Berlin ab 50…

… und jünger

Es ist nie zu spät….

 

AmorIm Mai 2013 schrieb ich in diesem Blog, wie ich den Mann meines Lebens gefunden habe. Nun gibt es eine Fortsetzung.

Vor einigen Wochen bekam ich nun einen Heiratsantrag – und ich musste tatsächlich 60 Jahre alt werden, um mich freudig für die Ehe zu entscheiden.

In meiner Jugend, es waren die 70er Jahre, war „frau“ viel zu stolz darauf, selbstbestimmt zu agieren, als dass man heiratete. In diesen Jahren der noch jungen Emanzipation war es in meiner Umgebung eher verpönt, sich den bürgerlichen Vorgaben zu unterwerfen. Vielleicht mit Kindern, ok – da ist es etwas anderes. Aber so, nein, „frau“ kann ihr Leben allein und selbständig meistern, sie braucht keinen Mann an ihrer Seite, um ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft zu sein und die Miete kann sie auch allein erwirtschaften! Damals war es noch nicht so lange her, dass das Gesetz für die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Kraft getreten ist (1.Juli 1958 ) und damit der Mann nicht mehr das Letztentscheidungsrecht hatte. Bis dahin war er Familienoberhaupt und Haushaltsvorstand, ihm oblag die Erziehung der Kinder, ohne seine Zustimmung konnte  eine Ehefrau nicht arbeiten, so konnte er auch das Dienstverhältnis seiner Frau fristlos kündigen, er verwaltete das Vermögen, auch das seiner Frau, und besaß natürlich die alleinige Kontovollmacht. Erst seit 1977 wurde die gesetzlich vorgeschriebene Rollenzuteilung in der Ehe aufgehoben. Heute kann man sich das kaum mehr vorstellen, wirkt es wie aus uralten Zeiten – gottseidank ist vieles so selbstverständlich geworden, dass selbst mir es komisch vorkommt, dass wir eine Frauenquote bei Regisseuren oder Vorstandsmitgliedern festlegen müssen.

Also wozu heiraten? Wegen der Steuer? Nein! Wegen des gesellschaftlichen Ansehens? Weil eine Ehefrau mehr zählt? Nein! Wegen der Bindung? Nein, Gefühle lassen sich nicht festhalten…dass wusste ich aus meiner Familie nur zu gut. Es gab viele Scheidung und viele Ehen, die immer wieder gekittet wurden und am Ende doch nicht hielten, trotz großer Hochzeit mit Standesamt und Kirche, mit großer Feier und traditionellen Spielen wie den Brautstrauß werfen und Brautentführung. Alles nichts für mich – mir kamen alle Feiern, Vorbereitungen immer schon ein wenig zu „groß“ vor, zu sehr nach außen getragen, nur um der Welt zu zeigen, dass man sich an Regeln hält. Ich erinnere mich an viele, lange Diskussionen – nicht nur in meiner Studentenzeit.

Jetzt bin ich langsam in das Alter gekommen, in dem ich darüber IMG_9017nachdenke, dass es gut ist, seiner Beziehung einen offiziellen Halt zu geben – und das nicht nur wegen der kommenden möglichen Krankheiten. Inzwischen hat man im Laufe seines Lebens einige Erfahrungen sammeln müssen – und weiß, es ist einfacher als Ehepaar von Ärzten Auskunft zu bekommen, mögliche Entscheidung zu treffen. Das ist die pragmatische Überlegung. Die emotionale ist tatsächlich eine andere – ich habe nun bewiesen, dass ich mein Leben selbständig führen kann, ich muss mir nichts mehr beweisen. Dies ist ein angenehmer und sehr zufriedenstellender Zustand. Und somit ist auch die Vorstellung, zu heiraten, eine schöne. Ein Bekenntnis – nicht nur nach außen, sondern vor allem sich selbst und dem Partner gegenüber, eine Entscheidung füreinander. Im tiefen Bewusstsein, dass – und das ist vielleicht im Alter anders – diese Ehe meine erste und meine letzte sein wird. Zum einen hat man nicht mehr sein ganzes Leben vor sich, zum anderen kennt man sich selbst inzwischen besser als noch mit 20, kann sich besser einschätzen – was braucht man, liebt man, mag man oder auch, was erträgt man nicht so gut – und ich weiß auch, ohne es selbst mitgemacht zu haben, wie schwierig Scheidungen sind. Also ist jetzt mein „ja“ ein „ja, aus vollstem Herzen und kühlem Kopf“.

Vielleicht bin ich ein weniger weiser geworden, vermutlich ist es aber einfach der richtige Mann, Mr. Right, bei dem mir die Entscheidung für die Ehe wie selbstverständlich erscheint. Seit dem Tag, an dem das Hochzeitsdatum festgelegt werden konnte, bin ich eine „aufgeregte Braut“ – ein Zustand, der bis vor kurzem unvorstellbar für mich war. Das Glückgefühl lässt mich nicht mehr los – und ich bin dankbar, dass ich das erleben darf. Es einfach nie zu spät, neue Erfahrung zu machen.

Bleiben Sie neugierig, es lohnt sich immer.
go

4 Kommentare

  1. EW

    Zu Tränen gerührt beim Lesen dieser Liebesbotschaft und von Herzen aufrichtig glücklich, weil ich weiss: das kann nur gut gehen!! Euch Beiden wünscht man alles Glück der Welt! EW

  2. Es ist schon interessant, das Sie nach einem langen Leben als „single“ sich zu dem Entschluss zu heiraten, entschlossen haben. Wir, meine Frau und ich, sind schon 58 Jahre verheiratet. Ob wir die „Richtigen“ für einander sind können wir nur vermuten. Als wir damals heirateten, wollten wir eigentlich immer nur zusammen sein. Nur uns gegenseitig auf unseren Stuben besuchen wollten wir ganz und gar nicht. Heute ist das alles ganz anders und das Zusammenleben kann einfacher eingerichtet werden.

    Was sie alles anführen, was früher ein Mann und eine Frau darstellten, kam uns überhaupt nicht in den Sinn. Wir waren kein Untertan des Anderen. Wenn die Gesellschaft uns schon nicht gleichberechtigt gesehen hat so taten wir es auf jeden Fall.

    Für das gemeinsame Leben schicke ich die besten Wünsche. Natürlich auch Frohe Weihnachten.

    • Lieber Pethan,
      danke für die guten Wünsche!
      eine kleine Anmerkung zu Ihrem Kommentar sei aber erlaubt: Zusammen sein und zusammen ziehen wollten wir auch, dazu brauchte es aber keinen „Trauschein“! Es gab keine Notwendigkeit mehr. Von der Wichtigkeit der Emanzipationsbewegung bin ich überzeugt, auch wenn ich keine Feministin war und bin. Und wir haben viel erreicht, vieles ist davon heute selbstverständlich – gottseidank!
      Auch Ihnen und Ihrer Familie „merry christmas“
      go

  3. Dita

    Die allerherzlichsten Glückwünsche für die klugen Spätentschiedenen und hoffentlich nie Geschiedenen!

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