Berlin ab 50…

… und jünger

Mein Friseur und ich: Wir spießen auf!

20141212_165745_resized_1

(c) I.B.F.

Gestern war wieder einmal einer dieser Tage, an denen ich an der Erkenntnis, alt zu werden, nicht vorbeikam. Nichts Dramatisches, aber so ist es ja oftmals: Es sind meistens kleine Dinge, an denen man merkt: Hoppla, da geht nicht mehr so viel (der Buchtitel, auf den ich anspiele heißt genau umgekehrt. Das geht noch was. Von Gabi Westermann. Nur sehr bedingt zu empfehlen, das nebenbei).

Was war geschehen? Mein Friseur und ich hatten wieder einmal einen Schneidetermin. So weit, so gut. Nur leider: Nach dem Schneiden war mein Kopf mausgrau. Das eingefärbte Schwarz war mit dem Schneiden verschwunden, und es zeigte sich das, was man „Natur“ nennt. Die in meinem Fall eben leider nicht das wunderschöne silbrige Grau ist und auch nicht die grauen Strähnen, die doch so interessant machen. Sondern eben einfach mausgrau. Und das noch nicht einmal gleichmäßig! Selbstkritisch würde ich sagen: ein bisschen räudig.

Ich kenne das natürlich schon seit einigen Jahren, aber noch nie ist so schnell gegangen, dass die Farbe sich verflüchtigt. 3 bis 4 Wochen war es bislang immer ziemlich o.k., nun ist bereits nach 14 Tagen von gleichmäßiger Farbe nicht mehr zu reden.

Mein Friseur, der mich ja kennt und meinen „K(r)ampf“ mit der Farbe, war fast so betrübt wie ich. Und dann berichtete er mir von einem Forschungsprojekt, das derzeit von vielen Seiten vorangetrieben wird. Das, was er mir dann an Details offenbarte, hat mich nun doch ein wenig geheilt.

Und die sind so: Es wird mit viel Anstrengung versucht, ein Mittel zu finden, das von vornherein verhindert, dass Haare weiß werden. Es geht also nicht um ein chemisches, sondern um ein biologisches Mittel, das den normalen Ablauf im Körper beeinflusst.
Man stelle sich vor: Teams von Forschern sind damit ernsthaft beschäftigt. Viel Geld wird in die Hand genommen, um uns Menschen von unserer „Angst“ vor grauen Haaren als Zeichen des Alterungsprozesses zu befreien? Ist das nicht ziemlich verrückt?
Nun ließe sich einwenden, dass ja noch ganz andere Eingriffe am und im Körper vorgenommen werden, um die ewige Jugend vorzutäuschen. Das ist richtig. Aber dieser Eingriff in das Weißwerden der Haare ist von etwas anderer Natur – meine ich. Hier wird von Anfang an in einen Prozess eingegriffen, um seinen natürlichen Gang auszuhebeln. Es ist also kein nachträglicher Vorgang, sondern der Versuch, dass es gar nicht erst zu weißen Haaren kommt. Und das finden wir, mein Friseur und ich, überflüssig und übergriffig.

Wie das funktionieren soll? Man weiß, warum der Schopf grau wird: Haare sind pigmentierte Hornfäden. Wie in der Haut ist das Pigment Melanin für die Färbung verantwortlich. Und dieses Melanin wird in Pigmentzellen gebildet, den Melanozyten. Gibt es davon zu wenige, bildet der Körper zu wenige Farbpigmente – es beginnt die Depigmentierung, d.h. an der Stelle der Farbpigmente lagern sich Luftbläschen ab. Das Auge nimmt sie als weiß auf. Grau gibt es im eigentlichen Sinne also gar nicht; es ist die Mischung aus nicht pigmentierten, also weißen Haaren, und pigmentierten, die auf unser Auge grau wirkt.
Die Frage ist: Weshalb lagern sich keine Farbstoffe mehr ein? Die Antwort: Wenn wir älter werden, produzieren wir mehr Wasserstoffperoxid – Sie kennen es als Bleichmittel. Wasserstoffperoxid ist ein Nebenprodukt des Stoffwechsels und normalerweise wird es durch ein anderes Enzym, Katalase, wieder abgebaut.
Im Alter klappt das nicht mehr so gut. Das heißt, es bleibt zu viel davon im Körper. Und dieses Zuviel an Wasserstoffperoxid unterdrückt die Bildung von Farbstoffen.
Die Forscher arbeiten nun daran – so sagt mein Friseur – , eine Substanz zu finden, die dafür sorgt, dass das Haar in seiner natürlich Farbe nachwächst. Das bedeutet, dass dieses Mittel direkt an den Haarfollikel gebracht werden muss.
Das – so meinen sie – wäre das „Aus für Graus“. Und wir bleiben alle bis zum Lebensende natürlich gefärbt. Gefällt Ihnen das so gut, dass Sie dafür aufwändige Forschungen befürworten?

Leider, auch wenn wir das nicht wollen: Die Forschungsindustrie wittert ein großes Geschäft – und wird weiter forschen. Und die Kosmetikbranche: Sie wird an der neuen Substanz verdienen – das wird andere Verluste gewiss kompensieren.

Ich aber werde ganz gewiss bei der chemischen Nachhilfe bleiben. Selbst wenn es noch zu meinen Lebzeiten den großen Durchbruch gäbe. Lieber Nackenschmerzen beim Auswaschen und leichte Enttäuschung, wenn der Halbwertszeit der Farbe immer geringer wird. An meine Haarfollikel lasse ich niemanden heran!

Bleiben Sie uns, meinem Friseur und mir, auch in grau gewogen?

I.B.F.

Quelle: mein Friseur und Berliner Illustrierte, 2.11.2014

Ein Kommentar

  1. Dita

    BIsher galten meine grauen Haare allgemein als „interessant“ – seit geraumer Zeit sind sie lilafarben und ein großer Erfolg! Hauptsächlich junge Männer zwischen 17 und 27 äußern sich ungefragt total begeistert! WIe meine Mutter schon meinte: Ab 50 nehmen SIe rot, das hebt!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: