Berlin ab 50…

… und jünger

LENS/BASED SCULPTURE – ein AusstellungsTIPP

Die „alte“ Akademie der Künste, leider in bisschen in den Hintergrund gedrängt durch den Neubau am Pariser Platz, präsentiert eine Ausstellung, die alles andere als verstaubt oder gar zweitrangig ist. Ganz im Gegenteil: Es ist die erste Ausstellung überhaupt, die sich dem  großen Thema „Verhältnis von Fotografie und Skulptur“ auf eine Weise nähert, die bislang nicht untersucht wurde. („Lens“ ist zu übersetzen mit „Linse, Fotografie“ – ich wusste es vorher nicht!).

(Nur am Rande: Ich mag die „neue“ Akademie als Ausstellungsort sowieso nicht so sehr. Die Räume scheinen mir ziemlich ungeeignet zu sein und die Dachterrasse,  die gewiss einen grandiosen Ausblick hat – als Normalbürgerin, weder VIP noch „Adabei“, ist sie für mich nicht zugänglich.)

Quelle: Berlin ab 50

Quelle: Berlin ab 50

Was Sie vorfinden werden, sind rund 200 Arbeiten von 70 Künstlern: international und  national. Die Ausstellung beginnt kunstgeschichtlich mit dem Jahre 1913. Mit Werken von Umberto Boccionie, Marcel Duchamp und Raymond-Duchamp-Villon. Und zum ersten Mal nach 50 Jahren haben es die Ausstellungsleiter geschafft, von ihm das epochale Werk „Le grand cheval“ im deutschsprachigen Raum, in Berlin !, zu zeigen. Das ist sensationell.

Ein zweites – m.E. unglaublich faszinierendes –  Werk ist „Porto Gradiva  von Marcel Duchamp (1937). Ich möchte Ihnen nicht verraten, warum es so fesselnd ist – schauen Sie selbst!

Für mich ebenfalls eindrucksvoll, obwohl ich es schon vorher gesehen hatte: „Man with Camera“ von Duane Hanson. Aber auch vieles andere ist bestaunenswert und beeindruckend. Wenn Sie den „Übungen in neun Stücken“ von Rebecca Horn folgen wollen (sie sind ebenfalls des Betrachtens wert, auch wenn es vielleicht  schwierig ist, eine Beziehung dazu zu entwickeln),  sollten Sie sich zusätzlich Zeit nehmen (ein Sitzstuhl wäre auch nicht schlecht).

Noch etwas zum theoretischen Hintergrund (den der Katalog natürlich sehr viel besser und fundierter wiedergibt):

Üblich war es bisher, dieses Verhältnis Skulptur – Fotografie aus der Perspektive der Fotografie zu betrachten (eine der  jüngsten Ausstellungen dazu fand 2011 in Zürich statt: „FotoSkulptur. Die Fotografie der Skulptur bis heute“).

Quelle: Berlin ab 50

Quelle: Berlin ab 50

In der Akademie wird das Verhältnis umgekehrt aus die Perspektive der Skulpturgeschichte betrachtet. Und das bedeutet ganz neue Fragestellungen. Z.B., wie sich die Fotografie und die Weiterentwicklung zur Kinematografie auf die Arbeits- und Sichtweise der Bildhauerinnen und Bildhauer ausgewirkt haben.

Auch wenn es vielleicht sehr theoretisch klingt, es sollte Sie nicht davon abhalten,  die Ausstellung zu besuchen. Spätestens dann versteht man, welchen Stellenwert sie einnehmen wird und warum es so großartig ist, dass es gerade die alte Akademie und Berlin sind, die diesen Weg gehen. Es ist also auch eine Ausstellung, die die ein wenig didaktisch ist, dies aber wohltuend unaufdringlich. Und am Ende weiß man, auf wie vielen Wegen sich Fotografie und Skulptur beeinflussen und das Verhältnis zueinander sich ändert.M.E. eine Ausstellung mit großem Gewinn.

Ein Manko hat die Ausstellung und das ist für uns, die wir über 50 sind, schon ein Wehmutstropfen: Die Hinweise auf Werk und Künstler, etc sind fast immer auf dem Boden oder – von den Objekten recht entfernt – an den Wänden angebracht. Das ist ein wenig mühsam, zumal die Räume sehr dunkel gehalten sind. Und manchmal stört die Suche danach die Betrachtung, weil man immer etwas ratlos umherirrt. Aber das soll Sie bitte nicht abhalten: Wir sind ja „sturmerprobt“ und es ist nicht die erste Ausstellung,  die solche Probleme aufweist.

Und zum guten Schluss einen zweiten Tipp: Gehen Sie – Stoßzeiten hin oder her – auch einmal am Wochenende dorthin.

Quelle: Berlin ab 50

Quelle: Berlin ab 50

Denn die Akademie bietet am Wochenende ein Buffet an, das wunderbar geeignet ist, ein zweites Frühstück oder einen Brunch zu genießen. Vor oder nach der Ausstellung, Natürlich ist es ein wenig wuselig, denn es kommen auch junge Familien mit ihren Kindern. Aber auch dieses Zusammentreffen von alt und jung hat seinen Charme – Ruhe können wir später wieder genießen, wenn wir den Tiergarten zu einem „Verdauungsspaziergang nutzen oder wieder einmal das Hansaviertel durchwandern. Das Buffet kostet 9.90 € und es ist mit allem bestückt, was der Mensch zum Brunch braucht: Deftigeres, Süßes, Flüssiges, Kaltes, Warmes. Und eine nette Bedienung gibt’s auch.

(Die Ausstellung ist noch bis zum 21.4.2013 geöffnet, danach wandert sie nach Vaduz – dann ist der Weg ein bisschen weit.  (Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 11-19 Uhr. Eintritt 6/4 €; dienstags 15-19 Uhr freier Eintritt. www.adk.de )

IBF 

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