen und die Menschen zu beobachten. Dabei unterhielten wir uns blendend.

Ich erlebte die Tage im Gleichklang – ob es um die Wahl des Restaurants ging oder wir beim Shoppen auf dieselben Boutiquen zusteuerten.

Am Silvester Abend wollte Jimmy unbedingt ins Akademie Theater gehen, „Das war’s Herr Direktor!“  von und mit Michael Heltau stand auf dem Programm. Ein atemberaubendes Programm mit einem  80 Jahre jungen Künstler. Er interpretierte unter anderem Jacques Brel und bei seiner Darbietung des Songs „Send in the Clowns“ sagten Jiimmy und ich wie aus meinem Mund: „hach wie schööön“! Für mich war dieser Künstler eine wirkliche

Michael Heltau

(c) Michael Heltau

Neuentdeckung, für die ich Jimmy sehr dankbar bin.

Nach dem Konzert habe auch ich gedacht, wie ungern ich mich jetzt in die Menge stürzen möchte, denn dieser Abend hat es verdient, in Ruhe auszuklingen und weiter wirken zu dürfen. Das hat Jimmy dann genau in diesem Moment ausgesprochen. So feierten wir nur für uns allein in das neue Jahr hinein und wir schwelgten bis in den frühen Morgen noch von dem Konzert.

Am Morgen dann trafen wir uns wieder auf dem Bett, um gemütlich im TV das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker anzuschauen. Auch das war Neuland für mich und  es hat mich sehr fasziniert. Nächstes Jahr wollen wir beide dann live dabei sein.

Auch dieser Tag verging wie im Flug und am Abend saßen wir gemütlich beim Wein in einer typisch Alt-Wiener-Kneipe, die sehr beliebt unter den Studenten ist.

Gegen 2 Uhr schlenderten wir dann wieder ganz gemütlich durch die Gassen und genossen die Leere auf den Straßen.

Inzwischen sind wir längst wieder in Berlin und in unserem Alltag ankommen. Aber diese Wien-Reise hat mir deutlich gemacht, wie sehr ich Informationen von Jimmy – zum Beispiel über Künstler, Bücher oder Zeitgeschichte –  in mich aufsauge und wie stolz es mich macht, Dinge kennenzulernen, die meiner Generation fremd sind. Wie sehr ich an Jimmy wachse und wie tief wir mittlerweile verbunden sind.

Auch dabei sind Jimmy und ich uns gleich. Sie nimmt wiederum Dinge auf, die ihrer Generation fremd sind, und die ich ihr beibringe. Zum Beispiel das iPhone oder das IPad – selbst wenn sie ihr nicht immer gehorchen – wie sie so schön sagt-, möchte sie es doch inzwischen nicht mehr missen. Mit einer Selbstverständlichkeit sagt sie zu anderen „Schreib mir doch einfach ’ne Mail„. Die weite Welt, die sie damit benutzt, hat schon etwas sehr spannendes und macht auch für sie viele Dinge einfacher.

Es ist keineswegs eine Frage des Alters, ob man sich im Gleichklang bewegt, sich versteht oder nicht, den selben Geschmack hat, die gleiche Musik hört ….Es ist alles in allem immer eine Frage, wie offen man im Leben ist und wie neugierig man bleibt. Wie offen meine Generation für die andere ist und auch wie offen diese meiner Altersgruppe begegnet.

Es ist immer ein Austausch, der von beiden gewollt sein muss, dann merkt man gar nicht, dass die Person, die man an der Seite hat, doppelt so alt  – oder auch halb so alt – ist.

Dann kennt Liebe und Freundschaft in jedem Fall kein Alter und ein großer Altersunterschied ist nur relativ.

Jimmy wird jetzt 6 Wochen nicht in Berlin sein und wir haben uns vorgenommen. uns – trotz Entfernung –  nicht aus den Augen zu verlieren –  und freuen uns nun darauf, regelmäßig zu skypen…..

mop

 

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