Berlin ab 50…

… und jünger

Aufgeschnappt: „Speed-Dating“

An einem kleinen Interview in der Süddeutschen Zeitung (pünktlich zum „Valentinstag“) möchte ich Sie teilhaben lassen – weil die Idee, die dort vorgestellt wurde,  m. E. nachahmenswert und überraschend ist, zudem ziemlich ungewöhnlich.

Aber es hat auch noch einen tieferen Grund, weshalb mir der Artikel im Gedächtnis geblieben ist. Er macht deutlich, wie schwierig es ist, (nicht nur, aber besonders) ab einem bestimmten Alter einen Partnerin oder einen Partner zu finden. Vor allem dann, wenn wir aufgrund einer persönlichen grundsätzlichen Lebenseinstellung, unseres Glaubens oder einer bestimmten Philosophie, der wir anhängen,  schon so etwas wie eine „innere Vorauswahl“ getroffen haben. Die üblichen Begegnungsorte wie Disco, Tanzlokal, Cafes, Clubs oder öffentliche Veranstaltungen sind denkbar ungeeignet, denn dort werden wir selten oder gar nicht auf Gleichgesinnte treffen, die unsere innere „Wellenlänge“ teilen. Oder zumindest nicht so schnell davon erfahren.

Also bleibt es beim Alleinsein, das gerade im Alter schmerzlich sein kann.

So in etwa war die Ausgangslage für die Idee, die die Pastoralreferentin des Bistums Mainz  ändern wollte bzw. will. Deshalb kam sie auf die Idee eines „Speed-Datings“. Allerdings hatte sie erst einmal jüngere Menschen (zwischen 20 und rund 35 Jahren) im Sinn, aber aus der Reaktion, die sie daraufhin bekam, wurde klar, dass ältere Jahrgänge genau dasselbe suchen. Warum also nur  an Jüngere –diese Frage lag dann nahe.

Ja, warum eigentlich? Weil Speed-Dating den Geruch von Kuppeln hat? Weil es Kurzlebigkeit signalisiert?  Weil es auf „schnellen Konsum“ schließen lässt?

Alles falsch! Alles Vorurteile.

Speed-Dating läuft, zumindest war es so in Mainz, in etwa so ab:

(c) wand-decor.com

(c) wand-dekor.com

Denjenigen, die sich dazu angemeldet hatten, standen jeweils sieben Minuten zur Verfügung, um sich kennenzulernen und vor allem über ihren Glauben, ihre Philosophie zu sprechen, sich auszutauschen. Damit war die für sie wichtigste Grundlage gelegt: Sie wussten, ob der- oder diejenige ihren inneren Überzeugungen entsprechen würde – der Anknüpfungspunkt war da – oder eben auch nicht.

Zu dem Speed-Dating des Bistums Mainz hatten sich spontan zehn Frauen und zehn Männer gemeldet (eine Warteliste gab es auch). Wie die Begegnungen abgelaufen sind, das konnte in dem Interview nicht besprochen werden – es wurde vor dem Date geführt. Aber aus Erfahrungen aus einem anderen Bistum wusste die Interviewte zu berichten, dass tatsächlich auf diese Weise sich Paare gefunden.

Und wenn Sie immer noch skeptisch sind: Speed-Dating kommt sogar ursprünglich aus dem Bereich des Glaubens und zwar des jüdischen: Es war ein Rabbi, der auf die Idee gekommen ist, weil er befürchtete, dass sich zu wenige Paare finden würden und der Glaube in Gefahr sei. Dem wollte er abhelfen.

Vielleicht finden Sie es immer noch eine unmögliche Idee. Aber immerhin zeigt sie, dass es viele Wege gibt, das Alleinsein zu überwinden. Man muss es vielleicht nur wirklich wollen, darf keine Angst vor dem Scheitern haben und vor allem: auch einmal Ungewöhnliches wagen. Vielleicht sogar selbst initiieren?!

Bleiben Sie uns gewogen!

IBF

2 Kommentare

  1. Danke für diesen Artikel! Zum einen waren mir die Ursprünge des „Speed-Datings“ gar nicht bewußt + zum anderen mag die Idee vielleicht „unmöglich“ erscheinen – aber bei längerem Darüber nachdenken, finde ich sie eine „tolle“ Idee für ältere Menschen, die nicht so computeraffin sind und auch gern mal „unmöglich“ 🙂 !

  2. be

    Das Thema interessiert doch einige. Also wann fangen wir an? Wir brauchen es ja nicht unbedingt so eng sehen als Partnervermittlungsbörse, sondern können dabei auch neue Freundinnen finden, von denen wir ohne das Speeddating nie erfahren würden, dass sie vielleicht gleiche Interessen teilen. Ein interessanter Nachmittag wird es auf jeden Fall.

    be

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