Berlin ab 50…

… und jünger

Kennen Sie „Die Badewanne“?

camaro stiftung1949 war Berlin eine in vier Besatzungszonen aufgeteilte zerstörte Stadt, ein Trümmerfeld. Die Stimmung schwankte zwischen Euphorie und Resignation, der kalte Krieg der Alliierten lag wie Mehltau über der Stadt. Alexander Camaro (1901 in Breslau als Alfons Bernhard Kamarowski geboren und 1992 in Berlin gestorben) und seine Freunde, Maler, Literaten, Tänzerinnen und Musiker gründen in diesem Jahr im amerikanischen Sektor im Souterrain der früheren Femina-Bar/“Tauentzienpalast“ (heute ist es das Hotel Ellington) in der Nürnberger Straße das Künstlerkabarett „Die Badewanne“.

In Berlin herrschte Aufbruchsstimmung, die Kulturlandschaft blühte langsam wieder auf. Alexander Camaro und seine Freunde empfinden die Stadt als surreale Kulisse und dies spiegelt sich auch in ihrem Programm wieder. Bald wird die „Badewanne“ ein beliebter Treffpunkt des Berliner Nachtlebens , wo man gut unterhalten wird und Zeit-und Gesellschaftskritik wesentliche Bestandteile des Programms sind. Jean Paul Satre’s und Brecht’s Werke ebenso wie das Absurde im Werk Kafkas sind wichtige Bezugspunkte der Künstler. Alexander Camaro hat uns nicht nur die „Badewanne“ geschenkt, sondern neben vielen Gemälde und Zeichnungen auch die farbigen Glassteine im Foyer der Philharmonie.

Seit 2011 hat die Alexander und Renata Camaro Stiftung ein neues Zuhause für Camaros Werk. Im zweiten Hinterhof eines großbürgerlichen Treppenhaus Camaro StiftungHauses in der Potsdamer Straße 98 – direkt neben dem Wintergarten- steht ein Backsteinbau mit gewaltigen Atelierfenstern. Hier studierten ab 1895 einst Käthe Kollwitz, Paula Modersohn-Becker und andere junge Frauen, denen im Kaiserreich der Zugang zu den Kunstakademien verwehrt war. Kurz bevor Camaros Witwe 2009 starb, schaffte es ihre Familie, die rund 800 Gemälde, 2000 Papierarbeiten und all den sonstigen Besitz in eine Stiftung zu überführen und das Haus zu erwerben.
Camaro Stiftung

„Berlin Surreal…“ heißt die aktuelle Ausstellung in der Potsdamer Straße, die noch bis 24.Juli 2014 zu besichtigen ist. Sie gibt einen Blick frei für die Stimmung in der Stadt nach dem Krieg und wie diese Künstler die Eindrücke der Kriegs-und Nachkriegsjahre verarbeiteten (Die bis Sa., 13-17 Uhr, Mi 13-20, So., Montag geschlossen, Eintritt frei) http://camaro-stiftung.de/content/ausstellungen_berlin-surreal_02.htm

Im großen Atelier, nun Vortragsraum, hängt eine Badewanne, aus der einCamaro Stiftung Camaro StiftungFrauenkopf und ein Bein herausragt, das andere Bein hängt einzeln am Galeriebalkon. Einmal im Monat findet hier ein „Salon“ mit Lesung und Musik statt.

 

In der letzten Woche waren es Jüdische Lieder, gespielt von Galya Kolarova (Klavier) und Demetrios Karamintzas (Oboe,  http://www.dkoboe.com), dazwischen wurde „Kleine Prosa“ von Franz Kafka gelesen. Ein wunderbarer Abend!

Schön, dass dieser Ort nun für alle zugänglich ist und sich so – nur ein paar Schritte von der lauten Potsdamer Straße entfernt – eine andere Welt erschließt.1.Hof Potsdamer 98

Wenn Sie in der Nähe sind, gehen Sie hinein in den ersten Hof, in den zweiten Hof und vielleicht auch in den dritten Stock …. es lohnt sich !

Bleiben sie neugierig!
go/mw

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