Berlin ab 50…

… und jünger

Erinnerung an das alte Berlin

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(c) H.Jacobs

Wir sind zu Besuch bei Freunden in Berlin. Kurz vor unserer Abfahrt nach Hause machen wir noch einen Abstecher zum Checkpoint Charlie, genauer wir möchten unbedingt das Panorama DIE MAUER des bekannten Künstlers Yadegar Asisi sehen, der bereits in Leipzig und Dresden mit spektakulären Großpanoramen auf sich aufmerksam gemacht hat. Es handelt sich hier um sein zweites Werk in Berlin (nach dem Pergamon-Panorama). An dieser historischen Stätte finden wir ein 180°-Panorama, das ein Stück Berliner Mauer zeigt. Der Blick geht aus dem Westen in Richtung Osten. Uns gegenüber befindet sich ein Wachturm, aus dem heraus uns zwei Grenzpolizisten mit Ferngläsern beobachten. Die Szene kann man etwa auf die Mitte der 80er Jahre datieren – neben einem VW-Käfer finden wir auch schon einen VW-Golf.

Wer die Mauer, wer Westberlin kannte, der wird sich in seine eigene Vergangenheit zurückversetzt fühlen. Die grauen Häuser auf der Ost-Seite, die bemalte Mauer im Westen, die an Autos bastelnden Freaks, die Spießbürger mit Fotoaparaten – all dies spiegelt das alte Berlin wieder. Nach der Ausstellung sind wir zu der Stelle im realen Berlin gefahren, die das Panorama zeigt. Straßen und einige Gebäude lassen sich wiedererkennen, die frühere Mauer fehlt. Es ist eine Weite entstanden, die das Wort Freiheit erlebbar macht. Wir suchen nach den Mauerspuren, um uns die Veränderung bewusst zu machen, das Gefühl zu erklären.
Wer die Ausstellung besucht, sollte unbedingt auch den realen Platz anschauen!

Andere Szene, einige Monate zuvor: Wir sind mit unseren etwa 20 Jahre alten Söhnen abends am Prenzlauer Berg unterwegs und finden eine Szenekneipe. Wir setzen uns draußen an eine Bierzelt-Garnitur und es gibt billiges und ganz billiges Bier – natürlich in Flaschen! Merkwürdige Typen sitzen an den anderen Tischen und die Toiletten …, naja!
Wir fühlen uns wie früher, Berlin, Westberlin! Das hat uns angezogen, so etwas fanden wir in Westdeutschland nur so selten. Kriegsdienstverweigerer, verkommene Häuser, Punker, billiges Bier, wilde Feste – Berlin.
Unsere Söhne fühlen sich unwohl. Sie empfinden die Heruntergekommenheit der Gaststätte als solche und verbinden damit keine Reminiszenzen an früher. Sie halten sich nicht an solchen Orten auf (glücklicherweise?) und pflegen einen anderen Umgang.
Das alte Berlin, Westberlin, ist nicht mehr das heutige Berlin. Es hat sich so viel geändert: Reichtum und Wohlstand, Hauptstadtprunk und -pracht sind eingezogen. Es ist eine europäische Kapitale geworden, die sich mit London und Paris misst. Der alte Mauermief ist vertrieben und hat etwas Neuem Platz gemacht.

Asisi erinnert uns an das alte Berlin. An die Teilung und diese Absurdität, an die wir uns so gewöhnt hatten und die schon lange vorbei ist. Wir haben in unserer Lebenszeit diesen Wandel erleben dürfen. Es ist nicht besser oder schlechter geworden, nur anders. Wenn wir wieder einmal den Blick zurück richten – egal wohin – sollten wir das immer beachten.

Berlin, wir kommen wieder! Es war ein schöner und interessanter Besuch und nun freuen wir uns wieder auf zuhause.

Hans Jacobs

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