Berlin ab 50…

… und jünger

„Wo Preußen Sachsen küsst!“

 

IMG_2158In diesem Jahr findet vom 7. Juni bis zum 2. November auf Schloss Doberlug die Erste Brandenburger Landesausstellung zur preußisch-sächsischen Nachbarschaft statt. Die beiden Herrscherhäuser – hier Hohenzollern und dort Wettiner – standen seit dem Mittelalter in Konkurrenz und verfolgten im Lauf der Geschichte mitunter gänzlich divergierende Interessen. Die Ausstellung „Szenen einer Nachbarschaft“ im wunderbar sanierten Renaissanceschloss der Wettiner Fürsten lädt auf eine Reise durch die bewegte Geschichte von Preußen und Sachsen ein.

Sie berichtet in sieben didaktisch hervorragend umgesetzten Szenen von persönlichem Ehrgeiz der Herrscher, machtpolitischen Intrigen, wechselnden Allianzen, von Glanz und Gloria, dem Ringen um den „rechten Glauben“ und letztendlich auch von den Schattenseiten und bitteren Folgen für die Untertanen beider Länder. Der Zeitrahmen umfasst zweihundert Jahre – vom Beginn des 17.Jahrhunderts bis zum Wiener Kongress 1814/15, in dessen Folge Sachsen, das Königreich von Napoleons Gnaden, Zweidrittel seines Territoriums an Preußen abtreten musste. Die mit modernen Medien ausgestattete Ausstellung kann mit einem elektronischen Guide begangen werden. Es lohnt sich aber auch, sich einer der fachkundigen Führungen anzuschließen.

Am Beginn der Ausstellung sind auf einem großformatigen Allianzbild die beiden 1665 regierenden Kurfürsten Hand in Hand zu sehen – ein eindrucksvolles Bild, dass auf dem zweiten Blick durchaus auch Spannungen zwischen den Protagonisten erahnen lässt. Aus Kalkül wurden freundschaftlichScannen0001e Verbindungen immer wieder in den folgenden Jahrhunderten erneuert. Dazwischen aber lagen Kriege wie der Siebenjährige Krieg, in dem Friedrich II, den man in Sachsen deshalb nicht als den „Großen“ bezeichnet, das wirtschaftlich viel stärkere Sachsen ausplünderte. Jahre später war dann Sachsen wieder auf Preußens Seite und beide Staaten erlitten bei Jena und Auerstädt 1806 gegen Napoleon eine vernichtende Niederlage. Doch Napoleon köderte Friedrich August III erfolgreich mit der Königswürde. Die polnische Wahlkrone von August dem Starken war inzwischen ja verloren, es gab Polen als Nationalstaat seit der letzten polnischen Teilung 1795 nicht mehr. Sachsen schlug sich auf die SeiteIMG_2172 Napoleons, doch dieser Schritt war katastrophal: Sachsen gehörte damit an der Seite Napoleons zu den Verlierern. In der Folge schrumpfte dann Sachsen gewaltig und auch das Schloss Doberlug fiel an Preußen und wurde umgehend als preußisch–puritanisches Gericht- und Steueramt und Gefängnis eingerichtet. 1945 besetzte die Rote Armee das Schloss, seit 1950 nutzten es Volkspolizei und später NVA als Kaserne. Mit der Entsendung des Sachsen Walter Ulbricht an die Spitze des ZK der SED nach Berlin und vielen weiteren hochrangigen Parteispitzen rächten sich die Sachsen an Preußen.

Seit 1999 wurde daIMG_2191s Schloss restauriert und bildet nun gemeinsam mit der Zisterzienserkirche St. Marien aus dem Jahr 1288 ein sehens- und besuchenswertes Ensemble.

Die Ausstellung ist auch mit der Bahn zu erreichen, vom Bahnhof Doberlog- Kirchhain fährt ein Bus –Shuttle. Wissenswertes finden Sie auch unter http://brandenburgische-landesausstellung.de.

 

Machen Sie sich auf die Reise, es lohnt sich!

mw

Fotos (c) mw

Ein Kommentar

  1. Würde gerne dort hinfahren, denn Doberlug-Kirchhain ist die Heimat meiner Vorfahren mütterlichen seits. Weis absolut gar nichts von der Gegend. Dafür hat die Nachkriegszeit gesorgt.

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