Berlin ab 50…

… und jünger

BERLIN IST MEINE WAHLHEIMAT….

Ein Wanderer zwischen den Welten

Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf hat vor einigen Jahren in den drei behördlichen Seniorenclubs eine Initiative in Gang gesetzt, die sich „Internationale Begegnung“  nennt: Auslöser war die Tatsache, dass zwar viele verschiedene, gut besuchte Sprachgruppen angeboten wurden/werden, die aber selten von wirklichem Erfolg gekrönt waren, da die Lernsprache wenig oder gar nicht angewendet werden konnte.  Aus diesem Grund bekamen die Gruppenleiter nun die Auflage, Kontakt zu Muttersprachlern aufzunehmen, was ja in Berlin nicht schwierig ist. Neben dem Sprach- und Kulturaustausch entwickelten sich so weitere gemeinsame Unternehmungen: man organisiert zusammen  Feste und sonstige Veranstaltungen und integriert so auch neue Leute in die Aktivitäten der Clubs. In gemeinsamen Sitzungen treffen sich nun regelmäßig in den „Internationalen Begegnungen“ viele verschiedene Nationalitäten. Wir wollen in unserem Blog in lockerer Folge diese Menschen vorstellen, denen (fast) allen gemeinsam ist, dass sie hier in Berlin „hängen geblieben“ sind. Einer von Ihnen ist Abdallah Melaouhi  – ein Wanderer zwischen den Welten.

Abdallah Melaouhi wollte für seine Heimat etwas Nützliches lernen. Er wollte Tropenmedizin studieren und dann als Arzt zurück nach Afrika gehen. Er machte sich also als junger Mann und ausgebildeter Kaufmann vor 46 Jahren auf den Weg aus Tunesien nach Hamburg. Doch es kam alles anders als gedacht. In Deutschland angekommen, wurde ihm klar gemacht, dass er die Voraussetzungen für ein Studium nicht erfüllt. Ein Schock und eine große Zäsur, aber er ließ sich  nicht entmutigen und ließ sich als Krankenpfleger ausbilden.

Nach seiner Ausbildung zum Krankenpfleger hat Abdallah Melaouhi  zwar versucht, in Tunesien zu arbeiten, doch es zog ihn zurück nach Berlin, wo er inzwischen seit fast 40 Jahren lebt. Hier traf er auch seine spätere Frau  – eine Tunesierin, die ihre Tante hier in Berlin besuchte. Das wäre nun die  Gelegenheit gewesen, zurück in die Heimat zu gehen und mit der Liebe seines Lebens in Tunesien eine Familie zu gründen. Und wieder kam es anders: Berlin hielt ihn fest.

Er holte seine Frau nach Deutschland, sein Sohn kam in Berlin auf die Welt und ist hier aufgewachsen ist. Der Familientradition entsprechend wurde er selbständiger Kaufmann. Er kennt das Land seiner Väter nur noch aus sporadischen Besuchen, hat also kein Heimweh mehr nach Tunesien im Gegensatz zu seinem Vater.

Abdallah Melaouhi nennt Berlin seine Wahlheimat, er mag diese Stadt mit ihrer Geschichte, ihrer Kultur und ihrer Musik, er mag diese Stadt, weil sie viel Platz hat für alle Menschen aus den verschiedensten Kulturen. Das begeistert ihn.

Er empfindet die sozialen Strukturen dieser Stadt gerade auch für ältere Menschen bemerkenswert, es gibt viele Institutionen, die sich um ältere Menschen kümmern, sagt er. Seit Abdallah Melaouhi in Rente ist, engagiert er sich ehrenamtlich für sozialen Belange und legt viel Wert auf interkulturelle Arbeit und Integration, um das Leben zu verbessern. Es ist für ihn eine Herzensangelegenheit und so hat er  1993 den tunesischen Verein, der beim Amtsgericht eingetragen ist, gegründet, den Deutsch-Tunesischen Kulturverein, den DTKVB e.V.

Abdallah Melaouhi kommt aus einem Land mit einer 3000 Jahren alten Kultur. Und es liegt ihm am Herzen, das weiterzugeben und er engagiert ehrenamtlich seit vielen Jahrzehnten.

Vor zwanzig Jahren gründete er seinen Deutsch-Tunesischen Kulturverein, um als Mittler zwischen den Menschen, Religionen und Kulturen Verständnis und Verständigung zu schaffen. Ohne dieses Wissen kann kein Verständnis wachsen.

Wichtig ist es ihm, eine Brücke zwischen den Kulturen zu schlagen, was am besten gelingt, indem man die Sprache lernt. Deshalb unterrichtet er auch Arabisch. Wenn man mit Freude und Disziplin bei Abdallah Melaouhi Arabisch lernt, kann man sich, sagt er, nach ungefähr einem Jahr zum Beispiel in Tunesien gut verständigen.

Auch wenn er nicht als Tropenarzt zurück nach Tunesien gegangen ist, so hat er doch auf diese Weise seinem Land etwas Wichtiges  zurück gegeben – und uns auch.

go

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: