Berlin ab 50…

… und jünger

Zwischen Linh Thuu Pagode und Dong Xuan Markt …

… liegen Welten.

Obwohl Nord- und Südvietnamesen in Deutschland durch den Mauerfall die Möglichkeit haben, sich einander zu nähern und – zumindest in Berlin, ihrer neue Heimat – die Trennung zu überwinden, scheint es so, als bestünden unsichtbare Mauern zwischen Nord und Süd . Die Beziehung bleibt schwierig.

vietnam7,jpgWie ich auf das Thema komme? Angeregt durch zwei Beiträge in diesem Blog, die sich mit der Linh Thuu Pagode bzw. mit dem Dong Xuan Markt beschäftigt haben, habe ich ein bisschen gestöbert und genauer nachgelesen, denn offenbar hat der Erfolg des Dong Xuan Marktes inzwischen allgemeine Aufmerksamkeit erregt. (Sie können die Blogbeiträge im Archiv des Blogs noch nachlesen: „Mein Tipp „Dong Xuan Markt“ im Dezember 2013 und „Linh Thuu Pagode im Mai diesen Jahres).

Herkunft und Weg der Migration der Vietnamesen in Berlin könnten unterschiedlicher nicht sein:

Der eine große Zuzug fand zu Zeiten der DDR statt: Es waren vietnam1Vertragsarbeiter, die aus dem Norden Vietnams aufgrund eines Abkommens zwischen der DDR und der Sozialistischen Republik 1980 nach Berlin kamen. Es dürften rund 60 000 gewesen sein. Nach dem Fall der Mauer war ihre Situation prekär, es war nicht einfach, in Berlin bleiben zu können. Viele sind zurückgegangen (für 3000 Deutsche Mark als „Rückkehr-Prämie“) Die, die hier geblieben sind, hielten sich zum Teil mit Schwarzmarkthandel (Stichwort: Zigarettenschmugel) über Wasser: Die Bandenkriege untereinander sind wohl noch vielen Berlinern im Gedächtnis.

Der zweite Zuzug waren die „Boat-People“ bzw. Kontingentflüchtlinge. Er begann um 1975 und war mit dramatischen Fluchten übers Meer verbunden. Das Schiff „Cap Anamur“ ist so etwas wie ein Synonym für diese Fluchtbewegung. Rund 40 000 schafften es, hierher zu kommen. Sie wurden auf mehrere Bundesländer verteilt, eben auch auf Berlin.

Diese unterschiedlichen Herkünfte beeinflussen auch heute noch das Zusammenleben – oder eher das Nicht-Zusammenleben der beiden Gruppen.

Und sie spiegeln sich auch in den beiden Kristallisationspunkte: Auf der vietnam6einen Seite der Dong Xuan Markt in Lichterfelde (Herzbergstraße). Er ist das Zentrum der ehemaligen Vertragsarbeiter. Ein prosperierender Großmarkt, der seinen „Chef“ reich gemacht hat. Allerdings gibt es so manche Probleme, die auch damit zusammenhängen, dass der Markt inzwischen in vielen Reiseführern und Feuilletons erwähnt wird: Die Touristen strömen …
Der Markt ist ein wilder Mix aus Lebensmitteln, Frischware (durchaus auch Lebendiges) Textilien, Gewürzen, Nagelstudien- und Friseurzubehör, aus Kitsch und Folklore oder was sich westliche Touristen darunter vorstellen.

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(c) be

Ganz anders die Welt, in der sich die „Boatpeople“ eingerichtet haben. In einer großen Spendensammelaktion wurden mehr als eine Million Euro gesammelt und damit der Bau der Lhin Thuu Pagode in Spandau (Heidereuther Straße) ermöglicht. Zur Pagode gehören Gemeindehaus und Garten. Hier wird buddhistische Praxis gelebt und weitergegeben. Die Kinder und Jugendlichen können an vietnamesischen Sprachkursen teilnehmen, es werden buddhistische Rituale gepflegt und weitergegeben.
Jeden Sonntag werden Besucher kostenlos mit vegetarischem Essen versorgt – an diesen Tagen ist das Gemeindehaus erfüllt von exotischen Gerüchen. Die Atmosphäre ist familiär, Besucher werden umstandslos integriert – eine entspannende Erfahrung.

Trotz mancher individueller Bemühungen: Die Annäherung der Süd- und Nordvietnamesen ist schwierig, daran hat auch die Zeit nicht viel geändert. Zu groß ist das gegenseitige Misstrauen und zu tief die Verletzungen.

Daran kann auch Berlin mit seiner Geschichte einer gelungenen Wiedervereinigung nichts ändern.

Ich bin froh, dass ich durch die beiden Blog-Beiträge angeregt wurde, nachzulesen – das Schicksal geteilter Nationen wird uns erhalten bleiben. So traurig es auch ist.

I.B.F.

Fotos (c) I.B.F.

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