Berlin ab 50…

… und jünger

Neue Perspektiven braucht der Mensch

Als ich letztes Jahr 60 wurde, fanden es Freunde sehr lustig, mich „Seniorin“ zu nennen. Spätestens in diesem Alter bekommt man diese Zuschreibung „geschenkt“, ob man sie mag oder nicht. Denn die eigene, persönliche Einschätzung dieser neuen Lebensphase ist eben doch etwas ganz anderes. Nach wie vor muss ich mich an diese „Schublade“ gewöhnen, denn „Seniorin“ ist in meinem Kopf immer mit alt, sehr alt, verstaubt , schon ein bisschen jenseits dieser Welt und langweilig abgespeichert. Auch wenn es immer wieder Versuche gibt, neue Begriffe wie „Best Ager“ „Die Silberlocken-Generation“, der „dritte Lebensabschnitt“ oder „Graues Gold“ zu kreieren, wirklich befriedigend ist eigentlich keiner. Warum halten sich Begriffe so lange, auch wenn die Wirklichkeit ihnen längst davongelaufen ist? Denn wir, die die neuen Alten, also die ab 60+, sind sichtbar anders als unsere Großeltern und Eltern.

Werner Salomon

Werner Salomon

So ähnlich denkt auch Werner Salomon, dem man nun sein Alter so gar nicht ansieht. Ein hochaktiver, wacher, charmanter Herr von 81 Jahren. Wenn man seine Biografie liest – vom gelernten Werkzeugmacher zum Hauptkommissar, vom Presse- , Polizei- und schließlich zu einem der besten Tanzsport-Fotografen – , weiß man, dass dahinter ein am Leben interessierter, neugieriger Mensch steht.

 

So besuchte er auch auf Einladung die Geburtstagsfeier 80jähriger Damen und Herren aus Charlottenburg-Wilmersdorf im Seniorenclub in der Herthastrasse – die Kamera natürlich immer dabei. Den Fotos, die er von diesem Nachmittag machte, folgten viele andere von den unterschiedlichsten Veranstaltung des Clubs am Herthasee. Seine beeindruckenden Aufnahmen begeisterten die Clubleitung so sehr, dass sie Werner Salomon baten, eine Fotogruppe für interessierte und engagierte Senioren und Seniorinnen zu leiten. Seit einem Jahr ist er nun ehrenamtlich Leiter der Fotogruppe im SC Herthastraße.

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Tanzkurs

Und was Werner Salomon fotografisch anpackt, das macht er richtig und mit voller Energie – so wie er seinen Beruf ausgeübt hat und seine Hobbys gepflegt hat. Ausstellungen sind jetzt das große Thema der Gruppe: Jahresrückblick 2013 war die erste. Dann zeigte “WS“ seine Tanzfotos aus über 40 Jahren Tanzsport-Geschichte. Es folgte wieder als Gruppenthema Asiatisches Leben in Berlin. Und immer wieder findet er in dem Club neue Motive und Ideen, mit denen er zeigen kann, was Senioren heute bewegt, interessiert und womit sie sich beschäftigen – Kunst und Kalligraphie, Englisch, Französisch, Russisch, Chinesisch, Line Dance und Gesellschaftstanz, Arbeiten mit dem Computer, Videofilme drehen, Drehbuch schreiben, Kochen.

Senioren entsprechen eben nicht mehr dem herkömmlichen Bild von der

PC-Kurs im SC Herthastraße

PC-Kurs im SC Herthastraße

Großmutter, die gütig lächelnd im Lehnstuhl sitzt und strickt, oder dem Großvater, der die Enkelchen um sich geschart hat. Im Gegenteil, sie sind aktiv, am Leben teilnehmend, ihr Leben selbst gestaltend – und genau das beschäftigt Werner Salomon. Er möchte den Blick darauf lenken, dass es längst eine andere Generation von „Alten“ gibt, er möchte der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten und ihr zeigen, wie wir „Senioren“ wirklich sind. Mit seinen Mitteln, mit den Mitteln der Fotografie will WS die neuen „alten“ Gesichter festhalten . Das ist ihm wichtig zu zeigen, in seiner Sprache, der Fotografie.

Es wird also Zeit, dass wir neu sehen lernen und dann vielleicht auch entsprechend eine gute, zutreffende Wortwahl für uns finden. Und Werner Salomon wird nicht müde, seinen „Schülern“ fotografisches Sehen beizubringen, um mit neuer Perspektive auf seine Umgebung – ob Natur oder Menschen – zu blicken. „Und ich tue das auch für mich, denn das hält mich fit. Nur mit Fotografieren ist eine Ausstellung gestalten ja nicht getan. Dazu gehört neben Themen-, Motiv- und Kontaktsuche auch Praktisches. Welche Rahmen, was kosten die, welches Hintergrundpapier, wie zuschneiden, Bildunterschriften erstellen, Bilder rahmen, wie aufhängen – da muss man sich viele Gedanken machen und das ist auch gut so“, sagt der Mann der Bilder, temperamentvoll und mit viel Elan.

Bleiben Sie neugierig – es hält jung und fit!
go

alle Fotos (c) Werner Salomon

2 Kommentare

  1. Wirklich schön geschrieben. Ich finde deine Sichtweise sehr interessant und kann mich auch öfter darin wiederfinden. Klar, niemand will heutzutage mehr alt „sein“ – es zu werden ist ja unumgänglich. Es ist schön zu sehen, dass die „alten Meister“ noch so gebraucht und respektiert werden 🙂 Ich versuche mich durch Arbeit und Unternehmungen mit jüngeren Arbeitskollegen fit und „hip“ zu halten und es klappt auch ziemlich gut muss ich sagen

  2. Als ich dann irgendwann vierzig wurde, war ich plötzlich auch „Senior“, wenn auch nur innerhalb der organisierten Sprachregelung im Tischtennisverein. Daher sehe ich persönlich noch keinen riesigen Konflikt mit dieser definierten Schublade. Wichtiger ist mir, das ich mit 53 oder 74 in der Verfassung bleibe, neue Dinge zu erlernen und dabei, wenn es eng wird, Unterstützung erhalte. Darum finde ich Ihre Blog-Iniative bemerkenswert und beispielgebend. Sollten Sie einmal Hilfe mit Ihrem Blog benötigen, dann zögern Sie nicht…

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