Prag ist immer eine Reise wert –

– und so machte ich mich zu Ostern auf in die „Goldene Stadt“, die nicht wegen ihrer goldenen Türme und Verzierungen so genannt wird, sondern weil Karl IV (1316 – 1378 ) aus seiner Lieblingsstadt eine „Goldene“ machen wollte, das heißt eine „Fürstliche“. Die Fahrt von Berlin nach Prag ist mit der Bahn in guten vier Stunden zu bewältigen und eine wunderbare Annäherung an die tschechische Hauptstadt – über Dresden an der Elbe entlang, später an der Moldau durch eine liebliche Landschaft -, bis wir in dem Jugenstil-Hauptbahnhof von Prag hlavní nádraží landen.

Nun war ich schon einige Male in dieser schönen Stadt und bin doch dieses Mal mit viele neuen und ganz unerwarteten Eindrücke wieder zurückgekommen:

Ostern14 (357)Vermutlich denken Sie auch an barocke und gotische Architektur in Verbindung mit Prag, vielleicht denken Sie noch an Jugendstil. Aber vermutlich nicht an Kubismus, wenn Sie an die Prager Gebäude denken. Und doch ist die kubistische Architektur der einzige originale Baustil, dessen Herkunft mit Sicherheit dem tschechischen künstlerischen Umfeld zugerechnet werden kann. Pavel Janák, Josef Gočár, Josef Chochol oder auch Vlastislav Hofman sind die wichtigsten Vertreter dieses Stils und es gelang ihnen, die geometrische, kubistische Raumkomposition der Malerei in die Sprache der Architektur zu übertragen. Erstaunlicherweise passen sich die Gebäude harmonisch in das Gesamtbild der tschechischen Metropole ein.

Mitten in der Altstadt von Prag gibt es beeindruckende und Ostern14 (261)skurile Beispiele – zum Beispiel das „Diamanthaus“von Emil Králíček, 1912 gebaut; daneben hat eine barocke Heiligenfigur des Nepomuk auch eine kubistsche Umrahmung bekommen. Králiceks Ostern14 (20)kubistische Laterne aus dem gleichen Jahr am Eingang zur gotischen Kirche „Maria Schnee“, oder die repäsentative Villa von Josef Chochol gleich unterhalb der ehemaligen Burg Vysherad und nicht weit davon entfernt ein Wohnhaus vom selben Architekten.

Nach dem ersten Weltkrieg entwickelte sich der kubistische Prismenstil hin zur gröberen rondokubstischen Formensprache. Deren wichtigstenOstern14 (435) Bauwerke dieser kurzen Nachkriegsperiode sind das Palais Adria von Pavel Janádas und die von Gočárs Legiobank von 1922. In der ungewohnten Farbgestaltung Weiß-Rot spiegelt sich auch die Suche nach einem „nationalen Baustil“ wider, der die soeben gegründete Tschechoslowakische Republik repräsentieren soll.

Auch die „Villa Müller“ des berühmten Wiener Architekten Adolf Loos für den Bauunternehmer Müller, 1928 gebaut und schon dem Funktio-Ostern14 (245)nalismus zugeordnet wird, ist ein interessantes Objekt.Alle diese Beispiele machen vor allem deutlich, dass Prag Anfang des 20. Jahrhunderts eine Trendsetter-Metropole war, die keine Experimente scheute. Und wo finden Sie „Ginger&Fred“, das sogenannte „Tanzende Haus“, das 1996 von dem kanadischen Stararchitekten Frank Gehry entworfen wurde? In Prag!

Ein wunderbarer Ort ist – nach den langen Fußmärschen durch diese Ostern14 (47)interessante Stadt – zum Erholen und Staunen das kubistische Cafe Grand Café Orient. Es entstand 1912 im „Haus zur Schwarzen Muttergottes“. Der Name stammt von der schwarzen Barockfigur, die am Eck des Gebäudes angebracht ist. Entworfen hat es der Architekt Josef Gočár, ein äußerst eigenwillig gestaltetes Eckhaus, in dem sich das Grand Café Orient im ersten Stock befand. Bereits zehn Jahre nach seiner Eröffnung geriet es in Vergessenheit und wurde erst 2005 mit großer Liebe zum Detail zu neuem Leben erweckt –

Wer das Café heutzutage besucht, der erfreut sich neben dem Genuss von vielen köstlichen Kaffees und Mehlspeisen, kleinen Speisen und Getränken, vor allem an einen sorgfältig restaurierten Raum, der an Originalität kaum zu übertreffen ist.  Angefangen von den grün-gestreiften Ostern14 (46)Polsterbänken, den prächtigen Messingleuchtern bis hin zu den Garderobehaken. Ein Blickfang, kaum hat man das Haus betreten: das enge spiralförmige Treppenhaus.

Ostern14 (293)Neben all den gewaltigen, eigenwilligen Gebäuden gibt es auch einige Grabsteine aus der architektonischen Stilepoche des Kubismus zu bewundern. Auf dem Neuen Jüdischen Friedhof zum Beispiel das Grab von Franz Kafka.

Auf der Reise zurück nach Berlin lasse ich die Bilder noch einmal Revue passieren – was für eine Stadt, was für mutige Stadtbaumeister, was für ein Erlebnis. Eine Stadt zum Wiederkommen, die fast vor der Tür liegt.
go

alle Fotos (c) m.w.

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