Berlin ab 50…

… und jünger

„Südwestpassage“ – die Friedenauer Kunstszene und ihre Kultour

Berlins Kunstszene – das sind nicht nur die großen Galerien, die namhaften Künstler, die in Berlin arbeiten. Es ist ebenso die Kunstszene in den Kiezen, die Künstler, die gute und interessante Arbeiten vorweisen können, aber zum Teil noch nicht von Galerien vertreten werden.
Sie suchen die Öffentlichkeit, sie wollen und müssen sich zeigen können.
Die Idee der offenen Ateliers ist dafür die kongeniale Idee: für die Künstler und für diejenigen unter uns, die nach dem Kreativen in der Stadt, in ihrem Bezirk suchen, die den direkten Kontakt zu den Künstlern lieben.
Wir, berlinab50, wollen diese Kunstszene, ihre Vereinigungen und ihre Ideen zu den „offenen Ateliers“ vorstellen. Wir beginnen mit der Südwestpassage in Friedenau.

Berlinab50
Frau Wild, wir möchten uns mit Ihnen über die Künstlervereinigung „Südwestpassage“ unterhalten. Und dies vor allem vor dem Hintergrund, dass in Kürze, zum siebten Mal immerhin, der Kultour Rundgang stattfindet. Dazu kommen wir später noch ausführlicher.
Sie sind die Initiatorin des Rundgangs und eine der Vorsitzende des Vereins Südwestpassage e.V. und kennen wohl am besten seine Geschichte, die Entwicklung und vor allem den „Geist“, von dem die sie getragen ist. Worum geht es der Vereinigung? Wie ist die Idee entstanden?

Frau Wild
Als ich 2007 mein damaliges Atelier im Südwestkorso 63, in dem jetzt mein L1009558Bruder ein Café betreibt, eröffnet habe, schauten viele Friedenauer zur Tür hinein und reagierten ganz begeistert auf mein Vorhaben, dort mein Atelier einzurichten. „Endlich passiert hier was in Friedenau, wir möchten nicht immer nach Mitte fahren, um Kunst zu erleben!“ Nachdem ich Ähnliches mehrfach hörte, entstand sofort die Idee, einen Atelierrundgang in Friedenau zu etablieren. Zusammen mit Susanne Wehr, einer anderen Fotokünstlerin aus Friedenau, begannen wir, den ersten Rundgang zu organisieren, der gleich ein voller Erfolg war. Schön ist, dass sich dadurch erstmalig auch viele Künstler, die hier ansässig sind, kennengelernt haben. Daraus ist ein wunderbares und sehr großes Netzwerk entstanden. Wir wussten ja selbst nichts voneinander!

Berlinab50
Dass wir auf die Südwestpassage gestoßen sind, hat vor allem damit zu tun, dass wir vor einiger Zeit ein Interview mit einem Künstler, Peter Birkholz, geführt haben, der uns darauf aufmerksam gemacht hat. Möglicherweise hätten wir sonst nie davon erfahren. Und das gilt sicherlich nicht nur für uns, sondern vielleicht auch für einige, die im Kiez wohnen. Wie schätzen Sie die Resonanz ein oder anders: Gehören die Südwestpassage und die Rundgänge Kultour bereits zum kulturellen Gesicht Ihres „Einzugsgebiets“? Wirken sie über Friedenau hinaus?

Frau Wild
Foto 1Ja, ich glaube, das kann man so sagen. Denn wir zählen auf den Rundgängen an die 4000 Besucher und es sind teilweise bis zu 400 Besucher, die in die einzelnen Ateliers strömen. Sie kommen aus ganz Berlin und teilweise sogar von auswärts. An diesen Wochenenden gibt es regelrechte Völkerwanderungen durch die Friedenauer Straßen, die Leute geben sich gegenseitig Tipps, welche Ateliers spannend sind. Und auch im Infopunkt der PSD Bank, wo man sich erste Infos über die Stationen holen kann, waren im letzten Jahr über 1000 Gäste. Ich selbst werde aber auch häufigvon Künstlern angesprochen, die überlegen, ob sie sich ihr Atelier nicht in Friedenau einrichten sollten, weil sie durch die Südwestpassage gleich Anschluss finden und Teil eines großen Netzwerkes sein können. Das freut mich natürlich sehr, dass die Südwestpassage bereits so bekannt ist.

Berlinab50
Was haben Sie darüber hinaus bisher angestoßen und bewirken können? Gibt es Kooperationen mit anderen kulturellen Veranstaltern?

Frau Wild
Wir haben erfreulicherweise das Nachbarschaftsheim Schöneberg und das Kleine Theater als Kooperationspartner gewinnen können, Medienpartnerschaften gibt es mit der Stadtteilzeitung und der Berliner Woche. Toll ist, dass wir in diesem Jahr das erste Mal mit den Betreibern der App Quarterland.net zusammenarbeiten, die für uns eine App programmieren, mittels derer man sich von Station zu Station navigieren kann und diese kommentieren kann. Kennengelernt habe ich Quarterland.net bei 48 Stunden Neukölln, wo diese App bereits zum Einsatz kam.

Berlinab50
Vielleicht eine dumme Frage, aber wie bekomme ich als Besucher an diese App auf mein Handy?

Frau Wild
Wenn man sich auf die Website quarterland.net begibt, findet man auf der Startseite gleich einen direkten Link zum App Store und kann die App dort kostenlos downloaden.

Berlinab50
Vermutlich werden Sie eine solche Aktion nicht ohne finanzielle oder ohne eine sonstige Form der Unterstützung stemmen können? Wie sieht das tatsächlich aus? Wer unterstützt sie? Der Bezirk, Gewerbetreibende?

Frau Wild
Entscheidend ist für uns im Augenblick die Unterstützung seitens der PSD Bank, seit 6 Jahren (!) – ohne sie wäre für uns der Atelierrundgang nicht in dieser Form möglich, da die ganzen Druckprodukte ja in der Auflagenhöhe für uns nicht finanzierbar wären.
(Anmerkung Berlin ab50: Wir wollen natürlich keine Werbung machen, wewder für die PSD-Bank noch für sonst jemanden, aber Fakt ist, dass solche, für einen Kiez bereichernde Initiativen nur funktionieren können, wenn sie unterstützt und gefördert werden. Deshalb scheuen wir uns auch nicht, die PSD Bank zu nennen (die im Übrigen eine gemeinnützige Bank ist!).

Foto 3Berlinab50
Nun zur bevorstehenden Kultour, die am 11. Oktober von 15-22 Uhr und am 12. Oktober von 13–19 Uhr stattfindet.
Erste Frage: Welche Idee steckt dahinter?

Frau Wild
Mit diesem 7. Atelierrundgang setzen wir die bisherige Tradition fort. In früheren Rundgängen gab es auch in den Ateliers Konzerte und Lesungen. Davon sind wir seit 2 Jahren abgewichen, da sich die Besucher dann auf die Ateliers mit Events fokussiert haben und die anderen in den Abendstunden fast keine Besucher mehr hatten. Events wird es aus dem Grund nur noch im Foyer der PSD Bank geben. Das hat sich bewährt. In diesem Jahr sind wir gespannt, ob der Einsatz der App Quarterland.net vielleicht auch noch jüngere Besucher anzieht und es natürlich auch Besuchern ermöglicht, alle Stationen zu finden, die nicht mehr in den Besitz eines Programmheftes kamen. Diese sind irgendwann einfach vergriffen.

Berlinab50
Was können wir, die wir uns entschließen, zum ersten Mal daran teilzunehmen, erwarten? Wie können wir uns überhaupt orientieren? Und auch: Wie viele Ateliers werden dieses Mal dabei sein?

Frau Wild
Die Anzahl der teilnehmenden Ateliers steigt jedes Jahr an; in diesem Jahr sind es schon 68 Stationen! Das ist natürlich an einem Wochenende kaum zu bewältigen, so dass die Besucher eine Auswahl treffen müssen. Da hilft dann sicherlich auch der Infopunkt; hier liegen Künstlermappen aus, in denen die Künstler sich etwas ausführlicher präsentieren können als auf unserer Website suedwestpassage.com. Wer sich eingehender mit Künstlern befassen möchte, kann an einer der 3 angebotenen Führungen teilnehmen. Wir bieten auch in diesem Jahr wieder die Guided Walks an; 3 Kunsthistoriker führen durch jeweils 5-6 Ateliers zu jeweils 3 Terminen. Sie finden am Samstag, 11.10 von 17-19 Uhr und am Sonntag, 12.10. von 13-15 und 16-18 Uhr statt. Da sie sehr begehrt sind und auf 15 Personen begrenzt sind, ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich bei Andrea-Katharina Schraepler unter der Telefonnummer 288 335 63 oder per Mail an schraepler @via-artis-berlin.de.

Berlin ab50
Zwei Tage – das hört sich erst einmal nach viel Zeit an. Aber angesichts der Vielzahl und Vielfalt wird es wohl doch so sein, dass vieles auf der Strecke bleibt. Gibt es Veranstaltungen, die nur bei dieser Kultour stattfinden, die man also nicht durch nachträgliche Besuche bei den einzelnen Ateliers nachholen kann?

Frau Wild
Die Künstler freuen sich immer sehr, wenn es auch nach dem Rundgang noch Besuche in den Ateliers gibt. Falls man nicht alle Stationen, die einen interessieren, schafft, kann man jederzeit über die Kontaktdaten aus dem Programmheft oder über die Website unter „Ateliertour“ die Künstlers kontaktieren. Einmalige Events gibt es im Foyer der PSD Bank. Hier gibt es ein tolles Konzert mit der Sängerin Hilde Kappes am Samstag um 19 Uhr und am Sonntag um 17 Uhr, der Eintritt ist frei. Hier sind die Plätze sehr begehrt, die Erfahrung zeigt, dass immer wieder Besucher weggeschickt werden müssen, weil alle Plätze besetzt sind. Tagsüber kann man sich ebenfalls im Foyer der PSD Bank eine Schnellzeichnung von sich anfertigen lassen, die Margarete Moos in 2-5 Minuten zeichnet!

Berlinab50
Nun gibt es ja nicht nur in Friedenau derartige Künstlervereinigungen, und Wochenenden mit offenen Ateliers. Wie z.B. in Charlottenburg, in Zehlendorf. Gibt es so etwas wie Konkurrenz? Oder eher Ergänzung, gegenseitige Befruchtung?

Frau Wild
Atelierrundgänge sind inzwischen fast inflationär geworden – es gibt kaum noch einen Bezirk, in dem es keinen Atelierrundgang gibt. Ich finde das wunderbar – schwierig ist es natürlich, wenn sich die Termine überschneiden. Den richtigen Termin zu finden ist immer schwierig.Teilweise kenne ich die Mitorganisatoren anderer Rundgänge, und es ist durchaus so, dass wir uns gegenseitig Tipps geben und uns beraten, das ist sehr schön.

Berlinab50
Sie selbst haben sich der Fotografie verschrieben. Was interessiert Sie daran?

L1003378Frau Wild
Ich habe erst relativ spät zur Fotografie gefunden. Hier interessiert mich aber weniger das Dokumentarische, sondern eher die Möglichkeit, die mir digital vorliegenden Daten mittels Bildbearbeitung nach meinem Vorstellungen zu verfremden.

Berlin ab50
Um die Informationen für unsere Leser nicht zu lang werden zu lassen, werden wir Sie als Künstlerin gesondert vorstellen: im Rahmen der Kultour. Wir werden uns also wiedersehen.
Wir bedanken uns ganz herzlich und hoffen, dass das Wochenende ein voller Erfolg wird – es wäre schön, wenn unser Interview dazu beitragen kann.

Und all denjenigen, die wir haben interessieren können, wünschen wir, dass sie den Ausflug genießen und uns gewogen bleiben.

Für eilige Leser und zum Notieren noch einmal die Daten:
Samstag, 11.10. 15.00-22.00 Uhr/Sonntag 12. 10. 13.00-19.00 Uhr
www.suedwestpassage.com (hier finden Sie die online-Version der Programms) Infopunkt PSD-Bank, Handjerystr. 34-36

 

I.B.F. /Berlinab50

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: