Berlin ab 50…

… und jünger

Mein Friseur und ich

(c) ibf

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Seit mehr als 20 Jahren sind wir  ein Paar. Und noch dazu eines, das ganz wunderbar funktioniert. Wir streiten nicht. Ich bin noch nie fremdgegangen – auch nicht probeweise. Denn was dabei herauskommen würde, wäre wohl nur ein „Verschnitt“ – warum also ein Risiko eingehen. Wir sind uns wohl gesonnen und würden uns vermissen, würden wir uns nicht regelmäßig treffen.

Bis dass der Tod uns scheidet – klingt in dem Zusammenhang vielleicht ein wenig respektlos, aber so wird es sein. Und da ich um einige Jahre älter bin, werde ich es wohl sein, die unsere regelmäßigen Verabredungen aufkündigt. Umgekehrt wäre ich fast untröstlich.

Denn es ist natürlich nicht nur der eigene Schopf, der mir am Herzen liegt, sondern der Mensch, der  sich um ihn kümmert.

Der verständnisvoll meine Sorge um das Mausgraue im Haar vernimmt und Abhilfe schafft (leider: mit dem silbrig-weißen,  elegant schimmernden Farbton bin ich nicht bedacht worden  und noch mag ich mich nicht zur Maus bekennen – also muss die Chemie helfen). Und von Jahr zu Jahr ein bisschen öfter.

Wir verstehen uns ohne Worte. Denn Worte wären in meinem Fall  und im wahrsten Sinne des Wortes nur „Schall und Rauch“. Ich bin nahezu taub. Allerdings: Da dieses „Vorkommnis“ ebenfalls schon gute 20 Jahre zurückliegt, haben wir uns noch hörend kennengelernt, sozusagen in der letzten Minute. Aber an seine Stimmen kann ich  mich nicht erinnern! Eigentlich schade.

Aber sei’s drum: Es geht auch prächtig so und zur Not helfen Stift und Papier oder – ganz neu – das Smartphone. Die Sprachfunktion, wenn sie funktioniert, ist ganz wunderbar. Darauf bin im Übrigen nicht ich  gekommen, sondern mein Friseur. Auch nicht selbstverständlich!

Wir wissen viel übereinander, aber gottlob nicht zu viel, es kann uns also nichts peinlich werden.  Unsere jeweiligen Schwächen, die kennen wir und tolerieren sie.

Nie ist mein Friseur schlecht gelaunt – was ich bewundere. Und unendlich geduldig.

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Wenn ich nach dem Schnitt am nächsten Tag meine, ein „Bögelchen“ zu sehen (die natürlich keiner sieht außer mir), dann  wird auch das noch nachjustiert.Dass ich den Kaffee mit Milch und ohne Zucker trinke – schon längst registriert; dass ich die Yellow-Press nicht schätze – auch bekannt.

Kurz und gut: Mein Friseur und ich sind ein eingespieltes Paar und wir werden – wie in einer guten Ehe – zusammen noch ein bisschen älter werden.

Das gibt es natürlich  nicht nur in Berlin, aber eben auch hier. Trotz (auch gerade wegen) der unzähligen Salons, die fast täglich neu eröffnen.

Bleiben Sie uns gewogen!

IBF

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