Sport ist keine „Spielerei“

Im April hat sich die Tanzgruppe Alegria vorgestellt – einer der Tänzer ist Wagih Abdel Kerim. Seinen Namen hat er zu seiner Lebensphilosophie gemacht, denn Kerim heißt so viel wie „der Mann, der unterstützt.
Kerim, der als gebürtiger Ägypter begeistert ist, sich im „internationalen“ Berlin nicht nur sportlich einklinken zu können. Er ist der Meinung, der Gesellschaft verpflichtet zu sein und er versucht, dieser auf besondere Art gerecht zu werden. Denn er möchte seine Landsleute nicht nur integrieren, sondern ihnen zugleich auch eine
neue Sicht auf das Zusammenspiel von Körper und Seele nahe bringen und sie zu einem veränderten Gesundheitsbewusstsein führen.

Er möchte sich gerne selbst kurz vorstellen:

Mein Name ist Mohamed Wagih Abdel Kerim, ich
bin 68 Jahre alt. In meiner Kindheit und Jugend in Ägypten war ich immer fasziniert von sportlichen Aktivitäten aller Art. Meine gesundheitsbewussten und sportbegeisterten Eltern ermöglichten mir die Ausübung diverser Sportarten wie z.B. Schwimmen und Laufen.

Mit 26 Jahren kam ich nach Deutschland, nach Köln, um ein Zusatzstudium zu absolvieren.
Persönliche Umstände brachten mich 1985 nach Berlin. Hier war ich bis zu meinem Renteneintritt in zwei Rudower Sportvereinen als Trainer für Volleyball und Leichtathletik tätig.

Durch meine Kontakte zu arabisch-sprechenden Mitbürgern habe ich festgestellt, dass die Erwachsenen nicht an sportlichen Betätigungen teilnehmen. Erst nach mühseliger Überzeugungsarbeit konnte ich sie dazu bringen, sich zu betätigen.
Das hat Gründe:
Migranten, die als Erwachsene nach Deutschland kamen, hatten und haben in ihren Herkunftsländern oft wenige bis gar keine Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen, geschult zu werden. Es fehlt an Sportplätzen, Turnhallen, Equipment, Lehrern und Trainern. Wenn es Angebote gibt, können sie oft aus finanziellen Gründen nicht genutzt werden. Die Wichtigkeit von Sport, auch in Verbindung mit Ernährung, wird nicht oder nur unzureichend vermittelt. Daher fehlt diesem Personenkreis oft das Bewusstsein, dass regelmäßiger Sport sich wohltuend auf Körper und Seele auswirkt.
Es herrschen die Vorstellungen, dass Sport nur etwas für Kinder sei und dass man keine Zeit für diese „Spielerei“ habe. Gesellschaftliche Anerkennung läuft in nordafrikanischen Staaten und/oder im Vorderen Orient nicht über sportliche Erfolge. Es gilt in vielen Familien als ein Zeichen des Wohlstands, wenn man selbst nicht körperlich aktiv sein muss.
Bei verschiedenen Sportarten hindert das Tabu der gemeinsamen Aktivitäten von Männer und Frauen (z.B. beim Schwimmen)IMG_0587 an deren Ausübung.
Für manchen Interessierten ist es schwer zu verstehen, dass man im Sport nicht sofort Höchstleistungen vorzeigen kann. Versagensängste erschweren dann den aktiven Sport.
Traurig ist, dass Migranten oft nicht unbedingt entgegenkommend in bereits bestehenden Gruppen aufgenommen werden.

Sicher gibt es noch individuelle Argumente, sich dem Sport zu entziehen.
Aber ich möchte mithelfen, diese negativen Einstellungen zu ändern.
Das kann ich, indem ich mich (ehrenamtlich) engagiere, Sportgruppen anzuleiten und in begleitenden Gesprächen größere und kleinere Probleme mit den Teilnehmern zu lösen.

In der „Kiezoase“ in der Schöneberger Steinmetzstraße 68 biete ich seit mittlerweile zwei Jahren für ein internationales Publikum an:
Montag: 14 – 16 Uhr Rückengymnastik
Donnerstag: 14 – 15 Uhr: Tischtennis
Wer daran teilnehmen möchte, kann sich anmelden unter der Telefonnummer
030 – 236 086 88 oder einfach vorbeikommen.

Ab August 2014 werde ich auch im Seniorenclub in der Nehringstraße 8 in Charlottenburg zwei Gruppenangebote leiten:
Rückengymnastik für Herren: montags 18 – 20 Uhr und
Rhythmische Bewegung für Herren: freitags 18 – 20 Uhr.
Anmeldung bitte unter 0151 565 32 712.

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