Berlin ab 50…

… und jünger

Ein Abgesang! Die „Gelbe Musik“ wird es sehr bald nicht mehr geben.

Der Tagesspiegel hat soeben darüber berichtet.  Aber weil es tatsächlich ein großer Verlust ist für Berlin,  wollen auch wir das nicht unkommentiert lassen (zudem: Nicht jeder ist Tagesspiegel-Leser!)

gelbe musik 2Vor gut 30 Jahren hat Ursula Block mutig eine Idee umgesetzt: Einen Ort zu schaffen, an dem Musik und bildende Kunst sich  miteinander verbinden. Galerie, Platten-, CD-Laden, Archiv – alles in einem. Ein Treffpunkt für die Klangkunstszene. Und er hat inzwischen nicht nur in Deutschland den Ruf, etwas ganz besonderes zu sein. Der Name „Gelbe Musik“, der von Kandinsky inspiriert ist, macht diese Verbindung deutlich: Das Visuelle mit dem Klang!

Die Sammlung von CDs zur experimenteller und Neuer Musik ist berühmt und kann mit anderen berühmten Läden mithalten.

Die Ausstellungen, die Ursula Block in dieser Zeit her kuratiert  hat, sind heute noch unvergessen. Die Eröffnungsausstellung 1981 hat sie „Partituren“ genannt; gezeigt wurden u.a. Originale von Nam June Paik und John Cage. Ein fulminanter Einstieg.

Legende ist auch die Ausstellung „Broken Music“: Eine Zusammenschau von Arbeiten und Künstlerschallplatten, die alle das  Objekt „Schallplatte“ bespielten. Das war am Ende der 80er Jahre. Oder „Footsteps“: Der Künstler Christian Marclay hat für diese Ausstellung den gesamten Boden mit Schallplatten ausgelegt. Und die Idee dahinter war, dass Besucher über eben diese Platten gehen und so ihre „Footsteps“ hinterlassen. Wozu so mancher Besucher erst überredet werden musste.

Vorbei! Ursula Block schließt am 10. April. Bis dahin läuft der Ausverkauf (der aber nicht zu einem billigen Schnäppchen-Verkauf geraten soll). Und es läuft derzeit die letzte Ausstellung über den Künstler Milan Knizak. Zur Finissage  am Abend des 10. April gibt der Künstler im Rahmen der Maerz-Musik im Hamburger Bahnhof ein Abschiedskonzert (20 Uhr).gelbe musik

Ursula Block wird nicht aus der Kunstszene verschwinden, denn sie wird die Arbeit an ihrem Archiv fortsetzen. In  den selben Räumen wie bisher. Und sie freut  sich natürlich auch, wenn Freunde vorbeikommen – allerdings nur mit Voranmeldung.

Ein schöner Zufall bescherte es mir heute, dass ich Ursula Block vor ihrem Laden getroffen habe, gerade als ich ihn fotografieren wollte. Auf diese Weise sind auch Bilder von ihrem Innenraum möglich geworden.

Bei der Frage, ob sie es bedauert, aufgeben zu müssen, war deutlich zu spüren, dass sie die Realität zwar anerkennt, aber traurig ist. Ihr Lebenswerk – zumindest zu einem großen Teil Geschichte.

Und geschuldet ist der Untergang dem „Zeitgeist“: CDs  sind nicht mehr gefragt und eine nochmalige Umstellung mit allem Risiko – das ist für Ursula Block keine Option.

Bleiben Sie uns gewogen!

IBF

„Gelbe Musik“, Schaperstraße 11. Di-Fr 13-18 Uhr; Sa 11-14 Uhr,  Tel. 030/211 39 62 E-Mail:  gelbe.musik@berlin.de

2 Kommentare

  1. be

    Ich bin an der Stadt, ihren Sehenswürdigkeiten, Ausstellungen usw. immer sehr interessiert.
    Deswegen möchte ich an dieser Stelle mal I.B.F. für ihre Artikel danken, weil sie mir auch andere Facetten von Berlin eröffnen, zu denen ich sonst nicht unbedingt Zugang habe. Mir gefallen auch die gut recherchierten Hintergrundinformationen.

    be

    • fabu

      Wir und ich bedanken uns für Ihr nettes Kompliment. Wir werden uns weiter bemühen!
      I.B.F.

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