Berlin ab 50…

… und jünger

Alle Jahre wieder …

antibiotikum Es gibt vieles, was verlässlich jedes Jahr auf uns zukommt. Erfreuliches und auch Unerfreuliches. Dazu gehören Steuerbescheide, Jahresabrechnungen, von denen man, außer dass sie das Konto belasten, „gefühlt“ eigentlich nichts hat (Versicherungen gehören zum Beispiel dazu).
Und verlässlich kommt auch jedes Jahr die Erkältungswelle, die grippalen Infekte:
Es kratzt im Hals, die Nase läuft, das Niesen zerreißt uns fast.

Für die Ärzte heißt das Hochbetrieb, und es bedeutet, das – wie jedes Jahr – gewarnt wird vor sinnlosen Antibiotikaverordnungen. Wobei diese Warnungen ebenfalls sinnlos zu sein scheinen.

Warum ist das so? Und warum ist das so gefährlich?
Antibiotika helfen immer nur dann, wenn es um Bakterien geht. Aber die sind bei den Erkältungen und bei Bronchitis in den allermeisten Fällen gar nicht vorhanden. In rund 80 bis 90 Prozent der Fälle sind Viren die Übeltäter. Und gegen Viren können Antibiotika nun einmal nichts ausrichten. Sie sind in dem Fall nutzlos, sinnlos und sie können gefährliche Folgen haben. Wir schlucken also etwas, was uns nicht hilft, dafür aber schadet.

Warum es schadet?
Antibiotika werden durch den übermäßigen und falschen Einsatz zu einer stumpfen Waffe. Und das ist dramatisch. Bakterien oder gar ganze Bakterienstämme entwickeln Resistenzen. Und je mehr von den Mitteln in den Körper gelangt, umso mehr Bakterienarten werden resistent und wenn es ganz schlimm läuft, übertragen sie ihre Resistenz auf andere Bakterien.
Und wenn es dann wirklich zu einer bakteriell verursachte Krankheit kommt, gibt es eben nur noch stumpfe Waffen – mit der Folge, dass die Ärzte nichts mehr in der Hand haben, um sie zu bekämpfen.
Das ist eine ernste Gefahr! Vor allem dann wenn ein Krankenhaus ins Spiel kommt. Gerade hier sind resistente Bakterien eine Bedrohung für die Patienten. Jährlich sterben rund 7500 bis 15000 Patienten im Rahmen einer Krankenhausbehandlung an Infektionen, die sie sich dort zugezogen haben. Ich finde das erschreckend.

Besonders besorgniserregend ist der vermehrte Einsatz von Breitbandantibiotika (Cephalosporine und Chinolone). Sie sollten eigentlich Reservemittel sein, weil sie gegen viele Bakterienstämme wirken. Und wegen dieser positiven Eigenschaft nur selten zum Einsatz kommen sollten. Dann wenn es wirklich nötig ist.

Was tun?
Es sind zwei Marschrichtungen nötig: Die eine richtet sich an die Ärzte: Sie kennen ja eigentlich das Risiko der Resistenzbildung, aber offenbar nehmen es manche nicht ernst genug. Das muss sich ändern! Und sie müssen lernen, dem Druck der Patienten standzuhalten.
Damit sind wir bei der zweite Marschrichtung: Sie betrifft uns, die Patienten. Denn immer noch gehen wir zum Arzt und bestehen auf einem Rezept. Wir wollen uns offenbar nicht belehren lassen, dass es kein Rezept gibt –außer bewährten Hausmitteln. Und die Ärzte haben nicht genug Zeit, uns gründlich aufzuklären und auch gründlich zu untersuchen. Der Griff zum Block ist zeitsparender und beruhigt uns. Und wir schlucken die Mittel und glauben, dass sie es sind, die uns heilen. Dass sie uns gefährden, das wollen wir nicht wissen.

Fazit:
Werden wir zu mündigen Patienten! Das heißt: nachfragen, ob es denn wirklich notwendig ist, Antibiotika zu schlucken. Und dem Arzt glauben, wenn er das verneint. In vielen Fällen tun unsere Selbstheilungskräfte das, was sie tun sollen. Sie machen uns gesund. Und Hausmittel – die kennt jeder von uns.

bu-fa

P.S. Dass die Tiermast das Übrige dazu tut, Resistenzbildungen zu fördern, das ist ebenso dramatisch und auch ein wichtiges Thema.

Zweites P.S. Inzwischen gibt es auch einen Bluttest, mit dem sich herausfinden lässt, ob wirklich ein Antibiotikum notwendig ist. Aber das hier noch zu erläutern, würde Ihnen vielleicht zu lang werden.

Ein Kommentar

  1. Danke, es war inhaltlich genau passend zu meiner Situation und hat mir tatsächlich bestätigt, das meine Ärztin heute alles richtig gemacht hat. Morgen darf ich dann das Ergebnis der Blutuntersuchung abholen, dann wird über Antibiotika entschieden.

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