Berlin ab 50…

… und jünger

Ein Tipp: Planen Sie einen Besuch der Gemäldegalerie!

Wenn Sie vorhaben, wieder einmal einen der großen Schätze der Berliner Museumskultur zu besuchen, dann sollten Sie das bis zum Herbst in die Tat umsetzen: Die Gemäldegalerie am Kulturforum bietet bis zum Herbst etwas ganz Besonderes: die Umsetzung der Vision von der Verschmelzung von Skulptur und Gemälden.

Sie erinnern sich ganz gewiss an den monatelangen Streit um die Neuplanungen hinsichtlich der Standorte. Das vorläufige (?) Ende sieht so aus, dass konzeptionell alles bleibt wie es ist: Hie Gemälde, dort Skulpturen.
Nun fügte es sich, dass für die Schlüter-Ausstellung im Obergeschoss des Bodemuseums Platz geschaffen werden musste: Aus der Not wurde eine Tugend, denn 18 Skulpturen wurden für diese Zeit in der Gemäldegalerie gebracht. Und einigen Räumen der ständigen Ausstellung wieder aufgestellt. Es wurde also eben das in kleinem Rahmen umgesetzt, wovon die Direktoren de beiden Häuser nach wie vor träumen. (Nur eine kleine Tafel im Vorraum der Galerie weist auf dieses Ereignis hin – darüber madonnahinaus gibt es keinen Hinweis. Warum eigentlich?)

Um nur ein Beispiel zu nennen, was Sie erwartet, wenn Sie jetzt die Gemäldegalerie besuchen: Tilmann Riemenschneiders Apostel Matthias und seine Mutter Gottes aus Tauberbischofsheim recht und links neben dem Altar von Bernhard Strigel.
Dieses Beispiel, wie die Verschmelzung gelingen könnte, ist und war auch für mich erkenntlich: Faltenwurf und Ausstrahlung geben das Gefühl, dass hier Zwei- und Dreidimensionales zusammengehören.

Bei einem Raum scheinen wohl auch die Experten sehr gegensätzlicher Meinung zu sein. „Passt es oder passt es nicht“? Gemeint ist der Saal, der dem englischen Rokoko gewidmet ist mit Werken von Gainsborough und Reynolds. Und denen jetzt zwei Büsten von Jean-Antoine Houdon beigesellt sind. Diese Verbindung habe ich auch nicht durchschaut.

Und es gibt eine Reihe weiterer Zusammenfügungen, die sich mir nicht erschlossen haben.
Was allerdings auch keine Überraschung ist, denn ich habe mich mit dieser Kunstepochen nur wenig beschäftigt (vermutlich ein Jammer). Und ich glaube auch, dass man unbedingt eine Führung mitmachen muss, um die einzelnen Verbindungen zu erkennen. Ob die angebotenen Audio-Führungen das schon im Programm haben, weiß ich nicht (ich kann weder diese noch die „lebendige“ Form von Führungen nutzen, deshalb habe ich auch gar nicht nachgefragt).

Alles in allem ist es ein sehenswerter Versuch, ein Konzept zu verdeutlichen – Sie sollten sich das nicht entgehen lassen.

Und noch ein ganz unerwartetes Erlebnis für mich: beim Durchwandern der Räume ist mir ganz spontan ein kleines Gemälde aufgefallen, das ich zuvor nie beachtet hatte. Wegen seiner Helligkeit, seines Lichts und seiner Ruhe, das es ausstrahlt, vielleicht auch wegen seines kleinen Formats im Umfeld von den sehr großen dunklen Gemälden. Und zwar das Bildnis einer jungen Frau von Rogier van der Weyden (1440/45).
Diese Entdeckung war schön.

Ebenso wie der Gedanke, dass vielleicht die Frauen in der damaligen Zeit (ich meine das 17. Jahrhundert z.B.) keine Emanzipationsprobleme hatten: Sie waren es! Zumindest ist das meine ganz persönliche Lesart der Bildnisse einer genuesischen Dame und ihres männlichen Pendants von Anton van Dyck. Das mag allen Genderforschungen zuwider laufen – es ist aber mein subjektiver spontaner Eindruck. Vor allem: Der Gedanke gefällt mir.

Gemäldegalerie, Kulturforum, Matthäikirchplatz. www.smb.museum
Di-Fr.10 -18 Uhr Do 10 – 20 Uhr, Sa-so 11 – 18 Uhr
Eintritt 10 € ermäßigt 5 €
Öffentliche Führungen können Sie unter www.smb.museum/veranstaltungen erfragen.

P.B.

2 Kommentare

  1. Danke für den sehr hilfreichen Hinweis. Ich gehe oft in die Gemäldegalerie und konnte nicht verstehen wieso da plötzlich diese Skulpturen aufgetaucht sind. Mir gefällt es sehr gut diese Mischung von Skulpturen und Gemälden. Auf diese Weise kann man die einzelnen Plastiken auch mehr würdigen da sie isoliert sind. Schade daß sie im Herbst wieder ins Bode Museum zurückkehren.

  2. maria1942

    Vielen Dank für den hilfreichen Hinweis. Ich habe mich schon gewundert warum plötzlich diese Skulpturen in der GG aufgetaucht sind. Schade daß sie im Herbst zurück in die GG gehen müssen. Ich finde die Verbindung von zeitgenössischen Plastiken mit den Gemälden sehr schön.

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