Berlin ab 50…

… und jünger

Berliner Kunstwerke unterwegs

Die Ausstellung „Der schöne Schein“ im Gasometer Oberhausen im Ruhrgebiet.

Blick in die Ausstellung

Blick in die Ausstellung

Ich wollte immer schon mal das eine oder andere Gemälde aus unseren Berliner Museen aus allernächster Nähe sehen, so ganz in Ruhe und ganz nah. Und zwar ohne dass die Alarmanlage schrillt, ohne dass ein Museumswärter darum bittet, einen Schritt zurück zu gehen. Und dies gilt natürlich nicht nur für die aus Berlin.
Wenn es Ihnen auch so geht,  sollten Sie sich aufmachen nach Oberhausen, wo Sie im Gasometer bis zum 31. Dezember 2014 in der Ausstellung DER SCHÖNE SCHEIN an einem Tag 150 der bekanntesten und im kollektiven Bildgedächtnis verankerten Kunstwerke aus Malerei und Plastik aus den Museen der Welt aus allernächster Nähe betrachten können.

Natürlich sehen Sie nicht die Originale, aber durch die seit einigen Jahren

Böcklins "Toteninsel"(Detail)

Böcklins „Toteninsel“(Detail)

verfügbare hochauflösende Digitalfotografie und digitale Drucktechnik ist es den Ausstellungsmachern gelungen, selbst kleinformatige Bilder von 23 x 17 cm (Dürers Rasenstück) auf große Formate – alle Fotos sind ca. 2 x 3 m – ohne Verlust an Schärfe oder gar sichtbarer Verpixelung zu vergrößern bzw. manchmal (bei Deckengemälden wie Michelangelos „Jüngstem Gericht“ mit 13 x12 m) auch zu verkleinern .

Ingres "Die große Odaliske" (Detail)

Ingres „Die große Odaliske“ (Detail)

Der Betrachter kann so Maltechnik und allerfeinste Details aus allernächster Nähe betrachten und entdeckt dabei auch so manches Unerwartete. Dabei vereint die Ausstellung die kulturellen Zeugnisse thematisch und nicht chronologisch, so dass man unter dem Thema „Antlitz des Menschen“ eben Nofretete neben Mona Lisa findet. Die Abgüsse berühmter Skulpturen sind im jeweiligen thematischen Kontext zu sehen, so dass reizvolle Vergleiche innerhalb der Sujets möglich sind.

Die Berliner Museen sind mit ca. 15 Reproduktionen von Kunstwerken wie Auguste Renoirs „Der Nachmittag der Kinder in Wargemont“, Roelant Saverys „Das Paradies“ oder Caspar David Friedrichs „Mondaufgang am Meer“ (im Original nur 55 x 71cm) vertreten. Überhaupt ist der

Dürers "Rasenstück" (Detail)

Dürers „Rasenstück“ (Detail)

Wiedererkennungseffekt groß und die Freude, intime Details zu entdecken, ist noch größer: so nah habe ich z.B. die Toteninsel von Böcklin (auch aus Berlin), Guiseppe Arcimboldos „Sommer“ (der im Original auch nur 67 x 50 cm misst) oder den „Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch noch nie gesehen. Die Ausstellung, die der Kurator Prof. Peter Pachnicke „das imaginäre Museum der Schönheit“ (nach Andre Malraux) nennt, ist in Themen wie „Himmlische Sphären“, „Goldenes Zeitalter“, „Verklärung des Todes“ , „Schönheit des Schreckens“ , „Erhabenheit der Natur“ sowie das „Das Urteil des Paris“ gegliedert. Neben der Größe und Nähe sind die Kunstwerke aus Antike, Renaissance, Barock, Klassizismus und Moderne so geschickt arrangiert, dass sich wunderbare neue Perspektiven eröffnen und direkte Vergleiche möglich sind. Vieles wird dem Besucher vertraut sein, vieles neu, vor allem hat er diese Kunstwerke noch nie zusammen in einem Raum gesehen – ein Seherlebnis der besonderen Art.

Cranach "Das Urteil des Paris" (Detail)

Cranach „Das Urteil des Paris“ (Detail)

Der Gasometer wurde 1929 auf dem Gelände der „Gutehoffnungshütte“ in Oberhausen errichtet und hat bei einem Durchmesser von 67 m eine Höhe von 117 m. Er diente der Speicherung des Gichtgases, einem Abfallprodukt aus Hochöfen, welches dann später wieder verfeuert wurde und es wurde auch Kokereigas zwischengespeichert.

Mit dem Strukturwandel im Ruhrgebiet sollte der Gasometer in den achtziger Jahren abgerissen werden. Bürgerinitiativen erreichten, dass 1993/94 der Gasometer zu einer Ausstellungshalle umgebaut wurde. Dafür wurde die auf dem Gas schwimmende Gasdruckscheibe in vier Meter Höhe befestigt, so dass zwei Ausstellungsebenen entstanden. Bereits zwei mal -1999, The Wall und 2013 Big Air Package- hat Christo den riesigen Raum oberhalb der Ausstellungsflächen für seine Installationen genutzt.

Neben den eindrucksvollen Reproduktionen im Untergeschoß ist im

Videoinstellation von Urbanscreen

Videoinstellation von Urbanscreen

Gasometer eine Video- und Klanginstallation der Bremer Künstlergruppe Urbanscreen zu sehen, die den kathedralenartigen Raum mit fast 20 000 m2 Fläche mit Licht, Formen und Klang bespielt.

Vielleicht fahren Sie im Laufe diesen Jahres Richtung Ruhrgebiet, dann gönnen Sie sich die Freude und machen Sie einen Abstecher in den Gasometer nach Oberhausen. Es lohnt sich unbedingt!

http://www.gasometer.de/de/ausstellungen/kommende-ausstellung

Bleiben Sie neugierig!

mw/go

alle Fotos (c) mw

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: