Berlin ab 50…

… und jünger

Berlin hat mich immer fasziniert…

Erinnern Sie sich noch an den Beitrag „Berlin ist meine Wahlheimat“ über Abdallah Melaouhi, den „Wanderer zwischen den Welten“ und die Gruppe „Internationale Begegnungen“, der im März 2014 in unserem Blog erschien? Heute wollen wir Ihnen Bill Sheckleston vorstellen, auch er ist in Berlin „hängen geblieben“ , auch er hat Berlin zu seiner Wahlheimat erklärt.

Nachdem Bill („wir sind nicht so förmlich“) sich aus dem aktiven Berufsleben als Britischer Vizekonsul verabschiedet hat, pflegt er weiter sehr aktiv die Kontakte zwischen dem Veteranenverein „The Royal British Legion“ und der „Internationalen Begegnung und Arbeitsgruppe ‚Senioren aktiv'“ des Seniorenclubs des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Im Herbst werden einige Wilmersdorfer und Charlottenburger aus der „Internationalen Begegnung“ zu einem Gegenbesuch in ihre englische Partnerstadt Sutton (ein Stadtteil von London) fahren – und Bill organisiert dieses Event natürlich mit.

Der junger englischer Soldat Bill hat auf seinem Weg nach Berlin, wo er Anfang 1946 ankam, die Folgen des Krieges gesehen und hat sich gesagt: „Das darf nie wieder passieren“. Seitdem liegt ihm die Völkerverständigung, vor allem die anglo-german relations, besonders am Herzen. In Berlin ist sein soziales Engagement legendär und ob als Royal Engineer, als Civil Servant in der Militärverwaltung oder als Britischer Vizekonsul – ihm war immer wichtig, den Menschen mit Verständnis zu begegnen und mit ihnen gut auszukommen. Alle die ihn kennen, bestätigen dies und sind darüber hinaus von seinem Humor und seinem Charme fasziniert. Kein Wunder, dass er sagt: „Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht“.

Die ersten Jahren im Nachkriegsberlin war Bill mit seiner Einheit der „Royal Engineer“ viel unterwegs, vor allem im britischen Sektor – sie bauten Brücken, kontrollierten die Stromversorgung und führten unter anderem auch Sprengungen durch, um Platz für den Kartoffelanbau im Tiergarten zu schaffen….

…und bei der Luftbrücke war er „ground staff“ .

Der „Soldat Bill“ ging zurück nach England, der „zivile Bill“ kam 1950 wieder zurück nach Berlin und arbeitete zehn Jahre in der britischen Militärverwaltung. Ab 1961 war er im Britischen Konsulat tätig, wurde Vizekonsul und war 30 Jahre lang für seine wechselnden Konsule wegen der Kontinuität, seines Wissens und seiner Loyalität eine wichtige Stütze. Er kannte West-Berlin wie seine Westentasche und er kannte die Berliner. Auch die geteilte Stadt Berlin wollte er nie verlassen. Warum? „Ich habe mich in Berlin verliebt“ sagt Bill Sheckleston – und dies bezieht sich nicht auf das Berlin von heute. Schon als Soldat hat ihn Berlin, diese völlig zerstörte Stadt, fasziniert – und ein deutsches Fräulein.

Er hat hier seine spätere Frau kennengelernt und geheiratet …

… allerdings zuerst nur nach dem englischen Recht, dem Foreign Marriage Act 1892. Wie ihm ging es vielen seinen Kameraden, die eine deutsche Frau heirateten, und um deren Angelegenheit er sich später im Konsulatsdienst kümmerte.

Dass er sein ganzes erwachsenes Leben in Berlin verbracht hat kommt ihm gar nicht so merkwürdig vor, denn England und Deutschland haben – neben dem verwandtschaftlichen Verhältnis des Englischen und Preußischen Königshauses – schon seit Friedrich des Großen viele wirtschaftliche Beziehungen gepflegt – ob es um Gasleitungen oder Wasserwerke, um Webstühle oder Eisenbahnen ging. Und es gab The Princess Royal, die spätere „Kaiserin Friedrich“, von Bill liebevoll Vicky genannt, die Tochter von Queen Victoria. Vicky heiratete den preußischen Kronprinzen Friedrich III, den späteren 99-Tage-Kaiser, und sie war die Mutter von Kaiser Wilhelm II. Berlin verdankt ihr auch die erste anglikanische Kirche, unter Vicky’s Schirmherrschaft wurde die St.Georgs Church im Monbijou Park errichtet. Zerbombt und später abgerissen, wurde sie 1950 im britischen Sektor als Garnisonskirche wieder aufgebaut. Heute erinnert ein Gedenkstein an Vickys erste Kirche.

Wir freuen uns, dass Bill ein echter „Berliner“ geworden ist!
Vielen Dank für dieses angenehme, amüsante Gespräch, lieber Bill.

go

 

 

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