Die Terminhure

 

Ein Buchtipp

In der Buchhandlung Georg Büchner am Kollwitzplatz liest um 20 Uhr der Autor Hans Henner Hess aus seinem zweiten Romans DER BOBMÖRDER . Da ich es immer wieder ein schönes Erlebnis finde, eine Autorenlesung in einer kleinen Kiezbuchhandlung zu erleben, habe ich mich auf den langen Weg nach Prenzlauer Berg gemacht. Eine Viertelstunde vor Acht sind nur wenige Interessierte versammelt, heimlich beginne ich den Autor ein wenig zu bedauern, auch wenn der selbst ziemlich entspannt wirkt. Um Punkt Acht weiß ich auch warum – hier in dieser Gegend von Berlin ist man pünktlich, sehr pünktlich: Schlag 20 Uhr stürmten jede Menge Zuhörer die Buchhandlung, zusätzliche Stühle mussten geholt werden, die Buchhandlung war voll. Ich, aus Schmargendorf, hatte plötzlich das Gefühl, vom Land zu kommen, eben vom Dorf – ich ware eine halbe Stunde vorher da….

Ich bin kein wirklicher Krimifan, aber schon der erste Roman von Hans Henner Hess HERRENTAG hat mich fasziniert. Nicht nur, weil es durchaus spannend ist, den Kriminalfall zu verfolgen, sondern weil die Figuren und ihre Handlungen mit großer Detailkenntnis, liebevollem Verständnis und köstlicher Ironie beschrieben sind:
9783832162467.jpg.19292„Anwalt Fickel steht am Meininger Gericht auf der Karriereleiter ganz unten. Er ist Terminvertreter (im Fachjargon »Terminhure«) und springt in Verhandlungen ein, wenn der ›richtige‹ Anwalt verhindert ist. Dass so einer Verteidiger in einem Mordverfahren wird, kann nur in einem Nest wie Meiningen passieren: Sylvia Kminikowski, designierte Amtsgerichtsdirektorin, wird ermordet im Englischen Garten aufgefunden. DNA-Spuren führen zu René Schmidtkonz, dem Enkel von Fickels Vermieterin. Also gibt der Fickel sich einen Ruck und vergräbt sich in den Fall. Obwohl er sich im Strafrecht nicht besonders gut auskennt, stößt er schon bald auf Ungereimtheiten, die seinen Mandanten entlasten könnten. Ein massives Problem jedoch bleibt: die Oberstaatsanwältin Gundelwein, die im Allgemeinen auf Männer nicht gut zu sprechen ist und im Besonderen auf den
Fickel. Sie ist Fickels Exfrau und sähe nichts in der Welt lieber, als dass er sich in seinem ersten großen Fall bis auf die Knochen blamiert …“(die kleine Inhaltsangabe steht auf der Internetseite des Verlags http://www.dumont-buchverlag.de)

Ich habe mich sozusagen spannend amüsiert und gleichzeitig auch noch eine kleine Städtereise unternommen. Nach der Lektüre dieses Buches reiste ich nach Thüringen und wanderte auf den Spuren des Anwalt Fickels durch die herzogliche Stadt. Eindrucksvoll, welche Informationen mir der Autor an die Hand gegeben hat – in Meiningen jedenfalls kannte ich mich bereits aus – noch bevor ich meinen Fuß das erste Mal in die Stadt setze. Das macht Spaß und ist ein großer Genuss.

Jetzt liest also Hans-Henner Hess aus seinem zweiten Roman mit 9783832187958.jpg.20475Anwalt Fickel. In DER BOBMÖRDER führt der Volljurist Hess seine Romanfigur in die Sportstadt Oberhof. Eine kleine Leseprobe:
„Nach seinem irgendwo auch nicht ganz unverdienten Erfolg im allerersten Mordfall seiner Karriere erfreut sich Anwalt Fickel eines gewissen lokalen Ruhms in Meiningen und Umgebung. Dieser macht sich vor allem durch die ungewohnte Nachfrage potenzieller Mandanten bemerkbar. Um sich von der vielen Arbeit zu erholen, begibt sich der Fickel in den weltberühmten Kurort Oberhof. Doch siehe da: Kaum angekommen, schlingert er auf dünnem Eis in seinen nächsten Fall. Manfred Kornhaß, ein alter Freund Fickels und Chef der Rodelbahn, hat offenbar aus Unachtsamkeit den Tod einer hochdekorierten Boblegende verschuldet und soll wegen fahrlässiger Tötung angeklagt werden. Doch Kornhaß beharrt auf seiner Unschuld. Also macht sich der Fickel an die Ermittlungen. Bald verdichten sich die Hinweise, dass hier ein kaltblütiger Bobmörder am Werk ist. Und spätestens jetzt nimmt der Fickel als ehemaliger Anschieber des Bobs Oberhof II die Sache persönlich …“ ( mehr auf der Seite http://www.dumont-buchverlag.de/buch/Hans-Henner_Hess_Der_Bobmoerder/13526)

Lesung mit Hans Henner Hess

Lesung mit Hans Henner Hess

Nachdem nun die Zuhörer dem Autor lauschten und auch noch Informationen über den Tourismus – von Deutschlands einziger Skilanglaufhalle bis zum Grottoneum – erfahren haben, werden sie mit einem Glas Wein verköstigt und der Autor höchstpersönlich kredenzt „Rhöntropfen“ (ein Kräuterschnaps) aus Oberhof.

Es war ein schöner Abend und ich fuhr fröhlich und gut gelaunt zurück ins „Dorf“ – natürlich mit einem Exemplar des Buches in der Tasche. Und der Überlegung, mich bald mal wieder auf den Weg nach Thüringen zu machen.

Bleiben Sie neugierig, es lohnt sich!
go
Foto (c) mw

2 Gedanken zu “Die Terminhure

  1. Danke für den interessanten Literatur-Tipp. Die beiden Bücher klingen ja sehr witzig. Bin gespannt und freue mich auf die Lektüre. Nur schade, dass ich die Lesung verpasst habe, obwohl Rhöntropfen wohl eher nicht mein Ding sind… 😉

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  2. Ich lese gerade „Herrentag“ und amüsiere mich köstlich über die lustigen Beschreibungen des faulen Anwalts Fickel! Genau das richtige für diese kalte Jahrszeit, in der man kaum Lust hat, einen Fuß vor die Tür zu setzen. Besten Dank für den Tipp! Julius

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