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… und jünger

Ein DVD-Tipp: DAS ENDE IST MEIN ANFANG

Das Ende ist mein AnfangUnser Leben – das wird uns mit dem Älterwerden bewusst – wird irgendwann zu Ende gehen. Wir können und sollten nicht ständig daran denken, aber ganz verdrängen würde auch heißen, unser Leben falsch zu leben.
In der letzten Woche habe ich also nicht ganz zufällig die DVD  „Das Ende ist mein Anfang“ angeschaut. In den Kinos läuft er wohl schon eine Weile nicht mehr – ich hinke den Aktualitäten immer ein bisschen hinterher, weil ich auf Untertitelung angewiesen bin. Und die finde ich auf DVDs häufiger als im Kino.

Es war ein wunderschöner und erfüllender „Heimkino-Abend“- anders kann ich es nicht formulieren.
Der Film ist auf der Grundlage des gleichnamigen Buches von Tiziano Terzani entstanden. Regisseur ist Jo Baier.
Terzani war Schriftsteller und Journalist und später vor allem „Suchender“ – so lässt es sich wohl am besten beschreiben.
Terzani (1938 in Florenz geboren) war von 1972 bis 1997 Korrespondent für den „Spiegel“ in Asien, eine Zeit, die sein Denken, seine Sicht auf die Welt und die Menschen ungemein geprägt hat. Wohl auch deshalb verließ er den Journalismus und zog sich für eine ganze Weile zurück in den Himalaya, um zu meditieren.

2004, als er weiß, dass er nicht mehr viel Zeit haben wird (Terzani ist an Krebs erkrankt), bittet er seinen Sohn Folco zu ihm zu kommen, zu einem letzten großen Gespräch. Er will ihm von seinem Leben und seiner großen inneren Reise erzählen. Und es ist der Versuch, sich seinem Sohn wieder zu nähern und zu einem gegenseitigen Verstehen zu kommen. Folco soll das Gespräch aufzeichnen.

Die Beiden treffen sich im Haus Terzani und seiner Frau, das abgeschieden in den Bergen der Toskana liegt und eine eindrucksvolle Kulisse ist für dieses drei Monate dauernde Gespräch.

Terzani erzählt auf eine ungewöhnlich humorvolle Weise sein Leben und sein Werden. Er bedauert in keiner Phase sein jetziges Schicksal und seinen nahen Tod. „Der Tod ist mein letztes Abenteuer“ – so sieht er es. Und man glaubt es ihm.

Seine Einstellung über das Sterben und den Tod kann für uns, die wir den Gedanken nicht denken wollen, einen Weg zeigen, diese Gewissheit anzunehmen. Zumindest für eine Weile. Eben so lange, wie der Film oder die Erzählung Terzanis nachwirkt.

Am Ende sind Vater und Sohn miteinander versöhnt, beide haben gelernt, den anderen zu verstehen. Terzani gibt seinem Sohn eine letzte, wie ich empfinde, großartige Botschaft auf den Weg: „Kümmere Dich selbst um Dein Leben, nimm es in die Hand und delegiere es nicht. Folge nicht irgendwelchen Führern und Menschenfängern.“

Was für mich den Film so besonders eindrucksvoll macht, ist Bruno Ganz, der Terzani spielt – nein, eigentlich Terzani ist. Der Schauspieler Ganz wird zum Menschen Terzani.
Erika Pluhar spielt Terzanis Frau und als besondere Entdeckung gilt Elio Germano, der Folco spielt.

Ob ich nach dem Film das Buch lesen werde? Ich glaube nicht: Denn obwohl ich die Stimme von Ganz nicht hören kann, ist er für mich tatsächlich Terzani geworden. Würde ich das Buch lesen, hätte ich das Gefühl, etwas „nachzulesen“.
Der Unterschied zwischen Buch und Film ist wohl, dass das Buch den Lebensweg beschreibt, der Film den Menschen. So sagen es die, die beides kennen.

Wenn Ihnen der Film missfällt – es gibt keineswegs nur wohlmeinende Kritiken! -, schreiben Sie es mir – es würde mich freuen (das gilt natürlich genauso fürs Gefallen!).

I.B.F.

4 Kommentare

  1. Be

    Es freut mich, dass an dieser Stelle einmal auf Terzani aufmerksam gemacht wird. Wer neugierig geworden ist, dem empfehle ich sein Buch: „Noch eine Runde auf dem Karussell“. Bücher haben Filmen gegenüber den Vorteil, dass ich nicht von schöner Bildkulisse oder grandioser Schauspielleistung abgelenkt werde, sondern meine eigenen Bilder im Kopf entstehen lassen kann und ganz wichtig: ich kann innehalten und über das Gelesene nachdenken. Bei Terzani geht es schließlich um existentielle Fragen mit denen sich jeder irgendwann auseinandersetzen sollte.
    be

  2. PB

    Ich habe den Film nicht gesehen, jedoch vor einigen Jahren das Buch gelesen. Was mich störte war, dass der Verfasser sein Ende als autobiographischen Roman inszeniert hat und darin sein Sohn Folco mit teilweise recht naiven Fragen lediglich die Vorlagen zu liefern hatte. Bruno Ganz und Erika Pluhar mögen vielleicht dem Stoff einen Glanz verliehen haben, den ich in dem Buch nicht habe entdecken können. Wohl besser, es beim Film zu belassen, was in dem Beitrag (Zufall oder Vorahnung?) auch schon anklingt.
    PB

    • I.B.F.

      So ganz verstehe ich Ihren Einwand nicht – ich weiß nicht, was Ihr Hinweis „autobiographischer Roman“ wirklich bedeutet. Richtig ist, dass die Fragen manchmal recht dünn sind, aber das habe ich großzügig übersehen. Das Timm.
      I.B.F.

  3. PB

    Ich meine damit, dass zwischen ihm und seinem Sohn angesichts seines nahenden Endes kein wirklicher Dialog stattfindet, sondern er dessen Fragen nutzt, sich in einer Selbstbiographie noch einmal in positives Licht zu stellen. Sein Sohn spielt im Buch eine Nebenrolle und hat sie wohl auch immer spielen müssen, denn hätte zwischen den Beiden im vorangegangenen Leben bereits ein Dialog stattgefunden, wüsste der Sohn um die Lebensgeschichte und Gedanken seines Vaters und müsste sie nun nicht erzählt bekommen. Mich hätte die Sicht des Sohnes auf den Vater mehr interessiert als dessen Selbstbespiegelung. Na ja, und die Rolle seiner Frau blieb nach meiner Erinnerung ganz auf die fürsorgende Gattin beschränkt. Wie gesagt – so mein Eindruck von dem Buch. Der Film mag das Thema auf andere Weise zeigen.
    PB

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