Berlin ab 50…

… und jünger

Was ist nur los mit uns?

(c)ibf

(c)ibf

Lactose, Gluten, Fructose, Fette sowieso – allem haben wir den Krieg erklärt!

Haben wir eine physiologische Wandlung durchgemacht? Es muss wohl so sein, denn wie sonst lässt sich erklären, dass wir meinen, all das vertrügen wir nicht mehr und ist des Teufels. Oder zumindest die Feinde unserer Gesundheit.

Früher waren Lebensmittel, die diese Bestandteile enthielten, nur für diejenigen ein (großes) Problem, die – nachgewiesen – unter einer Intoleranz litten. Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) beispielsweise ist eine sehr belastende Krankheit. Aber es sind nur maximal rund ein Prozent der Bevölkerung, die davon betroffen sind. Nicht anders ist es mit einer Lactoseunverträglichkeit: Sie hat eine genetische Ursache, wird also vererbt. Es sind aber gerade einmal zirka 20 Prozent, die in Deutschland wirklich daran leiden.
Fructoseunverträglichkeit – natürlich gibt es sie, aber die Ursachen und Auswirkungen bzw. die Vermeidungsstrategien sind zum Teil noch unklar. Trotzdem gibt es (zu) viele Menschen, die behaupten, Fruchtzucker nicht zu vertragen. Auch in geringster Menge nicht.

Dass zu viel Fett ungesund, schädlich ist – gewiss keine Neuigkeit. Aber mit welcher Rigorosität viele damit sich selbst und andere drangsalieren, ist schlichtweg übertrieben. Und kann durchaus auch schädlich sein, denn es gibt immer neue Studien, dass die Sache mit dem Fett viel komplizierter ist. Aber so genau wollen wir es nun auch wieder nicht wissen.

Warum ist das so? Haben wir unseren gesunden Menschenverstand beim Thema Lebensmittel und Ernährung an die Diät-, Vermeidungs- und Heilsfraktionen abgegeben? Warum glauben wir alles, was uns vorgebeten wird?

Erinnern Sie sich an die Glutamat-Hysterie vor etlichen Jahren? Ein Arzt meinte, seine Symptome wie Taubheit, Herzrasen könnten nur mit dem vorher genossenen chinesischen Essen zusammenhängen – ein anderer Grund schien ihm noch nicht einmal ein Nachdenken wert zu sein. Was damals auch leicht möglich war, weil chinesisches Essen und die damit verbundenen Geschmacksverstärker (Monoartriumglutamat) noch ziemlich unbekannt und eben exotisch war. Das musste also von Übel sein.
Studien haben später eindeutig gezeigt, dass Glutamat daran völlig unschuldig war. Wenn die Betroffenen glaubten, sie würden Glutamat zu sich nehmen, spürten sie umgehend die Symptome, obwohl keine Spur davon enthalten war.
Was allerdings nicht dazu führte, dass die Menschen das akzeptierten. Sie wollten einfach etwas „Handfestes“ haben, das ihre Beschwerden begründete.

Es gibt vermutlich mehr als einen Grund für diese rigorose „Alles-vermeiden-Haltung“:

(c)go

(c)go

Zum einen glauben wir wohl allzu gern, dass wir uns etwas Gutes tun, wenn wir „Von allem-frei-Produkte“ kaufen. Es gibt uns ein gutes Gefühl – nach dem Motto: Sehr her, ich achte darauf, mich gesund zu ernähren, fit zu bleiben. Ihr, die Ihr das nicht tut, seid selbst schuld, wenn Ihr krank werdet.“ Da mag erst einmal überspitzt klingen, aber beim zweiten Hinsehen ist es das nicht. Die früheren unheilvollen Diskussionen über „Krebspersönlichkeiten“ sind ein weiterer Beleg dafür, dass wir dazu neigen, Gesundheit als eigenen Verdienst zu betrachten.

Die endlosen Debatten und „Beinah-Kriege“ über Bio, vegetarische und vegane Ernährung sind gewiss allen in guter (oder schlechter) Erinnerung. Sie wurden – und werden teilweise immer noch – fundamentalistisch, mit enervierende Rechthaberei geführt. Argumente, die danach fragen, was die Kehrseite dieser rigorosen Ansichten sind, werden sofort und ohne Nachdenken abgetan. Aber immerhin lag und liegt diesen Ernährungskonzepten eine ethische Einstellung zu Grunde. Und das ist natürlich eine ganz persönliche Entscheidung, die es zu akzeptieren gilt. Die Unverträglichkeitshysterie hat nicht dergleichen aufzuweisen.

Zum anderen: Offenbar können wir nicht mehr akzeptieren, dass manches, was unser Körper an Signalen abgibt, keine fassbaren Ursachen hat. Immer müssen wir etwas „benennen“ können, einen Schuldigen finden. In diesem Fall sind es eben Unverträglichkeiten. Egal, ob schlüssig oder nicht.

Aber das Beste kommt zum Schluss: Ob eine Lactose- oder Fructoseunverträglichkeit vorliegt, lässt sich mit einem einfachen konventionellen Atemtest feststellen. Den die Krankenkassen bezahlen!

Ob wir so viel Klarheit vielleicht gar nicht wollen?

Die Nahrungsmittel indes freut es; die Produkte sind allesamt teuer und das tut dem Umsatz gut. So gut, dass inzwischen lactose- und glutenfreie Süßigkeiten angeboten werden.

Bleiben Sie uns gewogen.

I.B.F.

 

 

2 Kommentare

  1. Hat dies auf Total kreative Gesundheitsbildung rebloggt und kommentierte:
    Selbstbestimmtes Leben und die damit verbundenen Entscheidungen sind wohl von mehr abhängig als wir uns manchmal eingestehen wollen. Sind es Einbildung oder Glaubenssätze? … Nahrungsmittelunverträglichkeiten … Wie wertvoll und kostspielig sind uns „echte“ Lebensmittel für unsere Gesundheit? Im folgenden Artikel gibt es interessantes zu erfahren…

  2. Toller Beitrag 😉 vielleicht liest du mal meinen: http://kreativegesundheitsbildung.wordpress.com/2014/04/11/sind-wir-noch-wer-wir-sind-oder-werden-wir-immer-mehr-zu-psychos-gemacht/
    Passt ganz gut zusammen… wie ich finde 😉
    herzlichst Michaela

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: