Berlin ab 50…

… und jünger

Neulich abends im Restaurant

Es war uns nicht danach selbst zu kochen, zumal wir auch überhaupt keine Idee hatten, was das sein könnte. Zudem – es war Samstag. Und wenn ich richtig vermute, immer noch der Deutschen Lieblingstag fürs „Auswärtige“ (oder ist es inzwischen der Sonntag?). Warum also nicht für Mercureyuns?

Wie auch immer: Wir machten uns auf den Weg.
Ein Restaurant hatten wir bereits ausgeguckt: etwas Neues, empfohlen von einer der Berliner Gastrokritikerinnen (mit der wir allerdings bislang selten konform gehen! Aber wir sollten und wollten ja neugierig sein).

So weit so gut. Gelungen war tatsächlich der Gastraum: Nicht übermäßig groß, in warmen Farben, viel Kerzenlicht, weiß gedeckt und ein schöner Blumenschmuck, der ins Auge fiel. So weit stimmte also alles, wie vorausgesagt.

Wir wurden platziert – nach unseren Wünschen (es war noch spärlich besucht), die Karte kam.
Aber dann: Hätte ich bloß gleich hineingeschaut und nicht um mich herum die Gäste „inspiziert“ (nein, ich habe sie nicht angestarrt) – man will ja wissen, wer einem Gesellschaft leistet – neben dem eigene Partner).

Und beim Herumschauen fiel mein Blick auf einen der größeren viereckigen Tische, der mitten im Raum stand und von zwei Gästen besetzt war; nein es wirkte, als thronten sie über uns allen. Von da an ging’s bergab!

Es war unverkennbar ein Ehepaar, ein älteres und ganz gewiss ein lang verheiratetes, die sich nebeneinander (!) (nicht, wie man annehmen sollte, gegenüber) gesetzt
hatten, vermutlich damit ja keiner von Beiden mehr oder Schöneres sieht als der andere.

An diesem Abend waren sie sich offenbar spinnefeind. Oder genauer: Die Ehefrau war äußerst schlecht gelaunt und überlaunig. Nicht in der stillen Art, sondern offenkundig und ohne Rücksicht, ob es andere mitbekommen oder nicht. Grund ihrer Unzufriedenheit: ihr Mann. Er konnte ihr nichts recht machen, sie wies ihn ständig zurück, wehrte alles ab, traktierte ihn mit Worten, auch mit Gesten. Es war frustrierend und traurig anzuschauen, zumal er den Frieden oder zumindest den Abend retten wollte. Sie war aber nicht zugänglich, sondern böse und voll innerer Wut. So etwas spürt man auch als Außenstehender.
Wenn er ihr etwas zum Probieren geben wollte: nein. Um dann aber ihrerseits auf seinem Teller herumzustochern
Ein weiteres Glas Wein: nein. Ein Wasser: nein. Um dann sein Glas auszutrinken.
Ein Espresso, ein Digestif zum Abschluss: Um Gottes willen, welch eine Zumutung!

Ich war ziemlich traurig berührt. Es war kaum möglich, es zu ignorieren, denn das Ehepaar saß nun einmal genau im Blickfeld. Den Platz zu tauschen, hätte nichts geändert.
Die Szene hat mich belastet, der Abend war verdorben. Es ging mir nicht um das Paar, sondern um die Atmosphäre, der ich mich nicht entziehen konnte. Sie trübte auch meine Stimmung. Und ich fing an, mich zu fragen, warum es auch im Alter nach vermutlicher langem Zusammensein noch so viel Unfreundlichkeit und – ja, so schien es mir – Lieblosigkeit geben muss. Ist es dann nicht besser, getrennte Wege zu gehen?

Wie die Küche war? Sagen wir es so: Wir werden das Experiment nicht wiederholen. Die Gastrokritikerin muss einen Glanztag des Kochs erwischt haben – uns war das nicht vergönnt. Es war ohne Pfiff und handwerklich auch nicht das Beste (mein Mann ist Hobbykoch – so viel sei verraten).

I.B.F.

 

Foto (c) go

Ein Kommentar

  1. Ich hätte da einen Vorschlag: Das Balthazar in Berlin auf dem Kurfürstendamm! Unser Restaurant-Besuch ist hier nachzulesen: http://opas-blog.de/opas-warentest/restaurants/ . Es lohnt sich wirklich.

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