Berlin ab 50…

… und jünger

Der Alte Luisenstädtische Friedhof in Kreuzberg

ist eine Oase mitten in Berlin –

Am Sonntagmorgen, nachdem uns in dieser Nacht eine Stunde „gestohlen“ wurde, stand ich mit vielen anderen interessierten Frühaufstehern auf dem Evangelischen Luisenstädtischen Friedhof am Südstern und hörte zwei ehrenamtlichen jungen NABU-Frauen zu, die zu einem vogelkundlichen Spaziergang einladen (mehr Infos unter https://berlin.nabu.de).

Das gesamte Areal Luisenfriedhof/Tempelhofer Feld/Hasenheide ist ein Paradies für Vögel, für „Dableiber“, „Teilzieher“ eichelkatzerlund Zugvögel. „Der Girlitz ist auch schon da…“ freute sich eine der Ornithologinnen. Es zwitschert in dieser Morgenstunde fast laut , geradezu lärmend – mal wild durcheinander, mal einzeln. Einer der Spaziergangs-Teilnehmer deutet auf eine Tannenspitze – da sitzt er, der Girlitz. Alle Ferngläser richten sich nach rechts zur Baumspitze…und plötzlich doch ein Zweifel: ist es nicht eine Heckenbraunelle? Auch sie sitzt gerne auf so einem wunderbaren Aussichtpunkt, aber sie hat nicht das klirrende Zwitschern, ihr Gesang klingt eher wie eine ungeölte Tür… oder war das der Ruf, der nach einem quietschenden Kinderwagen klingt… oder wippt sie anders mit dem Schwanz als der Girlitz? Ich weiß es nicht mehr…es gibt auf diesem Gang über den Friedhof ungemein viel neue Informationen für mich, da kann man schon mal durcheinander geraten.

Als ungeübte Vogelbeobachterin brauche ich die Anleitung zum Hören und Sehen. Die NABU-Damen erklären geduldig, hören immer wieder auf Vogelstimmen und Fragen der Menschen. Ein kleines Erfolgserlebnis ist es dann, als ich tatsächlich den ein oder anderen Ruf heraushöre – den Zilpzalp zum Beispiel, der nach seinem Ruf genannt wird, aber einen Zwilling hat, den Fitis, der dem Zilpzalp zum Verwechseln ähnlich sieht – aber wenn er den Mund aufmacht, weiß man woran man ist, er gibt nämlich völlig andere Töne von sich, einen eher schwermütigen Gesang. Ich erkenne auch die Singdrossel und ganz sicher den Kleiber, der jetzt laut und deutlich ruft.

Da der Mensch im allgemeinen heutzutage ja laut zu sein scheint – nicht nur im Kino oder in Oper, im Museum oder im Theater, nein auch bei einerotkehlchenr Vogelführung -, musste tatsächlich erst laut gesagt werden „wir lauschen“, damit alle Gespräche eingestellt wurden – und man den Vögel zuhören kann.

Es gibt – glaube ich – 31 verschiedene Vogelarten auf diesem Friedhof, es gibt besonders gute Ecken z.B. für Rotkehlchen, eines zeigt sich ziemlich unbeeindruckt von der Gruppe und hüpfte von Grabstein zu Grabstein, flog von Ast zu Ast. An einem Futtersilo sitzen drei Stieglitze und dort, war da nicht ein Habicht? Die Friedhofsverwaltung hat neben ihrer eigentliche Aufgabe auch ein Herz für Vögel, jedenfalls mähen sie die Grünflachen nur einmal im Jahr – ein Glück für Bodenbrütern, Insekten und so manch anderes Kleingetier.

luisenstädtischer friedhofOb Mönchsgrasmücke oder Wintergoldhähnchen, ob Stieglitz oder Buntspecht, sie haben sich ein schönes Fleckchen Berlin ausgesucht… dieser Friedhof ist nicht nur das Vogelparadies, er ist auch ein herrlich Park mit wunderschönen alten Grabsteinen. Man hat viel zu hören und zu sehen. Als ich gegen 11 Uhr diese grüne Oase verlasse, waren die Vogelstimmen langsam verebbt. Sonntagsmittagsruhe kehrt ein. Was für ein Glücksgefühl überkommt mich da, an einem herrlichen Frühlingssonntag mit blauem Himmel, Stille, blühende Bäume, Wiesen mit Blaustern übersät, mitten in dem lauten Berlin. Und so gehe ich, heiter und beschwingt, zurück in die Stadt und bin ganz und gar mit dem früher Aufstehen versöhnt –

Berlin ist bunt – bleiben Sie neugierig!
go

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