Berlin ab 50…

… und jünger

Was für ein Art Bus-Nutzer sind Sie? Eine kleine Typologie

Ich fahre ziemlich häufig mit dem Bus. Vornehmlich mit dem M19, M29 oder mit dem 109-er. Linien, die auch viele andere benutzen.
Da ich im Bus weder Handy benutze noch lese (dazu fehlt mir die Muße), bleibt mir nur, das Geschehen um mich herum zu betrachten. Langweilig ist mir nie.

(c( I.B.F.

(c)  I.B.F.

Vor allem staune ich, wie die, die ein- und aussteigen, eben dieses tun.

Da gibt es die, die ganz manierlich und im Bemühen, das Ein- und Aussteigen störungsfrei ablaufen zu lassen, von der Tür weg sich dorthin begeben, wo noch Platz ist. Was meistens am Ende des Busses ist. Und die, wenn sie einen Sitzplatz finden, nicht der Einfachheit halber den am Gang besetzen, sondern „durchrutschen“ bis zum Fenster. Um Nachkommenden zu ersparen, über sie hinweg steigen zu müssen. Was mit Tasche, Einkaufsbeutel (und natürlich Handy) bepackt und vielleicht nicht mehr ganz beweglich mitunter zu einem gefährlichen Unterfangen werden kann.
Im Gegensatz dazu der Typ, der immer den Gangplatz wählt. Selbst wenn er viele Stationen fährt. Natürlich auch dann, wenn der Fensterplatz frei ist. Und der meint, mit seiner Fahrkarte auch gleich den Nebenplatz für sein Gepäck beanspruchen zu können. Der in aller Seelenruhe mit ansieht, wie die anderen akrobatisch über ihn hinweg turnen müssen.

Der nächste Typ: Darunter fallen die, die einsteigen und einfach stehen bleiben. Nicht vorrücken, sondern ungerührt blockieren. Die nicht durchgehen und die freien Plätze einfach ignorieren. Mit der Folge, dass auch der Rest der Schlange stehenbleibt. Weil sie sich nicht durchdrängeln wollen (oder können). Was bedeutet: Vorn beim Einstieg ist es proppevoll, weiter hinten himmlische Leere. Der Fahrer, der verständlicherweise nicht ständig der Erzieher der Busfahrenden sein will, meckert nur dann, wenn die Tür nicht mehr schließt.

Der dritte Typ sind die „Zugestöpselten“. Die nichts hören und nichts sehen. Weil sie ständig auf ihr Handy starren und Musik hören (nehme ich wenigstens an). Die bleiben dort stehen, wo die Schlange sie hinstellt. Aber nicht aus Sturheit, sondern weil sie gar nicht mitbekommen, was in der Welt um sie herum passiert. Sie immerhin kann man durch leichtes Anstupsen nach vorn bewegen.

Der vierte Typ, des Öfteren mit dem dritten identisch, sind die Rucksackträger. Wobei ich mich frage, was man/frau sich manchmal antut. Und warum. Denn die Rucksäcke sehen ungeheuer schwer und wuchtig aus. Und weil sie das sind, bleiben sie auf dem Rücken. Ein Rammbock nach hinten. Dass der Träger (natürlich auch die Trägerinnen) mit seinem Rucksack überall aneckt, vornehmlich bei den Mitfahrenden – ihn scheint es nicht sonderlich zu stören. Abnehmen ist offenbar keine Option.

Der fünfte Typ ist der unentschlossene. Der sich nicht entscheiden kann, wo er sitzen will. Am liebsten natürlich dort, wo am meisten Beinfreiheit ist und der Sitz in Fahrtrichtung. Und im Sommer möglichst unter einem Fenster. Wenn das beim ersten Mal nicht klappt, zieht er so oft um, bis es „passt“. Dass der Umzug Verwirrung und Stau bringt – ihn kümmert das nicht.

Der sechste in meiner privaten Typologie ist der, der nie zur rechten Zeit merkt, dass er eigentlich aussteigen will. Weil das Handygespräch gerade so wichtig ist, die Musik an ihrer besten Stelle oder weil er einfach träumt. Das ist dann noch der liebenswerteste Grund. Aber wie auch immer: Es bedeutet wildes Durchdrängeln, zur Seite stoßen, um gerade noch durchzuschlüpfen.
Umgekehrt läuft es natürlich genau so ab: Es muss unbedingt dieser Bus erreicht werden, ganz gleich ob der nächste in drei, fünf oder in zehn Minuten kommt. In genau diesen Minuten könnte sich ja sein Leben entscheiden – so könnte man denken.

Gibt es noch weitere Typen? Sie werden vielleicht noch weitere kennen, die ich noch nicht erwähnt habe: die Mischtypen zum Beispiel, die von allen etwas haben. Die Gruppen, die sich auch im Bus nicht voneinander trennen können und wie Trauben an den Stangen und Haltegriffen hängen.

Ach ja, es gibt noch den Typ, der meint, sein Gleichgewichtsgefühl gerade im Bus testen zu müssen. Und sich nie festhält, sondern auf den Fußspitzen wippend glaubt, die Stopp’s und „Go“’s ausgleichen zu können. Und da er natürlich beide Hände anderweitig belegt hat, sich auch im Notfall nicht mehr festhalten kann, sondern gegen seine rechten, linken, vorderen und hinteren Mitfahrer plumpst. Zu deren Freude!
Und glauben Sie ihm ja nicht, dass er sich aus hygienischen Gründen nicht festhalten mag: in den Bussen werden Haltestangen und –griffe jeden Tag gesäubert (sagt die BVG!).

Fazit: So eine Busfahrt, die ist lustig.
Und natürlich: Sie und ich, wir gehören zur sozialverträglichen Gruppe Nr. 1.

Bleiben Sie mir und Ihren zukünftigen Mitfahrern dennoch gewogen.

I.B.F.

2 Kommentare

  1. Renate H.

    Ach das war ja wieder erquicklich und mir aus der Seele gesprochen! Besonders die Typen mit den“festverwachsenen“ Rucksäcken sind mir unsympathisch und werden bei längeren Fahrten von mir gebeten, den Rucksack abzunehmen, wenn er mich im Gedränge einengt. Leid tun mir hier die Schüler mit ihren inzwischen so dicken Schulranzen/Rucksäcken, dass es schon fast an Körperverletzung grenzt. Die haben dann natürlich Schwierigkeiten, den schweren Rucksack wieder aufzusetzen. Wenn irgend möglich sollten wir daher zu Schulschlusszeiten eine Busfahrt vermeiden.
    Renta H.

  2. Dita

    Gut beobachtet, liebe I.B.F. Ich kann Ihre Typologien nur bestätigen! Was einen eigenen Bericht wert ist sind noch die Touristen!
    Zu den unterschiedlichsten Tageszeiten und Buslinien!

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