Berlin ab 50…

… und jünger

Gehen Sie auch gern Pilze jagen?

Es gibt Menschen, die gerne Pilze essen, aber keine Pilze sammeln. Weil sie sie nicht IMG_2088kennen und weil sie sich nicht trauen. Sie vertrauen lieber anderen Sammlern und kaufen Pfifferlinge, Steinpilze, Mischpilze im Laden. Ich dagegen sammel leidenschaftlich gerne und erkenne einige Pilze sicher, vor allem die Röhrenpilze . Für mich gehört das „Schwammerlsammeln“ unbedingt zum Herbst dazu.

Meine Schwester lebt in Bayern und schrieb mir, dass dieser Sommer ein Schrecklicher sei, denn sie kämen weder aus den Gummistiefeln noch aus dem Regenmantel raus. Die Frage „was ziehe ich heute an“ schließt immer auch ein, „welcher Regenmantel ist Viktualienmarkttrocken“. Aber – ausgleichende Gerechtigkeit – es gibt dieses Jahr in Bayern tonnenweise Steinpilze, herrliche Exemplare.
Wir in Berlin hatten viele sonnige, sehr warme Tage. So gut wie keinen Regen, seit Wochen. Meine Loggia , mein zweites Wohnzimmer, wurde oft und viel benutzt und ich habe viel Wasser zum Gießen gebraucht. Und meine schönen neuen, lustigen IMG_1880Gummistiefel habe ich nur einmal (und selbst an dem Tag war es nicht wirklich notwendig) getragen. Ein höchst wechselhafter Sommer, aber doch ganz schön – und ziemlich trocken! Also nicht ideal fürs „Schwammerlsammeln“, sondern eher ein – wie ein griechisch-amerikanischer Freund das nennt – „Pilze jagen“.

Dieses Jahr war ich – weil ich das Letzte viel zu spät dran war – sehr früh im Wald , am 1.August um genau zu sein, an einem sogenannten Pilze-Geheimtipp. Es gab tatsächlich nicht einen Pilz, noch nicht einmal einen Fliegenpilz. Gut dachte ich, zu früh…
Drei Wochen später fuhr ich zu einer anderen, schon erprobten Pilzwaldstelle… und es war das gleiche Bild: Nichts, kein Pilz weit und breit. Und ich meine wirklich keinen, nicht einmal giftige, ungenießbare oder solche, die ich nicht kenne, und daher nicht mitnehme. Nichts! Nicht einer. Eine große Enttäuschung.

Nun, so schnell gebe ich ja nicht auf, auch wenn ich mit Blick auf die Wetterkarte weiß, dass es nicht viel Sinn haben wird. So fuhr ich am Samstag in einen weit von Berlin entfernten Wald, irgendwo hinter Brandenburg – und fand einen traumhaften Eingelegt„Schwammerlwald“. Es gab tatsächlich Pilze(!): Nicht nur rote Speitäublinge, sondern auch Birkenpilze, Steinpilze und Sandröhrlinge. Es ist ein Wald mit hohen Kiefern, grünem Moos und viel Sand. Ein schöner Wald, aber – er ist viel zu trocken. Denn auch die Pilze, die ich gefunden habe, waren trocken, selbst die ganz jungen. Trotzdem war ich natürlich stolz auf meine paar Pilze – und habe sie gleich in Öl/Essig eingelegt, in der Hoffnung, dass sie so ein wenig mehr Frische abbekommen.

Da ich es immer noch nicht glauben möchte, dass dieses Jahr mein Pilz-Herbstvergnügen (fast) ganz und gar ausfallen sollte, habe ich gestern im Internet auf einschlägige Pilzseiten nachgesehen – und entdeckte zu meiner Freude optimistische Pilzfreunde, die mir mitteilten, dass die Pilzsaison erst beginnt. Trotz warmer, regenloser Sommertage hoffe ich nun, dass meine Lieblingsjahreszeit noch zu retten.

Falls Sie auch gerne Pilze sammeln würden, sich aber nicht sicher genug fühlen, machen Sie ein Pilzseminar mit. Auf der Internetseite http://www.pilz-seminare.de finden Sie viele Pilz-Kurs-Angebote für Anfänger und Fortgeschrittene, Pilzwanderungen und Pilzkochkurse, Intensiv und Wochenendkurse. Alles was das Herz des passionierten Schwammerlsammlers begehrt. Seminare gibt es, wie ich beglückt feststellte, bis Anfang November.

Wenn Sie ohne Expertenbegleitung in den Wald gehen und voll Freude Pilze „jagen“, dann aber doch nicht sicher sind, ob sie wirklich essbar sind, gibt es eine gute Lösung. Gehen Sie zur Pilzberatung.
Sie können zu den Experten von Mykopedia e.V. im Namen und in den Räumen des
BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND),Landesverband Berlin e.V., Crellestraße 35, 10827 Berlin,Telefon: (030) 78 79 00
gehen; sie beraten ab September bis Ende November jeden Sonntag 14:00 – 14:30 & 18:00 – 18:30 Uhr. Für mehr Infos gehen Sie auf  http://www.pilz-seminare.de und klicken sich dort unter Pilzberatung Berlin-Brandenburg weiter.

IMG_2087Oder suchen die Pilzberatung des Botanischen Garten auf. Sie befindet sich im Museumsgebäude in der Königin-Luise-Str. 6-8, 14195 Berlin und ist bis 24.November immer montags von 14:30 bis 16:00 Uhr für Sie da. In der Pilzstarken Zeit zwischen 15.September und 7. November gibt es freitags zwei zusätzliche Stunden von 15:30 bis 17.30 (allerdings nicht am 3. und 31.10). Diese Einrichtung hat auch über den Winter, mit eingeschränkten Zeiten, offen. Mehr Infos finden Sie unter http://www.bgbm.org/de/Pilzberatung

Übrigens: Letztes Jahr stieg die  Zahl der schweren Pilzvergiftungen, die sich in einem Krankenhaus behandeln lassen musste. Daher warnt auch eine Ärztin besonders vor vor Tipps im Internet. Passen Sie auf sich auf!

In diesem Sinne wünsche ich viele Schwammerl & gute Pilze,

bleiben sie neugierig, es lohnt sich

go

Fotos (c) go

4 Kommentare

  1. I.A.

    „Mein Friseur und ich“ (wie heißt der Maler des Bildes, wenn schon der Standort des Salons nicht benannt werden kann?). „Gehn Sie auch gern Pilze jagen“, „Was für eine Art von Busnutzer sind Sie“? Was für köstliche, fröhlich machenden Beiträge sind das!
    I.A.

    • I.B.F.

      Leider, der Name des Künstlers ist nicht mehr auffindbar. Er ist vergessen, so wie er selbst in Vergessenheit geraten ist. Nur dieses Bild hat überlebt.
      Und zum Standort: Nun ja, gehen Sie vom Kurfürstendamm aus die Bleibtreustraße auf der rechten Seite entlang, über die nächste Querstraße hinweg – dann werden Sie sehr bald auf den Standort stoßen. Rechts an der Wand neben dem Eingang.
      Mehr kann ich nicht verraten.
      I.B.F.

  2. iRo

    Gruss aus München: Ja, hier war der perfekte verregnete Schwammerlsommer. Ich genieße die Fülle. Jage sie aber auf dem Bauernmarkt;)
    iRo

  3. Monika

    Auch für nicht Pilzsammler ein netter Beitrag. Und: Wir bleiben nicht nur neugierig, sondern sind es ganz aktuell. Wie, liebe(r) go, sieht nun die Ideale Zubereitung für Sie aus? Ein kleines Rezept auch für Nicht-Sammler, sondern Wochenmarkt-Käufer. Zum Beispiel auf dem Karl-August-Markt.
    Monika

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