Berlin ab 50…

… und jünger

Aufgeschnappt: Berlins Schlaglöcher machen Karriere

 

Erst habe ich es für einen Aprilscherz gehalten – aber der April ist ja längst vorbei.
Dann habe ich den Bericht noch einmal gelesen und so langsam begann ich daran zu glauben. Trotzdem bleibt es für mich eine unglaubliche Geschichte, deshalb möchte ich sie Ihnen erzählen.

Sie erinnern sich vielleicht noch an unseren kleinen Beitrag „Schau nie den Wolken nach“?
Darin ging es unter anderem um die vielen Stolperfallen auf Berlins Gehwegen, vor allem um die Schlaglöcher.
Dass man Schlaglöcher auch anders als ein pures Ärgernis sehen kann, das zeigt uns diese Geschichte.

Ein Produktdesigner-Team „die fabrik“ hat Schlaglöcher als Symbol gesehen. Symbol für die Spuren, die die Gesellschaft hinterlässt. Oftmals sind sie Schlagloch Making of1irreversibel, manchmal aber kann aus ihrer Beseitigung etwas ganz Neues entstehen, das seinen Ursprung immer noch zu erkennen gibt.
In diesem Fall, von dem wir berichten wollen, sind es Lampen! Ja, Sie lesen richtig: Das, was von der Decke hängt und Licht spendet.
Anders gewendet: Aus einem üblen Loch wird eine strahlende Lichtquelle.

Wie das geht? Das Design-Kollektiv und sein Produktdesigner, Stefan Hölldobler, hatten dazu eine Idee: Sie sahen einen Krater in der Straße, der tief und groß und vor allem auf dessen Grund noch Kopfsteinpflaster deutlich sichtbar war. Und – man kann sich diese Phantasie eigentlich nicht vorstellen, ich zumindest nicht – sie sagten sich „das ist die ideale Form für eine Lampe“.

Zehn Liter Gips in das Loch gießen – und abwarten. Bis der Gips sich härtet.Schlagloch Making of3 Und dann kommt die schwierigste Aktion: Die Form muss aus dem Loch gehoben werden. Zu Anfang ging das des Öfteren schief – der Gips blieb, wo er war. Im Loch.
Bis das Team die Technik entwickelte und mit Gurten zu arbeiten begannen, mit denen sie die Formen leicht herausheben konnten. Das war der endgültige Beginn einer wundersamen Wandlung. Der Gips weist, je nach Beschaffenheit des Lochs, die unterschiedlichsten Muster auf: von Asphalt bis hin zu Abdrucken von Straßenbahnschienen.

Die weitere Verwandlung geschieht dann mit Hilfe eines Thermoverfahrens, mit dem die Lampenschirme in spe mit cremefarbenem Biokunststoff überzogen und geformt werden. Natürlich immer nur so viel, dass Urform, Muster und Beschaffenheit erhalten bleiben.

Und am Ende sind ärgerliche Schlaglöcher zu begehrten und individuellen Lichtquellen geworden. Kostenpunkt: 150,00 bis 350,00 Euro.

Die Lampen häGießerstrasse3anngen inzwischen in vielen Ländern: England, Schweden, Schweiz, USA und so weiter.
Jedes Stück trägt den Namen der Stelle, aus der heraus es „geboren“ wurde: z.B. Geygerstr. 17, Berlin. Oder Gießerstraße 3, Leipzig.

Ist das nicht tatsächlich eine nette und hoffnungsvolle kleine Geschichte?

Schauen Sie sich „die Fabrik“ einmal im Internet an – sie hat viel zu bieten. Für Individualisten wie wir. (www.diefabrik.org/)

Bleiben Sie uns gewogen.
I.B.F.

Quelle:SZ, 26. Juni 2014
Alle Fotos (c) „diefabrik“

 

 

2 Kommentare

  1. Angela

    Wie es aussieht, wenn der Schaden“ behoben“ wird, kann man übrigens hier nachlesen…..,made in Berlin.die Fortsetzung….

  2. Angela

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: