Berlin ab 50…

… und jünger

Moskau – Sankt Petersburg – und zurück

Das Bodemuseum widmet Andreas Schlüter anlässlich seines 300. Todestages bis zum 14.Juli 2014 eine große Ausstellung – „SCHLOSS BAU MEISTER. Andreas Schlüter und das barocke Berlin“ http://www.smb.museum/ausstellungen/detail/schloss-bau-meister-andreas-schlueter-und-das-barocke-berlin.html – , die ich mir unbedingt ansehen möchte. Schließlich prägte er entscheidend das Erscheinungsbild der aufstrebenden Residenzstadt Berlin-Cölln.

Nach meiner Reise nach Russland. Dachte ich – und doch begegnete ich ihm schon in St.Petersburg, denn nachdem Schlüters Stern nach einigen baulichen Problemen sank, wurde er nach dem Tod Königs Friedrich I endgültig aus dem Hofdienst entlassen. Dies nahm er zum Anlass, um 1713 nach St.Petersburg zu reisen.

St.Petersburg, die Stadt Peters des Großen. Endlich habe ich seine Stadt gesehen – und das noch in den weißen Nächten. Seit Kindertagen begleitet mich der russische Zar Peter I. ZAR UND ZIMMERMANN, Lortzings Oper, war die Lieblingsoper meines Vaters und er tanzte uns gern den Holzschuhtanz vor oder sang das Lied Peter Michailows „Sonst spielt ich mit Zepter“. Die Geschichte vom „undercover“-Zar, der als einfacher Zimmermann für das Wohl seines Volkes lernte, hat mein Bild von Zar Peter dem Großen geprägt. De facto war der reale Zar vermutlich nicht der Gütige, wie in der Oper, aber er muss eine durchaus interessante, mutige Persönlichkeit gewesen sein. Er wollte der russischen Bevölkerung die

Festung Peter und Paul

Festung Peter und Paul

Welt öffnen, wollte mit dem Zugang zur Ostsee seinem Land Macht und Ansehen verschaffen – deshalb setzte er die Gründung der Stadt an der sumpfigen Newa-Mündung mit aller Gewalt durch. Der Zar wollte ein russisches Amsterdam und vor allem Anschluss an die europäischen Höfe, an Wissenschaft und Kultur. Kein leichtes Unterfangen, weder baulich noch innenpolitisch.

Peterhof am Finnischen Meerbusen

Hauptkaskade in Peterhof

1703 wurde der Grundstein auf der kleinen Haseninsel am nördlichen Ufer der Newa für die Festung Peter und Paul gelegt und bereits 1712 wurde die Stadt offizielle Hauptstadt des Zarenreichs . Innerhalb kürzester Zeit entstanden der Seehafen, die Admiralitätsfestung mit ihrer Werft als Kern des linken Newa-Ufers, Peterhof, die barocke Schloss- und Parkanlage mit einer beeindruckenden Fontänenlandschaft am Finnischen Meerbusen , das Sommerschloss auf einer Insel zwischen Newa und Fontanka –

– Und hier kommt Andreas Schlüter, unser „Schlossbaumeister“, wieder ins Spiel: Als er sich noch im Sommer 1713 auf den Weg nach St. Petersburg, wurde er vermutlich mit offenen Armen von Peter I empfangen , der jeden Baumeister und Künstler aus dem Ausland schätzte. Andreas Schlüter entwarf für den Zar ein kleines Sommerschloss , das heute in neuem Glanz erstrahlt und umgeben ist von einem wunderschönen Park mit Brunnen und Fontänen, mit einem Labyrinth und barocken Figuren an jeder Ecke. Bereits ein Jahr später starb Andreas Schlüter – in St. Petersburg.

St. Petersburg, wie die Stadt seit 1991 wieder heißt, sieht man den Gestaltungswillen von Peter dem Großen heute noch an. Seine Sichtachsen, Kanäle (auch wenn viele heute zugeschüttet sind), Plätze und lange Straßenzüge strahlen geometrische Harmonie und Rhythmus aus. Eine schöne Stadt, eine sehr europäische Stadt und doch ertappte ich mich manchmal, sie angesichts der langen klassizistischen Häuserzeilen ein wenig monoton, ja fast schon langweilig zu finden.
Heute umfasst die historische Innenstadt mehr als 2.300 Palästen, Prunkbauten und Schlössern aus dem 18. und 19. Jahrhundert und ist Weltkulturerbe der UNESCO.

Maria Verkündigungskirche Kreml

Maria Verkündigungskirche im Kreml

Mich hat Moskau, wo meine Reise angefangen hat, doch mehr beeindruckt – trotz meiner Liebe zu „Zar und Zimmermann“. Die heutige Hauptstadt Russlands empfinde ich fremdartiger, „russischer“, vielleicht deshalb auch überraschender – überall entdecke ich goldene, grüne oder blaue Kuppeln, wie aus einem russischen Märchenbuch, der Rote Platz, die Basilius-Kathedrale, der Kreml, Stalins Zuckerbäcker-Riesenhäuser, die Hermann Henselmann zu seinen Wohnbauten am Frankfurter Tor und an der Weberwiese inspirierten.

Metrostation in Moskau

Metrostation in Moskau

Moskau ist groß, riesig, laut und bunt – und allein die Metro-Stationen sind eine Reise wert. Fünf Linien sind zwischen 1935 und 1958 gebaut und die Stationen zu  „Palästen für das Volk“ unter der Erde ausgestaltet, die einen in „tiefes“ Staunen versetzen.

 

Berlin wirkt dagegen wie kleine Miniaturausgabe einer Großstadt, Moskau ist Größe, Weite, Höhe. Es gibt noch viel zu erzählen von dieser Reise in eine fremde Welt, der Sprache ich nicht verstehe und deren Schrift ich nicht lesen kann und in der der Turbokapitalismus sich deutlich bemerkbar macht. Ob beim Kerzenkaufen in einer Kirche oder auf der Toilette, Ellbogen (und ich meine das im wortwörtlichen Sinn) braucht man überall, sonst geht man unter. Darüber mehr in einem nächsten Beitrag.

Und jetzt werde ich mir die Ausstellung im Bode-Museum ansehen.

Bleiben Sie neugierig, auch Berlin ist bunt!

go

Ein Kommentar

  1. Barbara

    St. Petersburg ist wirklich eine Reise wert. Ich war dort schon mehrmals.

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