Berlin ab 50…

… und jünger

„Bleiben Sie neugierig“

Diesen Aufruf von „go“ habe ich mir zu Herzen genommen und mir das Bikini-Haus (in der Marketingsprache heißt es natürlich viel professioneller „Berlin’s New Concept Mall“). Mir gefällt der „Spitzname“ – treffend, liebevoll und historisch.

Ein Fan von Shopping-Mals bin ich ganz bestimmt nicht –die meisten, die in Berlin in letzter Zeit entstanden sind, habe ich noch nie betreten. Ich mag es nicht so sehr, „rundgeführt“ zu werden, in künstlichem Licht und ohne Frischluft. Ohne den Himmel über mir und in der Monotonie der immer gleichen Läden.

Nun aber doch das „Bikinihaus“.
Anlass war ein Bericht über den belgischen Architekten/Designers Arne Quinze – seine Begeisterung für den Komplex, seine “Philosophie“ und sein Querdenken haben mir imponiert. Das Ergebnis wollte ich sehen.

Die Geschichte des Bikinihauses ist auch ein Teil der Geschichte Westberlins. Denn mit seinem Bau in den Jahren 1955 und 1957 (die Architekten waren Paul Schwebes und Hans Schoszberger) war die Hoffnung verbunden, den Westen Berlins wieder aufzuwerten. Das Großkino Zoopalast war ein weiterer Bau, der das Bild vervollkommnen sollte.
Die weitere Geschichte war weniger rühmlich: Der offene Laubengang, der zu dem Spitznamen „Bikinihaus“ geführt hat, wurde bereits 1978 geschlossen (der Spitzname hängt im Übrigen auch zusammen mit dem Schlager von Catharina Valente: „Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu Strand-Bikini“ – erinnern Sie sich?). Und noch einige Jahre später begann auch der Niedergang.

Nun also der Neuanfang: Ich muss zugeben: Man sollte es sich anzuschauen. Um sich selbst ein Bild zu machen. Denn vieles ist verblüffend, innovativ und – da das Gebäude unter Denkmalschutz steht – liebevoll restauriert worden. Die Fassade ist eine durchaus gelungene Mischung aus Altem und Neuem – wie ich finde. Schöne Farbkompositionen und edle Elemente.bikinihaus5
Innen ist vieles gewöhnungsbedürftig. Aber es lohnt, sich ein bisschen hineinzudenken. Denn dann erkennt man viele Details, die Sinn machen für das Gesamtbild und Einzelheiten aus der Fassade wieder aufnehmen. Was so manche stören wird, ist die unverputzte offene Stahlkonstruktion, die die Halle trägt. Das muss man mögen – oder eben auch nicht.

Die Eingangsebene – nun ja, sie gefällt mir weniger. Meine spontane Assoziation war: ein Käfig voller Narren! Das mag ein bisschen böse klingen, aber genau so kommt es mir vor. „Holzkäfige“, in denen die Shops untergebracht sind, mit wenig Fläche zum präsentieren und drinnen – zwischen den Holzlatten – agieren die Verkäufer und Verkäuferinnen. Drumherum die Schaulustigen (hoffentlich – so sollte man den Betreibern wünschen – auch Käufer, denn sonst wird es auch hier zwangsläufig zur Fluktuation kommen.)

bikinihaus2Die Galerie – schon sehr viel schöner, voll verglast mit einem großartigen Blick auf den Zoo bzw. in den Zoo. Auf den Affenfelsen(!) – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Und dann das Dachgeschoss: mit Freitreppe, Kaminecke, Liegestühlen, Cafes – und wieder mit Blick auf Zoo und Tiergarten. Das ist schon sehr schön – und unerwartet.bikinihaus6
Zu voll darf es allerdings nicht werden, denn dann wird es ungemütlich, weil der nutzbare Teil der Terrasse nicht sehr groß ist.

Und die dritte Überraschung: das Hotel 25hours! Das lässt sich nicht beschreiben – Sie müssen es sich anschauen: Schon der Titel, unter dem die Gestaltungsidee lief, zeigt, was Sie erwarten wird: „Urban Jungle“! Der Empfangsbereich des Hotels ist offen und luftig gestaltet, mit hauseigener Bäckerei und einem Kiosks, das Designerbücher anbietet.

Mein Rat: Schauen Sie es sich an und zwar bald (allerdings noch ist nicht alles fertig, aber das stört nicht). Denn die große Frage wird sein: Wie gut wird es gepflegt werden, wie intensiv wird sich gekümmert, alles so zu erhalten, wie es jetzt noch ist.

Bu-Fa

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