Berlin ab 50…

… und jünger

Es würde uns bereichern…

Senior.W2014-2

Die Autorin (Mitte) mit Barbara und Alexandra aus Polen aktiv auf der 40.Seniorenwoche auf dem Breitscheidtplatz am 30.August 2014 – http://sewo.senioren-berlin.de

Ich bin seit einigen Jahren Mitglied in den Gruppen: „Internationale Begegnungen“ und „Senioren Aktiv“, die in einem der Senioren-Clubs des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf angesiedelt sind. Außerdem besuche ich regelmäßig die öffentlichen Sitzungen der Senioren-Vertretung Charlottenburg-Wilmersdorf.

Durch das breite Spektrum an kulturellen, sportlichen und vielen anderen Veranstaltungen in den drei Clubs unseres Bezirks, treffen Leute aus allen sozialen Schichten aufeinander, die sich früher im Leben nicht getroffen hätten. Sie kommen mit unterschiedlichsten Erwartungen. Diese Konstellation bietet in kleinen Gruppen oft sozial-dynamischen Zündstoff. Da Gruppenleiter leider keine psycho-soziale Supervision erhalten, um Konflikte mit problematischeren „Älteren“ bewältigen und sie für „Lebenslanges Lernen“ anleiten zu können, hole ich mir in der Gruppe „Senioren Aktiv“ aber auch bei der Senioren-Vertretung seit ca. 2 Jahren Anregungen zur erforderlichen Weiterbildung, um die Gruppen für Senioren adäquat zu gestalten.

Bei „Senioren Aktiv“ erhalte ich durch Erfahrungsaustausch Hinweise, wie man sich auch für die Belange der Senioren in der Kommune einsetzen könnte.
Welche Rechte haben wir? Wie können wir uns informieren, wenn die Strukturen in Politik und Verwaltung keine Transparenz zulassen und man aus Tradition unbeabsichtigt diskriminierend über uns,  nicht mit uns auf Augenhöhe spricht und Entscheidungen trifft, ohne uns zu fragen? Natürlich können wir die Sparmaßnahmen nicht ignorieren, aber dazu könnten wir unsere praktischen Erfahrungen einbringen.

Durch das Senioren-Mitwirkungsgesetz haben wir zwar in jedem Bezirk in Berlin eine gewählte Senioren-Vertretung, die sich sehr vielen Aufgaben zu widmen hat, aber kein Mitbestimmungsrecht. Wie kann sie uns hier wirklich vertreten? Wir, alle Senioren, sollten frei von Parteigeplänkel an einem Strang ziehen und lernen, soweit wie wir dazu noch gesundheitlich in der Lage sind, selbst für uns zu sprechen und zu entscheiden. Wir informieren uns, bilden uns weiter, setzen uns füreinander ein und nur so können wir in Zukunft durch Transparenz zu unseren, oft nicht ‚bekannten‘ Rechten kommen. Und die Elektronik macht es möglich, dass wir uns selbst verwalten mit einer Senioren-Vertretung mit Mitbestimmungsrecht.
Allerdings sollten nicht alle Schritte bei Älteren unter behördlicher Kontrolle stehen. Zuviel davon könnte bei Senioren die Spitze der Kreativität abbrechen und sie entmutigen.

Es hängt nicht nur vom Geld ab sondern von unserer eigenen Bereitschaft und dem Bewusstsein, für die Gemeinschaft da zu sein, wie wir unsere letzte Lebensphase spannend gestalten. Diese Botschaft ist unbequem, weil wir damit unsere bisherigen vertrauten Pfade verlassen und jetzt noch Neues ausprobieren wollen. Es gibt noch keine überlieferten Studien über das Zusammenleben im Alter. Wir erleben das erste Mal eine so „weitreichende alte“ Gesellschaft. Aber wir haben die Gewissheit, dass uns der Erfahrungsaustausch mit anderen Kulturen und Generationen sehr bereichert. Die Welt ist kleiner geworden, gehört uns allen, auch Andersdenkenden. Daher mache ich hiermit den Vorschlag, dass wir den Jungen vorangehend, uns auch dem globalen Flüchtlingsproblem öffnen.
Wir sollten uns dabei an unsere Vorfahren und Eltern erinnern und die Vergangenheit aufarbeiten, wir müssen uns der Jugend öffnen und auf die Jüngeren einwirken und ihnen erklären, dass der heutige Wohlstand nicht selbstverständlich ist.
Und das nicht nur aus moralischer Verpflichtung! Es würde uns nämlich bereichern und die Welt bunter machen, wenn wir uns mehr als bisher und ohne Scheu generationsübergreifend interessieren und betätigen würden.

Ari Boldt-Hatei

7 Kommentare

  1. Be

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Wir Senioren konnten im Laufe unseres Lebens einen reichen Erfahrungsschatz zusammentragen. Sind wir nicht verpflichtet, davon etwas abzugeben, der Gemeinschaft etwas zurückzugeben solange wir dazu in der Lage sind?
    Und das kann das eigene Leben durchaus bereichern. Wir können noch so viele Erfahrungen machen. Alt ist für mich nur, wer seine Neugier verloren hat, sich nicht mehr interessiert.
    be

  2. Was soll ich mit diesem Beitrag anfangen? Er enthält nicht einen konkreten Hinweis darauf, wann, wo und wie ich als Älterer meine beruflichen, biografischen, vielleicht künstlerischen Erfahrungen einbringen bzw. wo ich von solchen Erfahrungen profitieren kann. Statt dessen Floskeln wie „psycho-soziale Supervision“. Andere aus meinem Freundeskreis winkten gleich ab, sie hätten den Beitrag nicht zu Ende gelesen… verständlich.
    Peter B.

    • Lieber Peter B. –
      versuchen Sie es doch mal mit dem gleich in der 4. Zeile der Bildunterschrift angegebenen link oder auch dem link http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/org/senioren/programm.html, der in dem Artikel „Ehrenamt…“ vor einigen Tagen gerade erschien – wenn Sie nicht unter den angebenenen Stichworten „Seniorenclub Charlattenburg-Wilmersdorf“ im Netz suchen wollen.

      • Antonius

        Mich öffnen, neugierig sein und mich ohne Scheu einbringen in den Austausch mit Menschen und Meinungen. Andere Sprachen und Kulturen kennen lernen. Die letzte Lebensphase lebendig gestalten. Mit der Gelassenheit des Alters. Es gibt noch so viel zu entdecken.
        Als immermalwieder berlinbesuchendes nordrheinwestfälisches Landei habe ich den obigen Beitrag mit großem Interesse gelesen. Danke dafür…

    • Ari

      Hallo Peter B,
      Wie ich sehe, haben Sie bereits einen konkreten Hinweis erhalten, wo – zusätzlich zu Ihrer wirkungsvoll platzierten Werbung – Sie sich auch persönlich als Älterer künstlerisch und sozial einbringen könnten. Sicherlich würden Sie vielen Menschen Freude damit bereiten, sie im Umgang mit den genannten u.a. Materialien einzuweisen.
      Ich möchte Ihnen und ihrem Freundeskreis wärmstens empfehlen, besagte Gruppen vorurteilslos zu erleben. Sie würden sehr schnell erfahren, dass Sie es in „unserer“ bunten Welt mit vielseitigen Senioren, alle ausgestattet mit einer „lebendigen Psyche“ , mit dem Bedürfnis nach Spaß und sozialen Kontakten, zu tun haben, die sich bewusst in der spannenden letzten Lebensphase befinden
      Allerdings kommen hier andere Arbeitsinstrumente zur Anwendung als in Ihrer Welt der Materie. Wenn Sie das nicht begeistern oder fesseln sollte, haben Sie immer noch die Möglichkeit „dankend“ abzuwinken.
      Nur Mut, Leben ist Bewegung getragen von Neugier!!!
      Ari Boldt-Hatai

  3. I.B.F.

    Das Seniorenprogrammheft
    Der Hinweis auf das Senioren-Programm ist m.E. nur teilweise ein hilfreicher Rat. An sich wäre ein zusammenfassendes Programm aller Seniorenclubs für einen ganzen Monat das Richtige, um sich informieren und zu schauen, was für mich infrage kommt.
    Nur: In der derzeitigen Form insbesondere im Aufbau und in der Textgestaltung wirkt es antiquiert, umständlich, ohne Pfiff und ziemlich ältlich (leider fällt mir kein anderer Begriff ein).
    In den meisten Fällen sind es Texte, die über Jahre unverändert geblieben sind, zumindest über die letzten 16 oder mehr Monate hinweg, in denen ich ehrenamtlich Korrektur bei den Programmen lese. Die Formel „Wenn Sie sich einbringen wollen, wenn Sie Lust haben, wollten Sie nicht schon immer …“ – sind zu Stereotypen geworden, die eben gerade nicht Lust machen. Hinweise auf Änderungen bzw. Modernisierung werden regelmäßig abgelehnt. Es sollte und müsste dringend über eine Erneuerung diskutiert werden. Was will das Programm, wen will es erreichen und wie geht das am besten. Diejenigen, die die Clubs schon länger besuchen, wissen über die Inhalte der sich wiederholenden Veranstaltungen Bescheid. Die, die neu zu gewinnen wären, werden vermutlich eher abgehalten als angeregt. Hier müsste eine neue Balance gefunden werden. Auch eine neue Sprache.
    Zum guten oder schlechten Schluss: Ich weiß, dass alle, die mit dem Programm zu tun haben, überfordert sind, zeitlich, aber auch aus Gewohnheit heraus: nach dem Motto: „Es war schon immer so und warum soll es plötzlich nicht mehr gut sein.“
    Weil wir uns geändert haben, weil wir eine andere Generation der über 50-Jährigen sind als noch vor Jahren. Weil wir, wie alle Zuschriften predigen, zu Recht im übrigen, „Neugierig bleiben sollen“.
    Liebe Clubleiterinnen, Sie müssen viel aushalten und viel organisieren, aber manchmal ist delegieren und neu diskutieren auf Dauer der zeitsparende Weg.
    I.B.F..

    • Ari

      Hallo I.B.F.,

      Diesen Kommentar kann ich nur mit vollster Überzeugung unterstützen. Hier wird wirklich genau aufgezeigt, wie man konkret-konstruktiv vorgehen könnte. Alle Angebote vernetzen wäre ein Segen für alle hier kreativ Tätigen und für alle Interessierten. .
      Vielleicht sollte man einen Aufruf starten, aber nicht ohne vorher zu überprüfen, ob bei den „zuständigen Stellen“ eine offene Tür bzw. ein offenes Ohr vorhanden ist.
      Danke für diesen Beitrag.
      Ari Boldt-Hatai

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