Berlin ab 50…

… und jünger

Das Deutsche Pressemuseum im Ullsteinhaus – ein Projekt, das spannend zu werden verspricht

Aufgefallen ist uns dieses „werdende“ Museum 2013 im Rahmen der Veranstaltungen des Themenjahres „Zerstörte Vielfalt 1933“. Der Träger- und Förderverein lud zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich der Bücherverbrennung auf dem Opernplatz vor 80 Jahren ein. Imimposanten Backsteingebäude des 1927 von Eugen Schmohl

(mw)

im expressionistischen Stil erbauten ehemaligen Ullstein–Druckhauses  wurde aus den Büchern der Schriftsteller gelesen, deren im Ullstein-Verlag erschienene Werke verbrannt wurden: Heinrich Mann, Erich Maria Remarque und Lion Feuchtwanger.

Der Verein hat sich 2011 konstituiert, um die Idee eines Deutschen Ullsteinhaus BerlinPressemuseums umzusetzen, das die Entwicklungslinien von Presse und Pressefreiheit in den politischen Systemen der letzten 100 Jahre in Deutschland aufzeigt. Das Ullsteinhaus am Mariendorfer Damm neben dem Tempelhofer Hafen als Standort des Museums zu wählen, ist genial – Form und Inhalt ergänzen die Geschichte dieses Hauses in nahezu idealer Weise, um Höhen und Tiefen deutscher Pressegeschichte exemplarisch zu verdichten.

Dem Förderverein „Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.“ ist es auch gelungen, gemeinsam mit der Kunstbibliothek Berlin, die Sammlung „Kiosk“ des großen Fotografen Robert Lebeck für Berlin zu sichern Sie Lesung DPMUsoll im künftigen „Pressemuseum im Ullsteinhaus“ gezeigt werden.
Robert Lebeck, der auch Gründungsmitglied des Fördervereins war, ist nun am letzten Samstag, 14.Juni 2014, im Alter von 85 Jahren in Berlin gestorben. Jahrzehntelang arbeitete Lebeck für den „Stern“, der ihn im Nachruf „den größten Foto-Chronisten unserer Zeit“ nannte.
Im Jahr 2008 gab es eine umfassende Lebeck-Ausstellung im Gropius–Bau, die alle im kollektiven Bildgedächtnis verankerten Fotografien der Zeitgeschichte noch einmal zusammen führte: ob König Baudouin in Afrika ohne Säbel, Romy Schneider ganz privat oder Willy Brandt bei seinem Rücktritt als Bundeskanzler.
Seine Sammlung „Kiosk“ enthält mehr als 30 000 Dokumente zur Geschichte der Fotoreportage, darunter Zeitungen und Magazine von 1839 bis 1973, einschließlich der letzten Ausgabe des legendären „Life“-Magazins sowie über 150 Jahre alte Fotografie-Vorläufer wie Daguerreotypien. 2002 erhielt Robert Lebeck dafür den „Infinity“-Award des International Center of Photography in New York.
Wir hoffen nun auf baldige Eröffnung des Museums, damit die Sammlung „Kiosk“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Und noch eine Entdeckung hat uns das in Gründung befindliche „Deutsche Pressemuseum im Ullsteinhaus“ verschafft. Am 27.Mai 2014 wurde der österreichische Schriftsteller und Journalist

Veranstaltungsplakat

Veranstaltungsplakat

Stefan Großmann (*1875 Wien, + 1935 Wien) vorgestellt und aus seinem autobiografischen Werk „Ich war begeistert“ von Christian Senger (der auch auch bei der VEranstaltung im letzten Jahr gelesen hat) einfühlsam vorgetragen. Stefan Großmann war einer der ganz großen, wichtigen Journalisten in Berlin der zwanziger Jahre. Im Gegensatz zu Alfred Kerr kennt man heutzutage nicht einmal mehr seinen Namen. Umso erfreulicher ist es, dass das Pressemuseum es sich auch zur Aufgabe macht, große Journalisten wieder in Erinnerung zu rufen.
Ab 1913 arbeitete der Wiener Stefan Großmann bei der Vossischen Zeitung im Ullstein Verlag, dann brachte er ab 1920 gemeinsam mit Ernst Rowohlt seine eigene unabhängige Wochenschrift „Das Tage-Buch“ heraus, die neben der Weltbühne die einflussreichste radikaldemokratische Wochenschrift der Weimarer Republik wurde. Alfred Kerr, sein intimer Feind, beschimpfte ihn als „Aufsteiger“ und bekämpfte in literarisch, wo er nur konnte.

Das bisher unveröffentlichte Buch Großmanns „Wir können warten oder der Roman Ullstein“ über den Brüderstreit in der Familie Ullstein wird nun im Herbst 2014 im Verlag Berlin Brandenburg erscheinen und dazu ist für den Oktober 2014 eine Lesung angekündigt. Ob dann Sten Nadolnys „Ullsteinroman“, der bereits 2003 erschien, einer Ergänzung bedarf? Wir warten gespannt auf die Erscheinung von Großmanns Roman.

Wir wünschen dem neuen Museum toi toi toi und bleiben neugierig auf die weiteren Aktivitäten.http://www.dpmu.de/Pressemuseum

mw/go

 

Fotos:  (c) mw

Quelle: Flyer DPMU

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