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Ostern, „das Schuckelfest“

Osterbrunnen in Franken (c) mw

Osterbrunnen in Franken
(c) mw

 

In diesem Jahr feiern die orthodoxen Ostkirchen (die Kirchen, die nicht mit dem Papst in Kirchengemeinschaft stehen) und die (West)-christlichen Kirchen am selben Wochenende (19.-21.April.) das Osterfest. Gleichzeitig findet das jüdische Pessachfest in diesem Jahr auch vom 15.-22. April statt. Diese Konstellation der Gleichzeitigkeit der drei Festkreise ist relativ selten und ich will versuchen, die doch recht komplexen Hintergründe zu erklären.

Am Anfang all dieser Feste steht Pessach, ein zentrales Fest des Judentums. Es erinnert an den Auszug aus Ägypten, also die Befreiung der Juden aus der dortigen Sklaverei. mit der sie als ein eigenes, von Gott erwähltes Volk in die Geschichte eintraten.
Der jüdische Kalender richtet sich sowohl nach dem Mond wie auch nach der Sonne (er wird deshalb auch als „Lunisolarkalender“ bezeichnet). Das Mondjahr hat 12 Monate (mit jeweils 29 oder 30 Tagen) und ist damit 11 Tage kürzer als das Sonnenjahr. Ginge die Zeitrechnung ausschließlich nach dem Mond (wie im islamischen Kalender) würden die jüdischen Feiertage einmal „rund ums Jahr„ wandern und hätten keine Bezug mehr zu den Jahreszeiten. Da aber viele jüdische Feiertage an Jahreszeiten gebunden sind, wie z.B. das Pessach –Fest oder das Laubhütten-Fest, wird das Mondjahr durch Schaltjahre mit 13 statt 12 Monaten korrigiert. Es ist allerdings alles viel komplexer als hier in der Kürze darstellbar. Die Systematik des heutigen jüdischen Kalenders hat sich etwa seit 360 n.Chr. durchgesetzt. Und damit kommen wir schon zum Osterfest.

Nach neutestamentarischer Überlieferung ereignete sich die Auferstehung Christi in den Tagen des jüdischen Pessachfestes, das im Frühjahr stattfindet. Der römische Kaiser Konstantin I, der im Römischen Reich das Christentum im Rahmen der Religionsfreiheit erlaubte, rief 325 n.Chr. ein Konzil in der Stadt Nicäa in der Nähe von Konstantinopel ein. Die Kirchenväter dieses Konzils bestimmten nun, „dass Ostern an dem Sonntag zu feiern sei, der auf den ersten (Frühlings-Vollmond) nach der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche folgt“. Mit dieser Festlegung des Osterdatums sind alle anderen „beweglichen „Fest- und Feiertage“ verbunden: Fasching (Rosenmontag: Ostersonntag minus 46 Tage!), Fastenzeit, Himmelfahrt und Pfingsten. Luther bezeichnete Ostern immer als „Schuckelfest“, da es zwischen dem 22.März und dem 25.April in den Jahren hin und her schaukelt. Die Festlegung des jährlichen Ostertermins war bis zur „Osterformel“ von Gauß immer eine astronomische Herausforderung! Die Bischöfe von Nicäa brachten damit den damals noch gültige Julianischen Kalender mit dem Pessach bestimmenden Mond-Kalender der Juden in Beziehung. Das Osterfest geht demnach auch heute noch nach dem „Mond“, trotz des heutigen (gregorianischen) Sonnenkalenders.

Der Unterschied zwischen gregorianischem und julianischen Kalender begründet nun zur weiteren Verkomplizierung die unterschiedlichen Osterdaten der Ost –und Westkirchen. Papst Gregors Kalenderreform 1582 legte fest, dass zwischen dem 4. und 15.Oktober 1582 10 Tage ausfielen, um den mit dem Jahreslauf der Sonne und den Jahreszeiten nicht mehr übereinstimmenden julianschen Kalender in seiner Berechung zu verbessern. Grund für die Reform war die Datierung des Osterfests, die nicht mehr mit dem Mondverlauf zum Frühlingsvollmond korrelierte! Die Orthodoxe Kirche begeht die feststehende Hochfeste und Feiertage aber weiterhin nach dem Julianischen Kalender und entsprechend der damaligen Osterrechnung. Der Ostertermin weicht inzwischen 13 Tage von unserem Osterfest ab. In allen orthodoxen Kirchen gilt außerdem die Regel, dass das Osterfest nicht vor dem jüdischen Pessach-Fest liegen darf.

Da dies eine hochkomplizierte Rechenaufgabe ist, liefert seit 300 Jahren das Astronomische Recheninstitut in Heidelberg die kalendarische Festlegung des Osterfestes. Bis der aus Braunschweig stammende Mathematiker und später weltberühmte Direktor der Göttinger Sternwarte Carl Friedrich Gauß (1877-1855) erstmals eine verbindliche Regel – die Osterformel –  zur Mathematischen Berechnung des Osterfest-Datums entwickelt hat, mussten die Berechnung in mühsam zusammengetragenen Beobachtungen der Himmelsbewegung Jahr für Jahr festgelegt  werden. Heute übernehmen diese Aufgabe die Computer – und die Gauß’sche Osterformel.

Feste und Feiertag geben unserem Dasein Struktur und Rhythmus. Feiertage unterbrechen das Einerlei des

Ostern im Kaufhaus

Ostern im Kaufhaus

Alltags und sind gleichzeitig Ruhetage vom Alltag. Das Osterfest ist ein wichtiges Fest im Festkreis des Jahres, auch wenn seine theologische Bedeutung immer mehr in den Hintergrund tritt. Das Osterfest ist eigentlich das höchste Fest der christlichen Kirche, Durch das konsumorientierte Weihnachtsfest ist Ostern selbst in christlichen Kreisen in den Hintergrund geraten. Ostern ist aber ein fröhliches, den Kindern gewidmetes Frühlingsfest ganz im Sinne von Goethes Osterspaziergang geblieben.

mw/go

 

 

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